Ein Unterrichtsentwurf im Kontext des Seminars "Planung und Analyse von Geographieunterricht". Meereswirtschaft in den Entwicklungsländern (8. Klasse Gymnasium)


Unterrichtsentwurf, 2016
17 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Anmerkungen zur Lerngruppe

2. Sachanalyse - Meereswirtschaft in den Entwicklungslandern - didaktisch reduziert

3. Didaktische Analyse
3.1 Lehrplanbezug und Einordnung der Stunde in die Unterrichtseinheit
3.2 Gesellschaftsrelevanz
3.3 Schulerrelevanz
3.4 Fachrelevanz
3.5 Lernziele

4. Methodische Analyse

5. Verlaufsplan

6. Literaturverzeichnis

1. Anmerkungen zur Lerngruppe

Bei der zu unterrichtenden Lerngruppe handelt es sich um 26 Schulerinnen und Schuler der achten Klasse eines Gymnasiums. Insgesamt machen Jungen den groGeren Anteil der Klasse aus, dabei zeigt sich zwischen den Geschlechtern kein Unterschied im Engagement und Interesse wahrend des Geographieunterrichts. Gelegentlich kommt es wahrend des Frontalunterrichts zu kurzen Unruhen, die i.d.R. schnell abklingen. Zudem ist ein hoher Grad an Motivation notwendig, um die Schulerinnen und Schuler (SuS) v.a. bei Gruppenarbeiten etc. zu eigenstandigem und kooperativem Lernen zu bewegen. Wahrend anderer zuvorgehender Unterrichtseinheiten tauchte haufiger die Frage auf, inwiefern die Auseinandersetzung mit de jeweiligen Themen relevant fur die Schuler ist, weshalb ein Schwerpunkt in dieser Stunde auf die Beantwortung dieser Frage gelenkt werden soll. Grundsatzlich zeigt sich [in dieser Jahrgangstufe] ein haufig uneinheitliches Bild bei den Jugendlichen. Entwicklungsunterschiede, insbesondere zwischen Madchen und Jungen, werden sichtbar hinsichtlich Selbststandigkeit, korperlicher Entwicklung sowie emotionaler und sozialer Reife.

Diese Anmerkung des Staatsinstituts fur Schulqualitat und Bildungsforschung Munchen (2004) trifft auch fur die zu unterrichtende Lerngruppe zu. So lasst sich vor allem die mangelnde Bereitschaft fur Gruppenarbeiten und anderen sozialen Aktivitaten auf Entwicklungsunterschiede zuruckfuhren. Schwierig sind vor allem kooperative Aufgaben zwischen den Geschlechtern.

Anzumerken ist auGerdem, dass der Geographieunterricht in der dritten Stunde, also nach der groGen Pause stattfindet. Zwar wurden die Schulerinnen und Schuler bereits mehrmals darauf hingewiesen dem Unterricht punktlich beizuwohnen, allerdings muss mit Storungen durch spat erscheinende Schulerinnen oder Schuler zu Beginn des Unterrichts gerechnet werden.

Der Geographieunterricht findet in einem entsprechenden Fachraum statt. Karten, Atlanten und weiteres Arbeitsmaterial wie Arbeitsbucher sind vorhanden, sodass die Schuler lediglich dazu angehalten sind, eine Arbeitsmappe bzw. Heft, Papier und Schreibmaterial mitzubringen.

2. Sachanalyse - Meereswirtschaft in den Entwicklungslandern - didaktisch reduziert

Neben der Plantagenwirtschaft, dem Feldbau und der Viehzucht auf dem Land, kommt auch dem Fischfang im Zusammenhang mit der Ernahrungsfrage und Existenzgrundlage sudlandischer Volker eine wichtige Bedeutung zu. Jahrlich werden laut Food and Ariculture Organization oft he United Nations (FAO) uber 132 Millionen Tonnen Fisch konsumiert (GloboMeter o.J.). Greenfacts (2009) liefert in Anlehnung an die FAO den Hinweis, dass ungefahr 90% aller Fischprodukte aus den Ozeanen und Meeren stammen. Obwohl der meiste Konsum von Fisch auf asiatische Raume zuruckzufuhren ist, ist die Meereswirtschaft in den Entwicklungslandern auch im Zusammenhang mit Europa interessant, da dieses ebenfalls einen wirtschaftlichen Einfluss auf diese Thematik ausubt. Der Fisch und die handwerkliche Fischerei bedeuten fur den globalen Suden nicht nur die Lebensgrundlage fur Kleinfischer, sondern sie haben auch besondere Werte fur Kustenbewohner und letztlich ganze Lander des Sudens und seine Bewohner. So enthalt Fisch beispielsweise „[...] nicht nur gesundes EiweiG, sondern auch viele Nahrstoffe, die in dieser Menge und Vielfalt weder in Getreide noch in anderen Pflanzen oder Fleisch vorkommen" (maribus 2013). Wichtige Inhaltsstoffe sind u.a. das fettarme Muskelfleisch mit bis zu 20% EiweiG, ungesattigten Fettsauren, lod, Selen, samtliche wichtigen Aminosauren und vieles mehr (maribus 2013). Der ansteigende Fischverbrauch in den Industrienationen kann aufgrund des genugenden Fleischkonsums als Statussymbol betrachtet werden. Der Fisch ist durch seine enthaltenen Proteine, Aminosauren und Vitamine in den Entwicklungslandern hingegen ein Grundnahrungsmittel und deckt sogar laut Mari (2012) fur 2,6 Milliarden Menschen mindestens 20 Prozent des Bedarfs an tierischen Proteinen. Anders als Kleinfischern des Nordens, bleiben den Fischern der Entwicklungslander wirtschaftsbedingt oft keine Alternativen als in die traditionellen FuGstapfen ihrer Vorfahren zu treten. Abgesehen von den Einflussen der industriellen Fischerei, ware dies kein Problem, da sich hinter dem Beruf des Kleinfischers viele weitere Arbeitsplatze z.B. im Bereich der Weiterverarbeitung und des Fischhandels bilden. So hangen viele Arbeitsplatze und somit Lebensgrundlagen anderer Kustenbewohner von der Kleinfischerei ab. Fair-fish (2014) bietet in diesem Zusammenhang einen Vergleich der Beschaftigten zwischen industriellem Fischfang und handwerklicher Fischerei. So kommen 24 Kleinfischer auf einen Beschaftigten eines kommerziell genutzten Trawlers.

„Um Menschen mit [den notigen Nahrstoffen] zu versorgen, hatte in der Vergangenheit mehr Geld in kommerzielle Tierhaltung gesteckt werden mussen [...]. Die Folge ist, dass billiges Fleisch aus Industrie- und Schwellenlandern heute viele afrikanische Kleinbauern aus dem Markt drangt." (Mari 2012) Kleinbauern, welche nur selten auf den Ruckhalt ihrer nationalen Regierungen hoffen konnen, welche an der Armutsgrenze leben und welche zunehmend negativen menschlichen Einflussen ausgesetzt sind (Landgrabbing, Burgerkriege, Bevolkerungszuwachs, Raub, etc.), konnten auGerdem den Bedarf an Nahrstoffen, den der Fisch normalerweise fur die eigene Bevolkerung mit sich bringt, nicht decken (Mense 2001).

Uberfischung ist ein Thema, welches sich schon seit mehreren Jahren durch die Medien bewegt. Leider kommt dabei ein wenig die Auseinandersetzung mit den Folgen des industriellen Fischfangs auf die traditionellen Kleinfischer der Entwicklungslander zu kurz. Es braucht keine Belege, um zu beweisen, dass die Nachfrage in den Industrielandern nach Fisch zu explodieren scheint. In Stadten, in denen man vor ein paar Jahren mit dem Begriff „Sushi" noch nichts anfangen konnte, finden sich heute an jeder Ecke entsprechende Restaurants. Keine Seltenheit sind Angebote asiatischer Restaurants, bei denen man sich an Theken mit verschiedensten Meeresgutern fur kaum mehr als 15 Euro sattessen kann. Dem wirtschaftlichen Wandel unterliegt auch die Nachfrage nach Fisch und somit steigt auch die Intensitat an kapitalistischen Fangtechniken der industriellen Fangflotten. Schwimmende „Fabriken" fangen bereits auf offener See uber Wochen enorme Mengen an Meeresgut ab, welches sonst die Netze der Kleinfischer taglich hatte fullen konnen. So bleiben diese zunehmend leer und die Existenz der Kleinfischer wird gefahrdet (Hainzl o.J.). Erbrich (2012) macht bei Greenpeace deutlich, dass Fabrikschiffe rund 300 Tonnen Fisch fangen und verarbeiten konnen. Fur diese Arbeit benotigte die Handwerksfischerei mit 30 bis 40 Fischerbooten bis zu ein Jahr. Auch wegen der zunehmenden Urbanisierung, Industrialisierung und Zuwanderung an den Kustenregionen erfahren die Kleinfischer eine groGe Beeintrachtigung zum Zugang zu den Kustengewassern. Folge sind ihrerseits intensivere und weniger nachhaltige Fangmethoden (O’riordan 2011). Eine weitere Folge ist die Landflucht. „Dabei entfallt traditionelle Subsistenzwirtschaft als Lebensgrundlage ganzer Familien - und muss durch Erwerbsarbeit ersetzt werden, die oft nur fur den Erhalt einer einzelnen Person reicht." (Hainzl o.J.) Viele Kleinfischer ziehen so mit ihren groGen Familien in GroGstadte, welche zunehmend uberfullt werden.

Die ansteigende Nachfrage nach Fisch bedeutet auch steigende Weltmarktpreise, sodass sich gerade arme Volker keinen gesunden Fisch mehr leisten konnen. Die eigentliche Lebensgrundlage und Nahrungsquelle der Volker der Entwicklungslander ist somit zu einem Luxusprodukt der industriellen Gesellschaft geworden. Das Problem der ungleichen Verteilung und der hungernden Bevolkerung sudlicher Lander wird folglich immer groGer (Mari 2012). Generell erzeugen die Kleinfischer der Entwicklungslander jedoch in etwa genauso viel fur den menschlichen Verzehr wie die industrielle Fischerei. Im Gegensatz zu den industriellen Fangflotten benotigen Kleinfischer jedoch uber funfmal weniger Energie fur schad- liche Treibstoffe. Dennoch werden jene der industriellen Fischerei um ein vielfaches hoher subventioniert (Fair-fish 2014). Bisher scheint diese Problematik auf Wissenschaft und Forschung begrenzt. Dabei liegt der Ursprung dessen - namlich die immer weiter ansteigende Nachfrage in den Industriestaaten - auf der Hand. Um den Kleinfischern ihre Lebensgrundlage zu sichern, ist es daher von Noten, jeden einzelnen Verbraucher uber das Problem aufzuklaren und im medialen Bereich tatig zu werden. Das Konsumverhalten jedes Einzelnen bestimmt folglich die Auswirkungen auf das Leiden der armsten Volker der Erde.

3. Didaktische Analyse

3.1 Lehrplanbezug und Einordnung der Stunde in die Unterrichtseinheit

Meereswirtschaft in den Entwicklungslandern. Dieses Thema bildet ein konkretes Beispiel zum Kapitel Entwicklungslander und ihre wirtschaftliche Verflechtung mit Europa, welches es laut Staatsinstitut fur Schulqualitat und Bildungsforschung Munchen (2004) an bayrischen Schulen in der achten Klasse zu unterrichten gilt. Wie in der Sachanalyse ersichtlich wird, stellt sich bei diesem spezifischen Thema der Einfluss Europas auf die Entwicklungslander deutlich heraus. Der gesamten Unterrichtseinheit werden ungefahr 6 Stunden zugeschrieben. Dabei soll die folgende Unterrichtsstunde mittels des genannten Beispiels die Einfuhrung der recht kurzen Gesamteinheit darstellen. Zugunsten anderer Facher ist es keine Seltenheit, dass der Geographieunterricht im Umfang von zwei Stunden in der Woche aufgeteilt wird, weshalb sich auch der folgende Unterrichtsentwurf auf 45 Minuten beschranken soll. Ausgehend von „facherverknupfenden und facherubergreifenden Unterrichts- vorhaben" der Jahrgangsstufe 8, die das Staatsinstitut fur Schulqualitat und Bildungsforschung Munchen (2004) vorschlagt, eignet sich diese Unterrichtsstunde vor allem fur Themen wie Verantwortung fur die Natur oder Lebensraum Wasser. Denn neben dem Einfluss, den europaische Lander auf Kleinfischerbetriebe nehmen, werden auch marine Lebenswelten durch Uberfischung gefahrdet. Diese Problematik lasst sich am Ende der Unterrichtseinheit oder auch in Form eines Projektes genauer erarbeiten. Vom Thema Meereswirtschaft in den Entwicklungs­landern ausgehend wird in induktiver Form (vgl. Riehme 1986, S.91-94) zur allgemeinen Problematik herangefuhrt und somit folgende Punkte erarbeitet:

Armut und Reichtum: Indikatoren fur unterschiedliche Entwicklungsstande, globale raumliche Verteilung und Merkmale [und] Folgen wirtschaftlicher Verflechtungen zwischen Europa und den Entwicklungslandern, Arbeitsteilung, Handelsstrome, Entwicklungszusammenarbeit (Staatsinstitut fur Schulqualitat und Bildungsforschung Munchen 2004).

In der Didaktik wird bisweilen immer wieder diskutiert, welches Verfahren sich fur den Geographieunterricht am besten eignet. Die induktive Methode wird an dieser Stelle gewahlt, da die Klasse zu kooperativem Lernen motiviert werden soll und durch die Induktion ein entdeckendes selbststandiges Arbeiten schnell erreicht werden kann.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Ein Unterrichtsentwurf im Kontext des Seminars "Planung und Analyse von Geographieunterricht". Meereswirtschaft in den Entwicklungsländern (8. Klasse Gymnasium)
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Lehrstuhl für Didaktik der Geographie)
Veranstaltung
Planung und Analyse von Geographieunterricht
Note
2,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
17
Katalognummer
V419371
ISBN (eBook)
9783668681101
ISBN (Buch)
9783668681118
Dateigröße
420 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
geographieunterricht, gymnasium, meereswirtschaft, nachhaltige entwicklung, entwicklungsländer, didaktik, Geographiedidaktik, unterrichtsentwurf
Arbeit zitieren
Kristina Reinartz (Autor), 2016, Ein Unterrichtsentwurf im Kontext des Seminars "Planung und Analyse von Geographieunterricht". Meereswirtschaft in den Entwicklungsländern (8. Klasse Gymnasium), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/419371

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