Wandel der Außenpolitik Trajans zu Hadrians


Hausarbeit, 2015

20 Seiten, Note: 1,3

Selina Wegener (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Trajans Expansionspolitik

3 Der Wandel der Expansionspolitik
3.1 Das Aufgeben der Provinzen
3.2 Politik der Grenzsicherung in Germanien

4 Fazit

5 Quellenund Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Die Hypothek, die der neue Princeps Hadrian beim Amtsantritt übernahm, war groß denn er trat das Erbe des bisher militärisch erfolgreichsten römischen Kaisers an.“[1] Unter Trajan, dem „optimus princeps“[2] erfuhr das römische Reich seine größte Ausdehnung. Während seiner Feldzüge eroberte Trajan die Gebiete Dacia, Arabia, Assyria, Mesopotamia und Armenia und machte diese zu römischen Provinzen. Jedoch konnten diese nicht lange gehalten werden. Es kam schon während seiner Regierungszeit immer wieder zu Unruhen in den Provinzen, die zum Ende seiner Herrschaft nicht mehr aufzuhalten waren. Kaiser Hadrian, der Nachfolger Trajans, stand somit vor einer schwierigen, scheinbar aussichtslosen Lage, ausgehend von den aufständischen Provinzen im Osten des Reiches.[3] Als Lösung der Situation führte Hadrian einen Wandel der Expansionspolitik durch und regierte mit einer Politik der Selbstbeschränkung. Er führte mit seiner Grenzpolitik und dem Aufgeben der östlichen Provinzen eine Sicherung des Raumes durch, was für Hadrian zu diesem Zeitpunkt die sinnvollste Lösung der Lage darstellte.[4] Daher wird Hadrian oft der „Erneuerer“ und Trajan der „Erweiterer“ des Gebietes genannt.[5]

In der Hausarbeit wird zunächst ein Überblick über die Außenpolitik des Trajan gegeben. Anschließend wird die Abkehr Hadrians von der Expansionspolitik untersucht, indem die Probleme und Unruhen in den von Trajan eroberten Provinzen erläutert werden. Es wird die Frage untersucht, ob Hadrian keinen anderen Ausweg hatte außer den radikalen Wandel der Außenpolitik. Darüber hinaus wird Hadrians Politik in Bezug auf Germanien untersucht. Dort wurde in erster Linie die Grenzsicherung vorangetrieben, es kam zum Ausbau des Limes sowie der Umstrukturierung des Militärwesens. Es werden für die Bearbeitung der einzelnen Punkte verschiedene Quellen wie die „Historia Augusta“ und Cassius Dio hinzugezogen.

Cassius Dio ist der wichtigste Historiograph für die Adoptivkaiserzeit, der Trajan und Hadrian angehörten.[6] Cassius Dio war sehr angesehen und gehörte dem Senat an – 100 n. Chr. bekleidete er das Konsulat.[7] Sein Werk, die „Römische Geschichte“, ist eine ereignisgeschichtliche Darstellung, die auf Fakten basiert.[8] Die „Römische Geschichte“ richtet sich vor allem an seinen eigenen Stand, nämlich den der Senatoren. Darin beschreibt er in erster Linie das Verhältnis der Kaiser zum Senat.[9] Es handelt sich dementsprechend um eine Zeitzeugenschrift, bei welcher eine kritische Betrachtung notwendig ist, da die Aussagen in selbiger Schrift aufgrund der Nähe des Autors zum Kaiser wertend sein könnten. Insgesamt stützt Cassius Dio seine Aussagen auf qualitative, lateinische Primärquellen.

Die „Historia Augusta“ ist durchaus kritischer zu bewerten. Diese umfasst 30 Lebensbeschreibungen zu römischen Kaisern, Thronaspiranten und Usurpatoren.[10] Darüber hinaus sind keine genauen Informationen zu den Verfassern bekannt – anscheinend sei die „Historia Augusta“ von sechs Autoren der diokletianisch – konstantinischen Zeit (284-337 n. Chr.) verfasst worden; dies scheint plausibel, ist bislang jedoch nicht wissenschaftlich abgesichert.[11] Die Autorenschaft hat die Adoptivkaiserzeit somit nicht selbst miterlebt. Die Quelle enthält brauchbare Fakten, aber auch fiktionale Einschübe und wird aufgrund dessen eher als eine unterhaltsame Lektüre angesehen, welche die Begeisterung der Leserschaft zu erlangen versucht.[12] „Schlechten Kaisern“ werden viele Laster angehängt, um die „optimos principes“ besonders hervorzuheben.[13] Dies führt dazu, dass die Darstellungen sehr überspitzt sind. Dennoch handelt es sich bei der „Historia Augusta“ um die Hauptquelle zu Hadrian, da alle anderen literarischen Zeugnisse, unter anderem auch seine Autobiographie, nicht mehr erhalten sind. Allerdings können die meisten Informationen der „Historia Augusta“ als glaubwürdig eingeschätzt werden, sodass eine eingeschränkte, kritische Nutzung möglich ist.

Weitere Quellen sind die 121 Briefe zwischen Plinius dem Jüngeren und Trajan sowie der Panegyricus (Lobrede) des Plinius auf Trajan. Der Panegyricus ist eine Dankesrede, die Plinius der Jüngere anlässlich seines Suffektkonsulats hielt. Das Thema der Lobrede ist das Bild des idealen Herrschers. Plinius der Jüngere stellt Trajan hier als Beispiel für einen „optimus princeps“ dar.[14] Da die Lobreden sehr positiv geschrieben sind, könnten diese ebenfalls die Wahrheit bzw. die wahren Eigenschaften von Personen verfälschen. Zudem spielt die Nähe des Autors zu Trajan eine entscheidende Rolle. Sie hatten scheinbar ein relativ gutes Verhältnis, sodass angenommen werden muss, dass nicht nur charakterliche Eigenschaften sondern auch politische Aussagen verfälscht dargestellt sein könnten.

In seinen Briefen mit Trajan geht es hauptsächlich um Anfragen verwaltungstechnischer, juristischer und militärischer Natur. Diese besitzen einen offiziösen Charakter.[15]

Eutrop erwähnt in seinem Werk „Breviarium ab urbe condita“ die Kaiser Trajan und Hadrian in einer sehr knappen Darstellung. Dennoch sind die Fakten in seinem Werk zuverlässiger als die in der „Historia Augusta“.[16] Die „Breviarien“ wurden im 4. Jahrhundert, also auch nach dem Zeitalter des Adoptivkaisertums, in kaiserlichem Auftrag geschrieben. Die Adoptivkaiserzeit wurde hier als positiv gewertet. Trotzdem sind auch in den „Breviarien“ Fehler enthalten, sodass bei dieser Quelle ebenfalls Vorsicht geboten sein muss. Der Limes wird in der „Strategemata“ (Kriegslisten) des Frontinus abgehandelt. Fontinus war römischer Senator, aber auch Soldat. Seine „Strategemata“ beinhaltet Entscheidungen von Feldherren früherer Zeiten, aber auch aus seiner Zeit. Die „Strategemata“ besitzt keinen hohen literarischen Anspruch, vielmehr wurde das Werk als Quintessenz seiner eigenen militärischen Erfahrungen verfasst.[17] Als der Limes während der Zeit der Flavier errichtet wurde, hatte Frontinus schon ein senatorisches Amt inne und berichtet als Zeitzeuge. In der „Germania“ des Tacitus werden ebenfalls Beschreibungen zum Limes gefunden. Die politische Situation zur Zeit des Domitian und Trajan sind in seinen Werken von besonderer Bedeutung. Das Thema der „Germania“ war sehr aktuell, als unter Domitian rechtsrheinisches Gebiet unterworfen und somit der Limes errichtet wurde. In seinem Werk werden vor allem die germanischen Stämme beschrieben. Jedoch ist hier zu beachten, dass Tacitus aus römischer Sicht schreibt, sodass seine „Germania“ durchaus Wertungen enthält. Dennoch ist seine Schrift relativ frei von Fehlern, was archäologische Untersuchungen bestätigen.[18] Es handelt sich um eine Zeitzeugenschrift, die unter kritischer Betrachtung genutzt werden kann.

Auch an archäologischen Quellen mangelt es nicht. Sowohl Trajan als auch Hadrian ließen Gebäude, Statuen und ähnliches errichten. Für Trajan wurden Münzen geprägt, sobald dieser eine Provinz eingenommen hatte.[19] Auch Hadrian ließ solche Münzen prägen, jedoch normalerweise erst nach seinem Besuch in einer Provinz. Eine besondere archäologische Quelle stellt die Palisade am Limes dar. Der Limes wird in den schriftlichen Quellen kaum erwähnt, weswegen die archäologischen Ausgrabungen wichtig für die Rekonstruktion des Limes sind.[20] Jedoch stellen die archäologischen Funde am Limes eine Herausforderung an die Archäologen dar. Kastelle und sonstige Bauten am Limes wurden von den Germanen nach Einnahme des Gebietes gemieden, da sie für diese nicht brauchbar waren. Ein Großteil der Kastelle wurde abgerissen, andere Bauten sind zerfallen. Deshalb gestaltet sich die Rekonstruktion so schwierig und aufwendig.[21]

In der Forschung wird der Wandel der Expansionspolitik häufig diskutiert. Die Historiker Kornemann und Weber sehen Hadrians Wandel von der trajanischen Eroberungspolitik als Zäsur und Epochenwende.[22] Susanne Mortensen vertritt die gegensätzliche Meinung. Sie argumentiert, dass der Fokus nicht zu klein gewählt werden dürfte, sondern alle Umstände des Jahres 117 n. Chr. genau betrachtet und in die Untersuchung mit einbezogen werden müssen.[23] Thornton vertritt ebenfalls Mortensens Meinung und betont, dass Trajans Politik als Zäsur angesehen werden müsse und Hadrian mit seiner Politik nur zum alten Muster zurückkehre.[24] Insgesamt wird Hadrians Politik sehr zwiespältig aufgenommen. Die Meinung über sein politisches Lebenswerk beginnt bei Verständnislosigkeit und endet bei Verehrung.[25] Zudem ist auffällig, dass die Historiker entweder auf der Seite des Trajan oder auf der Seite des Hadrian stehen, selten aber beide Regierungsweisen toleriert werden. Im Laufe der Zeit wurde Hadrians Politik jedoch als positiv angesehen, da sich sein Wertesystem in vielen Punkten mit dem heutigen deckt – er führte Verhandlungen statt Kriege – dies ist ein Grund für das wachsende Interesse und Sympathie des Kaisers gewesen.[26]

Viele Abhandlungen beschäftigen sich mit dem Leben und der Persönlichkeit Hadrians.[27] Sie befassen sich vor allem mit seinen Reisen – Hadrian trägt auch den Namen „Reisekaiser“ und verbrachte den Großteil seiner Herrschaft außerhalb von Rom. In der Forschung werden einerseits die militärischen Aspekte des Herumziehens und andererseits Hadrians Begeisterung, die griechische Kultur aufleben zu lassen, analysiert.[28]

Von großer Wichtigkeit für die Arbeit ist der Aufsatz von Oliver Linz[29], der in seiner Darstellung die Gründe für den Wandel der Expansionspolitik aufzeigt. Dabei geht hervor, dass Hadrians Situation im Osten scheinbar nicht so aussichtslos schien, sondern eher seiner eigenen Machtsicherung diente.[30]

Hadrian war nicht nur in den östlichen Provinzen tätig, sondern auch in Germanien, wo der Limesausbau vorangetrieben wurde. Das Interesse für das Leben der Römer und somit die Erforschung des Limes begann im Humanismus. Allerdings war die Beschäftigung mit dem Limes eher auf literarische Quellen ausgelegt. Mit Mommsen begann die systematische Forschung am Limes, indem dieser die Reichs - Limeskommission gründete. Allerdings waren die Forschungen am Limes ein langwieriger Prozess, der immer wieder unterbrochen werden musste.[31] Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Arbeit wieder aufgenommen und konnte mit Hilfe technischer Mittel effizienter gestaltet werden. Zu den modernen wissenschaftlichen Methoden zählt die Luftbildarchäologie um Militärplätze ausfindig zu machen. Weitere Methoden sind geoelektrische und - magnetische Messmethoden und die Archäobotanik, die Reste von Kulturund Wildpflanzen untersucht.[32] Mit Hilfe der dendrochronologischen Methode, einer Untersuchung der Jahresringe, konnte geklärt werden, dass das Holz der Palisade, die am Limes errichtet worden war, um 120 n. Chr. gefällt worden war und somit aus hadrianischer Zeit stammt.[33] Heute gehört der Limes zum Weltkulturerbe. Insgesamt beschäftigen sich die Historiker mit der Funktion, dem Bau und dem Leben am Limes und versuchen, einen Überblick über die Strecken des Limes zu geben.[34]

2 Trajans Expansionspolitik

Trajan war von 98 bis 117 n. Chr. römischer Kaiser. Dieser wurde von Kaiser Nerva 97 n. Chr. adoptiert. Somit begann die Adoptivkaiserzeit.[35] Während Trajans Herrschaft nimmt das römische Reich eine einzigartige Stellung ein – er erreichte die größte Ausdehnung des Imperium Romanum. Um dies zu erlangen, führte er mehrere Kriege. Zu Beginn seiner Herrschaft hielt sich Trajan bei seinen Truppen in Germanien auf. Dort führte er die Grenzsicherung durch. Dazu zählte der Ausbau des Limes. Unter den Kaisern Vespasian, Titus und Domitian wurden Straßen und Schneisen errichtet.[36] Es handelte sich also zunächst um einen Postenweg, der mit hölzernen Wachtürmen ausgestattet war.[37] Die Neuerung am Limes unter Trajan war die Sicherung der am stärksten gefährdeten Grenzstrecken durch Auxiliarkohorten.[38] In Germanien plante Trajan keine weiteren Expansionen und stationierte zur Sicherung vier Legionen am Rhein.[39] Darüber hinaus kam es in Germanien zu weiteren Baumaßnahmen. In Obergermanien wurde die Donaustraße zwischen den Rhein - und Donauprovinzen ausgebaut sowie weitere Verbesserungen der Infrastruktur geschaffen.[40] Des Weiteren entstanden unter der Regierung Trajans in Germanien die Civitates (Gebietskörperschaften). Er errichtete drei Verwaltungsbereiche mit je einem Hauptort. Diese waren Wiesbaden, Frankfurt - Heddernheim und Ladenburg. Trajan sorgte dort außerdem für das Wachstum und den Zuzug von Neusiedlern in diesen Gebieten, die das Leben in der Civitas prägten.[41]

[...]


[1] Vgl. Linz (2009), S. 179.

[2] Vgl. Christ (2009), S. 312.

[3] Vgl. Linz (2009), S. 189.

[4] Vgl. Schipp (2011), S. 39.

[5] Vgl. ebd. S. 38.

[6] Vgl. Schipp (2011), S. 2.

[7] Vgl. Schütze (1997), S. 206.

[8] Vgl. Schipp (2011), S. 2.

[9] Vgl. Schütze (1997), S. 206.

[10] Vgl. ebd. S. 330.

[11] Vgl. ebd. S. 331.

[12] Vgl. Schipp (2011), S. 4.

[13] Vgl. Schütze (1997), S. 332.

[14] Vgl. ebd. S. 556.

[15] Vgl. Schütze (1997), S. 556.

[16] Vgl. Schipp (2011), S. 4.

[17] Vgl. Schütze (1997), S. 267.

[18] Vgl. ebd. S. 683f.

[19] Vgl. Seelentag (2011), S. 307.

[20] Vgl. Baatz (1975), S. 65.

[21] Vgl. Baatz (1975), S. 65.

[22] Vgl. Kornemann (1905), Weber (1923).

[23] Vgl. Mortensen (2004), S. 119.

[24] Vgl. Thornton (1975).

[25] Vgl. ebd. S. 120.

[26] Vgl. ebd. S. 121.

[27] Vgl. Birley (2006), Opper (2009).

[28] Vgl. Seelentag (2011), S. 299.

[29] Vgl. Linz (2009).

[30] Vgl. ebd. S. 190.

[31] Vgl. Baatz (1975), S. 68.

[32] Vgl. Schallmeyer (2011), S. 41.

[33] Vgl. Fraser (2006), S. 81.

[34] Vgl. Baatz (1975), Graichen (2009), Schallmeyer (2011), Thiel (2009).

[35] Vgl. Eck (2002), S. 18.

[36] Vgl. Baatz (1975), S. 14.

[37] Vgl. ebd. S. 15.

[38] Vgl. Johnson (1987), S. 291.

[39] Vgl. ebd. S. 291.

[40] Vgl. Becker u.a. (2002), S. 44.

[41] Vgl. ebd. S. 44.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Wandel der Außenpolitik Trajans zu Hadrians
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
20
Katalognummer
V419716
ISBN (eBook)
9783668683327
ISBN (Buch)
9783668683334
Dateigröße
525 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wandel, außenpolitik, trajans, hadrians
Arbeit zitieren
Selina Wegener (Autor), 2015, Wandel der Außenpolitik Trajans zu Hadrians, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/419716

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