Die Diktatur Sullas. Blutzoll versus Standessolidarität

Welche Motive verfolgte Sulla mit seiner Machtergreifung? Wie entwickelte sich der römische Staat unter dem Diktator?


Hausarbeit, 2014
13 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sullas Rückkehr nach Rom

3. Beginn der Diktatur und Beseitigung der politischen Gegner

4. Der Reformplan Sullas

5. Fazit

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit der historischen Entwicklung des Staates Rom unter der Herrschaft von Lucius Cornelius Sulla. Ziel ist die Beantwortung der Fragen, welche Motive Sulla mit der Machtergreifung verfolgte und inwieweit seine Reformgesetzgebung die Entwicklung Roms beeinflusste. Dies geschieht unter Berücksichtigung der drei zentralen Phasen in Sullas Diktatur. 1. Die Rückkehr und Machtergreifung, 2. Die Verfolgung politischen Gegner und 3. Die Reformgesetzgebung. Dadurch soll verdeutlicht werden wie widersprüchlich Sullas handeln war, denn sein Wille die politischen Gefilde dauerhaft von seinen politischen Gegnern zu befreien, war nicht vereinbar mit seinem Ansatz den Senat zum stärksten Organ im Staat zu formen.

Nach dieser kurzen Einleitung folgt in Kapitel 2 eine knappe Vorstellung des bisherigen Werdegangs des Hauptakteurs. Hier wird die Zeit zwischen 88-82 v. Chr. nur kurz dargelegt. Allerdings sind diese Hinweise hilfreich, um zu verstehen, wieso Sulla in seiner Diktatur so handelte wie er es tat. Anschließend wird auf Sullas Rückkehr nach Rom, auch unter kurzer Berücksichtigung des Bürgerkriegs sowie seinen Bemühungen die Macht zu ergreifen, eingegangen.

Daraufhin befasst sich Kapitel 3 mit der Anfangszeit Sullas Diktatur unter besonderer Berücksichtigung der Proskription, also der Ächtung politischer Gegner. Hier wird dargelegt mit welchen extremen Mitteln seine Politik durchsetzen und seine Macht festigen wollte. Diese Ereignisse sind bei der späteren Bewertung von Sullas Herrschaft ein ausschlaggebender Faktor, weil seine Gewalttaten nicht getrennt von seinen Reformen gesehen werden können.

In Kapitel 4 wird ausführlich auf den Reformplan Sullas eingegangen, welcher der Konsolidierung des römischen Staates dienen sollte. Dieser umfasste zahlreiche Themenkomplexe, wobei in dieser Arbeit das Augenmerk vor allem auf die Bereiche der Magistraturen, des Senats und der Rechtsprechung gelegt wurde. Abschließend folgt im Fazit eine kurze Zusammenfassung vorherigen Schilderungen samt der Beantwortung der Frage inwieweit sich Rom unter dem Diktator Sulla entwickelt hat und welche Faktoren dafür ausschlaggebend waren.

2. Sullas Rückkehr nach Rom

Lucius Cornelius Sulla stammt aus einem der ältesten patrizischen Geschlechtern Roms, die aber bereits seit Mitte des zweiten Jahrhunderts an politische Bedeutung verloren. Trotz seiner Abstammung besaß er deshalb nur den Status eines homo novus, eines Neuaufsteigers in die politischen Sphären Roms. Die wichtigen politischen Ämter erlangte Sulla erst im fortgeschrittenen Alter. Seine Karriere beginnt 107 v. Chr. als Quaestor unter Marius im Krieg gegen Jugurtha, wo er seine Fähigkeiten aufblitzen lässt, als er den flüchtigen König Jugurtha gefangen nehmen konnte. Zum Bruch mit Marius kommt es erst später als Sulla sich den führenden politischen Kräften im Senat zuwandte.1

Als Konsul tritt erstmals im Jahr 88 v. Chr. in Erscheinung, als eine Auseinandersetzung mit dem Volkstribun Publius Sulpicius Rufus über die Integration von neuen Bürgern in Roms Staatsordnung in Sullas Marsch auf Rom fußte. Sullas Entschluss sich mit seinen Truppen Rom zu nähern glich einem Bruch mit den Traditionen, denn nie zuvor sind Truppen bestehend aus römischen Bürgern gegen das politische Zentrum vorgegangen.2

Dieses Vorgehen Sullas ähnelte Bürgerkriegsähnlichen Handlungen und rief den Widerstand der stadtrömischen Öffentlichkeit hervor die sich mit allen Mittel versuchten zu wehren. Trotzdem konnte er sich gegen seinen Kontrahenten Sulpicius durchsetzen. Um die Konkurrenz auf lange Sicht zu Schwächen setzt Sulla erstmals das Mittel der Ächtung ein, dem zwölf seiner Gegner zum Opfer fallen, unter ihnen Sulpicius und Marius.3

In seinen Amtsbereich als Konsul fiel der Feldzug gegen König Mithridates in Kleinasien, was dazu führte dass er ihm keine Zeit blieb, die Verhältnisse in Rom dauerhaft zu ordnen. Sulla musste sich vor seinen Aufbruch in den Osten noch einem wichtigen Punkte widmen. 87 v. Chr. mussten noch Wahlen durchgeführt werden um die Handlungsfähigkeit des Staates auch während seiner Abwesenheit sicherzustellen. Bei den Wahlen wurde mit Lucius Cornelius Cinna ein Gegner Sullas in das Amt des Konsuls berufen. Dieser ging später mit dem aus dem Exil in Nordafrika zurückgerufenen Marius ein Bündnis ein. Zusammen verfügten sie über eine ausreichende Truppenstärke um Ende des Jahres 87 v. Chr. Rom, unter Einsatz massiver Gewalt, einzunehmen. Für das Jahr 86 v. Chr. ernannten sich Marius und Cinna zu Konsuln, wobei Marius kurz nach Amtsantritt verstarb.4

Während Cinnas Herrschaft befand sich die Republik in einem Übergangszustand, denn die Rückkehr Sullas war nur eine Frage der Zeit. Während Sulla in den Jahren 87-84 v. Chr. in Griechenland und Kleinasien gegen Mithridates kämpfte, dominierte Cinna in Italien. Nachdem Sulla 85. V. Chr. die Kämpfe durch einen Frieden mit Mithridates erfolgreich beenden konnte, zog er 84 v. Chr. mit seinen Truppen nach Griechenland und verbrachte das Jahr dort. Währenddessen wurde Cinna im Frühjahr desselben Jahres von seinen eigenen Soldaten erschlagen. Den im Jahr 83 v. Chr. einsetzten den Bürgerkrieg konnte Sulla nach anderthalb Jahren schließlich für sich entscheiden.5 Im Herbst 82 v. Chr. brach das Populäre Regime zusammen und somit gab es auch keine verfassungsmäßige Regierung mehr. Um dieser Situation entgegen zu wirken wurde ein Zwischenkönig (interrex) aufgestellt, der damit beauftragt war die Wahlen neuer Konsuln vorzubereiten.6

Sulla erachtete diese Planung für nicht ausreichend und musste deshalb dafür sorgen, dass ein interrex gewählt wurde der seine Gesinnung teilt. So sorgte er nach der Senatssitzung vom 5. November dafür, dass der Princeps senatus L. Valerius Flaccus in das Amt berufen wurde. Daraufhin wendete Sulla sich in einem Brief an den neu gewählten interrex, in dem er klar stellt, dass es nötig sei ihm eine diktatorische Vollmacht zu verleihen um die zerrütteten Verhältnisse in Rom und Italien wieder zu ordnen zu können.7

Flaccus brachte daraufhin ein Spezialgesetz ein, die lex Valeria de Sulla dictature, die eine ungewöhnliche Diktatur zuließ und ernannte Sulla zum Diktator. Das Gesetz legalisierte alle Maßnahmen, die er bereits vorher getroffen hatte und gab im darüber hinaus das Recht römische Bürger zu ächten. Damit war es ihm möglich ohne Gerichtsurteil töten zu lassen und das Vermögen der Geächteten einzuziehen, Land zu verteilen, Kolonien gründen und aufzuheben und die Ordnung des Staates auf eine feste gesetzliche Grundlage zu stellen.8

Somit diente das Ausnahmeamt der Diktatur einem neuem Zweck. Bis zum Ende des dritten Jahrhunderts hatte das Amt noch zur Konzentration des Oberbefehls zur Überwindung von militärischen Krisen gedient, nun wurde es zur innerstaatlichen Krisenbewältigung genutzt. Auch wurde die zeitlich Begrenzung auf sechs Monate aufgehoben. Die Amtsdauer richtete sich nur noch nach dem Zweck, den Staat zu konsolidieren. Wann dieser erreicht wurde lag alleine in der Auffassung des Amtsträgers. Mit dieser kommissarischen Diktatur verfolgte Sulla das Ziel, den Sieg der Optimaten im Bürgerkrieg zu festigen und den Senat einer gesetzlich gefestigten Grundlage zu hinterlassen.9

Um diesen Auftrag zu erreichen setzte Sulla bestimmte Maßnahmen um. Es wurde zunächst der Teil der gesellschaftlichen Elite liquidiert, der im Bürgerkrieg auf der Gegenseite stand. So kamen zu den Opfern des Bürgerkriegs, Angehörige der Oberschicht die durch das Mittel der Ächtung ihr Leben ließen.

[...]


1 Linke, Bernhard: Die römische Republik von den Gracchen bis Sulla, Darmstadt 2005, S. 108. (Im Folgenden zitiert als: Linke: Gracchen)

2 Linke: Gracchen, S. 105, 112.

3 Linke: Gracchen, S. 113 f.

4 Linke: Gracchen, S. 116f.

5 Linke: Gracchen, S. 117, 124f.

6 Bringmann, Klaus: Krise und Ende der römischen Republik (133-42 v. Chr.), Berlin 2003, S.

63. (Im Folgenden zitiert als: Bringmann: Krise und Ende)

7 Behr, Holger: Die Selbstdarstellung Sullas. Ein aristokratischer Politiker zwischen persönlichem Führungsanspruch und Standessolidarität, Frankfurt a. M. 1993, S. 99. (Im Folgenden zitiert als: Behr: Selbstdarstellung); Bringmann: Krise und Ende, S. 63.; Letzner, Wolfram: Lucius Cornelius Sulla. Versuch einer Biographie, Münster 2000, S. 247. (Im Folgenden zitiert als: Letzner: Sulla)

8 Bringmann: Krise und Ende, S, 63 f.; Hatscher, Christoph R.: Charisma und Res publica. Max Webers Herrschaftssoziologie und die römische Republik, Stuttgart 2000, S. 132; Letzner: Sulla, S. 247 ff.

9 Bringmann: Krise und Ende, S, 64.; Letzner: Sulla, S. 248.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Diktatur Sullas. Blutzoll versus Standessolidarität
Untertitel
Welche Motive verfolgte Sulla mit seiner Machtergreifung? Wie entwickelte sich der römische Staat unter dem Diktator?
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
2,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
13
Katalognummer
V419276
ISBN (eBook)
9783668679627
ISBN (Buch)
9783668679634
Dateigröße
544 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
diktatur, sullas, blutzoll, standessolidarität, welche, motive, sulla, machtergreifung, staat, diktator
Arbeit zitieren
Pierre Shirvan (Autor), 2014, Die Diktatur Sullas. Blutzoll versus Standessolidarität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/419276

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