Politische Mediation als Mittel des internationalen Konfliktmanagements


Hausarbeit, 2018
22 Seiten, Note: 1,7-2,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Konflikt-Begriffsbestimmung
2.1 Definition
2.2 Konfliktmanagement

3. Mediation
3.1 Begriffsbestimmung
3.2 Die Rolle des Mediators
3.3. Politische Mediation

4. Bedingungen für den Erfolg von politischer Mediation
4.1 Welche Ausgangsbedingungen sind günstig?

5. Mediation in internationalen Konflikten
5.1 Klassische Vermittlungsdiplomatie
5.2 Vermittlung auf (zivil)gesellschaftlicher Ebene

6. Jemenkonflikt – Erfolg oder Scheitern?
6.1 Hintergrund des Jemenkonfliktes
6.2 Wie kann eine erfolgreiche Mediation erreicht werden?

7. Fazit

1. Einleitung

"Am besten überzeugt man mit den Ohren - indem man anderen zuhört" (Dean Rusk, 1909-94), amerik. Politiker.

Konflikte entstehen überall und jederzeit und sind daher ein unvermeidlicher Aspekt in allen Gesellschaftssystemen. Ein Konflikt kann zu Befriedigung und Wachstum bei den Beteiligten führen, aber auch zu Bitterkeit, Feindseligkeit und Gewalt (Meyer 1997: 186).

2016 hat das "Heidelberg Institute for International Conflict Research" (kurz HIIK) in ihrem jährlichen Konfliktbarometer weltweit 402 Konflikte verzeichnet, unter denen 226 gewaltsam und nur 176 gewaltfrei ausgetragen wurden. Wir sehen also, dass mehr als die Hälfte aller Konflikte als gewaltsam klassifiziert wurden. Ziehen wir die Datenauswertungen des HIIK ab dem Jahre 1992 bis 2016 heran, wird deutlich, dass ein stetiger Anstieg von Konflikten stattgefunden hat. 1992 waren es 100 Konflikte, also gerade mal ein Viertel der Gesamtzahl aus dem vergangenen Jahr1. Allerdings sind 38 der 100 verzeichneten Konflikte erneut aufgetreten. Die Entwicklung und Komplexität inner,- und zwischenstaatlicher Konflikte zeigt, wie notwendig und unerlässlich das Eingreifen internationaler Organisationen und anderer Institutionen im internationalen Konfliktmanagement ist. Angesichts der stetig steigenden Anzahl von Konflikten weltweit, wird deutlich, dass die Konfliktbereitschaft in der Gesellschaft erheblich zunimmt. Das Interesse an der Untersuchung von Konflikten beruht auf dem Wunsch, diese auf eine Weise zu bewältigen, dass ihre potentiellen Vorteile maximiert und ihre destruktiven Konsequenzen minimiert werden.

In der vorliegenden Arbeit werde ich zunächst auf die Begriffe Konflikt und Konfliktmanagement eingehen und möchte dann eine besondere Methode des Konfliktlösungsverfahrens erläutern, die Mediation. Dieser Begriff hat zwischenzeitlich einen hohen Bekanntheitsgrad erlangt und wird in den unterschiedlichsten Bereichen angewandt. Allerdings konzentriert sich die Arbeit auf den Begriff der politischen Mediation und wendet sich somit von dem der klassischen Mediation ab. Ein Praxisbeispiel soll einen tieferen Einblick in den Ablauf dieser Streitbelegungsmethode geben.

2. Konflikt-Begriffsbestimmung

2.1 Definition

Auf der Suche nach einer konkreten Definition und Abgrenzung des Konfliktbegriffes stößt man auf eine große Bandbreite an unterschiedlichen Ansätzen und Konflikttheorien. Sie unterscheiden sich durch die Vielfalt an Aspekten, sowie ihre Weite. Der Begriff Konflikt kommt aus dem lateinischen "conflictus" und bedeutet übersetzt so viel wie Zusammenstoß, Zusammenprallen[1]. Nach der Auffassung von Hugo Prein sprechen wir von einem sozialen Konflikt: "wenn wenigstens zwischen zwei Parteien die Interessen, Ziele, Rollen und/oder Auffassungen miteinander unvereinbar sind oder scheinen. Ein Konflikt ist erst dann eine psychologische Wirklichkeit, wenn sich wenigstens eine Partei der Tatsache bewusst ist, dass die andere Partei sie bei der Verwirklichung der Interessen, Ziele, Rollen und/oder Auffassungen frustriert, darüber Gefühle der Feindseligkeit erlebt und auch ihrerseits die Gegenpartei hindert. (Prein 1982: 1). Prein geht also davon aus, dass ein Konflikt auch durch eine einseitige Konfliktsicht entstehen kann und nicht von beiden Parteien gleichermaßen als Gegnerschaft erlebt werden muss.

In der Definition von Bruno Rüttinger und auch vielen weiteren Definitionen wird die Konfliktsituation im Gegensatz zu Prein von beiden Seiten gleichermaßen erlebt: "Soziale Konflikte sind Spannungssituationen, in denen zwei oder mehrere Parteien, die voneinander unabhängig sind, mit Nachdruck versuchen scheinbare oder tatsächlich unvereinbare Handlungspläne zu verwirklichen und sich dabei ihrer Gegnerschaft bewusst sind" (Rüttinger 1980: 22)

Der Konfliktforscher Friedrich Glasl hat in seiner Definition wichtige Elemente beider Konfliktbegriffe vereinbart und kam dabei auf folgende Konfliktdefinition: "Ein sozialer Konflikt ist eine Interaktion zwischen Aktoren, wobei mindestens ein Aktor eine Differenz im Wahrnehmen, Fühlen, und Wollen mit dem anderen Aktor in der Art erlebt, dass beim Verwirklichen dessen, was der Aktor denkt, fühlt oder will eine Beeinträchtigung durch einen anderen Aktor erfolge (Glasl 2013: 17).

Wir sehen, dass alle drei Definitionen zwar recht unterschiedlich ausfallen, sie aber dennoch eine Reihe ähnlicher Elemente beinhalten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[2] Die drei Ebenen, die sich idealtypisch in jedem Konflikt erkennen lassen, können anhand Johan Galtungs Konfliktdreieck übersichtlich dargestellt werden. Zunächst gibt es, wie unten rechts in der Grafik zu erkennen ist, einen Widerspruch, der sich zwischen den scheinbar unvereinbaren Interessen, Bedürfnissen und Zielen der Konfliktparteien aufbaut. Daraufhin folgt ein Verhalten der Konfliktparteien, welches den Konflikt meist verschärft. Dazu gehören Konkurrenz, Aggressivität oder gar Gewalt. Die letzte der drei Ebenen beschreibt die auf den Konflikt bezogenen Einstellungen und Haltungen der Konfliktparteien, die die eigene Position rechtfertigen. Nach Galtung sind alle drei Ecken des Dreiecks unauflöslich miteinander verbunden. Wie in der Grafik zu sehen, unterscheidet man zwischen einer manifesten und einer latenten Ebene, womit deutlich wird, dass die Beteiligten meist nur das Verhalten der Gegnerpartei wahrnehmen und die zugrundeliegenden Widersprüche und Haltungen unerkannt bleiben. Trotz der stetig steigenden Zahl an gewaltsamen Konflikten sieht Ropers in ihnen "eine unvermeidbare und für den sozialen Wandel notwendige Begleiterscheinung des Zusammenlebens in allen Gesellschaften" (Ropers 2002: 11). Und auch Schrader erwähnt in seinem Artikel, dass Konflikte für einen sozialen Wandel unerlässlich sind. Das Ziel besteht darin, Mittel und Wege zu finden, dass Konflikte möglichst gewaltfrei ausgetragen werden können.

2.2 Konfliktmanagement

Bevor ich auf eine konkrete Methode des Konfliktmanagements eingehen werde, möchte ich in diesem Abschnitt zunächst einmal den Begriff des Konfliktmanagements näher erläutern.

"International conflict management is any effort to control or contain an ongoing conflict between politically motivated actors operating at the state or sub-state level, typically through the involvement of a third party" (Butler 2009: 13/14). Das heißt beim internationalen Konfliktmanagement wird mithilfe einer Drittpartei versucht auf den Konfliktprozess einzuwirken und somit den Verlauf des Konfliktes in eine positive Richtung zu lenken, ohne dabei die Ursachen des Konfliktes zu beseitigen. Ferner sollen die Vorstellungen, Einstellungen und Verhaltensweisen aller beteiligten Parteien derart verbessert werden, dass es gelingt die gegenseitige Aggressionssteigerung zu durchbrechen (Glasl 2013: 22). Konflikte ganz zu vermeiden sieht das Konfliktmanagement als unmöglich. Butler sieht dessen Aufgabe darin, zerstörerische Auswirkungen des Konflikts auf nicht beteiligte/ indirekt beteiligte Parteien (horizontale Eskalation), sowie einen Aufstieg des ursprünglich gewaltfreien Konfliktes zu einem gewalttätigen Konflikt (vertikale Eskalation), zu unterbinden (Butler 2009: 14).

Erste Schritte müssen beim Konfliktmanagement dann gemacht werden, wenn eine Konfliktlösung zwar sehr weit entfernt scheint, die Dynamik des Konfliktes allerdings nach einer Lösung strebt (Butler 2009: 14). Drittparteien stehen eine Auswahl an verschiedenen Ansätzen zur Verfügung, mit denen sie auf den Verlauf des Konfliktes einwirken können. Zwei führende Wissenschaftler haben diese Ansätze in vier Kategorien unterteilt:

- Beim "Threat-based" Ansatz wird mithilfe von Gewaltandrohung und anderen Mitteln versucht auf die Parteien einzuwirken.
- Der "deterrence-based" Ansatz greift ebenfalls auf Mittel der Gewalt zurück, um die Parteien abzuschrecken und somit in eine bestimmte Richtung zu lenken.
- "Adjudacory", der richterliche Ansatz, versucht wie der Name schon sagt, mithilfe legaler Institutionen und Ansätzen rechtliche Vereinbarungen zwischen den Parteien zu erreichen
- Der letzte Ansatz, "accommodationist", beinhaltet das Anwenden traditioneller und nicht-traditioneller diplomatischer Mittel, um eine Vereinbarung zu treffen

Anhand dieser vier Kategorien lassen sich die verschiedenen Ansätze des Konfliktmanagements leichter nachvollziehen. Allerdings bringt jeder dieser Ansätze sowohl unterschiedliche Konsequenzen und Folgen, als auch Kosten mit sich und kann je nach den gegebenen Umständen erfolgreich sein oder auch nicht (Butler 2009: 14).

3. Mediation

3.1 Begriffsbestimmung

Die Mediation, auf die sich die vorliegende Arbeit konzentriert, ist die wichtigste Variante der außergerichtlichen Streitbeilegung und besonders durch Vertraulichkeit, Eigenverantwortlichkeit und Ergebnisoffenheit gekennzeichnet (Schäfer 2017: 14). Die Alternative Streitbeilegungsmethode, kurz ADR, bezeichnet ursprünglich die Alternative zum förmlichen Rechtsstreit und entwickelte sich in den siebziger Jahren, als besonders führende Juristen in den USA solche Verfahren forderten. Die Idee war es hierbei die Gerichte um solche Verfahren zu entlasten (Zilleßen 1998: 19). Durch Verhandlungen, die in beiderseitigem Interesse stattfinden, wird eine Problemlösung bzw. Konfliktregelung angestrebt. Das Ziel hierbei ist es, eine Lösung zu finden, die für alle beteiligten Parteien annehmbar ist (Zilleßen 1998: 17). Fietkau definiert Mediation als "eine soziale Technik, mit deren Hilfe Konflikte zwischen zwei oder mehr Parteien unter Hinzuziehung eines neutralen Dritten zur Sprache gebracht, geklärt und möglicherweise beigelegt werden sollen. Das Ziel des Mediationsverfahrens besteht in der Suche nach Problemlösungen, die für alle am Konflikt Beteiligten akzeptabel sind. Das wechselseitige Ausloten von Verhandlungsspielräumen und die Suche nach neuen Lösungen kennzeichnen den Mediationsprozess. Er besteht in Aushandlungsprozessen, in denen konsensuale Konfliktregelungen angestrebt werden" (Zilleßen 1998: 17). In Fietkaus Definition werden die beiden Merkmale Freiwilligkeit und Ergebnisoffenheit, welche bei der Mediation stets betont werden, besonders zur Geltung gebracht.

Die Mediation, um kurz auf ihre Geschichte einzugehen, hat Vorläufer die weit in die Geschichte zurückreichen. Im Mittelalter war beispielweise ein ritualisierender Verhandlungsprozess der Parteien verbreitet. Ziel war es hierbei durch Wiedergutmachung den Schaden zu begleichen. In Italien wurde schon im Jahre 1754 die Funktion des Mediators im Zivilgesetzbuch festgehalten. Und auch in Frankreich wurde mit der Einführung des Familiengerichts 1790 die Rolle des Mediators niedergeschrieben, der außergerichtlich Familienangelegenheiten regeln sollte. In politischen Streitigkeiten, wie dem Dreißigjährigen Krieg, war die Rolle des Vermittlers ebenfalls großgeschrieben. Damals fungierte Alvise Contarini als Mediator und verhalf somit zum Westfälischen Frieden (Montada/Kals 2013: 24). Dennoch hat die Mediation hierzulande erst seit den 1980er Jahren festen Fuß gefasst.

Inzwischen hat sich die Mediation sowohl im öffentlichen, als auch privaten Sektor etabliert. Sie wird in Bereichen Rechtspflege, Wirtschaft, Arbeitswelt, Umwelt, Politik, als auch bei Ehe und Familienkonflikten praktiziert (Montada/Kals 2013: 17).

3.2 Die Rolle des Mediators

Im Gegensatz zu einem Schiedsverfahren, bei welchem der Vermittler eine Entscheidung für die Gegnerparteien trifft, versucht ein Mediator auf jeder Stufe der Konfliktaustragung den Zusammenhang von inhaltlichen, prozeduralen und psychologischen Aspekten zu berücksichtigen und eine Lösung zu finden, die für alle beteiligten Parteien akzeptabel ist (Zilleßen 1998: 22). Mediatoren können Einzelpersonen, Staaten, internationale Organisationen (IO), oder auch Nichtregierungsorganisationen (NGO) sein (Nünlist 2017: 2). In Konflikten verlieren die Parteien oftmals den Faden, da sie emotional geleitet werden und verrennen sich in aussichtslose Auseinandersetzungen. An dieser Stelle ist es Aufgabe des Mediators den Prozess so zu leiten, dass die Interessen aller Parteien miteinbezogen werden und sich somit eine Lösung entwickeln kann, die für alle vorteilhaft ist. Die Verhandlung muss organisiert und strukturiert verlaufen, allerdings steht der Mediator nicht im Zentrum des Verfahrens. Das heißt er besitzt auch meist kein Fachwissen, da er lediglich dafür verantwortlich ist, zwischen unnötigen und notwendigen Konflikten zu unterscheiden und die Parteien auf dem Weg zu einer Bewältigung des Konfliktes begleitet. Aus dieser Rolle des Mediators hat Zilleßen vier wesentliche Aufgaben bestimmt (1998:23):

[...]


[1] https://www.duden.de/rechtschreibung/Konflikt

[2] http://www.bpb.de/cache/images/5/55535-3x2-galerie_gross.gif?A160E

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Politische Mediation als Mittel des internationalen Konfliktmanagements
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
1,7-2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
22
Katalognummer
V418588
ISBN (eBook)
9783668674981
ISBN (Buch)
9783668674998
Dateigröße
585 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
politische, mediation, mittel, konfliktmanagements
Arbeit zitieren
Natalie Ruf (Autor), 2018, Politische Mediation als Mittel des internationalen Konfliktmanagements, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/418588

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Politische Mediation als Mittel des internationalen Konfliktmanagements


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden