Die Frage nach der geschlechterspezifischen Gleichberechtigung ist wohl eine der zentralen Streitpunkte der modernen Gesellschaft. Diese Diskussion zeigt sich hierzulande vor allem in der sogenannten »Gender Pay Gap«, welche alljährlich neu berechnet wird und somit stetig neuen Gesprächsstoff liefert. Wohingegen die eine Seite in dieser Diskussion strikt von sexistischer Männerwirtschaft spricht, handelt es sich bei diesem Phänomen in den Augen der anderen Partei lediglich um eine normale Risikominimierung, welche der Möglichkeit einer Schwangerschaft Sorge trägt und somit kapitalistisch vertretbar ist.
Diese ungleiche Ausgangslage beider Geschlechter lässt sich nicht nur im modernen Lohnsegment feststellen, sondern ist in mehreren tragenden Säulen der westlichen Kultur auszumachen. So bleibt im christlichen Glauben dem weiblichen Geschlecht seit jeher die Priesterweihe und somit eine tragende klerikale Rolle verwehrt , da es durch die ihm inne liegende Weiblichkeit – theologisch-anthropologisch gesehen – von vornherein davon ausgeschlossen wird. In der modernen Diskussion fällt in diesem Zusammenhang sogar der Begriff »Dekoration«, der als handlungsunfähig umschrieben ist und somit Machtlosigkeit symbolisiert.
Doch ist dieser fremdbestimmte Zustand schon immer zwingend erforderlich gewesen oder gab es im kirchlichen Kontext historisch betrachtet andere Mittel und Wege seinen Glauben selbstbestimmt auszuleben? Für die Untersuchung einer solchen Fragestellung bietet sich der rheinische Raum, rund um Freiburg, – gleichzeitig Entstehungsort dieser Hausarbeit – nahezu an, da er immer noch eng mit christlichen Sehenswürdigkeiten und somit seiner Historie verbunden ist. Jedoch bedarf es zur Maximierung des wissenschaftlichen Outputs noch einer deutlichen Präzisierung der Leitfrage, welche im Folgenden vorgenommen werden soll.
Inhaltsverzeichnis
I. Gleichberechtigung als geflügeltes Wort moderner Geschichtsbetrachtung
II. Möglichkeiten eines geistlichen Lebensweges für Frauen im Mittelalter
III. Das Leben und Wirken der Adelheit von Freiburg
IV. Die >Seligen Schererin< als etwas anderes Beispiel einer Begine
V. Die Funktion weiblicher Vorbilder innerhalb des kirchlichen Kosmos
VI. Schlusswort mit Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konfliktpotential weiblicher Frömmigkeit im mittelalterlichen kirchlichen Kosmos, wobei der Fokus auf dem Beginentum liegt. Anhand der Fallbeispiele der Adelheit von Freiburg und der >Seligen Schererin< wird analysiert, welchen gesellschaftlichen und kirchlichen Widerständen Frauen ausgesetzt waren, die einen eigenständigen, geistlichen Lebensweg außerhalb fester Ordensstrukturen wählten.
- Analyse der geschlechterspezifischen Benachteiligung im kirchlichen Kontext
- Untersuchung des Beginentums als alternative religiöse Lebensform
- Vergleich der Viten von Adelheit von Freiburg und der >Seligen Schererin<
- Erörterung der Funktion weiblicher Vorbilder und ihrer gesellschaftlichen Kontrolle
Auszug aus dem Buch
Die Funktion weiblicher Vorbilder innerhalb des kirchlichen Kosmos
Da eine Hausarbeit nur einen, legitimer Weise klar festgelegten, Rahmen für die Bearbeitung der untersuchten Thesenstellung zur Verfügung hat, werden in diesem Kapitel zuvor aufgearbeitete Gedankengänge zusammengeführt und um eine weitere Ebene – dem Grund der Überlieferung – erweitert, bevor es dann zum zusammenfassenden Schlusswort kommt.
Dieser Zwischenschritt ist von enormer Bedeutung, da in diesem Text eine, für die Leitfrage elementare Begebenheit noch nicht behandelt wurde: Warum wurden diese Konflikte weiblicher Frömmigkeit überhaupt festgehalten? Wäre es nicht viel sinnvoller gewesen, sich nur auf die reibungslos verlaufenden Passagen der jeweiligen Person zu konzentrieren?
Zusammenfassung der Kapitel
I. Gleichberechtigung als geflügeltes Wort moderner Geschichtsbetrachtung: Einleitung in die geschlechterspezifische Problematik, die den Rahmen für die Untersuchung der mittelalterlichen Verhältnisse und der gewählten Fallbeispiele bildet.
II. Möglichkeiten eines geistlichen Lebensweges für Frauen im Mittelalter: Erörterung der eingeschränkten klerikalen Spielräume für Frauen und der Motivation, alternative Wege wie das Beginentum zu beschreiten.
III. Das Leben und Wirken der Adelheit von Freiburg: Analyse der Vita der Adelheit von Freiburg unter besonderer Berücksichtigung ihrer Zeit als Begine und dem daraus resultierenden Konfliktpotential.
IV. Die >Seligen Schererin< als etwas anderes Beispiel einer Begine: Untersuchung des Lebens der Schererin, die trotz unterschiedlicher Ausgangslage mit vergleichbaren gesellschaftlichen und kirchlichen Widerständen konfrontiert war.
V. Die Funktion weiblicher Vorbilder innerhalb des kirchlichen Kosmos: Zusammenführung der Ergebnisse und Reflexion darüber, warum religiöse Konflikte in den Viten thematisiert wurden.
VI. Schlusswort mit Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Forschungsfrage und Ausblick auf die Bedeutung dieser Frauen als Wegweiser in der christlichen Geschichte.
Schlüsselwörter
Beginentum, Adelheit von Freiburg, Selige Schererin, weibliche Frömmigkeit, kirchlicher Kosmos, Mittelalter, Geschlechterrolle, Vita, Sakramente, Seelenheil, klerikale Laufbahn, religiöse Lebensformen, Konfliktpotential, soziale Kontrolle, Ordensanschluss
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung des Konfliktpotentials, das mit der weiblichen Frömmigkeit im Mittelalter verbunden war, insbesondere im Kontext des Beginentums.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die soziale und religiöse Rolle der Frau, die institutionelle Kontrolle durch die Kirche und der Umgang der Gesellschaft mit alternativen geistlichen Lebensformen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, an zwei konkreten Fallbeispielen zu analysieren, welchen spezifischen Konflikten Frauen ausgesetzt waren, die ihren Glauben als Begine außerhalb fester kirchlicher Klöster leben wollten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quellenkritische Analyse der Viten von Adelheit von Freiburg und der >Seligen Schererin< durchgeführt, wobei das Geschlecht konsequent als analytische Markierung ("tracer") behandelt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einbettung der Frau im Mittelalter sowie die detaillierte Analyse der beiden Lebensläufe unter dem Aspekt des Beginentums und der gesellschaftlichen Kontrolle.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Beginentum, weibliche Frömmigkeit, kirchliche Kontrolle, Viten und Geschlechterrollen beschreiben.
Wie unterscheidet sich Adelheit von Freiburg von der >Seligen Schererin<?
Während Adelheit den Weg von der Begine zur Dominikanerin beschritt, blieb die Schererin in ihrer klosterfernen Lebensform, was zu unterschiedlichen literarischen Schwerpunkten in ihren jeweiligen Viten führte.
Welche Rolle spielt der Beichtvater für die Beginen?
Der Beichtvater fungiert sowohl als geistliche Autorität und Kontrollinstanz als auch teilweise als Schutzperson, die versucht, die Begine in den gesellschaftlich tolerierten Rahmen der Kirche zu integrieren.
- Arbeit zitieren
- Sascha Himmelsbach (Autor:in), 2017, Konfliktpotential weiblicher Frömmigkeit an den Beispielen der Adelheit von Freiburg und der "Seligen Schererin", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/418761