Demokratie unter Perikles. Vorbild für heutige Staatsformen?


Referat (Ausarbeitung), 2016
8 Seiten, Note: 13 Notenpunkte

Leseprobe

Gliederung

- Eckdaten zu Perikles

- Ausbildung der Demokratie in Athen unter Perikles

- Grundelemente der radikalen attischen Demokratie

- Schwächen dieser Demokratie

- Vorbild für heutige Staatsformen?

- Literaturangaben

Zitat

„Die Demokratie darf die Staatsmacht nicht einer Minderheit, sondern nur dem ganzen Volke anvertrauen. Die Gleichheit aller vor dem Gesetze bedingt, daß alle Mitbürger die gleichen Rechte genießen, daß kein Volksteil seine Sonderinteressen auf Kosten der übrigen Bürger durchzusetzen versucht.“

Eckdaten zu Perikles

Perikles lebte von ca. 495/90 – 429 v. Chr. Er stammte aus einer Adelsfamilie und, genauso wie Kleisthenes, aus dem Geschlecht der Alkmeoniden.

Sein Vater Xanthippos war ein Aristokrat und war politisch mit den Alkmeoniden verbündet. Seine Mutter Agariste stammte aus der Familie der Alkmeoniden und war eine Nichte des Reformers Kleisthenes.

Er opponierte bereits in jungen Jahren gegen den führenden Herrscher Kimon. Er wuchs sozusagen in die Rolle des führenden Politikers hinein. 454 v. Chr. leitete er ein militärisches Großunternehmen im Korinthischen Golf. Außerdem wurde unter ihm der Bau der Langen Mauern vollendet. Perikles gestaltete auch die Bauten auf der Akropolis aus und die Einrichtung des Odeions.

Er führte die Reformen des Kleisthenes und die des Ephialtes weiter und bildete damit die Demokratie in Athen aus. Er war zunächst der Führer der demokratischen Partei ohne eigentliche politische Funktion. Er verdankte seine beherrschende Stellung zum einen dem Strategenamt, in welches er von 443 v. Chr. Jahr für Jahr gewählt wurde, unter anderem seiner Autorität beim Volk, da er ein guter Redner war.

Zudem trieb Perikles den Ausbau des attischen Seereiches voran. Im Jahr 440/39 v. Chr. schlug er einen Aufstand auf Samos nieder. In den Konflikten mit Korinth um 430 v. Chr. verschärfte er die Spannung, wodurch ihn schon Zeitgenossen an dem Ausbruch des Peleponnesichen Krieges verantwortlich machten. Durch seine Strategie, die lange Küste der Pelponnes durch Flottenoperationen heimzusuchen, hatte zunächst negative Konsequenzen: Es brach eine Seuche in und um Athen unter dem zusammengepferchten Volk aus. Perikles bekam nun harsche Kritik und wurde zunächst nicht mehr zum Strategen gewählt. 430 v. Chr. wurde er wegen Unterschlagung verurteilt und kurz nach seiner Rehabilitierung verstarb er 429 v. Chr. selbst an der Pest.

Ausbildung der Demokratie in Athen unter Perikles

Nachdem Kimon, ein athenischer Politiker und Feldherr, durch ein Scherbengericht (Ostrakismos) aus Athen 462 v. Chr. verbannt wurde, führte Ephialtes, ein athenischer Staatsmann und angehöriger einer Gruppe von Politikern, welche in Opposition zu dem führenden Politiker Kimon standen und die demokratischen Rechte ausbauen wollten, und nach dessen Ermordung (461 v. Chr.) Perikles, eine neue Verfassungsreform in Athen durch (462 – 461 v. Chr.). Dies war eine Ausbildung der Demokratie in Athen. In dieser Reform wurde dem Areopag, der letzten aristokratischen Institution innerhalb des Staates, die Oberaufsicht über die Staatsverwaltung entzogen und auf die Volksversammlung (Ekklesia), dem Rat der 500 (Boule) und dem Geschworenengericht (Heliaia) übertragen. Außerdem bekamen die Geschworenenrichter größere Machtbefugnisse, welche nun von allen 4 Volksklassen gewählt wurden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zusammengefasst: Dem Areopag wurde die Macht entzogen und dem Demos (griech. Staatsvolk; vollberechtigte Bürger welche politisch mitwirken konnten) übertragen. Damit hatte der Demos die Kontrolle über das gesamte öffentliche Leben.

Nach dem Tod des Ephialtes betrat Perikles die politische Bühne Athens. Er führte den Staat von 461 – 429 v. Chr.. Diese Zeit nennt man auch das „Perikleische Zeitalter“. Perikles wichtigste Maßnahme war die Einführung des Systems von Diäten (Tagesgelder) für die Ratsmitglieder, die Beamten und die Geschworenenrichter. Diese waren Aufwandsentschädigungen für die Teilnahme am Rat und an den Volksgerichten, später auch an den Volksversammlungen. Dadurch wurde auch den ärmeren Bürgern die Teilnahme an der Selbstverwaltung ermöglicht. Perikles führte auch die Verteilung von Lebensmitteln und eine gewisse geldliche Grundsicherung für das Volk ein. Wer zum Beispiel nicht genug Geld für einen Theaterbesuch hatte, dem gab der Staat „Schaugeld“, also er erstattete den bedürftigen Bürgern die Eintrittspreise.

Grundelemente der radikalen attischen Demokratie

Entscheidende Grundelemente der attischen Demokratie unter Perikles:

- direkte Mitwirkungsmöglichkeit bei jeder politischen Entscheidung

- Volk hatte Zugang zu fast allen politischen Ämtern (für jeden über 30 Jahre alten Bürger)

- Zuteilung der politischen Ämter durch das Los =

Volksgericht bestand aus 6.000 Vollbürgern, welche alle ausgelost wurden

- Diäten für Engagement/ Beteiligung am Volksgericht und später auch für die Ratsmitglieder (dies nannte man „Aufwandsentschädigungen“)

- alle männlichen Vollbürger, ob Arme oder Reiche, waren gleich

- jeder Bürger hatte das Rede-, Antrags- und Abstimmungsrecht in der Volksversammlung (Ekklesia) = Gleichberechtigung

=> Perikles bildete die demokratische Verfassung aus und knüpfte somit an die Reformen des Kleisthenes (508/507 v. Chr.) an.

Schwächen dieser Demokratie

Viele Athener verließen sich auf Grundlage der Einführung der Diäten, der Verteilung von Lebensmitteln und des Geldes auf den staatlichen Unterhalt. Dies führte zu einer Abhängigkeit vom Staat.

Außerdem schloss die Demokratisierung die Frauen und Metöken (Zugewanderte), Freigelassene und Sklaven ohne Rechte aus, da sie noch immer als Nichtvollbürger galten. Für diese Nichtvollbürger wurde ein Bürgerrechtsgesetz (451 v. Chr.) erlassen, mit dem die Zahl der „Kostgänger“ der athenischen Polis beschränkt werden sollte.

Und da die politisch vollberechtigten Bürger nur einen geringen Teil der attischen Bevölkerung ausmachten, war die antike Demokratie eine Herrschaft einer Minderheit über die Mehrheit.

Trotz des Entzugs der Macht vom Areopag und der Gleichberechtigung in der Volksversammlung behielt der Adel wegen seines Vermögens und ihrer politischen Erfahrung meist die Führung in der Volksversammlung.

Vorbild für heutige Staatsformen?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]Wenige Gemeinsamkeiten zwischen der attischen und der modernen Demokratie

Demokratie Begriffsherkunft:

Demos (griech. für Staatsvolk) + Kratos (griech. für Macht)

- Bundesrepublik Deutschland > Hartz 4/ Grundsicherung

- attische Demokratie > Diäten, Verteilung von Lebensmitteln und Geld

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tagesgelder, welche noch heute Politiker erhalten. Dies ist eine Form von Bezahlung von Politikern.

- attische Demokratie kannte kein Berufspolitikertum, jeder Bürger war berechtigt, an der Volksversammlung teilzunehmen

- attische Demokratie kannte im Gegensatz zu modernen Demokratien weder ein Parlament noch Parteien

- attische Demokratie = direkte Demokratie

(In Athens demokratia übte das Volk die volle Gesetzgebungs-, Regierungs-, Kontroll- und Gerichtsgewalt aus. Damit war die Demokratie in Athen ein Regime direkter, unmittelbarer Herrschaft des Volkes, das auf umfassender Beteiligung aller Bürger beruhte und keine Unterschiede zwischen Arm und Reich kannte)

Volk entschied auf direktem Weg

- das Volk entschied direkt über sich selbst (dadurch hat man sich mit solch einer Entscheidung mehr befasst, da es auch sich selbst betroffen hat > mehr Engagement

In der BRD darf man in einigen Bundesländern, wozu auch Berlin gehört, bereits mit 16 Jahren an Kommunalratswahlen teilnehmen.

Die moderne Demokratie ist meistens eine repräsentative Demokratie mit einigen direktdemokratischen Elementen (Volksabstimmungen mit Direktwahl und Volksentscheide/Volksabstimmungen/Referenden; in der Schweiz hat direkte Demokratie eine ziemlich starke Bedeutung)

Die Bürger(innen) wählen in einer repräsentativen Demokratie Volksvertreter (Repräsentanten) als Abgeordnete. Es gibt ein Parlament. Es wird eine Regierung gewählt, die an der Spitze der vollziehenden Gewalt steht. In der politischen Praxis spielen fest organisierte Gruppen (Parteien) eine große Rolle).

Im antiken Athen wurden die meisten Ämter durch Los verteilt, nur einige wenige durch Wahl (z. B. jährlich 10 Strategen).

Moderne demokratische Verfassungen sind stark von dem Gedanken einer Gewaltenteilung (Exekutive, Legislative und Judikative) mit wechselseitiger Kontrolle und Gleichgewichten (checks and balances) bestimmt. Allerdings sind sie nicht wirklich völlig getrennt.

Im antiken Athen hatten die Amtsinhaber deutlich weniger Macht im Verhältnis zur Volksversammlung und den Gerichtshöfen (durch Los ermittelte Bürger als Richter). Eine direkte umfassende Bestimmung durch die Bürger selbst stand im Mittelpunkt.

In der athenischen Demokratie hatten alle Vollbürger das Recht zur Abstimmung und zur politischen Teilhabe. Nicht abstimmungsberechtigt waren: Kinder, Frauen, Sklaven, dauerhaft in Athen lebende Ausländer (Metöken [Mitwohner]).

Aber auch in modernen Demokratien sind keine Kinder wahlberechtigt und Ausländer mit Wohnsitz in einem Staat nur in Ausnahmefällen (z. B. kommunales Wahlrecht für Ausländer(innnen) mit Staatsbürgerschaft eines Staates der Europäischen Union [EU]. Frauen hatten in demokratischen Staaten der Neuzeit zunächst auch noch kein Wahlrecht, ebenso Sklaven vor der Abschaffung der Sklaverei.

Ja, die attische Demokratie war ein Vorbild für die heutigen Staatsformen, welche auf der attischen Demokratie aufbauen (demokratische Verfassungen). Sie war die Geburt der Demokratie, die sich bis heute weiterentwickelt hat. Und man kann Athen als Wiege der modernen Demokratie bezeichnen.

Athenische Demokratie = Grundstein für heutige Staatsformen

Literaturangaben:

Bücherquellen:

- Horizonte 1: Geschichte für die Oberstufe; Westermann; ISBN: 978-3-14- 110935 -1

- Kurshefte Geschichte: Demokratie in Athen; Cornelsen; ISBN: 978-3-464-64827-8

Textquellen:

- http://www.kinderzeitmaschine.de/antike/lucys-wissensbox/kategorie/staat-und-politik-die-wiege-der-demokratie-liegt-in-griechenland-doch-wo-genau-denn-nun/frage/was-hat-perikles-fuer-die-griechen-getan.html?ut1=7&ht=3

- http://universal_lexikon.deacademic.com/284125/Perikles%3A_Einf%C3%BChrung_der_Demokratie

- http://de.academic.ru/dic.nsf/dewiki/766925

- http://de.academic.ru/dic.nsf/dewiki/397479

- http://www.bpb.de/izpb/175892/grundzuege-der-athenischen-demokratie?p=all

- http://gutezitate.com/zitat/266335

- http://www.focus.de/wissen/experten/zerjadtke/buergerbeteiligung-und-politische-inbrunst-so-koennen-wir-aus-der-griechischen-demokratie-lernen_id_3928204.html

- http://scilogs.spektrum.de/antikes-wissen/wiege-moderner-demokratie-athen/

- http://www.gutefrage.net/frage/moderne-demokratie-attische-demokratie

- http://www.machs-ab-16.de/waehlen-ab-16/waehlen-ab-16-deutschland

[...]

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Details

Titel
Demokratie unter Perikles. Vorbild für heutige Staatsformen?
Note
13 Notenpunkte
Autor
Jahr
2016
Seiten
8
Katalognummer
V418591
ISBN (eBook)
9783668678200
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Demokratie, Perikles, Vorbild, Staat, Staatsfor, Politische Systeme
Arbeit zitieren
Patrick Langer (Autor), 2016, Demokratie unter Perikles. Vorbild für heutige Staatsformen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/418591

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