Durch die Erwartungen und Wünsche der Gesellschaft, wie sich jemand zu verhalten hat, ist es auch beim Sprachgebrauch situationsabhängig, ob der Dialekt oder die Standardsprache angemessen und erwünscht ist. Aufgrund dessen konnten sich im Laufe der Zeit gesellschaftliche Normen über das sprachliche Verhalten entwickeln. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage: „Welchen Einfluss hat der deutsche Dialekt auf die Personalauswahl in Deutschland?“.
Um diese Frage näher zu untersuchen zu können, wird in dieser Arbeit zunächst der Personalauswahlprozess im Allgemeinen beschrieben. Darauf aufbauend wird das Bewerbungsgespräch als eine Methode im Personalauswahlverfahren näher erläutert, da erst in der persönlichen Interaktion und Kommunikation der Dialekt von Relevanz ist. Nach der Erläuterung der Personalauswahl dient der nächste Abschnitt als Wegweiser in Bezug auf die Begrifflichkeiten der Standardsprache und -varietät und dem Dialekt. Im gleichen Zuge werden auch die gegenwärtigen deutschen Mundarten vorgestellt um einen Überblick zu verschaffen.
Daran anknüpfend werden in Abschnitt vier die Einstellungen zu deutschen Dialekten und zur deutschen Sprache im Allgemeinen anhand von verschiedenen Umfrageergebnissen erörtert. Die zweite Hälfte des Abschnittes vier widmet sich der Verbindung von Sprache und Beruf und bietet eine Übersicht über allgemeine sprachliche Anforderungen im Beruf in Deutschland. In Abschnitt fünf folgt abschließend ein Fazit in dem jedes Themengebiet noch einmal aufgegriffen wird und eine logische Schlussfolgerung und Beantwortung der zu Anfang genannten Fragestellung versucht wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Personalauswahl
2.1 Definition der Personalauswahl
2.2 Das Bewerbungsgespräch als Methode der Personalauswahl
3. Dialekt als Sprachvarietät des Deutschen
3.1 Standardsprache und Sprachvarietät
3.2 Begriffserklärung des Dialekts
3.3 Deutsche Mundarten der Gegenwart
4. Spracheinstellungen in Deutschland
4.1 Spracheinstellungen gegenüber deutschen Dialekten
4.2 Sprache und Beruf
5. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss von Dialekten auf den Personalauswahlprozess in Deutschland, wobei insbesondere die Rolle von Spracheinstellungen in der zwischenmenschlichen Kommunikation während Bewerbungsgesprächen beleuchtet wird.
- Grundlagen des Personalauswahlprozesses und die Bedeutung des Bewerbungsgesprächs
- Sprachwissenschaftliche Einordnung von Dialekten als Varietäten des Deutschen
- Analyse gesellschaftlicher Spracheinstellungen und Sympathiewerte verschiedener Mundarten
- Zusammenhang zwischen Sprachgebrauch, beruflicher Anforderung und professionellem Auftreten
Auszug aus dem Buch
2.2 Das Bewerbungsgespräch als Methode der Personalauswahl
Das Bewerbungsgespräch (Vorstellungsgespräch oder auch Interview genannt), ist eines am häufigsten angewandten Auswahlverfahren, obwohl empirische Studien belegen, dass subjektive Gesprächseindrücke häufig zu Fehlentscheidungen führen (Schuler, 1998). Ein Interview ist in der Regel günstiger als andere Auswahlverfahren und zudem sind Bewerbungsgespräche durch die persönliche Interaktion zwischen Bewerber und Führungskraft flexibel, wodurch sie bei beiden Parteien als beliebtes Instrument anerkannt sind. Durch die Flexibilität des Bewerbungsgesprächs kann der Inhalt dessen von Unternehmen zu Unternehmen und auch von Gespräch zu Gespräch variieren. Der Gesprächsinhalt kann von einer unkonventionellen Unterhaltung bis hin zu einem strukturierten Stressgespräch reichen. Wie das Gespräch geführt wird ist abhängig von dem Sinn, dem Zweck und der Zielsetzung des Gesprächs (Cyrus, 2010; Jetter, 2003).
Ein wesentlicher Grund für die Durchführung von Vorstellungsgesprächen ist die Möglichkeit den Bewerber persönlich kennenzulernen und sich einen Eindruck über seine Erscheinung sowie dem Wertesystem und der Motivation, unabhängig von Ergebnissen von vorangeschalteten Verfahren, zu verschaffen. Verknüpft mit diesem Abschnitt des Personalauswahlprozesses ist die, von einem hohen Subjektivitätsgrad behafteten, Frage: „Passt dieser explizite Bewerber auf die ausgeschriebene Stelle und in das Unternehmen im Allgemeinen?“. Diese Frage soll durch den Informationsaustausch zwischen Bewerber und Führungskraft beantwortet werden, da auf diesem Wege beispielsweise fehlende Informationen bei einem lückenhaften Lebenslauf eingeholt werden können. Und auch der Bewerber hat im Vorstellungsgespräch die Möglichkeit seine Erwartungen und Ziele zu formulieren um Missverständnissen, aber auch unrealistischen Vorstellungen entgegenzuwirken. So soll für beide Seiten ein möglichst realistisches Bild über den Bewerber wie auch über das Unternehmen gewonnen werden. Jedoch unterliegt dem Aspekt des Informationsaustausches ein gravierender Unterschied im Machtverhältnis vor. Die Gesprächspartner eines Vorstellungsgesprächs begegnen sich nicht auf Augenhöhe, sondern im Regelfall ist die Rolle des Bewerbers die Unterlegene (Knebel, 2011).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz des Sprachgebrauchs im beruflichen Kontext ein und stellt die zentrale Forschungsfrage zum Einfluss deutscher Dialekte auf die Personalauswahl.
2. Personalauswahl: Dieses Kapitel definiert den Personalauswahlprozess und analysiert das Bewerbungsgespräch als ein durch hohe Subjektivität geprägtes, aber zentrales Auswahlverfahren.
3. Dialekt als Sprachvarietät des Deutschen: Hier werden die linguistischen Grundlagen der Standardsprache und die Charakteristika deutscher Dialekte sowie deren regionale Verteilung erläutert.
4. Spracheinstellungen in Deutschland: Dieses Kapitel untersucht anhand empirischer Daten, wie verschiedene Dialekte bewertet werden und welche Rolle sprachliche Kompetenzen im beruflichen Alltag spielen.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Dialekte zwar eine subjektive Komponente in der Personalauswahl darstellen, aber nicht zwingend den Karriereweg beenden, wobei für kaufmännische Berufe die Verwendung der Hochsprache empfohlen wird.
Schlüsselwörter
Personalauswahl, Bewerbungsgespräch, Dialekt, Sprachvarietät, Spracheinstellungen, Soziolinguistik, Hochdeutsch, Berufsleben, Kommunikation, Mundart, Sympathiebewertung, Berufliche Anforderungen, Subjektivität, Sozialpsychologie, Unternehmenskommunikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, welchen Einfluss der Gebrauch von regionalen Dialekten auf die Beurteilung von Bewerbern während des Auswahlverfahrens in deutschen Unternehmen hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Personalauswahlpraxis, die linguistische Differenzierung zwischen Dialekt und Standardsprache sowie die Analyse von Spracheinstellungen und deren Auswirkungen auf berufliche Kontexte.
Was ist die Forschungsfrage?
Die zentrale Frage lautet: „Welchen Einfluss hat der deutsche Dialekt auf die Personalauswahl in Deutschland?“.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie die Auswertung statistischer Umfrageergebnisse renommierter Institute (wie IDS und GfdS) zu Spracheinstellungen in Deutschland.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen der Personalauswahl, eine linguistische Einordnung von Dialekten, eine detaillierte Auswertung von Spracheinstellungsstudien sowie eine Untersuchung der sprachlichen Anforderungen in verschiedenen Berufsfeldern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Personalauswahl, Dialekt, Spracheinstellungen, Bewerbungsgespräch, Kommunikation und berufliche Kompetenz.
Warum spielt das Bewerbungsgespräch eine so große Rolle für die Fragestellung?
Da ein Dialekt in schriftlichen Unterlagen oft nicht direkt erkennbar ist, fungiert erst die mündliche Kommunikation im Vorstellungsgespräch als entscheidende Schnittstelle, an der Sprachvarietäten wahrgenommen und durch den Personalverantwortlichen bewertet werden.
Gibt es einen klaren Unterschied bei der Dialektbewertung in Deutschland?
Ja, die Ergebnisse zeigen eine Tendenz zur Bevorzugung der Standardsprache. Zudem existiert ein regionaler Unterschied: Dialektgefärbtes Deutsch wird in westlichen Bundesländern teilweise sympathischer wahrgenommen als in anderen Regionen, wobei die Beliebtheit stark dialektabhängig ist.
Was wird Bewerbern für kaufmännische Berufe empfohlen?
Aufgrund der hohen Bedeutung sprachlicher Kommunikation in kaufmännischen Tätigkeiten wird empfohlen, im beruflichen Umfeld zunächst auf die Standardsprache (Hochdeutsch) zu setzen, um möglichen Vorurteilen entgegenzuwirken.
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- Filadelfia Kapp (Author), 2018, Der Einfluss eines Dialektes bei der Personalauswahl in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/419375