Sprache – etwas Alltägliches, mit dem jeder von uns tagtäglich konfrontiert wird. Und doch wissen die meisten Leute kaum etwas darüber. Besonders nicht über den Erwerb einer Sprache (vor allem über den Erwerb einer Zweitsprache) beziehungsweise wie dieser verläuft.
Insbesondere aber für DaZ-Lehrende kann das Wissen über den Verlauf des Erwerbs einer Zweitsprache von großem Vorteil sein. Denn, wenngleich heutzutage wohl bekannt sein sollte, dass der Zweitspracherwerb auch maßgeblich mit der Erstsprache des Lernenden verbunden ist, so herrscht noch immer Unklarheit darüber, inwieweit Erst- und Zweitsprache in Verbindung miteinander stehen, wenn es um den Zweitspracherwerb geht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Kontrastivhypothese
2.1 Entstehung und Grundlage
2.1 Kritik an der Kontrastivhypothese
3. Die Identitätshypothese
3.1 Entstehung und Grundlage
3.2 Der Nativistische Ansatz (nach Chomsky)
3.3 Kritik an der Identitätshypothese
4. Die Interlanguage-Hypothese
4.1 Entstehung und Grundlage
4.2 Die Interimssprache und ihre Merkmale
4.3 Entwicklungen der Interimssprache
4.4 Fossilierungen
5. Konsequenzen für den DaZ Unterricht/ die Praxis
6. Fazit
7. Quellen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht zentrale Spracherwerbshypothesen, um ein tieferes Verständnis für die komplexen Prozesse des Zweitspracherwerbs zu vermitteln und deren Bedeutung für die pädagogische Praxis im Kontext von Deutsch als Zweitsprache (DaZ) zu beleuchten.
- Analyse der Kontrastivhypothese und ihrer behavioristischen Grundlagen.
- Untersuchung der Identitätshypothese in Verbindung mit Noam Chomskys Nativismus.
- Detaillierte Betrachtung der Interlanguage-Hypothese und des Konzepts der Interimssprache.
- Diskussion der fachspezifischen Kritik an den verschiedenen theoretischen Modellen.
- Ableitung von Konsequenzen für eine effektive Gestaltung des DaZ-Unterrichts.
Auszug aus dem Buch
4.2 Die Interimssprache und ihre Merkmale
Hauptbestandteil der Interlanguagehypothese ist die sogenannte Interimssprache. Die Interimssprache oder auch Interlanguage bzw. Lernersprache, ist ein spezifisches Sprachsystem, dass sich laut Selinker beim Erwerb der Zweitsprache herausbildet und als drittes System, neben L1 und L2, während des Lernprozesses besteht (Tunç, 2012:51). Selinker selbst definierte diese Interimssprache als „separate linguistic system based on the observable output which results from the learner´s attempted production of a TL norm“ (1972:214).
Die Interimssprache zeichnet sich also durch Systematizität, einen instabilen Charakter, Eigenständigkeit gegenüber Grund- und Zweitsprache, Variabilität, Durchlässigkeit sowie Veränderbarkeit aus. Anzumerken sei hier, wie von Goschler und Stefanowitsch erwähnt, dass die Interimssprache anfällig für Rahmenbedingungen, wie beispielsweise Motivation, Konzentration oder Müdigkeit, ist, aufgrund dessen, dass die Interimssprache kognitiv nicht tief verankert ist (2014:350). Weiterhin ist bei der Interimssprache auch immer zu berücksichtigen, dass möglicherweise bereits erworbenes L2-Wissen verdrängt werden kann, wenn der Sprechende nicht über ausreichend lexikalisches Wissen verfügt, um über einen bestimmten Themenbereich sprechen zu können. Dies ist laut Goschler und Stefanowitsch darauf zurückzuführen, dass die Interimssprache ein „partielles und partiell verinnerlichtes Sprachsystem ist [und daher] ist sie anfälliger für eine gegenseitige negative Beeinflussung der unterschiedlichen Sprachebenen“ (ebd.). Auf dieses Phänomen soll später noch genauer eingegangen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz des Zweitspracherwerbs ein und skizziert das Ziel, verschiedene Spracherwerbshypothesen kritisch zu beleuchten.
2. Die Kontrastivhypothese: Das Kapitel behandelt den behavioristischen Ansatz, bei dem der Spracherwerb maßgeblich von der Struktur der Erstsprache abhängt.
3. Die Identitätshypothese: Hier wird die These diskutiert, dass der Zweitspracherwerb ähnlich dem Erstspracherwerb verläuft, gestützt durch Chomskys Konzept der Universalgrammatik.
4. Die Interlanguage-Hypothese: Dieses Kapitel erläutert das Konzept der Interimssprache als eigenständiges, dynamisches System des Lernenden und thematisiert Fossilierungen.
5. Konsequenzen für den DaZ Unterricht/ die Praxis: Es wird erörtert, wie theoretische Erkenntnisse zu einem reflektierteren Umgang mit Mehrsprachigkeit im DaZ-Unterricht führen können.
6. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass keine Theorie den Prozess des Zweitspracherwerbs vollständig erfasst und betont die Rolle individueller Lernfaktoren.
7. Quellen: Dieses Verzeichnis listet sämtliche wissenschaftliche Literatur und Quellen auf, die für die Erstellung der Arbeit herangezogen wurden.
Schlüsselwörter
Zweitspracherwerb, DaZ, Kontrastivhypothese, Identitätshypothese, Interlanguage, Interimssprache, Nativismus, Universalgrammatik, Lernersprache, Sprachdidaktik, Transfer, Fossilierung, Mehrsprachigkeit, Erstsprache, Spracherwerbshypothesen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der theoretischen Auseinandersetzung und kritischen Einordnung der drei einflussreichen Spracherwerbshypothesen Kontrastiv-, Identitäts- und Interlanguagehypothese im Kontext von Deutsch als Zweitsprache.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind der Einfluss der Erstsprache, die Ähnlichkeit von Erst- und Zweitspracherwerb, die Rolle der angeborenen Sprachfähigkeit sowie die Dynamik der Lernersprache.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, durch die Analyse dieser Hypothesen aufzuzeigen, wie Lehrer ein tieferes Verständnis für die Lernprozesse von Zweitsprachenerwerbern entwickeln können, um die Praxis in heterogenen Klassen zu verbessern.
Welche wissenschaftlichen Ansätze bzw. Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse und diskutiert empirische Studien sowie linguistische Konzepte wie den Nativismus und die Interlanguage-Theorie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung und kritische Prüfung der Kontrastiv-, Identitäts- und Interlanguagehypothesen inklusive ihrer Entstehung, Grundlagen und Anwendbarkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Zweitspracherwerb, Interlanguage, Interimssprache, Identitätshypothese, Kontrastivhypothese und die Relevanz für die DaZ-Unterrichtspraxis.
Was genau versteht man unter dem in der Arbeit genannten Begriff der Fossilierung?
Fossilierung bezeichnet ein Phänomen in der Interimssprache, bei dem der Lernende die weitere grammatische Verbesserung seiner Sprachkenntnisse vernachlässigt, weil er davon ausgeht, die Zielsprache bereits ausreichend zu beherrschen.
Wie unterscheidet sich die Interlanguage-Hypothese von der Kontrastivhypothese?
Während die Kontrastivhypothese die Erstsprache als zentralen steuernden Faktor betrachtet, fokussiert die Interlanguage-Hypothese auf das eigenständige, dynamische Sprachsystem des Lernenden, das sich zwischen Erst- und Zielsprache entwickelt.
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- Sinan Ottavianelli (Author), 2018, Spracherwerbs-Hypothesen und deren Konsequenzen für DaZ Lehrende und Lernende, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/418922