Bereits in der späten Ära des Osmanischen Reichs wurden Gedanken bezüglich ihrer Abschaffung und der Notwendigkeit einer Nationalisierung des politischen Systems skizziert. Mit den Jungtürken entsprang die Ideologie des Türkismus, die in ihrem Vorhaben einen türkischen Nationalstaat ersehnt. Ziya Gökalp, der als erster Soziologe in der Türkei und als Gründer der Soziologie im türkischen Raum gilt, hat in seinem Werk "The Principles Of Turkism" seine Ansichten des Türkismus subsumiert und dem türkischen Staat ihre Legitimation für ihre integralnationalistische Politik verliehen. In dem Forschungsvorhaben geht es grundsätzlich darum, Unterschiede und Gemeinsamkeiten zweier Ideologien zu ermitteln. Die Untersuchungsgegenstände sind hierbei theoretische Fundamente zweier Ideologen. Ziya Gökalps Pantürkismus soll demnach mit Mussolinis faschistischem Manifest in ihrer Theorie verglichen werden. Hierbei muss auf den zeitlichen Kontext, aber auch auf die realpolitische Durchführung der ideologischen Akteure geachtet werden, um unserem Forschungsinteresse gerecht zu werden.
Die Hausarbeit stellt den Vergleich in verschiedenen Kategorien der ideologischen Ansätze vor und beruft sich nur auf die Grundlagenliteratur in Form von Gökalps und Mussolinis politisch-theoretischen Manifesten, die in ihrer Realpolitik selbstverständlich variieren. Diese Forschung soll natürlich gesellschaftliche Impulse im Rahmen der aktuellen Lage der Türkei setzen und aufzeigen, dass sich ethnozentrische Motive unterschiedlichster Ideologien ähneln können und viele Gemeinsamkeiten teilen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
Historischer Kontext
2. Vorstellung der Ideologien
2.1 (Pan-)Türkismus und Turanismus
2.2 Faschismus
3. Kategorische Betrachtung und Vergleich der Ideologien
3.1 Auffassung von Staat und Nation
3.2 Rolle des Individuums
3.3 Bedeutung von Religion
3.4 Demokratieverständnis
3.5 Ethik
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht ideologische Übereinstimmungen und Unterschiede zwischen dem (Pan-)Türkismus nach Ziya Gökalp und dem Faschismus nach Benito Mussolini, um zu klären, inwiefern die jungtürkische Ideologie als faschistisch einzuordnen ist.
- Historischer Kontext der Jungtürken und der Machtergreifung des CUP
- Vergleichende Analyse von Staat, Nation und Individuum
- Untersuchung der Rolle von Religion und Demokratieverständnis
- Gegenüberstellung ethischer Grundlagen und Ideologie-Charakteristika
Auszug aus dem Buch
3.1 Auffassung von Staat und Nation
Mussolini spricht dem Staat die höchste Autorität in seiner Doktrin zu. Der Staat gleicht dem einheitlichen Volkswillen (Mussolini 1933: 5). Mussolini spricht sich für die Freiheit des Staats aus und lehnt die Freiheit des Einzelnen konsequent ab, womit er sich auch gegen den Liberalismus und für den Totalitarismus ausspricht. Der faschistische Staat gilt als die Einheit, die alle Werte zusammenfasst und dem Volk erst eine Deutung gibt und stärkt (Mussolini 1933: 5). Folglich steht der Staat im Mittelpunkt und unterbindet jegliche Tendenzen zum Individualismus. Der Staat wird als oberster Gesetzgeber begriffen. Das Volk als historisch entstandene Gemeinschaft erschafft eine Persönlichkeit, welche die Nation bildet (Mussolini 1933: 6-7). Der Staat erschafft allerdings die Nation, wodurch dem Volk, sofern es sich seiner Einheit bewusst wird, die Existenzberechtigung zugesprochen wird. Damit die Nation unabhängig werden kann und gleichermaßen auch der Staat geschaffen wird (in fieri), muss ein aktiver Wille vorhanden sein, der aktiv für sein Recht handelt (Mussolini 1933: 7).
Auch postuliert Mussolini, dass der Staat sich nicht nur auf seine Existenz als Autorität beschränkt, sondern auch als Macht (potenza) begriffen wird, dessen Wille durch die Expansion des Staates (espansione, almeno virtuale) wirksam gemacht wird (Mussolini 1933: 7). Der Staat wird mit einer Kraft (forza) gleichgesetzt und indoktriniert sämtliche geistige und moralische Bereiche des menschlichen Lebens. Der Mensch wird dadurch in den Staat eingegliedert (Mussolini 1933: 7-8). Der Staat sieht sich als Gestalt (formo), als inneres Gesetz (norma interiore) und als Disziplin der untergeordneten Individuen (Mussolini 1933: 8).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt den historischen Aufstieg der Jungtürken und stellt die Forschungsfrage nach den ideologischen Parallelen zwischen dem Türkismus und dem Faschismus.
2. Vorstellung der Ideologien: Erläutert die theoretischen Grundlagen des (Pan-)Türkismus/Turanismus nach Gökalp und die Kernmerkmale des Faschismus nach Mussolini.
3. Kategorische Betrachtung und Vergleich der Ideologien: Vergleicht beide Ideologien anhand der Kategorien Staats- und Nationsverständnis, Rolle des Individuums, Religion, Demokratieverständnis und Ethik.
4. Schlussbetrachtung: Führt die Analyseergebnisse zusammen und zieht ein Fazit über die ideologischen Ähnlichkeiten sowie die realpolitischen Unterschiede.
Schlüsselwörter
Türkismus, Faschismus, Ziya Gökalp, Benito Mussolini, CUP, Jungtürken, Nationalismus, Totalitarismus, Ideologievergleich, Staat, Nation, Turanismus, Demokratie, Ethik, Politische Theorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die ideologischen Gemeinsamkeiten und Differenzen zwischen dem türkischen Nationalismus (Gökalp) und dem italienischen Faschismus (Mussolini).
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Definition von Nation und Staat, die Behandlung des Individuums, die Rolle von Religion sowie die ethischen und demokratischen Auffassungen beider Strömungen.
Was ist die Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, inwiefern der (Pan-)Türkismus nach Gökalp ideologisch mit dem Faschismus nach Mussolini übereinstimmt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine komparative Analyse durchgeführt, bei der die Kernpunkte beider Ideologien anhand relevanter Primärquellen kategorisch gegenübergestellt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in fünf Kategorien, darunter das Staatsverständnis, die Rolle des Einzelnen, Bedeutung von Religion, das Demokratieverständnis sowie ethische Grundlagen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Türkismus, Faschismus, Totalitarismus, Nationalismus und ideologischer Vergleich beschreiben.
Inwiefern unterscheiden sich Mussolini und Gökalp bei der Staatsauffassung?
Mussolini betrachtet den Staat als totalitäre Instanz, die das Volk erschafft, während Gökalp das Staatskonzept auf einer bereits existierenden Kulturnation aufbaut.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Individuums im Faschismus?
Der Autor zeigt auf, dass der Faschismus das Individuum vollständig dem Staat unterordnet und den Individualismus zugunsten der kollektiven Disziplin ablehnt.
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- Candas Filiz (Author), 2017, Ideologische Überschneidungen von Türkismus nach Gökalp und Faschismus nach Mussolini, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/419038