Um die Ereignisse ab Mitte der 1990er Jahre besser einordnen zu können, soll zunächst die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands und der USA nach dem Ende des 2. Weltkrieges betrachtet werden. Die USA galt zu jener Zeit als die wirtschaftlich stärkste Volkswirtschaft. Das angeschlagene Deutschland startete einen fulminanten Aufholprozess, was unter dem Catching Up-Begriff diskutiert wird. Anschließend soll kurz auf das nach Solow benannte Produktivitätsparadoxon in den USA eingegangen werden. Im 3. Kapitel wird die neuere Wirtschaftsentwicklung der USA ab 1990 skizziert. Neue Technologien führen zu deutlichen Produktivitäts- und Wachstumserfolgen.
Vor diesem Hintergrund gilt es im 4. Kapitel die deutsche Entwicklung näher zu betrachten. Es offenbaren sich beträchtliche Differenzen. Ursachen und Gründe einer möglichen deutschen Wachstums- und Produktivitätsschwäche werden in Kapitel 5 erörtert. Der sich aufdrängende wirtschaftspolitische Handlungsbedarf soll im 6. Kapitel umschrieben werden. In einem abschließenden Fazit werden die Ergebnisse kurz resümiert, um letztendlich die langfristigen Wachstumsaussichten besser abschätzen zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Allgemeines
1.2 Entwicklung der Hausarbeit
2. Wirtschaftliche Entwicklung von 1945 bis 1990
2.1 Catching-Up-Prozess Deutschlands
2.2 Solowsches Produktivitätsparadoxon in den USA
3. Wirtschaftliche Entwicklung der USA ab den 1990er Jahren
3.1 Zeitalter der New Economy
3.2 Ursachen der Produktivitätsbeschleunigung in den USA
4. New Economy auch in Deutschland?
5. Ursachen und Erklärungsansätze der Wachstumsunterschiede seit den 1990er Jahren
5.1 Deutsches Produktivitätsparadoxon?
5.2 Wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen
6. Wirtschaftspolitischer Handlungsbedarf
7. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Gründe für das Ausbleiben der "New Economy"-Effekte in Deutschland im Vergleich zu den USA seit den 1990er Jahren. Dabei wird analysiert, ob es sich lediglich um ein zeitverzögertes deutsches Produktivitätsparadoxon handelt oder um einen tieferliegenden, strukturellen "Falling Behind"-Prozess.
- Analyse des "Catching-Up"- und "Falling-Behind"-Prozesses.
- Untersuchung des Solowschen Produktivitätsparadoxons.
- Vergleich der Auswirkungen von IKT-Investitionen in Deutschland und den USA.
- Bewertung der makroökonomischen und strukturellen Rahmenbedingungen.
- Diskussion wirtschaftspolitischer Handlungsoptionen für Deutschland.
Auszug aus dem Buch
2.1 Catching Up-Prozess Deutschlands
In den 1980er Jahren wurde im Zuge der Weiterentwicklung der Wachstumstheorien die Frage diskutiert, weshalb die langfristigen wirtschaftlichen Wachstumsverläufe von Volkswirtschaften so unterschiedlich vonstatten gehen. Dabei zeigte insbesondere die Catching Up Hypothese von Abramovitz mögliche Entwicklungsmuster von Volkswirtschaften auf.3 Ausgangspunkt seiner These waren dabei in der Realität feststellbare Unterschiede im Entwicklungsstand von Volkswirtschaften. Gemäß der neoklassischen Wachstumstheorie müssten jedoch Volkswirtschaften mit c.p. geringerer Kapitalintensität höhere Wachstumsraten verwirklichen können. Die zentrale Frage ist also, wieso es manchen Volkswirtschaften gelingt sehr hohe Produktivitätssteigerungsraten und damit letztlich auch sehr hohe Produktivitäts und Pro-Kopf-Einkommensniveaus zu erzielen, während es viele Entwicklungsländer nicht schaffen.
Dabei unterscheidet Abramovitz zwei Typen von Ländern, den Leader und die Follower. Der technologisch führende Leader besitzt das höchste Produktivitätsniveau der eingesetzten Produktionsfaktoren, die rückständigen Follower haben ein Aufholpotential.
Der Führende muss intensive Forschung und Entwicklung betreiben, will er Produktivitätsfortschritte erzielen. Aufgrund seiner fortgeschrittenen Wachstumsphase fallen Zuwachsraten tendenziell klein aus. Der Follower dagegen kann den vorhandenen Wissensstand des Leaders übernehmen.4 Durch Skaleneffekte aufgrund von Massenproduktionen, Lernprozesse in der industriellen Produktion sowie strukturellen Wandel, wie in Japan von der Agrar- hin zur Industriegesellschaft, kann der Aufholprozess sich selbst verstärken. Mögliche Fehler des Leaders können vermieden, durch Kopieren erfolgreicher Neuerungen kann sogar profitiert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in den Begriff der "New Economy" und Darstellung der Forschungsfrage hinsichtlich der wirtschaftlichen Lage Deutschlands.
2. Wirtschaftliche Entwicklung von 1945 bis 1990: Analyse des historischen Aufholprozesses Deutschlands und theoretische Einordnung des Solowschen Produktivitätsparadoxons.
3. Wirtschaftliche Entwicklung der USA ab den 1990er Jahren: Untersuchung des US-amerikanischen Aufschwungs durch neue Informations- und Kommunikationstechnologien.
4. New Economy auch in Deutschland?: Vergleich der ökonomischen Kennzahlen zwischen Deutschland und den USA während der 1990er Jahre.
5. Ursachen und Erklärungsansätze der Wachstumsunterschiede seit den 1990er Jahren: Detaillierte Analyse der statistischen Unterschiede und struktureller sowie politischer Rahmenbedingungen.
6. Wirtschaftspolitischer Handlungsbedarf: Ableitung konkreter Maßnahmen für Deutschland zur Förderung von Wachstum und technologischem Wandel.
7. Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der Ergebnisse und Einschätzung der langfristigen Wachstumsaussichten Deutschlands.
Schlüsselwörter
New Economy, Produktivitätsparadoxon, Catching Up, Falling Behind, Deutschland, USA, IKT, Wirtschaftswachstum, Arbeitsproduktivität, totale Faktorproduktivität, wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, Strukturwandel, Innovationsfähigkeit, Humankapital, Wettbewerbsfähigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, warum Deutschland im Gegensatz zu den USA in den 1990er Jahren keinen nennenswerten Produktivitätsschub durch Informations- und Kommunikationstechnologien erfahren hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Wachstumstheorien (Catching Up), das Solowsche Produktivitätsparadoxon, die Rolle der IKT für die Wirtschaftsentwicklung und der Vergleich der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist zu prüfen, ob Deutschland ein "deutsches Produktivitätsparadoxon" erlebt oder ob ein dauerhafter wirtschaftlicher Rückstand (Falling Behind) gegenüber den USA droht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und einem empirischen Vergleich ökonomischer Kennzahlen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die historische Entwicklung, die Erklärungsansätze für Wachstumsunterschiede, die statistische Erfassung von IKT-Effekten sowie die institutionellen Rahmenbedingungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Kernbegriffe sind New Economy, Produktivität, Catching Up, IKT, Wettbewerb und strukturelle Verkrustungen.
Welche Rolle spielen die "social capabilities" laut Abramovitz?
Sie bezeichnen die soziale Befähigung eines Landes, technologisches Potenzial auszuschöpfen, was unter anderem Bildungssysteme und politische Stabilität umfasst.
Warum ist das Solowsche Paradoxon für Deutschland relevant?
Es dient als Erklärungsansatz für die Diskrepanz zwischen hohen IKT-Investitionen und ausbleibendem messbarem Produktivitätswachstum in der Bundesrepublik.
- Quote paper
- Markus Schmid (Author), 2005, Vom Catching Up zum Falling Behind: Das Solowsche Produktivitätsparadoxon nun in der BRD, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41932