Der Anbau von Exportgütern als globale Hungerursache. Bewältigungsstrategien anhand von Projektbeispielen


Hausarbeit, 2017

16 Seiten, Note: 1,0

Hermann Fuchs (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Zur Aktualität des Themas Hunger

2. Verkaufen oder Versorgen? - Anbau von Exportgütern statt wichtiger
Grundnahrungsmittel
2.1 Zum Begriff Hunger
2.2 Die Attraktivität des Exports
2.3 Hunger und Selbstmord in Indien als Folge des Baumwoll-Booms
2.4 Land grabbing
2.5 Kommerzielle Ölförderung im Tschad

3. Strategien zur Bewältigung des globalen Hungers
3.1 Ernährungssouveränität mittels Anbaus regional etablierter Lebensmittel
3.2 Beispiel: Navdanya - eine indische Saatgutbank erfindet die Subsistenzland- wirtschaft neu
3.3 Beispiel: Association Ngaoubourandi - ein Verein kämpft gegen Korruption und Hunger

4. Zukunftsvisionen - Fazit und Ausblick

5. Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung: Zur Aktualität des Themas Hunger

„Südsudan in höchster Not“ (SZ-Online, 2017, Internetquelle), „Nigeria droht eine Katastrophe“ (Süddeutsche Zeitung, 2017, Internetquelle), „UNO warnt vor Hungersnot im Jemen“ (Die Zeit, 2017a, Internetquelle), „Massenflucht in So- malia wegen drohender Hungersnot“ (Die Zeit, 2017b, Internetquelle) - so titeln einige Tageszeitungen Anfang des Jahres 2017. Allein in diesen vier Län- dern schweben 1,4 Millionen Kinder in Lebensgefahr. Aber es ist nicht der Bürgerkrieg, der ihre Sicherheit gefährdet, es ist die Unterernährung - der Hunger.

Seit Jahrzehnten wird der globale Hunger als eines der größten Probleme un- seres Planeten thematisiert. Als die Vereinten Nation im Jahr 2000 acht Millen- niums-Entwicklungsziele formulierten, setzten sie die Bekämpfung von Hunger und Mangelernährung an erste Stelle. Bis 2015 sollte der Anteil der Hungerlei- denden an der Weltbevölkerung um die Hälfte reduziert werden. Obwohl das Ziel um knappe 1,25% verfehlt wurde, wird die Entwicklung als positiv bew- ertet. Dennoch mussten 2015 noch 12,9% der Gesamtbevölkerung der Erde - das sind 795 Millionen Menschen - hungern. (vgl. WFP, Internetquelle)

Nachdem die Millenniumsziele ausgelaufen waren, waren neue Vorsätze nötig. Deshalb wurden 2016 die Ziele zur nachhaltigen Entwicklung (SDGs) beschlossen. Maßnahmen gegen Hunger („goal 2“) wurden dabei in acht „targets“ (Nino, Internetquelle) unterteilt. Oberstes Ziel: bis 2030 den kompletten Welthunger beenden und ausreichenden Nahrungsmittelzugang für alle Menschen - im Besonderen die armen - sicherstellen. (vgl. ebd.)

Doch laut UN-Sonderberichterstatter Jean Ziegler „könnte die Weltlandwirtschaft problemlos zwölf Milliarden Menschen ernähren, was gegenwärtig fast der doppelten Weltbevölkerung entspricht.“ (Caparrós, 2016: S. 12)

Deshalb stelle ich mir die Frage: Warum hungern so viele Menschen? Wo liegen die Ursachen?

Das Thema „Ursachen von Hunger“ würde aber den Rahmen einer 8-10-seiti- gen Hausarbeit deutlich sprengen. Also befasste ich mich mit einer speziellen Ursache, die ich anhand zweier Beispiele beschreiben werde. Im zweiten Teil werden zwei Projekte vorgestellt, die von der deutschen NGO BROT FÜR DIE WELT unterstützt werden. Es handelt sich dabei um eine Organisation der evangelischen Kirche, die sich vor allem - aber nicht ausschließlich - der globalen Ernährungshilfe widmet.

2. Verkaufen oder Versorgen? - Anbau von Export gütern statt wichtiger Grundnahrungsmittel

2.1 Zum Begriff Hunger

Um eine Diskussion über den Begriff des „Hungers“ zu ermöglichen, muss dieser zuerst definiert werden. Er wird synonym mit dem Wort Unter- ernährung gebraucht, welches die FAO als den Zustand beschreibt, in dem ein Mensch über den Zeitraum eines Jahres den täglichen Energiebedarf (1.840 Kcal bei „bewegungsarmem Lebensstil“) nicht decken kann. (vgl. Zukunftsstiftung Landwirtschaft, 2013: S. 5f.)

Die Ursachen für diesen Missstand sind so vielfach und komplex, dass sie unmöglich in diesem Rahmen schlüssig erklärt werden können. Auch stehen nicht alle in Verbindung mit der Globalisierung.

Diese Arbeit beschäftigt sich deshalb mit einem ausgewählten Zusammenhang, dessen Verbindung zur Globalisierung deutlich gemacht werden kann.

2.2 Die Attraktivität des Exports

Eine der wichtigsten Entwicklungen, die als Garant für die Globalisierung gilt, ist die Verbesserung von Transport- & Kommunikationstechnik. (vgl. Müller/ Kornmeier, 2001: S. 28f.) Seit es möglich ist und sich lohnt, auch weniger wertvolle Produkte als Seide, Gewürze oder Edelmetalle über weite Strecken zu transportieren und im Ausland zu verkaufen, wird der Exportmarkt immer at- traktiver. Die größeren Erträge, beispielsweise durch GVOs, spielen dabei auch eine Rolle. In Entwicklungsländern wird es außerdem schwieriger, die ein- heimischen Produkte zu verkaufen, da industriell hergestellte und staatlich subventionierte (Beispiel EU) Importwaren billiger sind. (vgl. Weingärtner/ Trentmann, 2011: S. 56)

Anstatt Landwirtschaft zur Selbstversorgung zu betreiben, satteln die Kleinbauern lieber auf Exportgüter um, um Geld zu verdienen.

Aber auch die Industrie setzt auf den Export und erschließt immer neue Flächen, um noch mehr produzieren und verkaufen zu können.

2.3 Hunger und Selbstmord in Indien als Folge des Baumwoll- Booms

Mitte der 1990er Jahre versprach der amerikanische Agrarkonzern MONSANTO den indischen Landwirten „Rekordernten und satte Gewinne“ (Caparrós, 2016: S. 224), wenn sie die gentechnisch veränderte Baumwolle Bt Cotton anbauten.

Bt Cotton ist doppelt so teuer wie andere Baumwollsamen. Zusätzlich benötigt man auch noch spezielle Düngemittel und Werkzeuge. Außerdem verbietet MONSANTO, dass das Saatgut öfter als einmal ausgebracht wird, es muss also jährlich neu erworben werden. Um sich das leisten zu können, verschulden sich viele Bauern in der Hoffnung, mit großen Ernteerträgen die Kredite zurück- zahlen zu können und genügend übrig zu haben, um ihre Familie zu ernähren. (vgl. Ramsauer, 2009: S. 151)

Die Gefahren bei solchen Spekulationsgeschäften liegen auf der Hand. Bei Ern- teausfällen durch Dürre oder Überschwemmung bleiben die Bauern auf ihren Schuldenbergen sitzen und haben zudem nichts, um ihre Familien zu ernähren.

Sie müssen neue Schulden machen - entweder, um Nahrungsmittel zu kaufen

oder um frisches Saatgut, meistens wieder GVOs, zu erwerben. (vgl. Caparrós, 2016: S. 225) Es entsteht ein Teufelskreis, den zu unterbrechen sich als sehr schwierig gestaltet.

Aber selbst wenn die Ernte gelingt, kann es noch zu Schwierigkeiten kommen. Denn wenn die Preise sich weltweit verändern, kann der Gewinn kleiner aus- fallen als gedacht. Da die Bauern ihre Lebensmittel nicht mehr selbst anbauen, versorgen sie sich über den (Import)Markt, was sie labil macht für Preis- schwankungen. Denn wie die Reiskrise 2008 (vgl. Ramsauer, 2009: S.117ff.) oder die Weizenkrise 2010 (vgl. de Schutter, 2011: S. 15ff.) zeigen, sind Grund- nahrungsmittel sehr krisenanfällig. Und eine Verteuerung trifft immer die Ärmsten zuerst.

Zwischen 1995 und 2011 begingen fast 300.000 Bauern in Indien Selbstmord, weil sie unter der Schuldenlast zusammenbrachen. Und es dürften seitdem noch mehr geworden sein. (vgl. Kopp Online, 2014, Internetquelle) Für die Familien, die zurückbleiben, verschlimmert das die Situation ungemein. Witwen und Kinder müssen hungern, da der Mann als Versorger der Familie wegfällt. (vgl. Brot für die Welt, 2015, Internetquelle: S.12)

Bt Cotton der Firma MONSANTO ist nur ein Beispiel. Andere Exportgüter, die Grundnahrungsmittel von den Äckern verdrängen, sind Kaffee, Tee, Cashewoder Erdnüsse. (vgl. Weingärtner/Trentmann, 2011: S. 52)

2.4 Land grabbing

Unter dem Begriff Land grabbing (deutsch: Landraub) versteht man die Aneig- nung von tropischem Ackerland durch gewinnorientierte Unternehmen - ob legal oder illegal spielt dabei keine Rolle. Dieses Land wird auf unterschiedliche Weise genutzt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Der Anbau von Exportgütern als globale Hungerursache. Bewältigungsstrategien anhand von Projektbeispielen
Hochschule
Hochschule Deggendorf
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
16
Katalognummer
V418506
ISBN (eBook)
9783668674943
ISBN (Buch)
9783668674950
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
anbau, exportgütern, hungerursache, bewältigungsstrategien, projektbeispielen
Arbeit zitieren
Hermann Fuchs (Autor), 2017, Der Anbau von Exportgütern als globale Hungerursache. Bewältigungsstrategien anhand von Projektbeispielen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/418506

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