Adrienne Kennedys einaktiges Theaterstück Funnyhouse of a Negro, koproduziert von Edward Albee im New Yorker East End Theatre gewann den Obie Award als bestes Off- Broadway Play.
Das Drama stellt nicht nur hohe Ansprüche an den Zuschauer, sondern auch an die Schauspieler. So konstatiert die Schauspielerin Billie Allan, die in der Kahn-Produktion von Funnyhouse of a Negro die Hauptprotagonistin Sarah spielt, im Interview mit Bryant-Jackson und Overbeck, Adrienne Kennedys Texten intensive und hohe physische, emotionale und psychologische Ansprüche an die Darsteller.
In Dramen existieren zwei Ebenen, eine Handlungsebene und eine Ebene der allegorischen Bedeutung, die in diesem Drama besonders komplex ist.
Bei der Analyse ist es aufgrund der vielfältig angelegten Symbolik des Dramas nicht sinnvoll, sich nur auf ein bestimmtes Motiv zu beschränken, weil man sonst der Komplexität des Stückes nicht gerecht zu werden vermag. Andererseits wäre es zu umfangreich, alle Aspekte in Betracht zu ziehen. Aus diesem Grund beschränkt sich die Hausarbeit auf die Motive, die Sarah betreffen und die auf ihren Selbstmord Einfluss nehmen.
In Anbetracht von Sarahs gespaltener Persönlichkeit erkennt man in ihr nicht nur die Narben der afro-amerikanischen Geschichte, sondern sie wirft auch Fragen auf, die den Feminismus und die Psychoanalyse beschäftigen.
Besonders der Themenkomplex der Identitätsfindungsprobleme Sarahs umschließt mehrere Aspekte des Dramas. Dies betrifft zum einen ihre Hautfarbe: Sie ist ein Mischlingskind, das sich weder ihren afrikanischen Wurzeln noch der weißen Gesellschaft zugehörig fühlt. Zum anderen hat sie Probleme mit der Identifikation von Geschlechterrollen. Dies führt dazu, dass Sarah eine Außenseiterposition in der Gesellschaft einnimmt.
Sarah ist eingeschlossen in der Düsterheit ihres eigenen Gefängnisses, aus dem sie sich nicht zu befreien vermag. Das Funnyhouse stellt eine verschwimmende Zone zwischen Realität und Imagination dar.
Sarahs Selbstmord wirft sowohl die Frage nach Gründen als auch nach Schuld auf. Ist die Schuld in äußeren Umständen oder in der Person Sarahs selbst zu suchen?
Eine genauere Untersuchung der genannten Aspekte ist sinnvoll, um die Aussagekraft des Stückes fassbarer zu machen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Sarahs Identifikationsprobleme aufgrund ihrer Hautfarbe
2.1 Bedeutung von Haaren
2.2 Symbolik von Schwarz und Weiß
3 Sarahs Geschlechterrollenverständnis
3.1 Beziehung zu Vater/ Mutter
3.2 Sarahs Wahl ihrer Persönlichkeiten
4 Ausweglosigkeit der Situation
4.1 Das Funnyhouse als Gefängnis
4.2 Selbstmord
5 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die psychologischen und soziologischen Ursachen für die Identitätskrisen der Hauptfigur Sarah in Adrienne Kennedys Theaterstück "Funnyhouse of a Negro" und analysiert, wie diese zur Ausweglosigkeit und letztendlich zum Selbstmord führen.
- Identitätsfindungsprobleme und ihre Verbindung zur Hautfarbe
- Symbolik von Rasse und Geschlechterrollen im Drama
- Die psychologische Bedeutung der gespaltenen Persönlichkeit
- Soziale Isolation und gesellschaftliche Vorurteile als Gefängnis
- Einfluss familiärer Traumata auf das Handeln der Protagonistin
Auszug aus dem Buch
2.1 Bedeutung von Haaren
Der auffälligste Hinweis auf ihre afrikanischen Wurzeln sind ihre wilden krausen Haare. Sie betrachtet ihre eigenen Haare als genetischen Defekt: „My one defect is that I have a head of frizzy hair, unmistakably Negro kinky hair; and it is undistiguishable.”4 Zu der Zeit, in der das Drama geschrieben wurde, kam Frisuren eine besondere Bedeutung in der Mode zu: Afros und krauses Haar galten als modern.
Das Haar übernimmt eine stark symbolische Bedeutung in dem Drama. Sarah beneidet ihre Mutter um ihre glatten Haare. Das Haar ihrer Mutter fiel aus, angeblich als Folge der Vergewaltigung durch ihren Vater. Mit Sarahs Haar passiert das gleiche, das Motiv geht aber gleichzeitig einher mit ihrer psychischen Erkrankung. Die Mutter wurde in eine Anstalt eingewiesen, und auch Sarah ist mit ihrer Schizophrenie „infiziert“. Jede von Sarahs Persönlichkeiten macht sich Gedanken um die Thematik des Haarausfalls, es ist eines der wiederkehrenden Themen, die die Persönlichkeiten einen.
Zum Beispiel kehrt das Motiv des Haarausfalls wieder, indem beschrieben wird, dass das Haar der afrikanischen Rasse ausfiel, nachdem Sarahs Vater Afrika verlassen hatte. Haarausfall wird zu einem übergreifenden Motiv von Unfähigkeit. Die Tragik von Sarahs Vater besteht darin, dass er Gutes erreichen will, es ihm aber nicht gelingt, sowohl die Familie als auch seine Missionsarbeit zu vereinbaren. Am Ende scheitert beides, trotz seiner guten und durchaus noblen Absichten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung stellt das Theaterstück sowie die Problemstellung vor und erläutert die methodische Entscheidung, sich bei der Analyse auf die für Sarahs Selbstmord relevanten Motive zu konzentrieren.
2 Sarahs Identifikationsprobleme aufgrund ihrer Hautfarbe: Dieses Kapitel untersucht die Ablehnung der eigenen afrikanischen Wurzeln und die Symbolik von Haaren sowie des Farbkontrasts Schwarz-Weiß als Ausdruck von Sarahs Identitätskrise.
3 Sarahs Geschlechterrollenverständnis: Hier wird das ambivalente Verhältnis zu den Eltern sowie die Projektion Sarahs auf historische Persönlichkeiten analysiert, um ihr festgefahrenes Bild von Geschlechterrollen zu verdeutlichen.
4 Ausweglosigkeit der Situation: Das Kapitel beschreibt, wie die gesellschaftliche Isolation und die innere Zerrissenheit Sarah in ein selbstkonstruiertes "Gefängnis" drängen, das schließlich im Suizid mündet.
5 Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst die vielschichtigen Gründe für Sarahs psychische Zerissenheit zusammen und ordnet ihr Einzelschicksal in die gesellschaftliche Situation der afro-amerikanischen Frau ein.
Schlüsselwörter
Adrienne Kennedy, Funnyhouse of a Negro, Identitätskrise, Selbstmord, Hautfarbe, Geschlechterrollen, Rassismus, Schizophrenie, Symbolik, psychische Erkrankung, afro-amerikanische Literatur, Identitätsfindung, Isolation, Schuldkomplex.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Identitätskonflikte und die psychische Situation der Protagonistin Sarah in dem Theaterstück "Funnyhouse of a Negro" von Adrienne Kennedy.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen Identität, Hautfarbe, Geschlechterrollen, gesellschaftliche Vorurteile und psychische Traumata.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die tieferen Ursachen für Sarahs Selbstmord zu ergründen und die Symbolik des Stückes in Bezug auf ihre gespaltene Persönlichkeit zu deuten.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die Motive und Allegorien innerhalb des Dramas untersucht und in den psychologischen Kontext einordnet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Identifikationsproblemen durch Hautfarbe und Haarsymbolik, die Analyse des Geschlechterrollenverständnisses durch die Elternbeziehung und die Ausweglosigkeit ihrer Lebenssituation.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Identitätskrise, Schizophrenie, Rassenkonflikt, psychische Isolation und die Symbolik von Schwarz und Weiß.
Warum spielt der Haarausfall eine so zentrale Rolle in der Analyse?
Der Haarausfall wird als übergreifendes Motiv für Unfähigkeit und als "genetischer Defekt" wahrgenommen, der die psychische Erkrankung und die Schuldgefühle Sarahs direkt widerspiegelt.
Welche Funktion haben die vier historischen Persönlichkeiten, die Sarah wählt?
Sarah projiziert ihre Persönlichkeit auf diese Figuren, um sich von der eigenen Identität zu lösen und ihre Weiblichkeit in einer, wie sie glaubt, machtvolleren, weißen europäischen Welt zu definieren.
- Quote paper
- Christine Stark (Author), 2004, Identifikationsprobleme und Geschlechterrollenverständnis in Adrienne Kennedys Funnyhouse of a Negro, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41918