Die Modalpartikeln "eben" und "halt" - Synchrone Betrachtung anhand grundlegender Thesen und einer Umfrage


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Allgemeines

2. Die Modalpartikeln „eben“ und „halt“
2.1. „Eben“
2.1.1. „Eben“ im Aussagesatz
2.1.2. „Eben“ im Imperativsatz
2.1.3. Bedeutung von „eben“ für den Kommunikationsablauf
2.2. „Halt“
2.2.1. „Halt“ im Aussagesatz
2.2.2. „Halt“ im Imperativsatz
2.2.3. Bedeutung von „halt“ für den Kommunikationsablauf
2.3. Gemeinsamkeiten und Unterschiede

3. Umfrage
3.1. Vorgehen
3.2. Auswertung
3.2.1. Quantitative Analyse
3.2.2. Begründungen der Befragten
3.3. Bewertung der Ergebnisse
3.4. Vergleich mit den grundlegenden Thesen von Thurmair und Abraham

4. Fazit

5. Zusammenfassung

Literatur

Einleitung

In der vorliegenden Arbeit werden die Ansätze und Ergebnisse aus der Analyse der Modalpartikeln „eben“ und „halt“ von Maria Thurmair (1989) und Werner Abraham (1991) erläutert, um diese anschließend mit eigenen Ergebnissen aus einer Umfrage vergleichen zu können. Es soll hierbei überprüft werden, inwiefern die zu Grunde liegenden Thesen von Thurmair (über „eben“ und „halt“) und Abraham (über „eben“) deckungsgleich mit den Resultaten aus der Umfrage sind (und somit verifiziert erscheinen), oder ob und welche Änderungsvorschläge angebracht sind. Die Umfrage mit einer Anzahl von 20 befragten Personen ist selbstverständlich nicht als repräsentativ zu betrachten, sondern soll lediglich Tendenzen aufdecken und einen Eindruck vermitteln.

Die Arbeit ist folgendermaßen aufgebaut: Kapitel 1 beinhaltet grundlegend eine kurze Darstellung der Klasse der Modalpartikeln im Allgemeinen, um in Kapitel 2 konkret auf „eben“ und „halt“ eingehen zu können. Kapitel 3 behandelt die Umfrage, zeigt die Ergebnisse und den Vergleich mit den behandelten Thesen von Thurmair und Abraham. Kapitel 4 beinhaltet ein Fazit, worauf in Kapitel 5 abschließend eine Zusammenfassung folgt.

1. Allgemeines

Modalpartikeln, auch Abtönungspartikeln genannt, bilden eine Gruppe von Partikeln, denen „in der gesprochenen Sprache eine wichtige Stellung zukommt“ (s. Linke, Nussbaumer, Portmann 1996:272). Sie haben weniger gesprächsorganisatorische Funktion, dienen also nicht ausdrücklich der Steuerung des Specherwechsels im Dialog, sind aber gleichwohl stark partnerbezogen. Durch Modalpartikeln gibt der Sprecher seinem Hörer insbesondere zu verstehen, wie die Geltung (s)einer Feststellung „modalisiert“, d.h. in den Kontext oder die Situation eingebunden werden kann. So „färben“ bzw. „tönen“ die Modalpartikeln die Sprache auf eine bestimmte Art und Weise, indem sie die Sprechereinstellung ausdrücken: in einer Bitte oder einer Aufforderung z.B. offensiv oder aggressiv, sanfter oder fordernder, je nachdem, ob der Gesprächspartner milde gestimmt werden soll um eine Bitte zu erfüllen, oder eher ein Befehl gegeben wird. Beispiel:

Es ist Sonntagmorgen, 11 Uhr, Frau A benötigt Salz und geht zur Nachbarin: „Entschuldigung, Frau B, aber könnten sie mir vielleicht ein bißchen Salz leihen?“

Sowohl die Entschuldigung zu Beginn der Frage, als auch der Gebrauch der Modalpartikeln „aber“ und „vielleicht“ zeigen, dass Frau A die Störung im Grunde unangenehm ist, sie das Salz aber braucht und keinen anderen Ausweg weiß, als die Nachbarin zu fragen. Sie benötigt das Salz ja nicht nur „vielleicht“, sondern definitiv, und dem „aber“ geht keine These voran, die widerlegt werden soll. Es sind also überflüssige Entschuldigungen, um die Forderung weniger offensiv zu gestalten; abgesehen davon, dass „geliehenes“ Salz nicht zurückgebracht werden kann. Ein Kind demgegenüber sagt einfach „Frau Meier, Salz bitte!“. „Kinder brauchen nicht dieses zwischenmenschliche Verhalten.“[1]

Wichtig sind folgende Eigenschaften der Modalpartikeln:

- sie sind unflektierbar
- sie sind meistens unbetont
- sie stehen im Mittelfeld des Satzes (vgl. Abraham 1991:244)
- sie treten nur in bestimmten Satztypen auf
- es gibt kein Wort, das nur als Modalpartikel vorkommt, d.h. es gibt eine Bedeutungsunterscheidung bei einem in ein und derselben phonetischen Form auftretenden Wort (vgl. Abraham 1991:219)

Modalpartikeln sind also im Grunde nur Modalpartikeln, weil sich ihre Bedeutung in der Sprache konventionalisiert und von dem phonetisch gleichen Wort abgelöst hat. Ihre Bedeutung ist absolut unabhängig davon (vgl. Abraham 1991:234).

Viele Sprachen haben kaum oder keine Modalpartikeln (z.B. Französisch und Englisch), andere, wie z.B. Deutsch und Griechisch, sind partikelreich. Die skandinavischen Sprachen sind nicht partikelarm, aber auch nicht besonders partikelreich (s. Heggelund, Linguistik-Online 9,2/01). Es kann somit zu Schwierigkeiten bei Übersetzungen kommen.

Zu beachten bei der Untersuchung von Modalpartikeln ist die Unterscheidung zwischen Modalpartikeln und den Satzadverbien, die häufig als „Modalwörter“ bezeichnet werden. Auch Satzadverbien geben eine Stellungnahme des Sprechers wieder, sie können jedoch betont sein und sind vorfeldfähig. Beispiel:

(a) Er hat vermutlich keine Zeit.
(b) Vermutlich hat er keine Zeit.

2. Die Modalpartikeln „eben“ und „halt“

2.1. „Eben“

„Eben“ kann als Lexem je nach syntaktischer Verwendung unterschiedlichen Wortklassen zugeordnet werden (vgl. Thurmair 1989:119):

a) Adjektiv Der Boden ist eben.
b) Temporales Adverb Eben war er noch hier.
c) Fokuspartikel Eben die muss mir helfen.
d) Modalpartikel Das Leben kann eben hart sein.

Abraham führt an, dass es nötig sei den kontextuellen Zusammenhang zu betrachten, um zu erkennen, dass es sich um eine Modalpartikel handelt. Es spielen also die Position in der Felderstruktur, Betonung (bzw. das Fehlen derselben) und der Satztypus (vgl. Abraham 1991:219) eine entscheidende Rolle. Für die Modalpartikel „eben“ heißt dies: Sie steht im Mittelfeld, ist unbetont und kommt in den Satztypen Aussagesatz und Imperativsatz vor (vgl. Thurmair 1989:119).

2.1.1. „Eben“ im Aussagesatz

Folgende Merkmale führt Thurmair zur Charakterisierung von „eben“ in Aussagesätzen an:

<EVIDENT>H

Bei dem vom Sprecher geäußerten Sachverhalt handelt es sich um einen für den Gesprächspartner evidenten Sachverhalt. Das H zeigt an, dass dies explizit für den Hörer, also den Gesprächspartner gelten soll. Der dargestellte Umstand erscheint klar ersichtlich. „Eben“-Äusserungen wirken, so Thurmair, daher allgemein gültig, definitiv und eindeutig und können deshalb nicht in Fragen stehen. Sie wirken als Folge daraus unabänderlich und weisen eine resignierende Komponente auf, denn der Sprecher der „Eben“-Äusserung entzieht dem Hörer die Möglichkeit, auf das Gesagte zu reagieren und den Sachverhalt nach seiner eigenen Meinung zu beurteilen, also eventuell abzuändern. Beispiel:

A: „Warum hast du mich nicht angerufen?“
B: „Ich hab es eben vergessen.“

<KONNEX>H

„Eben“-Äusserungen knüpfen desweiteren immer an etwas vorher Gesagtes an und stehen mit dem Vorangegangen in einer bestimmten Relation, z.B. nach dem Schema Bedingung –Folge (Im Sinne: Wenn etwas so ist, dann muss das passieren). Beispiel:

A: „Wenn die Post schon geschlossen ist, dann schicke ich das Paket eben erst morgen ab."

Deswegen kann „eben“ nicht in Rede einleitenden bzw. Themen wechselnden Äusserungen vorkommen. In den meisten Fällen handelt es sich um einen kausalen Anschluß, bei dem die „eben“-Äusserung eine evidente Begründung bzw. Erklärung (als zwingende Folge) für die vorangegangene Äusserung liefert (vgl. Thurmair 1989:121). Ebenso häufig erscheint „eben“ in stereotypen, verallgemeinernden Aussagen („Amerikaner sind eben so.“) oder in lapidaren, oberflächlichen Entschuldigungen („Ich hab es eben nicht so gemeint.“). Die oben genannte resignierende Komponente verleiht der Aussage eine Endgültigkeit, ohne dass die Äusserung eine wirkliche Begründung sein muss.

2.1.2. „Eben“ im Imperativsatz

Auch hier gelten die bereits oben genannten Merkmale <KONNEX>H und <EVIDENT>H. Bei der Relation liegt meist das Schema Problem – Folge zugrunde, z.B.:

A: „Morgen muss ich zu einer Hochzeit, aber ich habe noch nicht einmal etwas passendes anzuziehen.“
B: „Dann geh eben noch schnell einkaufen!“

Es handelt sich hierbei nicht um einen Befehl; allerdings wirkt die Aussage wie die offensichtlich einzige Lösung des Problems (ohne dass ein Eigeninteresse des Sprechers an der Ausführung der Handlung besteht, sondern nur im Sinne von: „Wenn das dein Problem ist, dann musst du natürlich dies tun.“)

Auch Abraham erklärt, dass der Gebrauch der Modalpartikel „eben“ den Eindruck hervorruft, dass man an einer Situation, die im vorher Gesagten beschrieben wurde, nichts ändern könne (vgl. Abraham 1991:219). Er erweitert diese Erkenntnis und beschreibt den Umstand als „...a rhetoric type of a a posteriori -reasoning." (s. Abraham 1991:220), d.h. Sprecher B impliziert durch die Verwendung von „eben“ in seiner Antwort (also a posteriori, im Nachhinein, nachdem etwas gesagt wurde) schon rhetorisch (also keine weitere Antwort erwartend) eine Lösung (engl. reason), die (für Sprecher B) natürlich und selbstverständlich folgen muss, obschon Sprecher A bei der Beschreibung des Sachverhaltes eventuell nicht daran dachte, eine solch definitive Lösung zu erhalten oder diese bezwecken wollte. Resignation und das Einstellen der Kommunikation daraufhin sind laut Abraham sekundäre, aus diesem primären Zustand folgende Konsequenzen und gelten somit als folgende Eigenschaften.

2.1.3. Bedeutung von „eben“ für den Kommunikationsablauf

„Eben“-Äusserungen wirken rechthaberisch, da der Sprecher dem Hörer anzeigt, dass der geäußerte Sachverhalt seiner Meinung nach nicht weiter zu begründen sei. Der Sprecher ist offensichtlich an einer Fortsetzung des Gesprächs nicht interessiert, denn das Thema erscheint für ihn abgeschlossen. So können Äusserungen mit „eben“ einem unsicheren Sprecher dazu verhelfen, über einen problematischen Sachverhalt hinweg zu täuschen, ohne dass seine Meinung in Frage gestellt oder angezweifelt wird (und er sich eventuell weiter zu einem ihm unangenehmen Sachverhalt äußern müsste).

Pragmatisch betrachtet eignen sich „eben“-Äusserungen also als Schlusswort bzw. als Kommunikationshemmer ( nach dem Motto: „Das, was ich sage ist eben sobasta!“).

[...]


[1] Beispiel von Münzer, Holger, gefunden bei www.kultur-netz.de, Ó 1989-2001

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Modalpartikeln "eben" und "halt" - Synchrone Betrachtung anhand grundlegender Thesen und einer Umfrage
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
15
Katalognummer
V41867
ISBN (eBook)
9783638400442
ISBN (Buch)
9783638762946
Dateigröße
522 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Modalpartikeln, Synchrone, Betrachtung, Thesen, Umfrage
Arbeit zitieren
M.A. Barbara Mühlenhoff (Autor), 2002, Die Modalpartikeln "eben" und "halt" - Synchrone Betrachtung anhand grundlegender Thesen und einer Umfrage, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41867

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