Einführung
Jeder Mensch wird schon von Geburt an in eine Gruppe hineingeboren: die Familie. In den darauf folgenden Lebensjahren, durchlaufen Kinder und Jugendliche viele verschiedene Gruppen, um sich auszuprobieren und gleichzeitig auch gemeinsame Werte und Einstellungen zu erlangen. Im Erwachsenenalter verhält sich diese Beziehung zu Mitgliedern einer Gruppe nicht anders: Wir wollen Anerkennung, Lob, Geselligkeit und auch Zugehörigkeit und Zuneigung erhalten. In einem Team im unternehmerischen Rahmen lassen sich all diese Attribute wiederfinden. Dabei spielt die Gruppendynamik eine entscheidende Rolle, um sich einer Gruppe bzw. Team zugehörig zu fühlen. Schon Kurt Lewin hat in den zwanziger Jahren die Lokomotion innerhalb von Gruppen studiert und herausgefunden, dass die „dynamischen Merkmale von Regionen hinsichtlich möglicher Lokomotionen darin besteht, dass Individuen einander näher durch Kommunikation kommen, durch Angleichungen von Haltungen und Meinungen oder dass Gruppen sich in ihren Zielen nähern, soziale Hindernisse beseitigt werden oder dergleichen“ (Lewin, 1936; 1969).
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Fragestellung der Arbeit
3. Ziele der Teamentwicklung
3.1 Motivation der Teamentwicklung
4. Zusammensetzung der Gruppe
4.1. Die Rollen in Arbeitsteams
5. Gruppendynamische Prozesse
5.1. Die Bionischen Grundannahmen
5.2. Gruppenverhalten
5.2.1. spezielles dysfunktionales Gruppenverhalten: Groupthink
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die zentralen Beweggründe und Motive von Arbeitnehmern, sich aktiv an Teamentwicklungsmaßnahmen zu beteiligen. Dabei werden psychologische Konzepte beleuchtet, die erklären, warum die Zugehörigkeit zu einer Gruppe für den Einzelnen erstrebenswert ist und welche Dynamiken in Arbeitsgruppen entstehen.
- Die psychologischen Bedürfnisse hinter der Gruppenmitgliedschaft
- Die Rolle der Motivation bei der Teamentwicklung
- Die Bedeutung funktionaler und informeller Teamrollen
- Bionische Grundannahmen zur Erklärung gruppendynamischer Prozesse
- Dysfunktionale Gruppenprozesse und die Gefahr des Groupthink
Auszug aus dem Buch
5.2.1. Spezielles dysfunktionales Gruppenverhalten: Groupthink
Der Begriff des „Groupthink“ bezieht sich auf Normen bezüglich der Übereinstimmung und Einigkeit realistischer Beurteilungen alternativer Handlungswege. Damit ist die mangelnde Bereitschaft einer Gruppe gemeint, realistische Alternativen in Betracht zu ziehen.
Janis (1972) definiert den Begriff des „Groupthink“ als einen „... Denkmodus, in den Personen verfallen, wenn sie Mitglieder einer hoch-kohäsiven Gruppe sind, wenn das Bemühen der Gruppenmitglieder um Einmütigkeit, ihre Motivation, alternative Wege realistisch zu bewerten, übertönt“. D.h. laut Janis fällt eine Gruppe Entscheidungen unter dem Begriff Groupthink, bevor sie die Alternativen realistisch eingeschätzt hat. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit von Fehlentscheidungen. Der Gruppendruck nach Konformität hält die Mitglieder einer Gruppe davon ab, kritisch ungewöhnliche, unpopuläre oder Minderheitsstandpunkte u bewerten und in Betracht ziehen. Es ist eine Denkweise, die sich Gruppenmitglieder zu eigen gemacht haben, wenn sie sehr stark involviert sind, wobei das Streben nach Einigkeit jede Motivation dazu unterbindet, an irgendwelche Alternativen zu denken. Damit einher geht der Verfall der geistigen Effizienz, des Austestens von Realität und des moralischen Urteils und dies resultiert in höchst fehlerhaften, schlechten Entscheidungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Das Kapitel erläutert den Stellenwert von Gruppenbildungen beim Menschen und stellt den Bezug zur Gruppendynamik im unternehmerischen Kontext her.
2. Fragestellung der Arbeit: Hier werden die Ziele der Arbeit definiert, insbesondere die Gründe und Motive von Mitarbeitern für die Teilnahme an einer Teamentwicklung zu untersuchen.
3. Ziele der Teamentwicklung: Es wird dargelegt, warum Gruppenarbeit an Bedeutung gewinnt und wie Teamentwicklung die Teamfähigkeit und Kooperation fördern kann.
3.1 Motivation der Teamentwicklung: Dieses Unterkapitel analysiert, wie Anreize und menschliche Bedürfnisse wie Sicherheitsstreben oder Status die Arbeitsmotivation und -zufriedenheit beeinflussen.
4. Zusammensetzung der Gruppe: Das Kapitel behandelt die Bedeutung der Gruppenkohäsion für die Produktivität und Identifikation innerhalb eines Teams.
4.1. Die Rollen in Arbeitsteams: Es wird die Differenzierung zwischen funktionalen Rollen und psychologischen Teamrollen nach Belbin erklärt.
5. Gruppendynamische Prozesse: Dieser Abschnitt erläutert die unbewussten psychischen Prozesse, die das Handeln und Erleben innerhalb von Gruppen prägen.
5.1. Die Bionischen Grundannahmen: Hier werden drei spezifische Gruppenformen (Abhängigkeits-, Kampf-Flucht- und Paarbildungsgruppe) und deren Einfluss auf die Gruppendynamik beschrieben.
5.2. Gruppenverhalten: Dieses Kapitel thematisiert das Risikoverhalten von Gruppen und führt Phänomene wie Groupshift und Social Loafing ein.
5.2.1. spezielles dysfunktionales Gruppenverhalten: Groupthink: Hier wird das Konzept des Groupthink analysiert, das die Entscheidungsqualität durch einen übermäßigen Wunsch nach Einstimmigkeit gefährdet.
Schlüsselwörter
Teamentwicklung, Gruppendynamik, Arbeitszufriedenheit, Gruppenkohäsion, Teamrollen, Bion, Abhängigkeitsgruppe, Kampf-Flucht-Gruppe, Paarbildungsgruppe, Groupshift, Social Loafing, Groupthink, Organisationspsychologie, Konformitätsdruck, Psychologische Abwehrmechanismen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die psychologischen Hintergründe und Motive, warum Arbeitnehmer an Teamentwicklungsmaßnahmen teilnehmen und welche Dynamiken in Arbeitsgruppen wirken.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Zusammensetzung von Teams, den psychologischen Grundbedürfnissen, bionischen Gruppenmodellen sowie der Entstehung von dysfunktionalem Verhalten in Organisationen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Beweggründe für Teamentwicklung zu ergründen und aufzuzeigen, wie Gruppendynamik sowohl die Leistung fördern als auch zu Fehlentscheidungen führen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse psychologischer Konzepte und Modelle, insbesondere unter Einbeziehung von Theorien von Bion, Maslow, Janis und Belbin.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Ziele der Teamentwicklung, Teamrollen nach Belbin, die Bionischen Grundannahmen sowie gruppendynamische Prozesse wie das Groupthink-Phänomen detailliert erläutert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Teamentwicklung, Gruppendynamik, Groupthink, Teamrollen und Organisationspsychologie maßgeblich definiert.
Was unterscheidet funktionale Rollen von Teamrollen nach Belbin?
Während funktionale Rollen aus der fachlichen Position und dem Expertenwissen resultieren, beziehen sich die Teamrollen nach Belbin auf das Verhalten in der Zusammenarbeit, der Problemlösung und der Stimmungsgestaltung im Team.
Wie lässt sich Groupthink in einem Unternehmen verhindern?
Durch Maßnahmen wie die bewusste Zuweisung der Rolle des kritischen Bewerters oder Teufelsadvokaten, die Nutzung externer Experten und die Ermutigung zur Prüfung eigener Schwachstellen nach Konsensfindung.
Warum spielt die Gruppenkohäsion bei Groupthink eine so gefährliche Rolle?
Eine hohe Kohäsion fördert zwar den Zusammenhalt, steigert aber gleichzeitig das Risiko, dass abweichende Meinungen unterdrückt werden, um die Einstimmigkeit nicht zu gefährden, was die Realitätsprüfung schwächt.
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- Silja Gettner (Author), 2005, Teamentwicklung - Gründe einer Teamentwicklung aus Sicht des Arbeitnehmers, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41987