Die Industrialisierung Südkoreas


Seminararbeit, 2001

16 Seiten


Leseprobe

Inhalt

1. EINLEITUNG

2. ÖFFNUNG UND ERSTE INDUSTRIALISIERUNG KOREAS (VON DER JAPANISCHEN KOLONIALHERRSCHAFT BIS ZUM KOREAKRIEG 1905-1950)

3. AUSGANGSLAGE IN DER FÜNFZIGER JAHREN

4. DIE 6 PHASEN DER INDUSTRIALISIERUNG
4.1 IMPORTSUBSTITUTIONS-INDUSTRIALISIERUNG DER LEICHTINDUSTRIELLE PHASE, AB 1953 (ISI1)
4.2 EXPORTINDUSTRIALISIERUNG DER LEICHTINDUSTRIELLEN PHASE, AB 1962 (EI1)
4.3 IMPORTSUBSTITUTION VON SCHWERINDUSTRIELLEN ZWISCHENPRODUKTE AB 1973 (ISI2)
4.4 EXPORTINDUSTRIALISIERUNG SCHWERINDUSTRIELLER ZWISCHENPRODUKTE ENDE 70ER JAHRE (EI2)
4.5 IMPORTSUBSTITUTION VON INVESTITIONSGÜTER AB 1982 (ISI3)
4.6 EXPORTINDUSTRIALISIERUNG IM BEREICH INVESTITIONSGÜTER (EI3)
4.7 VERSUCH EINER BEWERTUNG DIESES ASIATISCHEN "WIRTSCHAFTSWUNDERS"

5. REGIONALE VERTEILUNG DER INDUSTRIE

6. SCHLUSSBETRACHTUNG

7. LITERATURVERZEICHNIS

8. ANHANG

1. Einleitung

Südkorea ist heute eines der höchstentwickleten Länder dieser Erde. Wenn man bedenkt, das es vor knapp 50 Jahren eines der ärmsten Länder der Erde und ein vom Krieg zerstörtes Land war, ist diese Entwicklung höchst erstaunlich. Wie diese Entwicklung ablief, welche Vorrausetzungen für diese Entwicklung geschaffen wurden und welche regionale Verteilung stattfand, soll im folgenden beleuchtet werden.

Südkorea liegt im Süden der koreanischen Halbinsel. Es umfaßt eine Fläche von 98 480 km² (CIA- The World Factbook 2000) und hat eine Bevölkerung von 47,5 Mill. (FAZ, 23.11.2000, Stand 1999). Aufgrund seiner Lage zwischen dem ostasiatischen Festlandsblock und den westpazifischen Inselbögen liegt die koreanischen Halbinsel im Spannungsfeld auswärtiger Mächte. Vor allem die verschiedenen Herrscher Chinas und Japans haben mehrfach versuchet, ihre Herrschaft auf die koreanischen Halbinsel auszudehnen. (Chung 1974, S. 18).

Seid 1636 war Korea der Mandschu-Dynastie in China Tributpflichtig. Seitdem schloss sich das Land gegenüber der Außenwelt ab und es gab nur geringe Kontakte zu Japan und zum Hof der Mandschu-Kaiser in Peking. 1876 erzwang Japan die Öffnung Koreas für seinen Handel (durch die Entsendung von 6 Kriegsschiffen) und durch seine Siege über die Konkurrenten China und Russland (1894-95 bzw. 1904-1905) konnte Japan seine Macht über Korea festigen. Ab 1905 war Korea ein offizielle Protektorat Japans und 1910 wurde es von Japan annektiert (Dege 1992, S. 30-31).

2. Öffnung und erste Industrialisierung Koreas (Von der japanischen Kolonialherrschaft bis zum Koreakrieg 1905-1950)

In der japanischen Kolonialzeit (1905-1945) wurde Korea von Japan aus verwaltet. Korea wurde systematisch nach modernen Gesichtpunkten erschlossen und mit einer modernen Infrastruktur versehen. Dabei war die Wirtschaft ganz auf Japan ausgerichtet. Korea war Rohstoff und Nahrungsmittellieferant für Japan und Absatzmarkt für japanische Fertigwaren.

Außerdem diente es als militärisches Aufmarschgebiet für die japanischen Großmachtspläne. Nichtsdestotrotz wurde Korea von Japan aus dem Mittelalter in die Neuzeit geführt (Dege 1992, S. 31).

Zur Teilung des Landes kam es infolge der japanischen Niederlage im II. Weltkrieg. Auf der Kairoer Konferenz der Alliierten 1943 wurde zwar erklärt, das Korea frei und unabhängig sein soll, aber es war eine gewisse Zeit der Treuhandschaft vorgesehen. Nachdem allerdings im August 1945 sowjetische Truppen nach Korea eindrangen, kam es am 2. September 1945 zu einer militärischen Order General McArthurs (Oberbefehlshaber der Amerikaner im Pazifikkrieg), der die Teilung Koreas in zwei Besatzungszonen entlang des 38. Breitengrades vorsah. Nördlich davon sollten die sowjetischen Truppen und südlich davon die amerikanischen Truppen die japanische Armee entwaffnen.

Mit der Kapitulation Japans am 2.9.1945 war Korea damit geteilt und geriet in den Spannungsbogen der neu entstandenen Weltmächte USA und UdSSR.

1947 begannen beide Mächte, eigene Regierungen aufzubauen. Die von den Amerikanern unterstützten und von den Vereinten Nationen beobachteten Wahlen von 1948 führten im August 1948 zur Gründung der Republik Korea im Süden der Halbinsel. Der Norden folgte im September 1948 und errichtete die Demokratische Volksrepublik Korea. Am 25. Juni 1950 überschritten nordkoreanische Truppen den 38. Breitengrad und griffen den Süden an. Damit begann der Koreakrieg (1950-1953) (Chung, 1974, S. 29-78).

3. Ausgangslage in der fünfziger Jahren

Schon durch die Teilung war die Volkswirtschaft im Süden stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Industrie im Süden war praktisch produktionsunfähig, da es an Rohstoffen, Düngemitteln und Elektrizität aus dem Norden mangelte (siehe Tabe. 1).

Tabelle 1: Verteilung der landwirtschaftlichen und Industrieproduktion in Süd- und Nordkorea ( in %)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

QUELLE: E.W. PAULEY, REPORT ON JAPANESE ASSETS IN SOVIET-OCCUPIED KOREA, WASHINGTON , 1946. AUS: CHUNG, 1974, S. 79, EIGENE DARSTELLUNG

Dazu wurde durch den Krieg die ohnehin bescheidene Industrie des Südens fast völlig zerstört. 85 % der metallerzeugenden Industrie, 80 % der Maschinenbauindustrie und jeweils 65% der chemischen Industrie und der Textilindustrie waren im Süden zerstört. Nach dem Waffenstillstand war Südkorea damit auf ausländische (insbesondere amerikanische) Hilfe angewiesen. Südkorea erhielt insgesamt 4,4 Mrd. US-$ im Zeitraum von 1945-1970. (Zum Vergleich: Mittel aus dem Marshallplan für Westdeutschland: 1,4 Mrd. US-$, 18 US-$ pro-Kopf, Südkora 204 US-$ pro Kopf.) (Dege 1992, S. 42-47 und Internetquelle 1). Trotz dieser enormen Hilfe kam es zu keiner sich selbst tragenden Entwicklung, da das Geld hauptsächlich für Nahrungsmittel- und Fertigwarenimporte eingesetzt wurde. Nachdem ab 1957 die Auslandshilfe allmählich reduziert wurde, kam es zu einer wirtschaftliche Stagnation.

1960 ereignete sich dann ein Militärputsch, der zu einer Militärregierung führte. Unter dieser Regierung kam es zu einer systematischen und von der Regierung planerisch begleiteten Industrialisierung des Landes.

4. Die 6 Phasen der Industrialisierung

( Der folgende Abschnitt stützt sich auf Dege 1992, S.47-62, Dege 1986, S.522-530 und Wessel 1991, S.7-21)

Die Industrialisierung Südkoreas erfolgte in 6 Schritten, wobei sich Importsubstitution und Exportorientierung abwechselten. Dabei kam es mit jedem Schritt zu einer Beschleunigung der Abfolge (Abb. 2). Gestützt wurde diese Entwicklung einmal von dem komparativen Vorteil der günstigen und zahlreichen Arbeitskräfte und ihrem relativ hohen Bildungsniveau. Dazu kam die konfuzianische Kulturtradition, wobei die traditionell auf die Familie gerichtete Loyalität auf die Unternehmen gewendet wurde. Nicht vergessen sollte man hier die Regierung, die, allerdings auf diktatorischem Wege, stabile Verhältnisse schaffte und das Privat-Eigentum sicherte.

Abb. 2 Südkoreas Industrialisierungsschritte vom Agrarland zum weltmarktintegriertem Hochindustrieland (Eigene Darstellung nach Dege 1992, S. 49)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4.1 Importsubstitutions-Industrialisierung der leichtindustriellen Phase, ab 1953 (ISI1)

Nach Ende des II. Weltkrieges kam es zu einer Importsubstitutions-Industrialisierung im Bereich der einfachen Konsumgüter (Textilien, Gummischuhe, Nahrungsmittel). Über 60% der Arbeitskräfte waren noch in der Landwirtschaft beschäftigt, die Importe bestanden aus Rohstoffen, Nahrungsmitteln und industriellen Vorprodukten zur Konsumgüterherstellung (z.B. Kunstfaser für Kleidung, Gummi zur Schuhherstellung). Die Exporte bestanden hauptsächlich aus mineralischen Rohstoffen und Nahrungsmitteln (siehe Abb. 3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.3 Exporte nach Wahrengruppen (QUELLE: DEGE 1992, S.53)

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Details

Titel
Die Industrialisierung Südkoreas
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Geographische Institut)
Veranstaltung
Vorbereitungsseminar zur Exkursion nach Südkorea 2001
Autor
Jahr
2001
Seiten
16
Katalognummer
V4204
ISBN (eBook)
9783638126090
ISBN (Buch)
9783656379683
Dateigröße
3255 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit behandelt die Schritte der Industrialisierung Südkoreas ab dem Koreakrieg, sowie die daraus resultierende räumliche Verteilung der Industrie. Die Arbeit enstand als Vorbereitung auf eine große Exkursion nach Südkorea im Herbst 2001 am Geographischen Institut der Universität Kiel.
Schlagworte
Industrie, Industrialisierung, Korea, Südkorea
Arbeit zitieren
Christian Fischer (Autor), 2001, Die Industrialisierung Südkoreas, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4204

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