Wie wirksam sind fiskalpolitische Regeln?


Bachelorarbeit, 2018
36 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Symbolverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Relevanz von Fiskalregeln
2.1 Wirkung einer expansiven Fiskalpolitik anhand des IS/LM-Modells
2.2 Notwendigkeit fiskalpolitischer Regeln
2.3 Rolle fiskalpolitischer Regeln

3 Effekte fiskalpolitischer Regeln: Ein Überblick

4 Wirksamkeit fiskalpolitischer Regeln: die aktuellen Studien
4.1 1. Studie: Economic stabilization in the post-crisis world: Are fiscal rules the answer?
- Bergman und Hutchison (2015)
4.2 2. Studie: Flexible Fiscal Rules and Countercyclical Fiscal Policy - Guerguil, Mandón
und Tapsoba (2016)
4.3 3. Studie: The case for fiscal rules - Bandinger und Reuter (2017)
4.4 Diskussion der vorgestellten Studien

5 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1. IS-LM-Modell, expansive Fiskalpolitik

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1. Überblick über die vorgestellten Studien

Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Seit den 1960er-Jahren waren die Geld- und Fiskalpolitik die vielleicht bedeutsamsten Instrumente zur Bewältigung von wirtschaftlichen Krisen und Eindämmungen sowie der damit einhergehenden negativen Auswirkungen. Mit dem sich ändernden wirtschaftlichen Fokus in Richtung einer niedrigen und stabilen Inflation, rückte die Fiskalpolitik in den 1980er-Jahren weiter in den Hintergrund. Durch das Lenken des Leitzinses übernahmen die Zentralbanken nunmehr die Aufgabe der Erhaltung einer gesunden Volkswirtschaft. Dieser Kurs konnte eine lange Zeit erfolgreich mit Hilfe der Geldpolitik verfolgt werden. Die Befürworter verteidigten ihre Position zeitweise erfolgreich, indem sie die stockenden Abläufe der fiskalpolitischen Prozesse sowie die oftmals verzerrten Regeln in der Fiskalpolitik kritisierten. So setzten wirtschaftsstimulierende Impulse erst ein, nachdem die konjunkturschwachen Phasen vorüber waren und führten zu einer prozyklischen Fiskalpolitik. Diese Gründe gaben Anlass anzunehmen, dass fiskalpolitische Maßnahmen kaum wirksam seien. Niedrige Inflationsraten sowie geringe zyklische Konjunkturschwankungen seit den 1980er-Jahren wiesen auf die Validität dieser politischen und wirtschaftlichen Ausrichtung hin. Schließlich führte die Finanz- und WeltwirtSchaftskrise ab 2007 zu einem Umdenken der damaligen makroökonomischen Politik (Vgl. Arestis und Sawyer (2003), s. 3f; Bergman und Hutchison (2015), s. 82f; Blanchard, DelFAric- eia und Mauro (2010), s. 200ff).

Es kam zum Vorschein, dass die Kompetenz der Geldpolitik für eine Krise eines derweil noch nicht erlebten Ausmaßes unzureichend war. Daher war der Einsatz expansiver fiskalpolitischer Maßnahmen zur Anregung des wirtschaftlichen Konsums notwendig (Vgl. Feldstein (2009), s. 556f). Jedoch wurde die langfristige Nachhaltigkeit dieser Politik in Frage gestellt, da höhere Staatsausgaben bzw. niedrigere Steuersätze zu höheren Schulden bzw. Defiziten führen. Eine mögliche Lösung für dieses Problem liefert eine antizyklisch ausgerichtete Fiskalpolitik, die sowohl in konjunktur sch wachen, als auch in konjunkturstarken Phasen, verfolgt wird. In diesem Zusammenhang erweckte die Krise neues Interesse an fiskalpolitischen Regeln, die zur Verringerung einer prozyklischen Staatsausgabenpolitik dienen und beschränkenden politischen sowie institutioneilen Faktoren entgegenwirken sollen. Dabei waren die langfristigen Hauptziele dieser Regeln die Schuldennachhaltigkeit und Antizyklizität der Fiskalpolitik (Vgl. Bergman und Hutchison (2015), S.83; Coenen, Erceg et al. (2012), s. 23; Blanchard et al. (2010), s. 205f). An dieser Stelle setzt die vorliegende Arbeit an und geht der Forschungsfrage nach: ״Wie wirksam sind fiskalpolitische Regeln?“.

In Anbetracht der Forschungsfrage, wird in den folgenden Kapiteln die Wirksamkeit fiskalpolitischer Regeln genauer betrachtet und eine Zusammenfassung der gängigen Studienergebnisse geliefert. Die Ergebnisse der verschiedenen Analysen werden im Hinblick auf die jeweils gewählten Methoden, Modelle und Datenmaterialien gegenübergestellt und verglichen, überdies wird die Beziehung der dargestellten Resultate zu den in der Literatur vorgestellten theoreti- sehen Ansätzen offengelegt und geprüft, ob diese kohärent mit den Forschungsergebnissen sind. Somit wird abschließend die Frage geklärt werden, ob und inwieweit fiskalpolitische Regeln die Prozyklizität einer Fiskalpolitik reduzieren können.

Den Ergebnissen der vorgestellten Studien zufolge lässt sich schließen, dass nationale fiskalpolitische Regeln die Prozyklizität und Volatilität der Staatsausgabenpolitik wirksam reduzieren. Überdies erhöhen strengere Regeln die Effektivität und führen zu höheren Haushaltssalden. Bei niedriger bürokratischer Effizienz sind die Regeln nicht wirksam, doch die Wirksamkeit steigt, sobald eine mittelmäßige und höhere Regierungseffizienz vorliegt. Die Ergebnisse weisen nach, welche Merkmale für die Reduktion der Prozyklizität bedeutsam und welche überflüssig sind. Merkmale, die zu mehr Flexibilität führen, verstärken die Effektivität der Regeln. Ausstiegsklauseln sind davon allerdings ausgeschlossen. Im übrigen wird gezeigt, dass Saldoregeln antizyklisch sind. Ausgabenregeln wirken negativ auf die Zyklizität der Staatsausgaben und prozyklisch auf Investitionsausgaben. Schuldenregeln haben dahingehend keine nennenswerte Wirkung (Vgl. Badinger und Reuter (2017); Bergman und Hutchison (2015); Guerguil, Mandón und Tapsoba (2016)).

Der weitere Teil der Arbeit ist wie folgt strukturiert: Kapitel 2 legt das theoretische Fundament über die Wirkung einer expansiven Fiskalpolitik und fiskalpolitischer Regeln. Kapitel 3 fasst den aktuellen Forschungsstand über die Wirkung der Regeln zusammen. In Kapitel 4 werden die empirischen Studien vorgestellt, die Ergebnisse verglichen und diskutiert. Kapitel 5 fasst die gewonnen Erkenntnisse in einem Fazit zusammen.

2 Relevanz von Fiskalregeln

Lange Zeit wurde der Fiskalpolitik eine nebensächliche Rolle als Instrument zur Stabilisierung der Wirtschaft zugewiesen (Vgl. Blanchard et al. (2010), s. 202). In diesem Sinne ist es erforderlich, die theoretische Wirkung einer solchen Politik zu verstehen. Ferner werden mögliche Probleme und deren Ursachen, die fiskalpolitische Regeln notwendig machen, aufgedeckt. Schließlich folgt eine Erläuterung der dargestellten Regeln, deren Ziele und der neu entstände- nen Anforderungen.

2.1 Wirkung einer expansiven Fiskalpolitik anhand des IS/LM-Modells

Der nachfolgende Abschnitt ist in Anlehnung an Mankiw (2017, s. 303ff) und Ihori (2017, s. 29ff) und beschäftigt sich mit der makroökonomischen Wirkung der Fiskalpolitik auf die Wirtschaft. Die Wirkung wird anhand des IS-LM-Modells nach Keynes beschrieben und erklärt.

Die IS-Kurve stellt alle möglichen Kombinationen von Zinssatz r und Einkommen Y auf dem Gütermarkt dar. Es wird eine negative Beziehung zwischen dem sich verändernden Zinssatz und dem gleichgewichtigen Einkommen beobachtet. Jede dieser Kombinationen ist ein Gleichgewicht auf dem Gütermarkt und wird durch das Einkommen-Ausgabengleichgewicht hergeleitet. Die IS-Kurve kann durch folgende Gleichung dargestellt werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

mit Y als Gesamteinkommen (BIP), c als Konsum, T als Steuerlast, Y — T als verfügbares Einkommen, c als marginale Konsumquote, ƒ als Investition, welche vom Zinssatz r abhängt und G als Staatsausgaben. Gleichung (2) bezeichnet man als Konsumfunktion, die zeigt, dass der Konsum vom verfügbaren Einkommen abhängt. Gleichung (1) ist die Gleichgewichtsbedingung für den Gütermarkt.

Die LM-Kurve stellt alle möglichen Kombinationen vom Zinssatz r und Einkommen Y auf dem Geld- und Finanzmarkt dar. Es wird ein positiver Zusammenhang zwischen dem sich verän-

demden Einkommen und dem gleichgewichtigen Zinssatz beobachtet. Jede dieser Kombināti- onen ist ein Gleichgewicht auf dem Geld- und Finanzmarkt und wird durch das Geldmarktgleichgewicht hergeleitet. Die LM-Kurve kann durch folgende Gleichung dargestellt werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

mit M als Geldangebot, p als gegebenes Preisniveau und L(Y, r) als Geldnachfrage, die positiv vom Einkommen Y und negativ vom Zinssatz r abhängt. also ΔY > ΔG. Ein höheres Einkommen führt gemäß Gleichung (2) zu einem höheren Konsum, welcher wiederum das Einkommen vergrößert. Der Gesamteffekt einer Änderung der Staatsausgaben kann durch folgenden Ausdruckt dargestellt werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus Abb.l wird ersichtlich, dass durch ein gesteigertes Gesamteinkommen die Geldnachfrage auf dem Geldmarkt zunimmt. Da das Geldangebot jedoch gleichgeblieben ist, steigt der ZinsSatz von rl auf r2. Der gestiegene Zinssatz sorgt für eine abnehmende Investitionsbereitschaft; dies wird auch als Verdrängungseffekt bezeichnet. Somit verringert sich der expansive Effekt ausgehend von den gesteigerten Staatsausgaben. Bei einer Steuersenkung um AT kommt es zu einer ähnlichen Wirkung mit dem Unterschied, dass sich die Gesamtausgaben der Haushalte, aufgrund der durch die Steuersenkung hervorgerufenen Steigerung des Einkommens Y, erhöhen. Hierbei spielt der Steuermultiplikator eine wichtige Rolle. Anders als der Staatsausgabenmultiplikator gibt er an, wie stark das Einkommen infolge einer Steuersenkung zunimmt. Der Effekt des Steuermultiplikators kann wie folgt dargestellt werden: [2]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Genau wie zuvor steigt nun der Zinssatz r und es kommt erneut zu der Verdrängung von privaten Investitionen.

2.2 Notwendigkeit fiskalpolitischer Regeln

Vor dem Hintergrund des in Kapitel 1 erläuterten Paradigmenwechsels wirkt es oft so, dass die Fiskalpolitik ohne Weiteres Krisen entgegensteuern und die damit verbundenen Defizite sowie Staatsschulden beseitigen kann. Doch die Realität sieht anders aus, trotz steigender Relevanz bringt die Fiskalpolitik ungewollte Nebeneffekte mit sich. In der Literatur ist häufig von der Defizitneigung der Regierungen und der Prozyklizität der Fiskalpolitik die Rede, obwohl allgemein bekannt ist, dass eine eher neutrale oder antizyklische Politik vorteilhafter wäre (Vgl. Ayuso-i-Casals, Deroose, Flores und Moulin (2009), s.2ff; Bergman und Hutchison (2015), s. 83). Nachfolgend werden einige Ursachen für die Defizitneigung sowie für das prozyklische Verhalten von politischen Entscheidungsträgern aufgedeckt.

Kurzsichtigkeit der politischen Entscheidungsträger: Da Regierungen unbedingt an der Macht bleiben wollen, nutzen sie die Fiskalpolitik dazu, um ihre Wiederwahlchancen zu erhöhen. Dabei werden Wähler angelockt, indem die langfristigen Folgen von Haushaltsungleichgewichten verschleiert werden und dadurch nur der kurzfristige Nutzen aus niedrigeren Steuern und erhöhten Staatsausgaben im Vordergrund bleibt. Diese fiskalische Illusion ist Grund dafür, dass Wähler eine solch kurzsichtige und zu hohen Defiziten führende Politik von Regierungen nicht bestrafen (Vgl. Ayuso-i-Casals et al. (2009), S.5ff). Weiterhin werden absichtlich komplexe und diversifizierte Steuersysteme konzipiert, die es für die Wähler unmöglich machen sollen, die Gesamtsteuerlast der Politik nachvollziehen zu können. Außerdem kann daraus eine asymmetrische Fiskalpolitik folgen, da eine expansive Fiskalpolitik in Ab Schwungphasen auf mehr Zustimmung trifft, als die Konsolidierung der Staatsfmanzen in Aufschwungphasen (Vgl. Be- govic, Marinkovic und Paunovic (2017), s. 3ff).

Common Pool Problem: Das Common Pool Problem ist eine der Hauptursachen für die Anhäufung von Schulden und Defiziten. Dieses Problem fördert politische Einigungen zwischen Parteien, die ihre Ausgaben erhöhen wollen. Dementsprechend ist das Hauptproblem, dass alle öffentlichen Ausgaben aus einer gemeinsamen Haushaltskasse finanziert werden, dessen Finanzierung auf viele Steuerzahler verteilt ist. Wenn mehrere unterschiedliche Interessengruppen um die Verteilung von öffentlichen Ressourcen konkurrieren, entsteht dieses Problem. Die eigenen Interessen Stehen dabei über dem Allgemeinwohl und sollen, ohne die gesamten Kosten zu internalisieren, durchgesetzt werden. Zusätzlich haben die Entscheidungsträger den Anreiz, die Ausgaben zu erhöhen, wodurch sich die Gesamtausgaben erhöhen (vgl. Begovic et al. (2017), S.6; Calmfors und Wren-Lewis (2011), S.12).

Asymmetrie bei der Verteilung von Kosten und Nutzen: Eine weitere Ursache für die Defizitneigung ist die asymmetrische Verteilung von Kosten und Nutzen. Interessengruppen betreiben Lobbyarbeit zur Beeinflussung der Politik, um ihren Mitgliedern die größtmöglichen Vorteile aus den Staatsausgaben zu sichern. Indessen wird die Steuerlast auf die einzelnen Steuerzahler verteilt. Diese erhalten dagegen einen Nutzen, der nicht ihrem Steueraufkommen entspricht. Hierin ist wieder die Kurzsichtigkeit der politischen Entscheidungsträger zu erkennen, deren Ziel die Wiederwahl ist. Folglich ist die politische Unterstützung kleiner gut organisierter Interessengruppen wertvoller, als die der unorganisierten breiten Masse. Das führt zur Umverteilung der öffentlichen Ressourcen auf die organisierten Gruppen und schließlich zu höheren Ausgaben (Vgl. Begovic et al. (2017), s.llf).

Des Weiteren führt das Verhalten der Wähler nach Alesina, Campante und Tabellini (2008) zu mehr Prozyklizität in Entwicklungsländern. Gründe dafür sind das Misstrauen gegenüber der Regierung und die Angst davor, dass zusätzliche Ressourcen als politische Renten[2]enden. Durch diesen Umstand sind Regierungen nicht in der Lage, in guten Zeiten Rücklagen anzulegen. Stattdessen müssen Kredite, die in schlechten Zeiten genutzt werden können, aufgenommen werden. Andersen und Westh Nielsen (2010) schließen daraus, dass die Fiskalpolitik in Industrieländern in guten Zeiten prozyklischer ist als in schlechten. Gavin und Perotti (1997) argumentieren, dass dies in Entwicklungsländern auch in schlechten Zeiten der Fall sei. Sie begründen, damit eine antizyklische Fiskalpolitik verfolgt werden kann, müssen solche Länder Kredite aufnehmen. Allerdings sind entweder die Zinssätze sehr hoch oder es ist aufgrund von Beschränkungen gar nicht möglich. Erhöhte Steuersätze und geringere Staatsausgaben sind davon die Folge.

2.3 Rolle fiskalpolitischer Regeln

In Anbetracht der in Abschnitt 2.2 dargestellten Probleme bezüglich der Ausübung der Fiskalpolitik kann gesagt werden, dass die politischen Entscheidungsträger in ihrem Ermessensspielraum beschränkt und Anreize geschaffen werden sollten, die dabei helfen die Defizitneigung zu korrigieren (Vgl. Bergman, Hutchsion und Jensen (2013), s. 6).

Generell kann Haushaltsdisziplin durch drei Arten von Beschränkungen erreicht werden. Zum einen durch numerische Fiskalregeln, die zu erreichende Ziele und Grenzen für die Fiskalindikatoren Ausgaben, Einnahmen, Schulden und Defizite festlegen. Des Weiteren durch verfahrensrechtliche Bestimmungen, die im Gesetz oder in der Verfassung Stehen und festlegen, wie Haushaltsgesetze ausgearbeitet und umgesetzt werden sollen. Zu der dritten Art von Beschränkungen gehören unabhängige Fiskalräte oder Institutionen, die die Fiskalpolitik des jeweiligen Landes analysieren und basierend darauf Empfehlungen für die Politik aussprechen (Vgl. Ayuso-i-Casals et al (2009), s.7f; Begovic et al (2017), s. 13; Calmfors und Wren-Lewis (2011), s. 662f).

Die hier vorliegende Arbeit konzentriert sich hauptsächlich auf numerische Fiskalregeln. Kopitis und Symansky (1998, S.2) definieren sie als [...] ״a permanent constraint on fiscal policy, typically defined in terms of an indicator of overall fiscal perfomance“. Aus der Definition geht hervor, dass Fiskalregeln der Fiskalpolitik langanhaltende und bindende Beschränkungen anhand von fiskalischen Aggregaten auferlegen. Fiskalregeln werden grundsätzlich in vier verschiedene Kategorien klassifiziert:

Schuldenrege ln legen eine Grenze für die Staatsverschuldung in Prozent des BIP fest und sind am effektivsten zur Einhaltung der vordefinierten Grenze. Wird eine Volkswirtschaft von einem Schock getroffen und sind die Schuldenziele verbindlich, können solche Regeln zu einer prozyklischen Fiskalpolitik führen (Vgl. Schaechter, Kinda, Budina und Weber (2012), S.7).

Saldoregeln sollen für einen ausgeglichenen Budgetsaldo sorgen oder legen Obergrenzen für Defizite fest. Sie geben Leitprinzipien zur Erreichung von Nachhaltigkeit vor. Diese Regeln sind zusammen mit den Schuldenregeln die am weitesten verbreiteten (Vgl. Schaechter et al. (2012), s. 7).

Ausgabenregeln begrenzen die Ausgaben des Staates in absoluten/relativen Werten oder in Wachstumsraten. Diese Regeln wirken sich in Verbindung mit Schulden- oder Saldoregeln auf die Konsolidierung sowie auf die Schuldentragfähigkeit aus (Vgl. Schaechter et al. (2012), s.8f).

Einnahmeregeln setzen Unter- und Obergrenzen für Einnahmesteigerungen fest und sollen eine übermäßige Steuerlast verhindern. Sie haben daher keinen Einfluss auf die Staatsverschuldung und können wie Schuldenregeln zu Prozyklizität führen (Vgl. Schaechter et al. (2012), S.9).

Zusätzlich wird zwischen solchen Regeln unterschieden, die auf nationaler und supranationaler Ebene eingeführt werden (Vgl. Bergman et al. (2013), s. 7). Der Verbindlichkeitsgrad dieser Regeln variiert und hängt maßgeblich von der überwachungs- und Durchsetzungsstärke des Landes ab. Beispielsweise können in dem Gesetz oder der Verfassung verankerte Regeln nur sehr schwer umgangen und verändert werden. Dadurch können häufige Änderungen unterbunden werden und politische Entscheidungsträger müssen sich der Haushaltsdisziplin fügen. Hierbei spielt auch die institutioneile Qualität eines Landes eine entscheidende Rolle. Die Wirksamkeit der Regeln kann darunter leiden, wenn die Durchsetzungsmechanismen und Rechenschaftslegungsprozesse der Regierung hinfällig sind. Weiterhin können Regeln auf höheren Regierungsebenen direkten oder indirekten Einfluss auf niedrigere Ebenen ausüben. Zu den direkten Effekten zählen vorgeschriebene Leitprinzipien, die festlegen, welche Richtung der fiskalpolitische Kurs einschlagen soll und anhand derer die Fiskalpolitik bewertet werden kann. Ein indirekter Effekt ist, dass die Beschränkungen auf höheren Ebenen die Finanzen der niedrigeren Regierungsebenen negativ beeinträchtigen, um sich für zukünftige Rettungsaktionen abzusi- chem (Vgl. Ayuso-i-Casals et al. (2009), s. 10; Burret und Feld (2014), s. 1; Schaechter et al. (2012), s. 17f).

Die Krise hat die Fiskalpolitik vor neue Herausforderungen gestellt, so konnten viele Regeln nicht durchgesetzt oder mussten abgeändert[3]werden. Schaechter et al. (2012, s. 25ff) skizzieren in diesem Zusammenhang einige Ursachen. Beispielsweise hatten zahlreiche Länder keine Ausstiegsklauseln in ihre Regeln eingebaut und mussten deshalb neue Obergrenzen für die Regeln festlegen. Aufgmnd der ungewissen Zukunft waren gleichzeitig Anpassungen und Formulierungen neuer Regeln erforderlich. Diese Steuern in Verbindung mit flexiblen Anpassungspfaden höhere fiskalpolitische Nachhaltigkeit an. Die Autoren stellen fest, dass die Fiskalregeln der neuen ״Generation“ mehr Nachhaltigkeit im Zusammenhang mit mehr Flexibilität anstreben. Infolgedessen wurde bei der Ausgestaltung der Regeln darauf geachtet, zyklisch angepasste Haushaltsziele zu setzen, Z.B. durch zyklisch angepasste Saldoregeln. Da nicht jede Art von Fiskalregeln dazu gedacht ist, für Nachhaltigkeit und Stabilisierung der Wirtschaft zu sorgen, kombinieren viele Länder mehrere Regeln. Es werden neu konzipierte Ausgabenregeln mit Schuldenregeln verbunden, um den Aspekt der Nachhaltigkeit anzusprechen und Leitlinien für die Fiskalpolitik aufzuzeigen. Zur Berücksichtigung wirtschaftlicher Schocks, die eine prozyklische Fiskalpolitik hervormfen könnten, sollten fiskalpolitische Regeln Ausstiegsklauseln beInhalten, mit denen eine bessere Reaktion auf unerwartete Szenarien einhergeht. Den Autoren zufolge sollte das Auslösen der Ausstiegsklauseln nur durch wenige Faktoren hervorgerufen werden können. Auch sollten Handlungsmaßnahmen durch klare Leitlinien bestimmt werden und einen Pfad zurück zur Einhaltung der Regel sowie zur Beseitigung der Abweichung von dieser aufzeigen. Als Konsequenz der anspruchsvolleren und in Wechselbeziehung stehenden Regeln waren viele Länder dazu gezwungen, ihre Haushaltsverfahren und mittelfristigen Haushaltsrahmen umzugestalten. Hiermit sollte die Einführung der Regeln vereinfacht und beschleunigt werden. Auch wurden vielfach unabhängige Fiskalräte eingesetzt, um die Regelkonformi- tat zu wahren und die Durchsetzung zu überwachen. Solche Institutionen geben eine unabhängige Meinung zur Einführung von fiskalpolitischen Regeln ab, bewerten die Budgettransparenz und liefern wichtige Annahmen bezüglich der Haushaltsmittel (Vgl. Schaechter et al. (2016), s. 24; 32ff).

[...]


[1]Es gilt: / = /(r).

[2]Eine umfassende Literaturzusammenfassung zu politischen Renten und Rent Seeking führen Alesina und Passa- laequa (2016) durch.

[3]Beispiele für Länder die solche Änderungen vorgenommen haben: Bulgarien, Chile, Dänemark, Finnland, Israel, Panama und England.

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Wie wirksam sind fiskalpolitische Regeln?
Hochschule
Universität Osnabrück
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
36
Katalognummer
V420458
ISBN (eBook)
9783668686458
ISBN (Buch)
9783668686465
Dateigröße
659 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fiskalregeln, fiscal rules, Fiskalpolitik, Geldpolitik, IS/LM-Modell, Wirksamkeit, Effektivität, prozyklisch, antizyklisch, Prozyklizität, Antizyklizität, Volatilität
Arbeit zitieren
Arthur Kilber (Autor), 2018, Wie wirksam sind fiskalpolitische Regeln?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/420458

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