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'Sind es Blicke? - sind es Worte? - ist es Gesang?' Wahrnehmung und poetische Initiation in E.T.A. Hoffmanns 'Der Goldene Topf'

Title: 'Sind es Blicke? - sind es Worte? - ist es Gesang?' Wahrnehmung und poetische Initiation in E.T.A. Hoffmanns 'Der Goldene Topf'

Intermediate Examination Paper , 2005 , 51 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Christoph Harer (Author)

German Studies - Literature of History, Eras
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E.T.A. Hoffmanns "Der Goldene Topf" ist ein komplexes Beispiel eines übergreifenden Kunstverständnisses. Neben einer intermedialen Verfahrensweise, die besonders Elemente der bildenden Kunst verwendet, spielt die Farbpalette der menschlichen Wahrnehmung eine zentrale Rolle. Ihre unterschiedlichen Möglichkeiten illustrieren den Weg der poetischen Initiation des Studenten Anselmus durch dies "Märchen aus der neuen Zeit". Zugleich stellt Hoffmann, der Gesamtkünstler ante verbum, seine Leser damit vor die Aufgabe, ihre Wahrnehmung zu erweitern, sich zu öffnen für die Verwirrungen der unterschiedlichen Sinne, die Anselmus erlebt. Die Kunst bietet dabei die Möglichkeit der transzendenten Erfahrung - Hoffmann selbst formuliert in den Kreisleriana, „die Kunst ließe dem Menschen sein höheres Prinzip ahnen und führe ihn aus dem törichten Tun und Treiben des gemeinen Lebens in den Isistempel, wo die Natur in heiligen, nie gehörten und doch verständlichen Lauten mit ihm spräche.“ Diese Verbindung von Wahrnehmung, Kunst und Natur wird in vorliegender Arbeit im Zusammenhang mit der romantischen Naturphilosophie beleuchtet.
Darüber hinaus thematisiert Hoffmann in seinem Märchen die für romantische Künstler typische Zerissenheit zwischen Ideal und Phantasie auf der einen und Philistertum und äußerer Realität auf der anderen Seite. Vor diesem Hintergrund wird Anselmus‘ diesbezügliche Entwicklung untersucht, während abschließend die Bedeutung dieses Grundproblems für den Erzähler beziehungsweise für Hoffmann selbst im Vordergrund steht.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Annäherung

2. Intermedialität

3. Spuren eines ,Goldenen Zeitalters‘

3.1 Romantisches Geschichtsbild und Atlantismythe

3.2 Die Kunst des Spurenlesens

3.2.1 Synästhesien

3.2.2 Serpentinas schöne Figur...

3.2.3 Die Arabeske

4. Anselmus‘ poetische Initiation

5. Irgendwo in Dresden: Zwischen Atlantis und Meyerhof

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Themen Wahrnehmung und poetische Initiation in E.T.A. Hoffmanns Märchen "Der goldene Topf". Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie Hoffmann intermediale Verfahren, romantische Naturphilosophie und das Konzept des "Goldenen Zeitalters" einsetzt, um den Weg des Protagonisten Anselmus vom philisterhaften Studenten zum Dichter darzustellen und dabei die Grenze zwischen alltäglicher Realität und fantastischer Sphäre zu verwischen.

  • Intermedialität und die künstlerische Bezugnahme auf Jacques Callot.
  • Die Bedeutung der romantischen Naturphilosophie und des "Atlantis-Mythos".
  • Wahrnehmung als Schlüsselfaktor der poetischen Initiation.
  • Synästhesie, Arabeske und die figura serpentinata als ästhetische Gestaltungsmittel.
  • Die ironische Doppelbödigkeit von Realität und Wunderbarem im Erzählprozess.

Auszug aus dem Buch

Die Kunst des Spurenlesens

Indem der Archivarius Lindhorst seinen Schubert nachgebildeten Bericht als „buchstäblich wahr“ (31) bezeichnet, wird die besondere Bedeutung der Mythe ebenso wie eine spezielle Bedeutung des „Buchstabens“ unterstrichen. In der romantischen Naturphilosophie sah man in den wunderbaren Gestaltungen der Natur eine Chiffre für eine göttliche Sprache. Die untrennbare Verbindung von Idee, Klang und Zeichen formuliert der Physiker Johann Wilhelm Ritter in seiner Schrift Fragmente aus dem Nachlasse eines jungen Physikers von 1810: „... haben wir je einen Gedanken, oder eine Idee, ohne ihre Hieroglyphe, ihren Buchstaben, ihre Schrift? [...] Wort und Schrift sind gleich an ihrem Ursprunge eins, und keines ohne das andere möglich.“

Auf der Suche nach einer naturnahen Urschrift hegte man ein besonderes Interesse für die ägyptischen Hieroglyphen, deren Entschlüsselung noch bevorstand und die daher als besonders überirdisch angesehen wurden, und die altindischen Schriften wie die im Goldenen Topf erwähnte Bhogovotgita. In Friedrich Schlegels Schrift Über die Sprache und Weisheit der Indier. Ein Beitrag zur Begründung der Altertumskunde. Nebst metrischen Übersetzungen indischer Gedichte, die eine Übersetzung der Bhogovotgita enthält, kommt die romantische Begeisterung für das Sanskrit als Ursprung der indogermanischen Sprachen und der Kultur zum Ausdruck. Auch Schubert schließt sich dieser Auffassung an: „... und die älteste Sprache die wir kennen, die Sanscrit, ist nicht etwa die unvollkommenste, wie nach der gemeinen Ansicht zu vermuthen wäre, sondern gerade die vollkommenste, reichste, und doch die einfältigste, die wohlklingendste und rythmischste.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Annäherung: Dieses Kapitel stellt E.T.A. Hoffmann als "Gesamtkünstler" vor, der die Grenzen der Künste sprengt, und führt die Thematik der Zerrissenheit des romantischen Künstlers zwischen Ideal und Philistertum ein.

2. Intermedialität: Hier wird untersucht, wie Hoffmann durch die Bezugnahme auf den Kupferstecher Jacques Callot und die musikalische "Fantasie" die Wahrnehmung des Lesers gezielt beeinflusst und eine "Poetik des Medienwechsels" etabliert.

3. Spuren eines ,Goldenen Zeitalters‘: Das Kapitel analysiert den Einfluss naturphilosophischer Theorien, insbesondere von G.H. Schubert, auf das Weltbild des Märchens und die mythische Ebene von Atlantis.

3.1 Romantisches Geschichtsbild und Atlantismythe: Es wird dargelegt, wie das triadische Geschichtsmodell von Schubert die Grundlage für die Mythenberichte des Archivarius Lindhorst bildet.

3.2 Die Kunst des Spurenlesens: Dieser Abschnitt beleuchtet die Auffassung der Natur als eine Chiffre oder Ursprache, die durch spezielle Wahrnehmungsformen wie die Synästhesie entschlüsselt werden muss.

3.2.1 Synästhesien: Das Kapitel untersucht synästhetische Metaphern als Mittel zur "Sinnverwirrung" und zur Erhöhung der Gefühlsintensität sowie als Ausdruck eines ursprünglichen, ganzheitlichen Wahrnehmungszustandes.

3.2.2 Serpentinas schöne Figur...: Hier wird das manneristische Prinzip der *figura serpentinata* als Ausdruck von Bewegung, Anmut und Metamorphose auf die Figur der Serpentina angewandt.

3.2.3 Die Arabeske: Dieses Kapitel definiert die Arabeske als Strukturprinzip, das durch die "künstlich geordnete Verwirrung" von Bildern versucht, das eigentlich Unbeschreibbare darzustellen.

4. Anselmus‘ poetische Initiation: Diese Analyse verfolgt die Entwicklung des Protagonisten von einem gesellschaftlich angepassten Studenten hin zum Dichter durch eine mehrstufige, schöpferische "Lehrzeit".

5. Irgendwo in Dresden: Zwischen Atlantis und Meyerhof: Das abschließende Kapitel reflektiert über das ironische Spiel zwischen poetischer und empirischer Wirklichkeit und das Bestreben des Autors, sich in der Poesie einen Zufluchtsort zu schaffen.

Schlüsselwörter

E.T.A. Hoffmann, Der goldene Topf, Romantik, Poetische Initiation, Intermedialität, Naturphilosophie, Atlantis, Wahrnehmung, Synästhesie, Arabeske, Figura serpentinata, Philistertum, Symbolik, Hieroglyphenschrift, Künstlertum.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert E.T.A. Hoffmanns Märchen "Der goldene Topf" unter besonderer Berücksichtigung der künstlerischen Mittel zur Darstellung von Wahrnehmungsprozessen und der poetischen Entwicklung des Protagonisten.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind die Intermedialität (Wechselbeziehung der Künste), die romantische Naturphilosophie, die Funktion von Mythen und die ästhetischen Prinzipien der Romantik wie Arabeske und Synästhesie.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Hoffmann durch eine bewusste Erzählstrategie den Leser in die Wahrnehmungswelt des Helden Anselmus einbindet und die Zerrissenheit zwischen der poetischen Sphäre und der profanen Alltagswelt thematisiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Textanalyse und verknüpft diese mit kunsttheoretischen sowie literaturwissenschaftlichen Diskursen der Romantik, gestützt durch zeitgenössische Quellen wie die Schriften von G.H. Schubert und J.W. Ritter.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von intermedialen Verfahren, die philosophische Herleitung des "Goldenen Zeitalters", die Analyse der Schwellenüberschreitung von der Realität in das Wunderbare sowie die detaillierte Beschreibung der poetischen Initiation Anselmus‘.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Intermedialität, Poetische Initiation, Romantische Naturphilosophie, Synästhesie, Arabeske und die Doppelbödigkeit von Realität und Phantasie definiert.

Inwiefern spielt das Konzept der "figura serpentinata" eine Rolle für das Verständnis von Serpentina?

Das Konzept verdeutlicht, dass Serpentina nicht nur eine Figur im Märchen ist, sondern als ein im gesamten Werk präsentes Kunstprinzip fungiert, das für Bewegung, Metamorphose und Grazie steht.

Wie unterscheidet sich die Rolle des Archivarius Lindhorst von der der Rauerin?

Lindhorst repräsentiert eine "gute", autonom-ästhetische Phantasietätigkeit, die Anselmus zur poetischen Entfaltung führt, während die Rauerin als Vorkämpferin einer philisterhaften, instrumentell verwendeten Phantasie das entmündigende Gegenprinzip verkörpert.

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Details

Title
'Sind es Blicke? - sind es Worte? - ist es Gesang?' Wahrnehmung und poetische Initiation in E.T.A. Hoffmanns 'Der Goldene Topf'
College
University of Hannover
Course
Forschungslernseminar
Grade
1,0
Author
Christoph Harer (Author)
Publication Year
2005
Pages
51
Catalog Number
V41992
ISBN (eBook)
9783638401326
ISBN (Book)
9783638724241
Language
German
Tags
Sind Blicke Worte Gesang Wahrnehmung Initiation Hoffmanns Goldene Topf Forschungslernseminar
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christoph Harer (Author), 2005, 'Sind es Blicke? - sind es Worte? - ist es Gesang?' Wahrnehmung und poetische Initiation in E.T.A. Hoffmanns 'Der Goldene Topf', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41992
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