Einleitung
Die Sozialstruktur eines Landes kann extreme Auswirkungen auf die Entwicklung des Bildungsniveaus und des Bildungssystems haben. Das Bildungssystem ist dafür da, den Menschen ihren jeweiligen Status oder auch ihre zukünftige Position zuzuweisen, damit ist der Zugang zu verschiedenen Schichten meistens eng verbunden mit dem Bildungsniveau. Jemand aus einer sozial schwachen Schicht hat es viel schwerer auf eine höhere Position zu kommen, als jemand der aus einer höheren Schicht kommt und von Geburt an für die höhere Position bestimmt ist. In der „High Society“ ist die Position eng gekoppelt an den Namen, so hätte z. B. Paris Hilton nie die Möglichkeit gehabt ihre Kreationen zu veröffentlichen, wenn sie nicht durch ihren Namen schon bekannt gewesen wäre. Wenn wir dieses auf die Bildung übertragen ist es sehr ähnlich. Jemand, dessen Eltern einen Hauptschulabschluss aufweisen, hat viel geringere Chancen einen Abschluss an einer höheren Schule zu machen, als einer, der aus einer Beamtenfamilie kommt.
Hierbei möchte ich zunächst erläutern, wie es zu der Auslese im Bildungssystem kommt. Dabei ist die „Leistung“ das wichtigste Auswahlkriterium, hinzukommen aber auch soziale Merkmale, die nicht zur Auslese führen sollten, da sie gegen die Chancengleichheit verstoßen. Chancengleichheit bedeutet, dass ein Kind aus einer sozialschwachen Familie genau die gleiche Möglichkeit hat einen hohen Abschluss zu erreichen, wie ein Kind aus einer sozialreichen Familie. Somit sollten also „gleiche Chancen nach Fähigkeit und Leistung“ (vgl. Geißler 1990, 84ff.) gelten und nicht der Sozialstand, den ich es im vorherigen Absatz beschrieben habe. Ich möchte nun im Folgenden anhand einiger Statistiken klären, ob eine soziale Ungleichheit der Bildungschancen in der Bundesrepublik Deutschland vorherrscht, und ob diese mit anderen Ländern vergleichbar ist. Hierfür nehme ich die PISA- Studie 2000 und 2003 und einige verschiedene Statistiken, die zusätzlich die Bildungsexpansion in Deutschland beschreiben zur Hilfe.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bildungsexpansion
3. Bildungsgerechtigkeit
4. Soziale Herkunft und Bildung
5. Sozialschichtzugehörigkeit und Bildungsgang
6. Lesekompetenz der 15jährigen nach Sozialschichtzugehörigkeit
7. Soziale Ungleichheit der Bildungschancen im internationalen Vergleich
8. Fazit
9. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Fortbestehen sozialer Ungleichheit im deutschen Bildungssystem. Ziel ist es, unter Einbeziehung der PISA-Studien 2000 und 2003 sowie weiterer soziologischer Daten zu klären, inwieweit die soziale Herkunft die Bildungschancen und den Kompetenzerwerb von Jugendlichen determiniert und ob ein internationaler Vergleich Ansätze zur Verbesserung aufzeigt.
- Analyse der historischen Entwicklung der Bildungsexpansion in der BRD.
- Untersuchung des Einflusses der sozialen Herkunft auf den Schulerfolg und den Kompetenzerwerb.
- Bedeutung von sozialem, kulturellem und ökonomischem Kapital nach Bourdieu im Bildungskontext.
- Vergleich der Kompetenzniveaus nach Sozialschichtzugehörigkeit anhand von PISA-Daten.
- Internationaler Vergleich zur Kopplung von Herkunft und Bildungschancen.
Auszug aus dem Buch
4. Soziale Herkunft und Bildung
Die soziale Herkunft spielt im Bildungsbereich immer noch eine wichtige Rolle und hat sich auch nicht durch die Bildungsexpansion gravierend verändert. Im Folgenden gehe ich näher auf den Begriff der sozialen Herkunft ein und wie sich die soziale Herkunft auf die Bildungschancen jedes Einzelnen auswirkt.
Aus der sozialen Herkunft spiegelt sich familiäres Leben wider, wie ein Kind aufgewachsen ist, wie es erzogen worden ist und wie mit den Schulleistungen aus Sicht der Eltern umgegangen worden ist, oder auch welchen Abschluss die Eltern erworben haben und wie sie dieses Wissen in die Erziehung mit einfließen lassen konnten. Ich würde sagen: „Die Kinder sind so, wie es die Eltern ihnen vorleben.“ Warum sollte ich als Kind mein Abitur machen, wenn ich weiß, dass die Eltern auch mit einem Hauptschulabschluss „jemand“ geworden sind.
Mit der sozialen Herkunft sind weiterhin die „sozialen“, „ökonomischen“ und „kulturellen“ Ressourcen (Ehmke et al. 2003 , S. 226, mit Bezug auf Bourdieu & Coleman) verbunden. Diese Ressourcen sind für die spätere Entwicklung von entscheidender Bedeutung. Das „soziale Kapital“ wird von Bourdieu (ebd.) als die Zusammenfassung aller Ressourcen, „die sich aus einem engen Netz der sozialen und familiären Beziehung ergeben“, bezeichnet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Problematik der Bildungsungleichheit und die zentrale Fragestellung der Arbeit unter Verweis auf das deutsche Bildungssystem.
2. Bildungsexpansion: Untersuchung der historischen Zunahme von Bildungsabschlüssen und der Frage, ob diese Umverteilung eine soziale Gleichstellung bewirkt hat.
3. Bildungsgerechtigkeit: Kritische Beleuchtung der Bildungsreformen und des Ausbaus von Schulformen im Hinblick auf deren tatsächliche Wirkung für benachteiligte Schichten.
4. Soziale Herkunft und Bildung: Theoretische Fundierung des Einflusses familiärer Ressourcen (soziales, kulturelles und ökonomisches Kapital) auf den Bildungserfolg.
5. Sozialschichtzugehörigkeit und Bildungsgang: Analyse des Zusammenhangs zwischen elterlichem Status und der Empfehlung für weiterführende Schulformen.
6. Lesekompetenz der 15jährigen nach Sozialschichtzugehörigkeit: Empirische Auswertung von PISA-Ergebnissen zur schichtspezifischen Verteilung von Kompetenzen.
7. Soziale Ungleichheit der Bildungschancen im internationalen Vergleich: Vergleich der Abhängigkeit von Herkunft und Bildungserfolg in Deutschland im Kontrast zu anderen Ländern.
8. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Ausblick auf die zukünftige soziale Herausforderung der Bildungsentkoppelung.
9. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen.
Schlüsselwörter
Soziale Ungleichheit, Bildungschancen, PISA-Studie, Bildungsexpansion, Sozialschicht, Bildungsgerechtigkeit, Kulturelles Kapital, Soziales Kapital, Kompetenzerwerb, Lesekompetenz, Bildungsabschluss, Bildungsbeteiligung, Soziale Herkunft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die dauerhafte soziale Ungleichheit der Bildungschancen in der Bundesrepublik Deutschland und untersucht den Einfluss der sozialen Herkunft auf den Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Bildungsexpansion, der Einfluss der sozialen Herkunft (nach Bourdieu), die schichtspezifische Verteilung von Kompetenzen sowie der internationale Vergleich der Bildungsgerechtigkeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, anhand von Statistiken und PISA-Daten zu klären, ob eine soziale Ungleichheit der Bildungschancen in Deutschland vorherrscht und wie diese mit anderen Ländern vergleichbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung bestehender Sekundärdaten, insbesondere der PISA-Studien 2000 und 2003 sowie Daten des Mikrozensus.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Bildungsexpansion, die theoretische Definition der sozialen Herkunft, die Analyse von Schulkarrieren und die empirische Darstellung von Kompetenzunterschieden in der Lesekompetenz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Chancengleichheit, soziale Herkunft, Bildungsniveau, Kompetenzstufen und die Reproduktion sozialer Ungleichheit über Generationen hinweg.
Warum führt die Bildungsexpansion laut Autorin nicht zur vollkommenen Chancengleichheit?
Die Autorin argumentiert, dass zwar mehr Schüler höhere Bildungsabschlüsse erreichen, diese Expansion jedoch überproportional von Kindern aus höheren sozialen Schichten genutzt wird, während Arbeiterkinder weniger stark von dem Aufschwung profitieren.
Was ist das Ergebnis des Vergleichs mit Finnland?
Im Gegensatz zu Deutschland gelingt es Finnland laut PISA-Studie, das erreichte Kompetenzniveau der Jugendlichen weitgehend von der sozialen Herkunft zu entkoppeln, was das Potenzial für bildungspolitische Verbesserungen aufzeigt.
- Arbeit zitieren
- Tanja Köster (Autor:in), 2005, Die soziale Ungleichheit der Bildungschancen in der Bundesrepublik Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41925