„Wie kommt die ‚Welt‘ in das Individuum?“
Dieses Zitat beschreibt die bedeutsamste Fragestellung der Sozialisationsforschung. Welche Einflussfaktoren bestimmen die Entwicklung des Menschen zu einem sozialen Wesen? Was ermöglicht eine „soziale Ordnung“?
In dieser Arbeit soll die Frage vor dem Hintergrund der Thematik ‚Musikalische Sozialisation‘ etwas abgewandelt behandelt werden. Sie soll nämlich lauten: „Wie kommt die ‚Musik‘ in das Individuum und welche Bedeutung kommt dabei dem familiären Umfeld zu?“
Zuerst wird der Begriff „Sozialisation“ erklärt und von den verwandten Begriffen Erziehung und Entwicklung abgegrenzt. Hierbei wird von einem alltagssprachlichen Sozialisationsbegriff ausgegangen, um ihn anschließend mit wichtigen sozialisationstheoretischen Zusammenhängen zu ergänzen.
Es folgt ein kurzer Überblick über einige ausgewählte soziologische Sozialisationstheorien.
Anschließend wird sich die Arbeit der Definition von musikalischer Sozialisation und der Familie als Sozialisationsinstanz widmen, bevor die Bedeutung der Familie für die musikalische Sozialisation untersucht wird. Die Betrachtung beschäftigt sich dabei mit drei Dimensionen, die für die innenfamiliäre musikalische Sozialisation verantwortlich sind.
Im Rahmen dieser Untersuchung wurden Sekundärquellen benutzt, die die Ergebnisse von entsprechenden Studien zusammenfassen und diskutieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sozialisation
2.1 Allgemeine Definition
2.2 Abgrenzung zu Erziehung und Entwicklung
2.2.1 Erziehung
2.2.2 Entwicklung
2.3 Überblick zu ausgewählten soziologischen Sozialisationstheorien
2.3.1 Émile Durkheim
2.3.2 Georg Simmel
2.3.3 Talcott Parsons
2.3.4 Klaus Hurrelmann
3. Musikalische Sozialisation in der Familie
3.1 Musikalische Sozialisation
3.2 Die Familie als Sozialisationsinstanz
3.3 Die Bedeutung der Familie für die musikalische Sozialisation
3.3.1 Interesse und Instrumentalspiel
3.3.2 Die Ausbildung musikalischer Vorlieben
3.3.3 Der soziokulturelle Status der Familie
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie musikalische Präferenzen und Fähigkeiten in das Individuum gelangen und welche zentrale Rolle dabei das familiäre Umfeld als primäre Sozialisationsinstanz spielt.
- Sozialisation als theoretisches Fundament und Abgrenzung zu Erziehung und Entwicklung.
- Darstellung einflussreicher soziologischer Sozialisationstheorien (Durkheim, Simmel, Parsons, Hurrelmann).
- Die Familie als Ort der ersten Begegnung mit Musik und deren Einfluss auf das Interesse am Instrumentalspiel.
- Auswirkungen des soziokulturellen Status des Elternhauses auf die musikalische Entwicklung der Kinder.
- Die Bedeutung emotionaler Bindungen und gemeinsamer Aktivitäten für die musikalische Präferenzbildung.
Auszug aus dem Buch
3.3.1 Interesse und Instrumentalspiel
In einer retrospektiven Befragungsstudie wurden 623 Alumni von Musikhochschulen und Fachakademien für Musik gefragt, was ihre Faszination für die Musik ausgelöst hat (Mehrfachantworten möglich). Das Ergebnis zeigte, dass 68,5% der Befragten die Eltern, 16,1% die Geschwister und 6,9% die Verwandten als Grund für ihr musikalisches Interesse nannten. Der Familie kommt also eine zentrale Bedeutung zu, wenn es darum geht, die Neugier des Kindes auf die Musik zu wecken. Der Erstkontakt mit der musikalischen Welt findet meist im familiären Rahmen statt, weshalb Badur folgende Hypothese aufstellt: „Je jünger der Sozialisand, desto größer der Stellenwert der Familie für seine musikalische Entwicklung“ (Badur 1999: S. 136). Dies bezieht sich aber überwiegend auf die Bereiche „Wecken von Interesse an Musik“ und „Anstoß zum Instrumentalspiel“ (ebd. S. 135).
Der familiäre Einfluss ist beispielsweise bei Leistungen am Instrument zu vernachlässigen, da diese eher abhängen von der Länge der Zeit, die das Instrument schon erlernt wird sowie von der Qualität des Instrumentallehrers und zu einem Teil auch vom vererbtem Talent. (vgl. ebd. S. 135-143) Dennoch haben die Eltern auch hier Einflussmöglichkeiten. So kann ihr Umgang mit dem Üben „die Entfaltung instrumentaler Fähigkeiten beflügeln oder hemmen, vielleicht sogar verhindern“ (ebd. S. 145) und ob ein Kind überhaupt ein Instrument erlernt, hängt enorm davon ab, ob Vater oder Mutter auch ein Instrument beherrschen. (vgl. Neuhoff/de la Motte-Haber 2007: S. 399)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, wie Musik in das Individuum gelangt und welche Rolle dabei die Familie spielt, wobei der methodische Fokus auf der Auswertung von Sekundärliteratur liegt.
2. Sozialisation: Dieses Kapitel definiert den Begriff Sozialisation, grenzt ihn von Erziehung und Entwicklung ab und stellt wichtige theoretische Ansätze von Durkheim, Simmel, Parsons und Hurrelmann vor.
3. Musikalische Sozialisation in der Familie: Das Hauptkapitel untersucht die Bedeutung des familiären Kontextes für die musikalische Entwicklung, unterteilt in die Aspekte Interesse, Vorlieben und den soziokulturellen Status.
4. Schluss: Das Fazit bestätigt die hohe Signifikanz der Familie für die frühe musikalische Sozialisation, weist aber darauf hin, dass die Familie in späteren Lebensphasen durch andere Instanzen ergänzt wird.
Schlüsselwörter
Musikalische Sozialisation, Familie, Sozialisationstheorie, Musikpädagogik, Primäre Sozialisation, Instrumentalspiel, Musikalische Vorlieben, Soziokultureller Status, Individuum, Musiksoziologie, Enkulturation, Identität, Erziehung, Persönlichkeitsentwicklung, Sozialisationsinstanz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Prozessen der Sozialisation und wie diese speziell im musikalischen Kontext durch das familiäre Umfeld beeinflusst werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Kernbereichen zählen die theoretische Einordnung der Sozialisation, die Definition der Familie als Sozialisationsinstanz sowie die Analyse elterlicher Einflüsse auf musikalisches Interesse und Fertigkeiten.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Fragestellung lautet: „Wie kommt die ‚Musik‘ in das Individuum und welche Bedeutung kommt dabei dem familiären Umfeld zu?“
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Auswertung von Sekundärquellen, die Ergebnisse einschlägiger Studien zu diesem Themenbereich zusammenfassen und diskutieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Sozialisationsbegriffs, einen Überblick über maßgebliche soziologische Theorien und die spezifische Analyse der musikalischen Sozialisation innerhalb der Familie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind musikalische Sozialisation, Familie, Enkulturation, Persönlichkeitsentwicklung und das Modell der produktiven Realitätsverarbeitung.
Wie beeinflussen Eltern das Instrumentalspiel ihrer Kinder?
Eltern beeinflussen vor allem das anfängliche Interesse und den Entschluss, ein Instrument zu erlernen; zudem kann ihr Umgang mit dem Übeprozess die instrumentale Entwicklung fördern oder hemmen.
Welche Rolle spielt der soziokulturelle Status der Familie?
Studien zeigen einen starken Zusammenhang zwischen dem Bildungsstand sowie den materiellen und kulturellen Ressourcen der Eltern und dem musikalischen Erfolg oder der Teilhabe der Kinder an kulturellen Ereignissen.
- Quote paper
- Hermann Fuchs (Author), 2016, Musikalische Sozialisation in der Familie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/418505