Ernährung als Kriegsproblematik

Welche Maßnahmen wurden für die Ernährungsproblematik im Verlauf der Weltkriege bzw. in der Zwischenkriegszeit gesetzt?


Seminararbeit, 2014

13 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Ernährung im 1. Weltkrieg- Das Ende einer Monarchie Die Zwischenkriegszeit

3. Der Zweite Weltkrieg

4. Nachkriegszeit- Hoffnung auf Überleben

5. Schlussfolgerung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Unser Gruppenthema wurde unter dem Kapitel ‚Konsum, Verbrauch, Ernährung‘ zusammengefasst. Die Einteilung der einzelnen Schwerpunkte dieses Kapitels erfolgte in die drei Unterthemen, welche von uns einzeln in einem thematischen Rahmen bearbeitet werden sollte. Diese Themen sind:

1. Ernährung als Kriegsproblematik
2. Das Auto als Konsumgut, mit dem Aufkommen der Massenmotorisierung
3. Der Weg zum Massenkonsum

Mit diesen selbstausgewählten Themen wollten wir veranschaulichen, wie und durch welche Einflüsse es möglich war, von einer kriegsgebeutelten Unterversorgung zu einer Wohlstandsgesellschaft heranzuwachsen, in welcher Überschuss und Massenkonsum herrscht.

Beim gemeinsamen thematischen Rahmen haben wir in der Gruppe eine zeitliche Eingrenzung vorgenommen, bei der wir uns auf die Zeit während des Zweiten Weltkriegs bis über die „goldenen Wirtschaftsjahre“ in die Gegenwart bewegen. Als Eingrenzung auf thematischer Ebene haben wir uns vor allem den Konsum herangenommen, da in unseren Unterthemen der Konsum jeweils auf einer anderen Ebene heraus und zum Tragen kommt. Wir wollen damit nicht nur die Möglichkeit des konsumieren von Essen darstellen, sondern auch die Möglichkeit Güter und Waren zu konsumieren und auch das Auto als Konsumgut präsentieren.

Im Rahmen unserer Arbeit wollen wir den Verlauf darstellen, den die Konsumgesellschaft in den Jahren von 1945 bis in die Gegenwart gemacht hat. Dabei gehen wir auf die Themen der Unterversorgung, der Überversorgung und des Massenkonsums ein und legen auch einen Fokus auf das verbindende Medium, das motorisierte Fahrzeug.

Dabei gehen wir insbesondere auf die Entwicklung des Transportwesens ein, und betrachten die Fortschritte, die diese Entwicklung auf die Menschen der jeweiligen Zeit hatten. Besonders eingegangen wird dabei der Personentransport, der durch die Errungenschaften am Arbeitsmarkt und der veränderten Freizeit, sowie „Luxuskultur“, und den Transport von Gütern sowie Lebensmittel ermöglicht wurde. Erst durch die Alltagstauglichkeit des Pkw oder des Lkw konnte Hungersnöten entgegengesetzt werden und der Weg zur sorgefreien Zukunft geebnet werden.

Auch wollen wir die Einflüsse der Politik und der Wirtschaft aufzeigen und vor allem für das Thema sensibilisieren. Durch das Einbinden mehrerer Kompetenzen soll eine umfangreiche Lehreinheit abgehalten werden.

Kompetenzen die wir schulen wollen sind die Fach-/Sachkompetenz, denn die Studierenden sollen die besprochenen Inhalte sinngemäß wiedergeben können, und durch zuhören und mitschreiben die Inhalte aufnehmen. Hierzu kann man auch das historische Lernen zählen. Bei der Sozialkompetenz steht das Agieren in der und das integrieren in die Klein- bzw. Großgruppen im Mittelpunkt. Bei der Selbstkompetenz wollen wir das individuelle Einbringen in die Gruppe, und das Leisten eines individuellen Beitrags für die Lehreinheit fördern. Bei der Handlungskompetenz konzentrieren wir uns auf die Fähigkeit, Wissen zu verknüpfen, Zusammenhänge zu erkennen, Gedanken zu formulieren und diese auch zu artikulieren.

Nun zu meinem individuellen Thema ‚die Ernährung als Kriegsproblematik‘ habe ich die folgende Forschungsfrage aufgestellt, welches in der Arbeit beantwortet werden soll.

Forschungsfrage:

Welche Maßnahmen wurden für die Ernährungsproblematik im Verlauf der Weltkriege bzw. in der Zwischenkriegszeit gesetzt?

Es umfasst hiermit vor allem die Zwischenkriegszeit sowie die Ernährung nach dem zweiten Weltkrieg und schränkt sich regional auf Österreich ein. Im Laufe dieser schriftlichen Arbeit wird der Frage nachgegangen welche Nahrungsmittel in der Zwischenkriegszeit eine zentrale Rolle gespielt haben und welche Maßnahmen vom Staat selbst dafür aufgestellt wurden um die Bevölkerung zu ernähren.

Diese Arbeit ist in zwei Teile geteilt, dem wissenschaftlichen und dem didaktischen Teil. Der erste Teil ist für die Beantwortung der gestellten Forschungsfrag zuständig. Die Einleitung gibt einen groben Überblick über die drei individuellen Themen zum Titel ‚Konsum, Verbrauch, Ernährung‘. Im Anschluss folgt der Hauptteil die Ernährung im ersten Weltkrieg. Hier wird allgemein die Situation des Mangels an Nahrungsmittel geschildert. In der Zwischenkriegszeit werden die Überlebensstrategien aufgezählt und Maßnahmen, welche die Regierung zur Zwischenkriegszeit aufstellte, um zumindest ein bisschen den Hunger der Bevölkerung zu stillen. Danach folgen der zweite Weltkrieg und die Nachkriegszeit, welche anhand von Berichten von Zeitzeugen dargestellt werden. In der Schlussfolgerung wird das Thema dann kurz zusammengefasst.

Im Didaktischen Teil werden die gemeinsame Umsetzung und der Aufbau der Unterrichtsgestaltung näher dargestellt. Zu diesem folgt eine Reflexion der gehaltenen Unterrichtseinheit. Die Unterrichtsmaterialien, wie die Planungsmatrix und die verwendete Arbeitsblätter sind in einem Extra-Dokument einzusehen.

2. Die Ernährung im 1. Weltkrieg- Das Ende einer Monarchie

Zu Beginn des ersten Weltkrieges hatte niemand mit einem ‚langen Krieg‘ gerechnet, daher gab es keine Pläne für die Versorgung der Zivilbevölkerung. Die Stimmung in den ersten Kriegsmonaten des Jahres 1914 kann man durchaus als kriegsbegeistert bezeichnen. Zu Kriegsbeginn soll die Versorgung Wiens noch ausreichend gewesen sein.

Doch Versorgungsprobleme, Lebensmittelengpässe und Hunger folgten mit der Zeit. Teuerung und Lebensmittelmängel beeinflussten die Stimmung der Menschen in negativer Hinsicht. Ständig steigende Preise, anhaltende Qualitätsverschlechterungen, Fehlen von Lebensmitteln, eine Menge von Leuten, die beim Verkauf keine Ware mehr erhielten, führten zu Missmut und Demonstrationen. Der stundenlange Warten und der Hunger trugen ebenso zur Steigerung des Leidensdruckes bei. Als unmittelbarer Anlass für Konfrontationen reichte dann solch unbedeutender Zusatzfaktor.

Unvorbereitet auf die Anforderungen einer Kriegswirtschaft ging die Monarchie in diesen Krieg und scheiterte nicht nur militärisch, sondern auch bei der Versorgung der Zivilbevölkerung. Die Auswirkungen auf die Bevölkerung von Großstädten wie Unterernährung, Krankheiten, und Grippewellen waren nicht mit der Monarchie beendet, sondern von den entstehenden Republiken zu bewältigen.[1]

Die in der Not getroffenen Maßnahmen kamen zu spät und erwiesen sich nicht immer als hilfreich. Die ungarische Reichshälfte, welche Hauptlieferant landwirtschaftlicher Produkte war und vor allem auch für Wien sehr bedeutend war, schränkte die Liefermengen an Lebensmittel nach Kriegsbeginn ein. Es bestand auch keine Lieferverpflichtung.[2] Die Warteschlangen begannen sich schon um Mitternacht zu bilden. Darunter wurden im Winter 1915 erstmals auch viele barfüßige und unterernährte Kinder bemerkt.[3]

Im Jahr 1919 stieg die Zahl der Arbeitslosen sehr rasch an. Wichtige Arbeitskräfte hatten aufgrund des Kriegsdienstes zu lange gefehlt, was sich auf die Ernteerträge fatal auswirkte.[4]

Am Ende des ersten Weltkrieges waren viele Haushalte in Wien durch Armut und Hungernot gekennzeichnet. Im Jahre 1919 kam es nochmals zu einer massiven Verschärfung der Lebensmittelversorgung auf welches nur durch staatliche Subventionen gewährleistet werden konnte.[5]

Die Regierung setzte ihre eigenen Maßnahmen und errichtete verschiedene Zentralen, beispielsweise die Stelle für städtische Lebensmittelversorgung oder das Amt für Volksernährung, welches für die Aufbringung der Nahrungsmittel sowie deren gerechte Verteilung an die Bevölkerung zuständig war. Der Regierung ging es vor allem um die Versorgung der Zivilbevölkerung und um die Kriegswirtschaft. Um den allgemeinen Mangel an Konsumgütern, vor allem Nahrungsmitteln, besser verwalten zu können bzw. für dessen gerechte Verteilung wurden Lebensmittelkarten eingeführt und in der Stadt auch Kriegsküchen eingerichtet. Im zweiten Weltkrieg wurden sie von nationalsozialistischen Behörden in Perioden, die jeweils vier Wochen dauerten, ausgegeben. Außer den Lebensmitteln wurden auch häufig andere Konsumgüter, wie Heizmaterial, Kleidung rationiert und verteilt. Diese heißen dann Bezugsscheine.[6]

Das Ende des Kriegs brachte kein Ende der Not. Nach dem Ersten Weltkrieg war die Ernährungslage in Österreich katastrophal. Armut und Mangel kennzeichneten viele Haushalte. Im Winter 1918/19 starben sehr viele Menschen an der Spanischen Grippe (=Die Spanische Grippe war eine weltweite Pandemie, welche zwischen 1918 und 1920 mindestens 25 Millionen Todesopfer forderte.) Das interalliierte Hilfskomitee arbeitete mit den österreichischen Behörden eng zusammen, denn es galt, Medikamente und vor allem Lebensmittel für die kranke und vom Hunger geschwächte Bevölkerung aufzutreiben.[7]

Die Zwischenkriegszeit

Die ersten Jahre nach dem ersten Weltkriege gab es eine große Anzahl an ‚Hungertote‘. Um zu überleben wurden Ernährungsvorschriften für arme und ärmere Leute gegeben, indem Lebensmittelkarten ausgeteilt wurden, welche im Prinzip in jedem Einzelhandelsgeschäft einlösbar waren. Doch diese reichten nicht für die notdürftige Stillung der Grundbedürfnisse. Trotz der Lebensmittelkarten waren Güter nicht oder nur in geringen Mengen erhältlich. Sehr üblich dafür waren auch die Mengen von Leuten in Warteschlangen, indem man auch nach dem langen Warten, wegen der Lebensmittelknappheit, manchmal nichts bekam.[8]

Der Nahrungsmittelkonsum reduzierte sich auf eine geringe Palette von Grundnahrungsmitteln. Die Bevölkerung hatte immer weniger Möglichkeiten, abwechslungsreich und ausgewogen zu essen. Ende 1919 wurde die Lebensmittelversorgung immer mehr eine Frage des Transportes. Es gab auf der einen Seite einen Waggonmangel der Bahnen, auf der anderen Seite war die Versendung der im Ausland angekauften Getreidemengen aufgrund der immer größer werdenden Kohlennot beeinträchtigt. 1919 sandten die damaligen österreichischen Staatsmänner Hilferufe an die Welt. Die Grundlage der Ernährung im Jahre 1920 bildete amerikanisches Weizenmehl, das Österreich auf Kredit geliefert wurde. In den Jahren 1921/22 stand das Problem der Ernährung zwar immer noch im Vordergrund, aber es hatte sich schon vieles gebessert. Angeblich gab es schon genügend Lebensmittel, nur ihr Preis hinderte die Bevölkerung, von diesem Angebot Gebrauch zu machen.

Das Jahr 1921 wurde häufig als Übergangsperiode bezeichnet. Die gänzliche Beseitigung der staatlichen Bewirtschaftung bei den Hauptnahrungsmitteln wie Brot und Mehl war erst für Anfang 1923 in Aussicht genommen.[9]

Somit entwickelte die Bevölkerung in der Zwischenkriegszeit aber auch schon im 1. Weltkrieg Überlebensstrategien bzw. Ressourcen um die Not zu lindern:[10]

Angstkäufe: Menschen kauften in großen Mengen, aus Angst es könnte in nächster Zeit das Lebensmittel nicht mehr geben.

Hausieren und Tauschhandel: Unter Hausieren versteht man den Ankauf oder Verkauf von Waren von Haus zu Haus. Sie wurden entweder gegen Geld verkauft oder gegen andere Dinge getauscht. Der Tauschhandel wurde vor allem zwischen Händler betrieben.

Hamstern: Bedeutet Hamsterfahrten aufs Land um Vorräte anzulegen. Es wurde vielmehr Tauschhandel mit den Bauern am Land betrieben, bezahlt wurde nicht immer mit Geld, sondern auch getauscht von Kleidung, Bettzeug bis zu Wertgegenständen.

[...]


[1] Hanisch, 1994, 200.

[2] Awald-Masalmeh, 2009, 5.

[3] Ebd., 43.

[4] Ritter, 2003, 5.

[5] Ebd. 203-204.

[6] Hörmann, 2009, 48-49.

[7] Crha, 2007, 19.

[8] Awald-Masalmeh, 2009, 36.

[9] Arnold,. 1986, 59-60.

[10] Ebd. 24-30; Hirschfelder, 2001, 212.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Ernährung als Kriegsproblematik
Untertitel
Welche Maßnahmen wurden für die Ernährungsproblematik im Verlauf der Weltkriege bzw. in der Zwischenkriegszeit gesetzt?
Hochschule
Universität Wien
Veranstaltung
Fachdidaktik 1
Note
2
Autor
Jahr
2014
Seiten
13
Katalognummer
V418700
ISBN (eBook)
9783668677043
ISBN (Buch)
9783668677050
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ernährung, kriegsproblematik, welche, maßnahmen, ernährungsproblematik, verlauf, weltkriege, zwischenkriegszeit
Arbeit zitieren
Mag. phil. Ümran Düser (Autor), 2014, Ernährung als Kriegsproblematik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/418700

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