Diese Seminararbeit befasst sich mit der zeitgenössischen Legitimation der Vernichtung der Herero in der deutschen Presse und der deutschen Kolonialliteratur. Ziel ist die Beantwortung der Frage, wie die deutsche Kolonisation und die Gewalt gegenüber der indigenen Bevölkerung in diesen Medien legitimiert wurden. Dies geschieht unter Berücksichtigung der Berichte in der konservativen deutschen Presse und eines bekannten Werkes der deutschen Kolonialliteratur. Dadurch soll verdeutlicht werden, mit welchen Mitteln die eigene Kolonialpolitik vor dem deutschen Volk begründet wurde.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Forschungsstand
1.2 Methodischer Aufbau und Fragestellung
2. Entwicklung des Aufstandes
2.1 Ausbruch
2.2 Verlauf
3. Zeitgenössische Legitimation der Kolonisation und der Gewalt
3.1 Darstellung in der Presse
3.2 Kritik an der Kolonialpolitik
3.3 Legitimation der Ereignissen in der Kolonialliteratur am Beispiel von Gustav Frenssens „Peter Moors Fahrt nach Südwest“
4. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht, mit welchen rhetorischen Mitteln und Legitimationsmustern die deutsche Kolonialpolitik sowie die Gewaltverbrechen gegen die Herero zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der zeitgenössischen Presse und Kolonialliteratur gerechtfertigt wurden. Das primäre Ziel besteht darin, die sprachlichen Strategien der Entmenschlichung und die Einbettung in rassistische Ideologien freizulegen, um das Verständnis für die damalige Wahrnehmung der kolonialen Gewalt zu schärfen.
- Analyse der Berichterstattung konservativer Zeitungen während des Herero-Aufstandes.
- Untersuchung kolonialliterarischer Werke, insbesondere des Romans „Peter Moors Fahrt nach Südwest“ von Gustav Frenssen.
- Rolle des sozialdarwinistischen und kulturmissionarischen Rassismus bei der Konstruktion eines „Fremdbildes“.
- Vergleich zwischen der Darstellung der Herero als „Gegner“ und der gezielten „Entmenschlichung“ zur Legitimierung von Vernichtung.
Auszug aus dem Buch
3.1 Darstellung in der Presse
Die heimische Presse war durch den Ausbruch des Krieges überrascht worden. Ebenso erging es der Regierung in Berlin, den Organen vor Ort oder den Siedlern. Gesine Krüger weist allerdings darauf hin, dass die Kolonialverwaltung sowie die Siedler erste Anzeichen für einen bevorstehenden Aufstand bzw. eine kriegerische Auseinandersetzung hätten erkennen können.
Die erste Meldung über eine „mögliche Erhebung“ der Herero wurde am 13.01.1904 über „Wolffs Telegraphisches Bureau“ bekannt. In den ersten Tagen beschränkte sich die Berichterstattung auf Kurzmeldungen die sich in den unterschiedlichen Medien inhaltlich kaum unterschieden. Dies lag an der zur Verfügung stehenden Informationsquellen, welche sich zu diesem Zeitpunkt auf Telegramme über die militärische Lage im Südwestafrika beschränkten. Die Zeitungen versuchten aufgrund des Mangels an Informationen, ihrer Leserschaft ein gewisses Hintergrundwissen zu vermitteln, weshalb sie zunächst grundlegende geographische sowie ethnographische Inhalte zum „Schutzgebiet“ veröffentlichten. Neben Landkarten, wurden im Kriegsverlauf Artikel über die Herero aus einer scheinbar anthropogenen Sicht publiziert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein und erläutert das Ziel, die Legitimationsstrategien kolonialer Gewalt in zeitgenössischen Medien anhand von Presseberichten und Kolonialliteratur zu untersuchen.
1.1 Forschungsstand: Hier wird der aktuelle Stand der historischen Forschung zur Kolonialgewalt und zum Herero-Aufstand beleuchtet, wobei ein besonderes Augenmerk auf die Bedeutung der Kolonialliteratur und das bisherige Desiderat der Presseanalyse gelegt wird.
1.2 Methodischer Aufbau und Fragestellung: Das Kapitel definiert den methodischen Ansatz, der die mediale Subjektivität und die semantischen Eigenheiten in der zeitgenössischen Berichterstattung und Literatur kritisch hinterfragt.
2. Entwicklung des Aufstandes: Eine knappe historische Skizze der Ereignisse in Südwestafrika zwischen Januar und Oktober 1904, die den notwendigen Kontext für die Analyse der Legitimationsmuster liefert.
2.1 Ausbruch: Untersuchung der unmittelbaren Ereignisse und der propagandistischen Rhetorik, die bereits früh auf einen kommenden Völkermord hinwies.
2.2 Verlauf: Beschreibung der militärischen Eskalation, insbesondere des Schießbefehls von General von Trotha und der Internierung der Überlebenden in Arbeitslagern.
3. Zeitgenössische Legitimation der Kolonisation und der Gewalt: Untersuchung der diskursiven Rechtfertigungsmechanismen für die Vernichtung der Herero.
3.1 Darstellung in der Presse: Analyse, wie Zeitungen durch rassistische „Fremdbilder“ und Entmenschlichung die Gewalt gegen die Herero legitimierten.
3.2 Kritik an der Kolonialpolitik: Untersuchung kritischer Stimmen, wie beispielsweise des „Vorwärts“, die ökonomische und moralische Aspekte der Kolonialpolitik infrage stellten.
3.3 Legitimation der Ereignissen in der Kolonialliteratur am Beispiel von Gustav Frenssens „Peter Moors Fahrt nach Südwest“: Untersuchung der Konstruktion einer kollektiven deutschen Identität und der Einordnung der Vernichtung als „naturgemäßer“ Prozess in der Literatur.
4. Fazit: Abschließende Zusammenfassung der Ergebnisse, welche belegt, wie Presse und Literatur durch die Entmenschlichung der Herero die Gewaltanwendung und Vernichtung gesellschaftsfähig machten.
Schlüsselwörter
Herero-Aufstand, Deutsche Kolonialgeschichte, Kolonialliteratur, Pressegeschichte, Legitimation von Gewalt, Rassismus, Sozialdarwinismus, Völkermord, Entmenschlichung, Gustav Frenssen, Schutzgebiet, Kolonialdiskurs, Deutsche Identität, Indigene Bevölkerung, Vernichtungspolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie die Vernichtung der Herero durch das Deutsche Kaiserreich in der zeitgenössischen Presse und Literatur gerechtfertigt wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind koloniale Gewalt, rassistische Ideologien, die Rolle der deutschen Medien im frühen 20. Jahrhundert und der Aufbau von „Fremdbildern“ zur Rechtfertigung politischer Maßnahmen.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage zielt darauf ab, die spezifischen sprachlichen und inhaltlichen Mittel zu identifizieren, mit denen die Kolonisation und die Gewalt gegenüber der indigenen Bevölkerung als notwendig oder naturgegeben legitimiert wurden.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es wird eine medienhistorische Inhaltsanalyse durchgeführt, die den Fokus auf semantische Eigenheiten, Argumentationsmuster und rassistische Ideologien in Primärquellen (Presse und Kolonialromanen) legt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil wird der Verlauf des Herero-Aufstandes skizziert und anschließend eine detaillierte diskursanalytische Untersuchung von Zeitungsartikeln (darunter NPZ, NAZ und Vorwärts) sowie eine literaturwissenschaftliche Analyse des Romans „Peter Moors Fahrt nach Südwest“ vorgenommen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den prägenden Begriffen gehören Kolonialdiskurs, Entmenschlichung, Sozialdarwinismus, Kulturmission, Völkermord und deutsche Identitätskonstruktion.
Wie spielt der „Schießbefehl“ von von Trotha in der Argumentation eine Rolle?
Der Schießbefehl dient als konkretes historisches Beispiel für die Radikalisierung der deutschen Vernichtungspolitik, die durch die zeitgenössische Presse bereits diskursiv vorbereitet wurde.
Welche Rolle spielt die Kolonialliteratur nach dem Krieg?
Die Kolonialliteratur fungierte in der Nachkriegszeit als Instrument, um die begangenen Gewaltverbrechen als „gottgewollt“ und als logische Folge des „Rechts des Tüchtigen“ zu verklären und in das nationale Bewusstsein zu integrieren.
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- Pierre Shirvan (Autor), 2015, Die Vernichtung der Herero. Wie wird die deutsche Kolonisation und die Gewalt gegenüber der indigenen Bevölkerung legitimiert?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/419275