Syrien unter französischer Mandatsherrschaft 1920-1946


Studienarbeit, 2016
29 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Die Vorgeschichte von Frankreichs Mandatsherrschaft über Syrien - ein kurzer Einblick
2.1 Unterstützen der Unabhängigkeitsbestrebungen versus Etablieren der Mandatsherrschaft - ein doppeltes Spiel der Gewinner?!

3 Völkerbundbestimmung und Konferenzen - die Legalisierung der Mandatsherrschaft .

4 Die Mandatsherrschaft Frankreichs über Syrien
4.1 Divide et impera - das Herrscherprinzip Frankreichs
4.2 Die poltische Landschaft
4.2.1 Die verschiedenen Verfassungsentwürfe und die Ablehnung durch Frankreich
4.3 Politische Proteste und ihre Auswirkungen
4.3.1 Der Große Syrische Aufstand 1925 - 1927
4.4 Die innenpolitische Situation
4.4.1 Die wirtschaftliche Situation
4.4.2 Die finanzielle Situation in Syrien
4.4.3 Das Zivilrecht Syriens
4.5 Ethnien, Identitäten und Ideologien während der Mandatsherrschaft

5 Syrien während des Zweiten Weltkriegs und das Ende der Mandatszeit

6 Syrien als autonomer Staat ab 1946 - ein kurzer Ausblick

7 Literaturverzeichnis

8 Anhang

1 Einleitung

Der Motivation der Bilad al-scham, der Länder Syriens, als autonomer Staat aus dem Osmanischen Reich hervorzugehen und dafür auch Bündnisse und Kämpfe zu riskieren, wurde durch den Sturz der konstitutionellen Monarchie unter König Faisal I 1920 und dem Völkerrechtsmandat Frankreichs über dieses Gebiet ein herber Rückschlag erteilt. Bei den Ländern Syriens sprechen wir von einem Gebiet, was das heutige Syrien, den Libanon, Jordanien und Palästina umfasst. Erst mehrere Aufstände, internationale Protestnoten, verschiedenste Verfassungsentwürfe und die Unterstützung durch internationale Partner haben die Mandatsherrschaft Frankreichs beendet.[1] „Die Geschichte der folgenden Jahrzehnte sollte wesentlich im Zeichen des Kampfes der nationalistischen Eliten um Unabhängigkeit und Selbstbestimmung stehen“, gibt der Islamwissenschaftler Udo Steinbach als Zusammenfassung der Mandatszeit an.[2] Historiker Karl Weiss spricht 1940 von einer „Unfähigkeit der Alliierten, in den von ihnen beherrschten Räumen gerechte und dauernde politische Ordnungen zu schaffen“, wie es durch die Völkerrechtbestimmung 22 festgelegt war.[3]

Auf welchen rechtlichen Grundlagen übernahm Frankreich das Mandat über die Länder Syriens? Welchem außenpolitischen Konzept entsprachen die Mandate? Und inwiefern wurden diese Bestimmungen gebrochen, oder kann Frankreich als Unterstützer eines nach Autonomie strebenden Volkes gelten? Dies soll hier eingehend diskutiert werden. Auch die Motivation Frankreichs und am Rande auch Englands soll beleuchtet werden. Können die Mandate im imperialistischen Sinne als „Aufteilung des gesamten arabischen Raumes in Herrschafts- und Einflusszonen europäischer Mächte“ interpretiert werden?[4] Die Mandatszeit im spezielle bedarf genauer Betrachtung. Wie unterstützte Frankreich Syrien im Erlangen der Selbstverwaltung und Souveränität und welche Prinzipien werden eingesetzt? Um ein Bild der Bevölkerung und des Staates zwischen 1920 und 1946 zu bekommen wird auch noch genauer auf die innenpolitische Situation sowie die politische Landschaft eingegangen. Udo Steinbach beschreibt die Lage der arabischen Länder unter den Mandaten wie folgt:

Zunächst freilich waren die europäischen Mächte anhaltend bemüht, ihren Einfluss auf die poltische Entwicklung in den von ihnen dominierten arabischen Staaten zu wahren. Auch wenn sie zunehmend in die Defensive gerieten und nicht verhindern konnten, dass einige arabischen Staaten die formale Unabhängigkeit erreichten bzw. ihr näher kamen, suchte sie ihre wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Interessen durchzusetzen.“[5]

Inwiefern diese Aussage als zutreffend eingestuft werden kann oder als Missinterpretation der Mandate gelten muss, soll Anliegen der vorliegenden Arbeit sein.

Hierbei wird aktuelle Forschungsliteratur, im speziellen von dem Islamwissenschaftler Udo Steinbach, dem Historiker Michael Provence, der juristischen Auslegung von Katrin Schmauder, sowie dem Politikwissenschaftler Raymond Hinnebusch, herangezogen. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Werk von Karl Weiss, der 1940 seine Ausführungen über Frankreichs Einfluss in Syrien in Berlin veröffentlichte. Seine Aussagen und Erkenntnisse, so provokant sie teilweise sind und auch geschichtswissenschaftlich kritisch betrachtet werden müssen, finden in der aktuellen Literatur oft Bestätigung und werden daher für diese Ausführung als Gegenüberstellung und Erweiterung herangezogen.

Die Literatur hat verschiedenste Bezeichnungen für die Zeit von 1920 bis 1946 in Syrien, die zwischen sachlich, anklagend und radikal schwanken. Ich möchte mich hier klar auf die Formulierung der Mandatsherrschaft beschränken. Laut Völkerrechtsbestimmung 22 ist der rechtliche Ausdruck für die Fremdverwaltung eines Staates das Mandat. Jedoch soll die Erweiterung um den Begriff ´Herrschaft` die Brisanz und Uneindeutigkeit der Rolle Frankreichs in Syrien deutlich machen. Ich lehne Kolonialmacht als zu radikal und Verwaltung als zu sachlich und beschönigend ab.

2 Die Vorgeschichte von Frankreichs Mandatsherrschaft über Syrienein kurzer Einblick

Eine Frage, die sich unweigerlich stellt, wenn Frankreichs Mandatsherrschaft über Syrien von 1920 bis 1946 betrachtet wird, ist, warum gerade Frankreich einen Anspruch auf das Gebiet erhebt und bekommt. Auch von Seiten Englands sind Zugeständnisse und Ansprüche zu erkennen, worauf später eingegangen werden soll. Schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts kann der Einfluss Frankreichs als Schutzmacht für die im Osmanischen Reich, und somit auch im Bilad al-scham, lebenden katholischen Christen verzeichnet werden. Auch Investitionen im Bankenwesen, im Handel, der Infrastruktur sowie eine Ausbeutung natürlicher Rohstoffe sind zu diesem Zeitpunkt erkennbar.[6] Hier könnten erste Vermutungen aufgestellt werden, dass dieser Einfluss und die Investitionen eine Motivation für Frankreich darstellten, diesen nach dem Ersten Weltkrieg zu festigen. Betrachtet man die Investitionen in die Wirtschaft Syriens durch die Mandatsmacht, kann diese Vermutung nur bestätigt werden, da während der Mandatszeit in die gleichen Sektoren investiert wurde, wobei Industrie und Landwirtschaft abermals vernachlässigt wurden. Auch der Islamwissenschaftler Udo Steinbach geht davon aus, dass der Einflussgewinn der Mandatsmächte im Osmanischen Reich stückweise von Statten ging, um über Jahrzehnte ausgeprägte macht- und wirtschaftspoltische Interessen zu festigen. Auch ist laut Steinbach eine Strategie seitens Englands zu erkennen, bei der eine Schwächung des Osmanischen Reichs das Gleichgewicht im europäischen Raum nicht gefährden durfte wobei jedoch auch kein Raum für russischen Einfluss gelassen werden sollte, da sich Russland schon auf dem Balkan und im östlichen Mittemeerraum ausgebreitet hatte. Überraschenderweise unterstellt Steinbach den europäischen Mächten trotzdem keinen imperialistischen Plan für das Vordringen in den südlichen und östlichen Mittelmeerraum.[7]

Jedoch ist der Hauptgrund für die externe Verwaltung Syriens durch einen Alliierten die Teilnahme des Osmanischen Reichs am Ersten Weltkrieg auf Seiten der Achsenmächte. Die Teilnahme lässt sich einmal durch eine Verpflichtung zu Deutschland, jedoch auch durch den Willen, neue Perspektiven für die arabischen Welt zu schaffen, begründen. Mehrere arabische Staaten hatten auch noch nach der Niederlage auf Unabhängigkeit gehofft, jedoch hatten die Alliierten anderen Pläne mit dem nun zerfallenen Osmanischen Reich.[8] Laut Karl Weiss wurde das gesamte Reich von den Siegern aufgeteilt und fremdverwaltet.[9]

2.1 Unterstützen der Unabhängigkeitsbestrebungen versus Etablieren der Mandatsherrschaft - ein doppeltes Spiel der Gewinner?!

Um den Weg Syriens in die französische Mandatsherrschaft, sowie den Kampf um die eigene Unabhängigkeit nachvollziehen zu können, muss in die Zeit des Ersten Weltkriegs und früher zurück gegangen werden. Auf der einen Seite gab es die gesellschaftlichen Veränderungen durch das Landrecht von 1858, durch das sich eine neue Beamtenschicht, neue Bildungseinrichtungen sowie eine differenzierte Presselandschaft herausbildeten. Folge dessen war eine neue kulturelle, literarische aber zunehmend auch politische Diskussion zwischen den Schichten und Geschlechtern welches zu einem nationalen Erwachen des syrischen Volkes führte. Langsam regten sich politische - reformerische und emanzipatorische Forderungen.[10] Dies uferte schließlich in die Hussein-McMahon-Korrespondenz, bei der sich die britische Seite bereit erklärte, das syrische Volk bei seinen Unabhängigkeitsbestrebungen zu unterstützen. „Großbritannien verpflichtet sich zur Bildung eines arabischen Reiches, das unabhängig sein soll - in jeglichem Sinn des Wortes Unabhängigkeit […].“, bestätigt Karl Weiss die Korrespondenz.[11] Dieser Meinung schienen auch die Unabhängigkeitskämpfer zu sein, als sie dem Ruf des Scherifen von Mekka, Husain ibn Ali, am 5.Juni 1916 folgten und gegen die osmanische Fremdherrschaft kämpften. Sein Sohn Faisal sollte, bestärkt durch die Briten, die Rolle des monarchischen Herrschers einnehmen.[12] Udo Steinbach macht jedoch auch deutlich, dass die Unabhängigkeitsbewegung schon zu diesem Zeitpunkt zwar einend nationalistisch war, jedoch „unterschiedliche Vorstellungen von der Beschaffenheit und der Ausdehnung der Nation“ vorlagen. Auch war unklar, inwiefern diese Unabhängigkeit im Kooperation oder Konfrontation mit den Briten stattfinden wird.[13] Berechtigtes Misstrauen auf Seiten der Syrer ist hier erkennbar. Die schon durch Karl Weiss beschriebene Proklamierung der Unabhängigkeit durch Faisal, die Bestätigung als konstitutionelle Monarchie sowie der Aufbau einer eigenen Verwaltung wird durch die Ausführungen von Steinbach bestätigt.[14] Faisal rief die konstitutionelle Monarchie am 8. März 1920 mit einer Verfassung aus, die Gleichheit vor dem Gesetz, die individuelle Gleichstellung der Bürger sowie die Freiheit der Glaubensausübung garantierte.[15] Er war sich seiner unsicheren Stellung, spätestens nach der ignoranten Haltung Seitens Englands und Frankreichs in Paris, nur zu sicher, weswegen er gewillt war, Kompromisse einzugehen und Beziehungen zwischen Arabern und Juden zu akzeptieren, sowie eine britische Verwaltung der zionistischen Gebiete, wobei er eine zionistische Staatsgründung stringent ablehnte.[16] Diese kurze Monarchie wurde durch den Einmarsch französischer Truppen am 12. Juni 1920 gestürzt. Forderungen waren die Abschaffung des arabischen Wehrsystems, die Einführung französischer Währung, die Annahme des Mandats sowie die Bestrafung der aufständischen Führer.[17] Faisal floh kurze Zeit später in den Irak und baute dort, durch die Briten abermals bestärkt, eine Monarchie auf.

Grundlage des Einmarschs Frankreichs war die Einigung zwischen England und Frankreich über die Aufteilung des Osmanischen Reichs, welche als Sykes - Picot Abkommen in die Bücher einging. Schon 1915 wurden die ersten Pläne zur Aufteilung geschmiedet, wobei hier die Ansprüche Frankreichs auf Teile des Südosten Anatoliens, Syriens und der Heiligen Stätten in Palästina deutlich wurden.[18] 1940 stellte Karl Weiss in Berlin die Theorie auf, dass die Vormachtstellung der Alliierten im arabischen Raum von langer Hand geplant war und die Unterstützung der syrischen Unabhängigkeitsbewegung das Osmanische Reich aktiv und intrinsisch schwächen sollte, um dann das Reich untereinander aufzuteilen.[19] Unabhängig von der deutschen Position im Ersten und Zweiten Weltkrieg und der dahingehenden Kritik der Perspektive eines deutschen Historikers, kann diese Theorie nicht von der Hand gewiesen werden auch dadurch, dass sie durch spätere Forschungen nicht negiert wird. Schon 1918 veröffentlichten England und Frankreich eine gemeinsame Erklärung. Maßgebend soll hier das Selbstbestimmungsrecht der Völker im arabischen Raum sein, um eine neue Ordnung zu schaffen.

„Das Endziel Frankreichs und Englands in dem durch deutschen Ehrgeiz entfesselten Krieg im Osten ist die endgültige Befreiung der so lange von den Türken unterdrückten Völker, sowie die Gründung einer nationalen Regierung und Verwaltung, die sich auf die Initiative und freie Wahl der eingeborenen Bevölkerung stützt.[…] Die Alliierten sind weit davon entfernt, der Bevölkerung dieser Gebiete irgendwelche besondere Einrichtungen aufzuzwingen; sie haben vielmehr keinen anderen Wunsch, als durch ihre Unterstützung und ihren wirksamen Beistand einen geregelten Verlauf der Regierung und Verwaltung, die sich die Bevölkerung selbst gegeben hat, zu gewährleisten.“[20]

Warum haben diesen beiden Staaten dann folglich nicht die Unabhängigkeitsbestrebungen der syrischen Bevölkerung unterstützt und die konstitutionelle Monarchie unter Faisal anerkannt?

Durch das besiegelte Sykes - Picot Abkommen vom 15.Mai 1916 wurde der arabische Raum und damit Einfluss und Macht aufgeteilt. Frankreich sollte das großsyrische Gebiet offiziell zugesprochen werden.[21] Trotz liberaler Bemühungen auf Seiten der Amerikaner (Wilsons 14 Punkte Programm) nach dem Sieg im Ersten Weltkrieg, hielten die europäischen Mächte an ihrem Einfluss fest. Auf der Pariser Friedenskonferenz 1919, auf der wie schon erwähnt auch Faisal anwesend war, wurden die imperialistischen Bemühungen deutlich, die eigenen politischen, strategischen und wirtschaftlichen Interessen zu gewährleisten. Selbst der Widerspruch zwischen dem Sykes - Picot Abkommen und der Hussein-McMahon-Korrespondenz schien die Mächte nicht abzuhalten.[22] Ob England bewusst doppeltes Spiel spielte, die gegensätzlichen Abkommen nicht frühzeitig intern kommuniziert wurden oder die doppelte Strategie eine Sicherheit für England bedeutet, kann nicht abschließend geklärt werden. Es kann nur eine Vermutung aufgezeigt werden, da der Irak früher die Unabhängigkeit unter Faisal erlangte als das französisch verwaltete Syrien.

3 Völkerbundbestimmung und Konferenzen - die Legalisierung der

Die Nachkriegszeit ist, bezogen auf die Entwicklung Syriens, durch zwei Ereignisse geprägt. Das waren einmal die Völkerbundbestimmungen von 1919 und auf der anderen Seite die Konferenz von San Remo im April 1920. Natürlich sind der Vollständigkeit halber auch der Vertrag von Sèvres im August 1920, bei der die Aufteilung des Osmanischen Reichs formell besiegelt wurde, sowie der Vertrag von Lausanne vom Juli 1923, bei dem die Türkei eine höhere Autonomie zugesprochen bekam, zu nennen. Jedoch wurden auf der Konferenz von San Remo, sowie durch den neu gegründeten Völkerbund, welcher als Ergebnis der Pariser Friedenskonferenz, auf der auch Syrien teilgenommen hatte, hervorging, die Verteilung der Interessengebiete in Form von Mandaten durch die Großmächte entschieden. Diese Mandate wurden 1922 nochmals formell vom Völkerbund bestätigt. Eine genaue Auflistung der Gebietsverteilung soll hier nicht stattfinden. Jedoch kann allgemein genannt werden, dass die Gebiete um Syrien und den Libanon an die französische Verwaltung, sowie Palästina und Irak an England unterstellt wurden.[23] Aber was genau sagt der Völkerbund nun aus und wie soll die Verwaltung durch Mandate aussehen? Gerade im Hinblick auf den den Ersten Weltkrieg auslösenden Imperialismus muss diese neuartige Verwaltungsform näher betrachtet werden.

Der Artikel 22 der Völkerbundsatzung zu internationalen Mandaten sagt folgendes aus:

„Gewisse Gemeinwesen, die ehemals zum Türkischen Reiche gehörten, haben eine solche Entwicklungsstufe erreicht, daß sie in ihrem Dasein als unabhängige Nationen vorläufig anerkannt werden können, unter der Bedingung, daß die Ratschläge und die Unterstützung eines Mandatars ihre Verwaltung bis zu dem Zeitpunkt leiten, wo sie imstande sein werden, sich selbst zu leiten. Bei der Wahl des Mandatars sind in erster Linie die Wünsche jener Gemeinwesen zu berücksichtigen.“[24]

Udo Steinbach und auch Karl Weiss gehen in ihren Ausführungen auf die Auslegung dieser Bestimmung ein. Während Weiss die Mandate noch als „imperialistische Gelüste der Staaten“ betitelt und anmerkt, dass Frankreich sich selber nicht am Freiheitskampf im arabischen Raum beteiligt hatte, im Gegensatz zu England. Er beschreibt die Definition des Mandats als Mittel der Annexion über Gebiete und Länder. Theoretisch sollte die Mandatsverwaltung der einheimischen Verwaltung bei der Erarbeitung einer eigenen Verfassung und demokratischen Wahl helfen, bei der die Rechte, Interessen und Wünsche des gesamten Volkes berücksichtigt werden. Praktisch sieht er die Mandate als Überwachung durch ein System internationaler Mandate bei denen nur äußerlich eine selbstständige Form dieser Länder geschaffen wurde anstatt tatsächliche Unabhängigkeit zu fördern.[25] So kritisch Worte eines deutschen Historikers dieser Zeit gesehen werden müssen, so bestätigt sich seine Kritik durch die Retrospektive auf die Mandatsherrschaft Frankreichs über Syrien. Steinbachs Interpretation fällt sachlicher aus. Er betont die Gründung des Völkerbunds mit dem Ziel, Frieden in der Welt zu sichern und die Grundlage des Völkerbunds in den 14 Punkten Wilsons und Immanuel Kants Schrift von 1795 „Zum ewigen Frieden“. „Der Völkerbund würde ´fortgeschrittenen` Nationen die Vormundschaft über solche Völker einräumen, die einstweilen noch nicht imstande seien, sich selbst zu leiten.“[26] Hier wird die Problematik der Definition eines Mandats deutlich. In den Völkerbundbestimmungen wird von einer vorläufigen Anerkennung der Unabhängigkeit und einer Unterstützung durch die Mandatsherrschaft bis zur vollständigen Unabhängigkeit gesprochen. Steinbach spricht von Völkern, die einstweilen noch nicht in der Lage wären, sich selber zu verwalten. Jedoch wird nicht genau festgelegt, welche Stadien der Selbstverwaltung erreicht werden müssen, um ohne oder mit dem Mandat zu herrschen, wodurch der Mandatsmacht ein großer Handlungsspielraum zur selbstständigen Auslegung gegeben wird. Dies wird im Falle von Frankreichs Verantwortung gegenüber Syrien mehrfach missbraucht.

[...]


[1] Vgl. Schmauder, Katrin: Das Darlehen im Syrischen Kulturraum. Geschichte und Gegenwart: rechtshistorische und rechtsvergleichende Betrachtung. Lit Verlag. Münster 1998 In: Sandrock, Otto/ Großfels, Bernhard (Hrsg.): Münsteraner Studien zur Rechtsvergleichung. Band 24, S. 108

[2] Steinbach, Udo: Die arabische Welt im 20. Jahrhundert. Aufbruch - Umbruch - Perspektiven. Kohlhammer Verlag. Stuttgart 2015, S. 51

[3] Weiss, Karl: Frankreichs Verrat an Syrien. Tatsachen und Berichte. Selbstverlag. Berlin 1940, S. 6

[4] Steinbach 2015, S. 48 Modularbeit Tabea Leu 4

[5] Steinbach 2015, S. 51

[6] Vgl. http://www.bpb.de/apuz/155119/syrien-ein-historischer-ueberblick, letzter Zugriff 02.08.2016

[7] Vgl. Steinbach 2015, S. 36

[8] Vgl. ebd., S. 36

[9] Vgl. Weiss 1940, S. 7

[10] Vgl. http://www.bpb.de/apuz/155119/syrien-ein-historischer-ueberblick, letzter Zugriff 02.08.2016

[11] Weiss 1940, S. 8

[12] Vgl. Steinbach 2015, S. 43/ Provence, Michael: The Great Syrian Revolt and the Rise of Arab Nationalism. University of Texas Press. Austin 2005, S. 12

[13] Steinbach 2015., S. 44

[14] Vgl. Weiss 1940, S. 14/ Steinbach 2015, S. 46

[15] Vgl. ebd., S. 48

[16] Vgl. ebd., S. 46f.

[17] Vgl. Weiss 1940, S. 15

[18] Vgl. Steinbach 2015, S. 37

[19] Vgl. Weiss 1940, S. 7

[20] Ebd., S. 10f.

[21] Vgl. Steinbach 2015, S. 38

[22] Vgl. Steinbach 2015, S. 45

[23] Vgl. ebd., S. 49

[24] Weiss 1940, S. 12/ http://www.versailler-vertrag.de/vv1.htm, letzter Zugriff 27.4.16/ Steinbach 2015, S. 49

[25] Vgl. Weiss 1940, S. 11ff.

[26] Steinbach 2015, S. 49

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Syrien unter französischer Mandatsherrschaft 1920-1946
Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
29
Katalognummer
V418422
ISBN (eBook)
9783668678415
ISBN (Buch)
9783668678422
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
syrien, mandatsherrschaft
Arbeit zitieren
Tabea Leu (Autor), 2016, Syrien unter französischer Mandatsherrschaft 1920-1946, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/418422

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