Mobiles, ortsbezogenes Lernen im Unterricht

Lärmkartierung in der gymnasialen Oberstufe


Examensarbeit, 2015

39 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Einbettung
2.1 Mobiles, ortsbezogenes Lernen
2.2 Bezug zur Lärmkartierung
2.3 Legitimation laut dem Rahmenlehrplan Brandenburg
2.4 Die Lehrerqualifikation „Unterrichten“
2.5 Die Lehrerqualifikation „Innovieren“

3. Die Mobile Lehreinheit in der Unterrichtspraxis
3.1 Planung der mobilen Lehreinheit
3.1.1 Rahmenbedingungen für das Vorhaben
3.1.2 Inhaltliche Planung
3.1.3 Anforderungen an die Lernanwendung
3.2 Durchführung der mobilen Lerneinheit
3.2.1 Vorüberlegungen
3.2.2 Durchführung der Sequenz
3.3 Reflexion
3.3.1 Reflexion der Lerngruppe
3.3.2 Reflexion der Lehrkraft
3.4 Zusammenfassung

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

„Nichts ist beständiger als der Wandel. Während vor einigen Jahren noch vor allem das Fernsehen ein wichtiges Thema in der Erziehung war, fordert heute die digitale Welt von Internet und Handy Eltern und Lehrkräfte immer stärker heraus.“

Wolfgang Kraft, Direktor des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg (LMZ, 2015, S.6)

Die Nutzung mobiler Endgeräte wie Smartphones[1] und Tablets[2] in Kombination mit dem Gebrauch des mobilen Internets sind aktuell von großem gesellschaftlichem Interesse. Insbesondere das Smartphone mit seinen gegenüber dem Mobiltelefon umfangreicheren Computerfunktionalitäten steht wie kein anderes Gerät für den digitalen Wandel, welches sich quer durch alle gesellschaftlichen Bereiche zieht. Für Lehrer[3] und Schüler entstehen dadurch ganz neue Möglichkeiten in der digitalen Unterrichtspraxis, bei der statt aufwendiger, technischer Ausstattung nun das Smartphone mitgenutzt werden kann. Doch wenn es um das mobile Internet sowie moderne Medien geht, so leben Lehrende und Lernende häufig in verschiedenen Welten.

Eine Studie der nordrhein-westfälischen Landesanstalt für Medien (LfM) über Medienkompetenz in der Schule hat gezeigt: Während Online-Netzwerke bei Schülern ungemein populär sind, sehen Lehrer die Nutzung von Facebook und anderen Onlinediensten eher kritisch. „Dabei sollten Lehrer diese Angebote wahrnehmen und nicht verteufeln. Schließlich ist das Teil der Lebenswelt ihrer Schüler“, so der Leiter der Studie, Professor Andreas Breiter[4], der seine Ergebnisse mit der Annahme begründet, dass die Lehrkräfte die Lernressource kaum kontrollieren könnten und dadurch einem Kontrollverlust unterliegen. Diesen Aspekt sollte man auch nie außer Acht lassen, denn neben dem hohen Stellenwert der Smartphonenutzung und der vielseitigen Nutzungsmöglichkeiten stellen sich die Lehrkräfte neuen und unbekannten Herausforderungen wie etwa dem Umgang mit kritischen Inhalten, dem Datenschutz oder des Cybermobbing[5].

Für die pädagogische Praxis stellt sich daher die Frage, inwiefern zeitgemäße Medien mit Hilfe von mobilen Endgeräten konstruktiv, „schulverträglich“ und sinnvoll in den Unterrichtsalltag eingebunden werden können?

Es bedarf nicht nur an ausgewogenen Konzepten für Lehr- und Lernszenarien, die technisch Mögliches und didaktisch Sinnvolles zielführend in Einklang bringen, sondern einer konkreten Vorstellung, „…wie Medien bzw. Medienangebote oder Medienbeiträge zur Erreichung der pädagogisch gerechtfertigten Ziele gestaltet und verwendet werden können…“[6].

Medienbildung und die damit verbundene Medienkompetenz wird oftmals als vierte Kulturtechnik bezeichnet und ist mittlerweile als Schlüsselqualifikation genauso unverzichtbar wie Rechnen, Lesen und Schreiben[7]. Aus diesem Grunde wird der Medienbildung ein durchgängiges Leitprinzip in den neuen Bildungsplänen zugeschrieben, so der Minister für Kultur, Jugend und Sport, Andreas Stoch[8]. Um der zunehmenden Bedeutung der technikgestützten Informationsquellen gerecht zu werden, soll die vorliegende Arbeit mobile Lernprozesse thematisieren, die sich „schulverträglich“ und sinnvoll in den Schulalltag integrieren lassen.

Unter Berücksichtigung meiner Lehramtsausrichtung (Lehramt an Gymnasien) sowie meiner Ausbildungsfächer (Sport und Geographie) liegt der Fokus der vorliegenden Expertise im Fach Geographie in der Sekundarstufe II. An dieser Stelle gilt es festzuhalten, dass ich im Zuge einer wissenschaftlichen Mitarbeiterstelle im Fachbereich Geographie an der Universität Potsdam bereits Erfahrungen zum Thema „Mobiles, ortsbezogenes Lernen im Geographieunterricht“ sammeln konnte. Dabei entstand die Idee, mit Hilfe von mobilen Endgeräten sowie drahtloser Netzwerke Lärmkartierungen in der unmittelbaren Umgebung zu erstellen. Ein möglicher Ansatz der Umsetzung konnte bereits im Rahmen von zwei schulischen Projekttagen erprobt werden. Er bedient sich der Lehrerqualifikationen Innovieren (Moderne Medien) und Unterrichten (Kompetenzerwerb im Schulalltag) und soll in den nächsten Kapiteln näher vorgestellt werden.

2. Theoretische Einbettung

2.1 Mobiles, ortsbezogenes Lernen

Mobiles Lernen in der Schule bedeutete bislang den Zugriff auf die Computertechnologie, die in Form von stationären Rechnern in separaten PC-Räumen vom alltäglichen Lerngeschehen weitgehend abgeschnitten war. Mittlerweile besitzen 92% der 12-19 Jährigen ein Smartphone[9], dessen immer größer werdende Bandbreite von Anwendungsmöglichkeiten auch für die Bildung interessant erscheint und neue pädagogische Einsatzfelder eröffnet. Einen Ausblick über die Vielzahl der Funktionen zeigt Ben Bachmair in seinen Sechs Eckpunkten der technischen Handyfunktionen[10] . Demnach bietet das Smartphone

1. persönliche und ständige Verfügbarkeit,
2. hohe Speicherkapazität für vielfältige Darstellungsformen,
3. aktive Medienfunktionen für Video, Foto, Musik und Audio,
4. Anwendungen für die Alltagsorganisation wie Kalender, Wecker und Navigation,
5. Zugang einer vielfältigen persönlichen Kommunikation (SMS, MMS, Telefon etc.) sowie
6. Schnittstellen (Bluetooth, Datenkabel usw.) und Zugang zum Internet (Wlan-Router, Twitter, Google, Apps, Weblog).

Damit bieten mobile elektronische Endgeräte wie Smartphones und Tablets viele handlungsorientierte medienbezogene Ansätze für den Unterricht, egal ob im Klassenraum oder außerhalb. In Folge dessen entwickelt sich aus dem klassischen Konzept des E-Learning (Electronic Learning), welches Lerninhalte in digitaler Form zur Verfügung stellt (z.B. Moodle), nun das M- Learning (Mobile Learning) , welches um die Komponente „Mobilität“ erweitert wird und damit einen orts- und zeitunabhängigen Zugriff auf Informationen und Anwendungen erlaubt.

Begleitet und unterstützt wird dieser pädagogische Ansatz in der Regel von einer App beziehungsweise Applikation. Eine App ist eine Anwendung für Smartphones, mit denen die Funktionalität des Handys erweitert wird. Dies können kleine Hilfsprogramme (Kompass, Taschenlampe, Wasserwaage), spielerische Applikationen (Wo liegt das?, MyGeoQuest) oder auch Verknüpfungen mit Onlinediensten (Wetterbericht, Nachrichten) sein[11]. Die Angebote solcher Apps bieten in ihrer Gesamtheit heutzutage ein derart breites Spektrum an, dass sie in ihrer Vielzahl und Vielfalt in fast jedem Lebensbereich genutzt werden können. Es ist daher kein Zufall, dass immer mehr Programme auch Zuspruch im täglichen Schulleben erfahren. So nutzen viele Lehrkräfte die Vorteile von programmgestützten mediengeleiteten Lernszenarien wie etwa das LEO Wörterbuch (Englisch), Geocaching (Geographie), Wissenschaft (Chemie), SlowMo (Sport) oder auch GarageBand (Musik). Darüber hinaus gibt es fächerübergreifende Anwendungen, wie z.B. den QR-Reader (QR-Rallye) oder auch die Dropbox (Online-Speicherplattform). All diese Apps haben gemeinsam, dass man auf sie orts- und zeitunabhängig Zugriff nehmen kann, sofern man mit dem Internet verbunden ist.

Bezug nehmend auf den Fachbereich Geographie, dessen übergeordnetes Ziel für den Unterricht in der gymnasialen Oberstufe im Land Brandenburg in der raumbezogenen Handlungskompetenz[12] liegt, sollten die mobilen Lehr- und Lernszenarien dem Anspruch folgen, die Perspektiven der Raumbetrachtung aufzugreifen. Es geht daher auch um die Frage, warum das Thema Ortsbezogenheit so wichtig ist und warum wir vom mobilen, ortsbezogenen Lernen sprechen.

Ein einfaches Beispiel lässt sich dem Deckblatt entnehmen. Scannt man mit einem QR-Reader der eigenen Wahl den zweidimensionalen Code des Deckblattes, so wird der Titel der vorliegenden Arbeit, „Mobiles, ortsbezogenes Lernen im Unterricht der gymnasialen Oberstufe am Beispiel einer Lärmkartierung!“, angezeigt. Als Lehrkraft könnte man nun ergänzende Aufgaben wie das Erstellen einer MindMap oder eine Internetrecherche zur Thematik formulieren. Sowohl der Zugriff auf den Quellcode als auch die Bearbeitung der Aufgabenstellungen können orts- und zeitunabhängig erfolgen. An dieser Stelle gilt es nun, das technisch Mögliche mit dem didaktisch Sinnvollen zu verknüpfen.

Die zentrale Aufgabe des Geographieunterrichts ist die Vermittlung einer raumbezogenen Handlungskompetenz. Raumbezogene Handlungskompetenz zu vermitteln kann zum einen bedeuten, räumliche Gegebenheiten und Entwicklungen zu verorten, einzuordnen und zum eigenen Standort in Beziehung zu setzen, zum anderen aber auch, raumbezogene Fragestellungen zu bearbeiten und Informationen sachgerecht und kritisch zu überprüfen. So könnte man mittels eines QR-Codes die Aufgabe: „Miss mit Hilfe deiner Dezibel-App die Lautstärke auf dem Sportplatz während der Pausen- und der Unterrichtszeiten!“ bearbeiten lassen. Der Raumausschnitt Sportplatz auf dem Schulgelände soll hierbei zu bestimmten Zeitspannen (Pausen- und Unterrichtszeit) hinsichtlich seiner Lärmbelastung untersucht werden. Die Aufgabenstellung zielt nun auf die fachliche Erfassung und Durchdringung einer räumlichen Struktur ab, die für die Lebenswelt der Schüler von hohem Stellenwert ist. Aus diesem Grunde wird in der vorliegenden Arbeit der pädagogische Ansatz des mobilen Lernens um die Komponente „ortsbezogen“ erweitert.

2.2 Bezug zur Lärmkartierung

Der Einsatz mobiler Endgeräte zur Vermittlung von Bildungsinhalten und zum Erwerb von fachbezogenen Kompetenzen befindet sich noch am Anfang seiner Entwicklung. Um das Potenzial mobiler, ortsbezogener Lehr- und Lernszenarien auszuschöpfen, bedarf es im schulischen Kontext ausgewogener Konzepte, die die Komponenten Technik (Innovieren) und Didaktik (Unterrichten) zweckvoll in Einklang bringen. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an programmgestützten mediengeleiteten Lehr- und Lernszenarien für den Fachunterricht, so auch für die Geographie.

Der Schulgeograph Julian Bette stellt in der Praxis Geographie Mobiles Lernen[13] ein Unterrichtskonzept vor, in dem Schüler mit Hilfe des Smartphones die Lärmbelastung ausgewählter Raumbeispiele messen und im Anschluss kartieren. Eine mögliche App, mit der sich dieses Szenario realisieren lässt, wäre zum Beispiel NoiseTube Mobile.

In dem Beitrag legt Bette Lärm als eines der größten und am meisten bagatellisierten Umweltprobleme dar, deren Belastung neben gesundheitlichen Schäden auch beträchtliche wirtschaftliche und soziale Kosten verursacht[14]. Die Folge: Lärm rückt als Umweltthema immer mehr in den Fokus des öffentlichen Diskurses. So schädigen die als störend und unangenehm empfundenen Geräusche nicht nur die Ohren, sondern den gesamten menschlichen Organismus. Man nimmt an, dass es in den westlichen Industriestaaten ohne Lärmbelastung ca. 10% weniger Herzinfarkte gebe[15]. Mittlerweile fühlen sich etwa 38% der Bevölkerung durch den Straßenverkehr, 15% durch den Flugverkehr und 12% durch den Schienenverkehr belästigt.

Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sind die Gesamtkosten einer notwendigen Lärmsanierung der Straßen nicht bezahlbar und bislang auch nicht kalkuliert worden, da man sich in vielen Vorgaben zur Minderung der Lärmbelastung nicht einig ist[16]. Mit der EU-Umgebungslärmrichtlinie gibt es erstmals einen gemeinsamen europäischen Ansatz zur Minderung der Lärmbelastung. Die am 18.07.2002 in Kraft getretene „Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates über die Bewertung und die Bekämpfung von Umgebungslärm“ verfolgt das Ziel der Gewährleistung eines hohen Gesundheits- und Umweltschutzniveaus. Um dieses Ziel zu erreichen, sind laut des Umweltbundesamtes folgende Maßnahmen vorgesehen[17]:

1. Die Belastung durch Umgebungslärm wird anhand von Lärmkarten ermittelt.

2. Es wird sichergestellt, dass die Öffentlichkeit über Umgebungslärm und seine Auswirkungen informiert wird.

3. Die Mitgliedsstaaten erstellen Aktionspläne, die auf Basis von Lärmkarten erarbeitet wurden.

Aus dieser Lärmminderungsplanung geht hervor, dass die Ermittlung von Lärmkarten die Basis der weiteren Schritte darstellt und als Fundament für die Schritte zwei und drei unverzichtbar ist. Kartierungen als obligatorischer Teil des Geographieunterrichts bieten im Kontext des alltagsrelevanten Problems Lärm hiermit ein vielschichtiges didaktisches Potenzial für einen kompetenzorientierten Lernansatz. An dieser Stelle sollte berücksichtigt werden, dass der Umgang mit als störend und unangenehm empfundenen Laute und Geräusche im Vorfeld diskutiert werden sollte. Denn während die Frage nach der Gefährdung und Schädigung durch Lärm medizinisch beantwortet werden kann, so ist die Frage nach Störung und Belästigung ausgesprochen subjektiv.

2.3 Legitimation laut dem Rahmenlehrplan Brandenburg

Kartierungen sind ein fester Bestandteil des Geographieunterrichts und bieten im Zusammenhang mit alltagsrelevanten Problemen ein facettenreiches, didaktisches Potenzial für einen schüler- und kompetenzorientierten Unterricht. Die Belastung durch Umgebungslärm anhand von Lärmkarten ermitteln zu lassen kann der Ausgangspunkt einer problemorientierten Raumanalyse des Nahraumes sein und den Schülern die Ursachen-Wirkungs-Zusammenhänge im Mensch-Umwelt-System näher bringen.

Bezugnehmend der Vorgaben des Rahmenlehrplans für den Unterricht in der gymnasialen Oberstufe im Land Brandenburg entspricht diese Thematik dem Fachprofil Geographie in besonderem Maße, da sowohl natur-/geowissenschaftliche als auch sozialwissenschaftliche Ansätze, Inhalte und Methoden sinnvoll miteinander verbunden werden können. „Damit ist die Geographie auch ein zentrales Feld der Umwelterziehung“[18].

Gemäß den Kompetenzen und Inhalten des Rahmenlehrplans Brandenburg ist die Lärmbelastung mit der Anfertigung einer Karte dem Abschnitt „Siedlungsplanung/ Sanierung“ aus dem Themenfeld „Siedlungsentwicklung und Raumplanung“ zuzuordnen. An dieser Stelle wird auf die Untersuchung und Bewertung eines Planungsvorhabens hingewiesen, bei der die Schüler auf Grundlage einer komplexen Analyse von unterschiedlich strukturierten Räumen (nähere Umgebung der Schule) Daten erheben (Lärmmessung, Kartierung), um sie im Hinblick auf mögliche Maßnahmen zu bewerten[19]. Die curricularen Vorgaben schlagen üblicherweise eine projektorientierte Arbeit im Rahmen Exkursionen vor, bei der die Lernenden Befragungen und Kartierungen im Wohn- und Schulumfeld durchführen.

Derartige Lehr- und Lernszenarien eignen sich bislang kaum für den täglichen Schulunterricht, da sie in ihrer zeitlichen Ausdehnung sehr aufwendig sind. Nichtsdestotrotz verfolgt die vorliegende Arbeit die Absicht, den Lerngegenstand für den täglichen Geographieunterricht zugänglich zu machen. Als sinnvolles und machbares Element des alltäglichen Lernens und Lehrens bietet sich hier die Kurzexkursion an, die als Exkursionsform einen Zeitrahmen von einem Unterrichtsblock einnehmen kann[20]. Die Schüler begeben sich dabei auf Basis des im Unterricht Vorbereiteten auf Informationsbeschaffung (Datenerhebung). Im Sinne der Vorgaben des Rahmenlehrplans wird hierbei eine Lernumgebung gestaltet, in der das selbstgesteuerte Lernen der Schüler gefördert wird[21]. Im schulischen Bereich werden Lärmkartierungen normalerweise mit Schallpegelmessgeräten durchgeführt. Im Kontext zeitgemäßer Kommunikations- und Informationstechnik sowie der Verweis auf die Nutzung von multimedialen und netzbasierten Lernarrangements[22] stellen Smartphones mit den entsprechenden Apps eine sinnvolle und zweckmäßige Alternative dar.

2.4 Die Lehrerqualifikation „Unterrichten“

Gemäß den Standards für die Lehrerbildung (Bildungswissenschaften) aus dem Beschluss der Kultusministerkonferenz[23] sind Lehrkräfte dem Kompetenzbereich Unterrichten nach Fachleute für das Lehren und Lernen. Im Folgenden sollen die drei Kernkompetenzen dieser Lehrerqualifikation anhand des mobilen Lehr- und Lernszenarios erläutert werden.

I. Lehrerinnen und Lehrer planen Unterricht fach- und sachgerecht und führen ihn sachlich und fachlich korrekt durch.

Entsprechend der thematischen Vorgaben des Rahmenlehrplans Brandenburg[24] sollte das Lehrvorhaben fachlich eingeordnet werden. Kartierungen als obligatorischer Bestandteil des Geographieunterrichts und die alltagsrelevante Problematik der Lärmbelastung können dem Themenfeld Siedlungsentwicklung und Raumplanung zugeordnet werden. In diesem Zusammenhang sind Kenntnisse über die Vorgehensweise einer problemorientierten Raumanalyse und -bewertung notwendig. Im Konkreten heißt dies die Entwicklung einer problemerschließenden Fragestellung, die Auswahl relevanter räumlicher Strukturen, die Erhebung zweckmäßiger Daten (Schallpegelmessung), die Präsentation gewonnener Ergebnisse sowie dessen Beurteilung hinsichtlich raumplanerischer Entscheidungen. Das vorliegende Lehrszenario setzt von der Fachkraft nicht nur einen grundlegenden Sachverstand des Themenfeldes Siedlungsentwicklung und Raumplanung voraus, sondern vor allem methodische Kompetenzen.

II. Lehrerinnen und Lehrer unterstützen durch die Gestaltung von Lernsituationen das Lernen von Schülerinnen und Schülern. Sie motivieren Schülerinnen und Schüler und befähigen sie, Zusammenhänge herzustellen und Gelerntes zu nutzen.

Der pädagogische Ansatz des mobilen Lernens mit dem Smartphone und dem Tablet in Verbindung mit dem alltagsrelevanten Problem der Lärmbelastung soll für die Schüler eine motivierende Lernsituation darstellen, in der die Lernenden unter dem Einsatz zeitgemäßer Kommunikations- und Informationstechnik Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge im Mensch-Umwelt-System erfassen und analysieren können.

III. Lehrerinnen und Lehrer fördern die Fähigkeiten von Schülerinnen und Schülern zum selbstbestimmten Lernen und Arbeiten.

In Übereinstimmung mit dem didaktischen Prinzip des handlungszentrierten Unterrichts liegt der Fokus in der Selbsttätigkeit des Schülers, das heißt, die Lernenden sollen an der Auswahl, Zielsetzung und Gestaltung der Lernprozesse aktiv beteiligt sein. Dies betrifft den Aufbau der Lernsituation mit der zu entwickelnden, problemerschließenden Fragestellung, der Untersuchungsplanung, der Durchführung, der Aufbereitung der Daten sowie der anschließenden Präsentation, Diskussion und Reflexion. Infolgedessen handeln die Schüler betreffend der Resultate ihrer Analyse und Bewertung der Lärmbelastung nicht nur selbsttätig, sondern auch selbstverantwortlich.

2.5 Die Lehrerqualifikation „Innovieren“

Der Kompetenzbereich Innovieren ist charakterisiert durch die Anwendung neuer Ideen und Technik im Schulalltag. In Abhängigkeit der multimedialen und netzbasierten Lernressourcen der Schule sowie der Medienkompetenzen der Lehrkraft kann dieses Lernfeld dem Anspruch eines zeitgemäßen und kompetenzorientierten Unterrichts Rechnung tragen. Folgend die drei Kompetenzbereiche der Lehrerqualifikation Innovieren.

I. Lehrerinnen und Lehrer sind sich der besonderen Anforderungen des Lehrerberufs bewusst. Sie verstehen ihren Beruf als ein öffentliches Amt mit besonderer Verantwortung und Verpflichtung.

Medien sowie zeitgemäße Kommunikations- und Informationstechnik sind ein wesentlicher und selbstverständlicher Bestandteil der Lebenswelt der Schüler. Egal ob es um soziale Netzwerke wie Facebook, Onlinespiele wie World of Warcraft oder das ständig online sein (Email, SMS, WhatsApp etc.) geht, die meisten Lernenden beherrschen den technischen Umgang mit dem Smartphone oder dem Tablet einwandfrei. Einhergehend mit den Vorteilen dieses Kommunikationsmittels sollten aber auch stets die Nachteile bedacht werden. Angesichts des teilweise sehr problematischen Umgangs (Datenschutz, Cybermobbing etc.) mit diesen multimedialen und netzbasierten Informationsmitteln stehen die Lehrkräfte in der Pflicht, das Medienangebot kritisch zu reflektieren, um die Medien verantwortungsbewusst nutzen zu können.

II. Lehrerinnen und Lehrer verstehen ihren Beruf als ständige Lernaufgabe.

Wagt man einen Einblick in die Alltagswelt von jungen Menschen, so stellt man sehr schnell fest, dass mobile Endgeräte wie das Smartphone und das Tablet ein unverzichtbares Kommunikations- und Unterhaltungsmedium darstellen. In der Schule erhalten diese Medienangebote kaum Einzug. Laut einer Studie der nordrhein-westfälischen Landesanstalt für Medien leben Lehrer und Schüler, wenn es um die Nutzung und Anwendung digitaler Medien geht, häufig in verschiedenen Welten[25]. Als Lehrkraft sollte man sich hier die Frage stellen, inwiefern zeitgemäße Medien mit Hilfe von mobilen Endgeräten konstruktiv und sinnvoll in die Unterrichtspraxis eingebunden werden können und welchen Beitrag jede Lehrkraft bezugnehmend ihrer Medienkompetenz leisten kann, sich dieser Herausforderung zu stellen. Folgt man der Meinung des Ministers Andreas Stoch[26], so müssen Erwachsene diese alltägliche Realität der Kinder in den Schulalltag mit einbeziehen, um die Schüler verantwortungsvoll erziehen und begleiten zu können. Ein pädagogischer Ansatz, der technisch Mögliches und didaktisch Sinnvolles zielführend miteinander in Einklang bringt, soll in dieser Arbeit erläutert werden.

III. Lehrerinnen und Lehrer beteiligen sich an der Planung und Umsetzung schulischer Projekte und Vorhaben.

Im Rahmen der curricularen Vorgaben stehen Befragungen und Kartierungen im Wohnumfeld sowie vergleichbare Szenarien im Fokus von Exkursionen[27], die sich hinsichtlich ihrer zeitlichen Ausdehnung kaum in den Regelunterricht integrieren lassen. Das nachfolgende mobile Lehr- und Lernszenario verfolgt die Absicht, Kurzexkursionen mit einem zeitlichen Rahmen von 90 Minuten als sinnvolles und machbares Element in den alltäglichen Geographieunterricht zu integrieren. Diese Form der Planung und Umsetzung schulischer Projekte setzt voraus, dass sich die zu untersuchenden räumlichen Strukturen in unmittelbarer Umgebung zur Schule befinden.

3. Die Mobile Lehreinheit in der Unterrichtspraxis

3.1 Planung der mobilen Lehreinheit

Die Idee der Gestaltung mobiler Lehr- und Lernszenarien kam mir während meiner Beschäftigungszeit als akademischer Mitarbeiter der Human- und Naturwissenschaftlichen Fakultät Potsdam im Fachbereich der Geographiedidaktik. Im Rahmen eines Projektseminars bestand die Möglichkeit, mit Hilfe von Lehramtsstudenten Kenntnisse aus der Theorie und Praxis für die Planung von Unterrichtsprojekten zu nutzen. Dabei wurden verschiedene Lehrszenarien unter Berücksichtigung von mobilen Endgeräten durchgespielt und im schulischen Kontext reflektiert. Hierbei wurden unter anderem Umsetzungsmöglichkeiten einer Lärmkartierung in der Innenstadt Potsdam via der App NoiseTube Mo bile sowie die funktionelle Stadtgliederung im Wandel mittels der Lernanwendung Actionbound thematisiert. Eine schulische Anwendung fand bisher nicht statt.

Im Folgenden soll das mediengestützte Unterrichtsvorhaben am Beispiel einer Lärmkartierung hinsichtlich der Planung und Umsetzung näher erläutert werden. Die Ausführungen bauen auf den Rahmenbedingungen einer Schule in Potsdams Innenstadt sowie der Sichtweise einer Lehrkraft auf dieser Schule.

3.1.1 Rahmenbedingungen für das Vorhaben

Situationsspezifische Lehrvoraussetzungen

Bislang hat für mich aufgrund der Zuteilung der Klassen und Kurse nicht die Möglichkeit bestanden, entsprechend der curricularen Vorgaben sowie der schulinternen Lehrplanvorgaben der ein mobiles, ortsbezogenes Lernszenario am Beispiel einer Lärmkartierung in Jahrgang zwölf im Schulalltag durchzuführen.

Im Rahmen einer schulischen Projektwoche in Potsdam zum Thema Studienorientierung (12.10.-16.10.2015) im Jahrgang zwölf habe ich eine eigene Lerngruppe von 14 Schülern betreut. Im Fokus meiner selbstständigen Planung, Organisation und Durchführung haben sowohl die Themen „ akademische Berufe kennenlernen “ als auch „ wissenschaftliche Arbeitsweisen durchführen“ gestanden. In Rücksprache mit den Heranwachsenden haben wir an zwei Tagen zu jeweils etwa fünf Stunden eine projektorientierte Arbeit zur Problematik „Lärmbelastung in unserer Umgebung“ angestrebt und durchgeführt. Dies entspricht in etwa sechs Unterrichtseinheiten á 90 Minuten im alltäglichen Schulleben. Durch die zeitliche und damit auch konzeptionelle Eingrenzung dieses Projektes verlagert sich der Schwerpunkt von der Entwicklung einer eigenen Problemstellung hin zu einer Datenerhebung, die die Grundlage für die anschließende Lärmkartierung darstellt. Die gewonnenen Daten sollen hierbei via mobiler Endgeräte erhoben werden. Die Schule verfügt hier über ausreichend multimedialer als auch netzbasierter Lernressourcen. In der Anzahl existieren etwa 30 iPads mit dem Betriebssystem iOS sowie zahlreiche interactive whiteboards zur anschließenden Darstellung der Ergebnisse. Darüber hinaus ist es möglich, dass die Schüler die passenden Lernanwendungen über das Schulinternet auf ihr Smartphone laden und mit Hilfe ihres eigenen mobilen Endgerätes die Messungen durchführen.

[...]


[1] Ein Smartphone ist ein Mobiltelefon mit einer umfangreicheren Computer-Funktionalität und –konnektivität.

[2] Ein Tablet ist ein tragbarer, flacher Computer in besonders leichter Ausführung.

[3] Alle maskulinen Bezeichnungen beziehen sich fortan in dieser Arbeit gleichermaßen auf Frauen und Männer.

Dies geschieht ausschließlich aus Gründen der besseren Lesbarkeit.

[4] Quelle: www.lfm-nrw.de (Stand: 13.12.2015)

[5] Cybermobbing stellt verschiedene Formen der Diffamierung, Belästigung und Nötigung anderer Menschen via elektronische

Kommunikationsmittel dar.

[6] Tulodziecki/Herzig, 2004.

[7] LMZ- Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, 2015, S.4-5.

[8] Ebd.

[9] MPFS, 2015, JIM-Studie, S.46.

[10] Bachmair, B., 2011, S.11.

[11] Friedrich, K., Risch, M. (Hrsg.) & Bachmair, B., 2011, S.234.

[12] MBJS, 2011, S.10.

[13] Praxis Geographie (7-8/2014). Mobiles Lernen. Smartphones, Tablets und GPS-Geräte im Unterricht. Westermann.

[14] Ebd., S.36.

[15] BZgA, 2008, S.9.

[16] Ebd., ff.

[17] Quelle: http://www.umweltbundesamt.de/themen/verkehr-laerm/umgebungslaermrichtlinie (Stand: 12.01.2016)

[18] MBJS, 2011, S. 9 ff.

[19] Ebd., S.17.

[20] Reuschenbach, M., 2008.

[21] MBJS, 2011, S.6 ff.

[22] Ebd.

[23] KMK, 2004.

[24] MBJS, 2011, S.17.

[25] Quelle: http://www.lfm-nrw.de/service/pressemitteilungen (Stand:18.01.2016)

[26] LMZ, 2015.

[27] MBJS, 2011, S.17.

Ende der Leseprobe aus 39 Seiten

Details

Titel
Mobiles, ortsbezogenes Lernen im Unterricht
Untertitel
Lärmkartierung in der gymnasialen Oberstufe
Hochschule
Universität Potsdam
Veranstaltung
Examensarbeit für das zweite Staatsexamen
Note
1,0
Jahr
2015
Seiten
39
Katalognummer
V419288
ISBN (eBook)
9783668685130
ISBN (Buch)
9783668685147
Dateigröße
2163 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mobiles Lernen, QR Codes, Geographie, Medienbildung, Apss, Schule
Arbeit zitieren
Anonym, 2015, Mobiles, ortsbezogenes Lernen im Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/419288

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