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Die Kriegsgefangenschaft aus der Perspektive des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" 1947–1955

Title: Die Kriegsgefangenschaft aus der Perspektive des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" 1947–1955

Bachelor Thesis , 2015 , 35 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Tabea Leu (Author)

Communications - Journalism, Journalism Professions
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Die frühe Nachkriegszeit war durch eine große Ungewissheit in der Gesellschaft geprägt. Modernität und Wirtschaftswunder der 1950er Jahre brachten einen bisher unbekannten wirtschaftlichen Wohlstand, der Wiederaufbau war nach den "Trümmerjahren" in vollem Gange, ließ jedoch die Zerstörung durch den Zweiten Weltkrieg nicht ganz vergessen. Die Stimmung in der Gesellschaft war durch die Unsicherheit über den eigenen sozialen Status, die ökonomische Versorgung, die politische Instabilität und sich verändernde gesellschaftliche Leitbilder nach dem verlorenen Krieg und der bedingungslosen Kapitulation geprägt.

Einige Themen schafften es jedoch, die Massen zu polarisieren, darunter vor allem Gefangenschaft und Heimkehr. Die massenhafte emotionale Ergriffenheit lässt sich auf der einen Hand darauf zurückführen, dass nach dem Krieg beinahe jeder Haushalt von der Kriegsgefangenschaft betroffen war. Noch 1950 fühlten sich 40% aller Befragten der Allensbacher Studie vom Diskurs der Kriegsgefangenschaft unmittelbar angesprochen. Auf der anderen Seite ließ die Brisanz des Themas durch die vermissten Kriegsgefangenen in der Sowjetunion sowie die Härte und Dauer ihrer Gefangenschaft nicht nach. Auch wenn die meisten alliierten Gefangenen bis zum Jahresende 1948 repatriiert waren, wurde das Schicksal der in sowjetischer Gefangenschaft Zurückgebliebenen und Vermissten sowie die verspätete Rückführung von meist psychisch und physisch kranken Heimkehrern durch die Medien wachgehalten. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass das Thema Kriegsgefangenschaft in Zeitungen, Zeitschriften und Wochenschauberichten der frühen Nachkriegszeit eine große Resonanz fand.

Die Betrachtung des Themas Kriegsgefangenschaft aus Perspektive einer Zeitschrift ist zweckmäßig, da sie im Gegensatz zu einer Zeitung nicht an tagesaktuelle Ereignisse gebunden ist, sondern an die Schwerpunktsetzung und die Interessen der Redaktionsgruppe. Aktualität ist nicht maßgebendes Element einer Zeitschrift und ermöglicht daher eine, vom tages- und weltpolitischen Geschehen unabhängige Analyse. Die Perspektive der Zeitschrift der SPIEGEL auf Kriegsgefangenschaft ist aus mehreren Gründen interessant und sinnvoll.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung – Themenwahl und Fragestellungen

2 Die Perspektive des SPIEGEL auf Kriegsgefangenschaft

2.1 Der Einsatz von Einzelschicksalen im SPIEGEL

3 Das Lagerleben der Kriegsgefangenen in alliierter Haft

3.1 Kriegsgefangene in westlichen Gefangenenlagern – USA, England und Frankreich

3.2 Kriegsgefangenschaft in östlichen Gefangenenlagern – Sowjetunion und Polen

4 Heimkehr aus Kriegsgefangenschaft

4.1 Integration ehemaliger Kriegsgefangener in die Gesellschaft der frühen Nachkriegszeit

4.2 Psychische und physische Folgen von Kriegsgefangenschaft

5 vermisste und zurückgebliebene Kriegsgefangen – eine Diskussion um Zahlen und Humanität

6 „Was der Mensch sät, das wird er ernten; wer auf das Fleisch sät, wird vom Fleisch das Verderben ernten.“ (Gal.6,7)

7 „Herr Bundeskanzler, denken Sie an unsere Kriegsgefangenen!“ – Die Reise Adenauers nach Moskau im Jahr 1955

8 Wahrnehmung und Nichtwahrnehmung von Kriegsgefangenschaft im SPIEGEL – eine Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Berichterstattung des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" über das Thema Kriegsgefangenschaft und Heimkehr im Zeitraum von 1947 bis 1955. Ziel ist es, die publizistische Rolle des Magazins als investigatives Medium zu bewerten, die Entwicklung der Themenschwerpunkte nachzuzeichnen und zu analysieren, ob und wie das Magazin zur gesellschaftlichen Aufarbeitung dieser zentralen Nachkriegsthematik beigetragen hat.

  • Analyse der redaktionellen Strategien und des Einsatzes von Einzelschicksalen als Vermittlungsinstrument.
  • Vergleich der Berichterstattung über alliierte Gefangenschaft in West und Ost.
  • Untersuchung der Integration ehemaliger Kriegsgefangener in die frühe Bundesrepublik.
  • Reflektion über psychische und physische Folgen der Gefangenschaft sowie deren Wahrnehmung durch Medien und Gesellschaft.
  • Kritische Würdigung der Rolle Adenauers und der "Moskau-Reise" von 1955 im Spiegel der Berichterstattung.

Auszug aus dem Buch

Die Perspektive des SPIEGEL auf Kriegsgefangenschaft

Wird die Berichterstattung einer Zeitschrift analysiert, müssen auch publikationswissenschaftliche Aspekte angesprochen werden. Gerade das Thema Kriegsgefangenschaft und die damit verbundene Heimkehr dieser bietet großes Potenzial die Leser betroffen und emotional zu machen, im Besonderen durch die Personalisierung des Leids sowie die Darstellung von Einzelschicksalen. Diese Emotionalität und hohe Betroffenheit der Gesellschaft wurde aktiv von der Redaktion genutzt und muss bei der Analyse bedacht werden.

Die Themenauswahl durch die Redaktion ist Zwängen, wie der Selektion unterworfen. Es wird berichtet, worauf die Leser warten, worauf niemand gewartet hat oder auch was eine Scheinrealität heuchelt. Nur durch plötzliche Veränderungen, Unerwartetes oder Regelwidriges hat ein Ereignis die Chance, in das Blickfeld der Öffentlichkeit zu gelangen. Der SPIEGEL war in seiner Berichterstattung immer von gesellschaftlichen Ereignissen sowie politischen Diskursen der frühen Nachkriegszeit abhängig und prägte dadurch in wechselseitiger Abhängigkeit die Gesellschaft und die Wahrnehmung der Leser auf Kriegsgefangenschaft. Wünsche, Hoffnung und Furcht der Gesellschaft wurden wahrgenommen, durch Berichterstattung bestätigt, geschürt oder gelindert und hatte somit Anteil an der Entwicklung der Gesellschaft der frühen Nachkriegszeit.

Um die Perspektivität des SPIEGEL auf Kriegsgefangenschaft einschätzen zu können, ist es elementar, den damaligen Wissenstand der Bevölkerung über Kriegsgefangenschaft und Heimkehr durch die Analyse wissenschaftlicher Arbeiten der Zeit, Heimkehrerberichten oder prosaischen Ausführungen zu erfassen. Wichtig ist es hierbei, zu erfassen, ob, in welcher zeitlichen Beziehung und welchem inhaltlichem Umfang der SPIEGEL diese Themen anspricht.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung – Themenwahl und Fragestellungen: Das Kapitel führt in die gesellschaftliche Stimmung der frühen Nachkriegszeit ein und begründet die Relevanz der Untersuchung von Kriegsgefangenschaft als zentralem, emotionalem Thema der Zeit.

2 Die Perspektive des SPIEGEL auf Kriegsgefangenschaft: Hier werden die medienwissenschaftlichen Rahmenbedingungen der Berichterstattung analysiert, insbesondere die Nutzung von Einzelschicksalen zur emotionalen Ansprache der Leserschaft.

3 Das Lagerleben der Kriegsgefangenen in alliierter Haft: Dieses Kapitel vergleicht die Berichterstattung über westliche Gefangenenlager mit derjenigen über die Sowjetunion und Polen, wobei die unterschiedlichen Bedingungen und Umerziehungskonzepte im Vordergrund stehen.

4 Heimkehr aus Kriegsgefangenschaft: Der Fokus liegt hier auf dem komplexen Prozess der Heimkehr, der sozialen Integration in die Nachkriegsgesellschaft sowie der Thematisierung psychischer und physischer Folgeschäden.

5 vermisste und zurückgebliebene Kriegsgefangen – eine Diskussion um Zahlen und Humanität: Das Kapitel beleuchtet den kontroversen "Kampf der Zahlen" und die Rolle des Magazins bei der Suche nach Vermissten sowie dem diplomatischen Ringen um deren Freilassung.

6 „Was der Mensch sät, das wird er ernten; wer auf das Fleisch sät, wird vom Fleisch das Verderben ernten.“ (Gal.6,7): Die Analyse konzentriert sich auf die Berichterstattung über Kriegsverbrechen, Kameradenschindereien und die Frage nach individueller Schuld der Gefangenen.

7 „Herr Bundeskanzler, denken Sie an unsere Kriegsgefangenen!“ – Die Reise Adenauers nach Moskau im Jahr 1955: Ein detaillierter Blick auf die politische Berichterstattung über die Moskaureise Adenauers und deren Bedeutung für die Heimkehr der letzten Gefangenen.

8 Wahrnehmung und Nichtwahrnehmung von Kriegsgefangenschaft im SPIEGEL – eine Zusammenfassung: Abschließend werden die Ergebnisse zusammengefasst und das Magazin in seiner Rolle als informierendes, aber auch selektives Medium kritisch gewürdigt.

Schlüsselwörter

Der Spiegel, Kriegsgefangenschaft, Heimkehr, Nachkriegszeit, Sowjetunion, alliierte Haft, Vermisste, Integration, Adenauer, Moskaureise, investigative Berichterstattung, Einzelschicksale, Umerziehung, Lagerleben, Vergangenheitsbewältigung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" zwischen 1947 und 1955 über das Schicksal deutscher Kriegsgefangener berichtete und welche Rolle diese Berichterstattung im Kontext der frühen Nachkriegsgeschichte einnahm.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit fokussiert auf die Darstellung des Lagerlebens, die Problematik der Rückkehr und Integration in die Gesellschaft, die politische Debatte um Vermisste sowie die Aufarbeitung von Kriegsverbrechen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die kritische Evaluation der journalistischen Arbeit des "Spiegel", insbesondere im Hinblick auf den Anspruch des Magazins, ein unabhängiges, investigatives Medium zu sein, und dessen tatsächliche Wirkung auf die gesellschaftliche Wahrnehmung.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine medienhistorische Analyse, die Printartikel des "Spiegel" im untersuchten Zeitraum systematisch auswertet und diese mit zeitgenössischer Literatur, Berichten von Heimkehrern und dem gesellschaftlichen Kontext abgleicht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die inhaltliche Aufarbeitung der verschiedenen Haftbedingungen (West vs. Ost), die Schwierigkeiten der Heimkehrer, die politische Diskussion um Statistiken und diplomatische Verhandlungen sowie die kritische Reflektion über das, was das Magazin im Vergleich zur allgemeinen Berichterstattung aussparte.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Kriegsgefangenschaft, Heimkehr, Der Spiegel, Nachkriegsgeschichte, Integration, Vermisste und investigative Publizistik.

Wie unterscheidet sich die Berichterstattung des SPIEGEL von anderen Illustrierten?

Der "Spiegel" zeichnet sich im Vergleich zu Illustrierten wie "Quick" oder "Stern" durch eine politischere, nüchternere und kritischere Distanz aus, anstatt auf eine rein emotionale oder inszenierte Darstellung (z.B. "Happy End"-Geschichten) zu setzen.

Welche Lücke in der Berichterstattung identifiziert die Autorin?

Die Arbeit kritisiert, dass das Magazin die Thematik der "zivilen Kriegsgefangenen" nahezu vollständig ignorierte und sich bei der Integration von Spätheimkehrern auffallend passiv verhielt, anstatt aktiv aufklärend einzugreifen.

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Details

Title
Die Kriegsgefangenschaft aus der Perspektive des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" 1947–1955
College
University of Potsdam
Grade
1,7
Author
Tabea Leu (Author)
Publication Year
2015
Pages
35
Catalog Number
V418413
ISBN (eBook)
9783668675599
ISBN (Book)
9783668675605
Language
German
Tags
Kriegsgefangenschaft Spiegel Nachrichtenmagazin Nachkriegszeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Tabea Leu (Author), 2015, Die Kriegsgefangenschaft aus der Perspektive des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" 1947–1955, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/418413
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