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Herzog Ernst und die monstra des Orients

Title: Herzog Ernst und die monstra des Orients

Term Paper , 2005 , 22 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Aline Wisniewski (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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In der auf den „Herzog Ernst“ bezogenen Forschung stand lange Zeit nur die Empörer-Geste, die „deutsche Kernfabel“, im Mittelpunkt, während die Orientreise nur als sekundäre Zutat der Dichtung betrachtet wurde. In der hier vorliegenden Arbeit wurde dies nun umgekehrt und die Orientreise, genauer noch, Ernsts Reise in die Wunderwelten von Grippia und Arimaspi als Schwerpunkt der Betrachtung gesetzt. Dabei habe ich aufzuzeigen versucht, welches Verhältnis Ernst zu den Monstren hatte und wie er im einzelnen an diese gekommen ist, denn diese Wesen repräsentieren innerhalb der Orientfahrt eine eigene Welt, in der es für Ernst verschiedene Gefahren zu überwinden gilt. Vor allem dienen sie ihm aber als Möglichkeiten, seine verlorene Ritterlichkeit und Ehre wiederherzustellen. Dabei habe ich mich bemüht, zu klären, warum die monstra so ausschlaggebend für den Verlauf dieser Erzählung sind und inwieweit der Dichter dabei auf die überlieferten Vorbilder der monstra-Darstellungen zurückgegriffen hat. Entscheidend dafür war die Erkenntnis, dass der Dichter des „Herzog Ernst“ für die Erzählung bewusst diese monstra ausgewählt haben muss, da sie durch die ihnen eigenen Defizite die Erzählung vorantreiben und sie mit Bedeutung füllen. Dazu bin ich zunächst näher darauf eingegangen, wie sich das Bild der monstra im Mittelalter entwickelte, worauf es aufbaute und warum sie im Mittelalter als Teil der Schöpfung verstanden wurden. Darauf aufbauend habe ich dargelegt, in welchen Situationen Ernst auf die monstra trifft, inwieweit der Dichter auf dem traditionellen Bild der mittelalterlichen Monstren aufbaut und warum dies für den weiteren Verlauf der Dichtung von Bedeutung ist.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Bild der monstra im Mittelalter

3. Die Orientreise

3.1. Grippia - Die Kranichschnäbler

3.2. Arimaspi - Die Einäugigen

3.3. Die Platthüeve

3.4. Die Langohren

3.5. Die Pygmäen

3.6. Der Riese

4. Ernsts Verhältnis zu den Monstren

5. Schlußbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der Orientreise und der dort auftretenden "monstra" für die Entwicklung des Herzog Ernst im gleichnamigen Epos. Dabei wird analysiert, wie diese Fabelwesen zur Wiederherstellung der ritterlichen Ehre des Helden beitragen und wie der Dichter das mittelalterliche Bild der Wunderwesen in die Handlung integriert.

  • Mittelalterliches Verständnis von Monstern und Schöpfung
  • Narrative Funktion der Orientreise für Ernsts Bewährung
  • Typologie der Wundervölker (Grippianer, Arimaspi, Platthüeve, etc.)
  • Verhältnis zwischen Ernst und den fremden Wesen
  • Symbolik der deformierten Sinne und ritterliche Identität

Auszug aus dem Buch

3. 1. Grippia - Die Kranichschnäbler

Nach dem Sturm beschreibt der Erzähler in fünfzehn Versen das Heranbrechen eines neuen klaren Morgen. Dies ist der Beginn des Grippia-Abenteuers. In diesem „vil hêrlîchez lant“ finden sie „guoten grunt“, um vor Anker zu gehen und eine „hêrlîche burc“, die von einer Mauer aus edelstem Marmor umrundet war. Die Stadt hätte für die angeschwemmten Helden nicht schöner sein können. Zudem wird bei einem ersten Rundgang ersichtlich, daß ihre Bewohner nicht nur über einen außergewöhnlich guten Geschmack verfügen, sondern auch in einer gewissen Art von höfischer Ordnung zusammenleben müssen, da alles für einen Empfang bereitgestellt wurde. Die Einwohner dieser Stadt scheinen ausnehmend reich sein, da nicht nur alles, was die Helden sahen, „reine“ war, sondern vieles aus Gold und Silber kunstvoll gefertigt worden war. Das Bild, das dem Leser dadurch suggeriert wird, ist das eines höfisch kultivierten Volkes, welches über moderne Errungenschaften verfügt, wie vor allem das unglaublich kunstvoll durchkonstruierte Badesystem beweist. Spuler faßt dies wie folgt zusammen: „On the whole, then, one could say that the Grippians are a prosperous folk, intelligent, materially wealthy, and apparently cultured.” Aber: „Of course, they are not human. “

Doch dies bemerken Ernst und Wetzel erst bei ihrem zweiten Gang in die Stadt. Das Erste, daß sie von den Fremden wahrnehmen, sind deren Stimmen: „ dô hôrten sie in allen gâhen ein wunderlîche stimme, starc und grimme, vor dem bürge an dem gevilde, ob ez kraniche wilde bevangen haeten über al“. Das Geräusch wird dabei von Anfang an mit den bekannten Lauten des Kranichs gleichgesetzt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung stellt das Ziel heraus, die Orientreise und Ernsts Begegnung mit den Monstern als zentralen Baustein seiner ritterlichen Rehabilitation zu untersuchen.

2. Das Bild der monstra im Mittelalter: Dieses Kapitel erläutert die antiken und mittelalterlichen Quellen der Monsterdarstellungen und deren Einordnung in die christliche Schöpfungsordnung.

3. Die Orientreise: Hier wird der Übergang von der realen Welt in die Wunderwelt beschrieben und die spezifische Stationierung der Reise in Grippia, am Magnetberg und in Arimaspi dargelegt.

3.1. Grippia - Die Kranichschnäbler: Analyse der Begegnung mit den höfisch kultivierten, aber bösartigen Kranichschnäblern, die als erste Herausforderung für Ernst dienen.

3.2. Arimaspi - Die Einäugigen: Untersuchung des positiven sozialen Aufstiegs von Ernst bei den einäugigen Arimaspi und der geglückten Integration.

3.3. Die Platthüeve: Darstellung der Platthüeve als starke Gegner und ihre Rolle im Kampf, der Ernsts Stellung als Vasall festigt.

3.4. Die Langohren: Deutung der Langohren in Bezug auf ihre Kommunikationsfähigkeit und ihre symbolische Verknüpfung mit dem Fehlverhalten König Ottos.

3.5. Die Pygmäen: Untersuchung der Zwerge, die trotz ihrer Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft Ernsts ritterlichen Status nicht in vollem Umfang spiegeln.

3.6. Der Riese: Analyse der Figur des Riesen, der Ernst als treuer Gefährte dient und dessen eigene jugendliche Unerfahrenheit reflektiert.

4. Ernsts Verhältnis zu den Monstren: Zusammenfassende Betrachtung der Interaktionen zwischen Ernst und den Wesen, wobei die Monster als Spiegel seiner eigenen Entwicklung fungieren.

5. Schlußbetrachtung: Fazit über die bewusste Auswahl der Monster durch den Dichter zur inhaltlichen Anreicherung der Dichtung und zur Rehabilitation des Helden.

Schlüsselwörter

Herzog Ernst, Monstra, Mittelalter, Orientreise, Ritterlichkeit, Fabelwesen, Wundervölker, Grippia, Arimaspi, Christianisierung, Identitätsfindung, höfische Kultur, Symbolik, Literaturwissenschaft, Transformationsprozess.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Rolle der Wunderwesen (Monstren) in der mittelhochdeutschen Dichtung "Herzog Ernst" und deren Bedeutung für die Entwicklung des Protagonisten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die mittelalterliche Wahrnehmung des Fremden, die ritterliche Identitätssuche des Herzogs und die narrative Gestaltung von Wundervölkern.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass die Orientreise und die Begegnungen mit den Monstern kein bloßes Beiwerk, sondern ein essenzieller Prozess für Ernsts Rehabilitation und sozialen Aufstieg sind.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin wendet eine literaturwissenschaftliche Analyse an, die auf existierenden Interpretationen (u.a. von Spuler, Stein und Gerhard) aufbaut und diese in den Kontext der mittelalterlichen Quellen (Isidor von Sevilla, Plinius) stellt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen Stationen der Orientreise, wie Grippia, Arimaspi, die Platthüeve, die Langohren, die Pygmäen und den Riesen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Herzog Ernst, ritterliche Tugenden, Monstra, Wundervölker und mittelalterliche Weltbilder geprägt.

Warum spielt die Kommunikation bei den Kranichschnäblern eine so wichtige Rolle?

Da die deformierten Münder der Kranichschnäbler eine Verständigung verhindern, werden sie als nicht-menschlich eingestuft, was Ernst zum Kampf zwingt und das Kriterium der Menschlichkeit unterstreicht.

Was verbindet den Riesen mit der Hauptfigur Ernst?

Der Riese spiegelt durch seine Jugend, Unerfahrenheit und sein späteres Streben nach Treue Ernsts eigene persönliche Schwäche und den Weg zur Bewährung wider.

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Details

Title
Herzog Ernst und die monstra des Orients
College
Technical University of Berlin  (Institut für Ältere deutsche Literatur)
Course
Grenzüberschreitungen: Der Herzog Ernst B
Grade
1,7
Author
Aline Wisniewski (Author)
Publication Year
2005
Pages
22
Catalog Number
V42016
ISBN (eBook)
9783638401500
ISBN (Book)
9783638656399
Language
German
Tags
Herzog Ernst Orients Grenzüberschreitungen Herzog Ernst
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Aline Wisniewski (Author), 2005, Herzog Ernst und die monstra des Orients, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42016
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