Die älteste Fassung des aventürehaften Heldenliedes Der Rosengarten zu Worms (A) fasst immer wieder Aspekte von Mut und Ehre eines Helden auf. Das Heldentum wird immer wieder auf die eine oder andere Art und Weise thematisiert. Im Folgenden sollen die Strophen 145 bis 164 eingeordnet werden.
Die Grundlage der einzuordnenden zwanzig Strophen ist die Einleitung des Geschehens. Die Tochter des Königs, Kriemhilt, lässt, um ihren Verlobten Sîfrit auf die Probe zu stellen, zwölf der besten und stärksten Männer aus dem Reich ihres Vaters gegen zwölf der stärksten Krieger von Bern antreten. Der Sieger soll mit einem Kuss der Königstochter und einem Rosenkranz aus dem Rosengarten des Vaters belohnt werden.
Zu den Schlüsselfiguren, die für den Verlauf des Geschehens ausschlaggebend sind, zählen die Königstochter Kriemhilt, welche den Auslöser der Kämpfe darstellt, ihr Vater Gibeche, der König am Rhein und in Worms, sowie Hildebrand aus der Gefolgschaft des Königs, welcher die Organisation der Zweikämpfe übernimmt. Ihnen gegenüber steht Dietrich von Bern mit seiner Gefolgschaft.
Inhaltsverzeichnis
1. Übersetzung der Strophen 145-164 „Der Rosengarten zu Worms (A)“
2. Einordnung der Übersetzten Textstelle
3. Interpretation
3.1 Held – Der Begriff
3.2 Andreas Hammer, „Held in Mönchskleidern oder Mönch im Heldenkostüm?“
3.2 Meinolf Schumacher: Der Mönch als Held oder: Von Ilsâns Kämpfen und Küssen in den Rosengarten-Dichtungen
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Doppelrolle des Mönchs Ilsân im Heldenepos "Der Rosengarten zu Worms (A)". Dabei wird analysiert, inwiefern seine Handlungen und sein Erscheinungsbild zwischen einer monastischen Identität und einer kriegerischen, heroischen Natur oszillieren und ob er als Held im traditionellen Sinne betrachtet werden kann.
- Analyse der Heldenkonzeption im Mittelalter
- Untersuchung der Ambiguität der Figur Ilsân
- Rezeption der Forschungsliteratur zu den Themen Moniage-Motiv und Sphärenwechsel
- Bedeutung der visuellen Symbolik (Kutte vs. Rüstung)
- Deutung der gewalttätigen Interaktionen mit dem Klosterumfeld
Auszug aus dem Buch
3.1 Held – Der Begriff
Um sich die Frage zustellen ob Ilsân als Held gesehen werden kann sollte der Begriff des Helden geklärt werden. Die mittelhochdeutsche Übersetzung recke, reche, riche kann ins neuhochdeutsche mit Recke, Held, Krieger verknüpft werden. Der Duden gibt drei Aspekte die einen Held charakterisieren. Die erste Definition ist „durch große und kühne Taten besonders in Kampf und Krieg sich auszeichnender Mann edler Abkunft“1 was so viel bedeutet wie ein Held muss Kriegerisch veranlagt sein. Des Weiteren definiert der Duden einen Held als „jemand, der sich mit Unerschrockenheit und Mut einer schweren Aufgabe stellt, eine ungewöhnliche Tat vollbringt, die ihm Bewunderung einträgt“2 also jemand der Mut beweist und vor schwierigen Aufgaben nicht zurückschreckt. Als letzte Charaktereigenschaft schreibt der Duden einem Helden zu, jemand zu sein „der sich durch außergewöhnliche Tapferkeit im Krieg auszeichnet und durch sein Verhalten zum Vorbild [gemacht] wird“ 3 Augenscheinlich ist ein Held in ein Kriegsgeschehen beziehungsweise in einem Kampf verwickelt welchem er mutig entgegensteht, ohne Furcht mit Bravur meistert und dafür mit Anerkennung belohnt wird.
Aspekte dieser Charakterisierung sind in Ilsân wieder zu finden, jedoch muss bewertet werden ob ihn diese Eigenschaften als Held definieren oder ob er einen Mönch mit aggressiven Zügen darstellt. Inwiefern seine Kleidung als auch seine Handlungen sollen genauer Untersucht werden. Um diese Frage zu klären soll im weiteren Verlauf die Forschungsliteratur in Betracht gezogen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Übersetzung der Strophen 145-164 „Der Rosengarten zu Worms (A)“: In diesem Abschnitt wird die Entscheidung des Mönchs Ilsân geschildert, sich dem Kampf am Rhein anzuschließen, unter der Bedingung der Erlaubnis durch seinen Abt.
2. Einordnung der Übersetzten Textstelle: Die Strophen werden hier in den Gesamtzusammenhang des Heldenepos gesetzt, wobei die zentrale Rolle von Kriemhilt als Auslöserin und die Motivation von Ilsân erläutert werden.
3. Interpretation: Dieser Teil analysiert theoretisch und durch die Einbeziehung von Forschungsliteratur die Identität des Mönchs zwischen Heldentum und geistlichem Stand.
4. Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass Ilsân eine Doppelrolle verkörpert und keiner Sphäre eindeutig zugeordnet werden kann, da seine Vergangenheit als Krieger stets präsent bleibt.
Schlüsselwörter
Ilsân, Der Rosengarten zu Worms, Held, Mönch, Mittelalter, Moniage-Motiv, Heldenepos, Identität, Ambiguität, Zweikampf, Literaturwissenschaft, Heldenbegriff
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die literarische Figur des Mönchs Ilsân im Epos „Der Rosengarten zu Worms (A)“ im Hinblick auf seine Identität als Mönch und Krieger.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Ambiguität des Heldenbegriffs, das Moniage-Motiv und die Verbindung zwischen dem monastischen Leben und der heroischen Sphäre.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Es wird untersucht, ob das Verhalten von Ilsân eher charakteristisch für einen Mönch ist oder ob er als Held im traditionellen, alten Sinne gesehen werden muss.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Die Untersuchung basiert auf einer Textanalyse des Heldenliedes in Kombination mit einer kritischen Auswertung einschlägiger Forschungsliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil erfolgt eine Begriffsdefinition des Helden, die Zusammenfassung und Bewertung von Positionen der Forschungsliteratur (insb. Hammer und Schumacher) sowie eine Analyse des Verhaltens von Ilsân.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere: Doppeldeutigkeit, Reaktivierung, Moniage-Motiv, heroische Sphäre und monastische Sphäre.
Wie spielt das Moniage-Motiv in die Analyse hinein?
Es dient dazu, zu erklären, warum Ilsâns ursprüngliche Natur als Krieger trotz seiner klösterlichen Lebensform immer wieder durchbricht.
Welche Bedeutung hat das Tragen der Mönchskutte über der Rüstung?
Dies wird als visuelles Zeichen der Zerrissenheit gedeutet, da es die Verschränkung zweier gegensätzlicher Lebensentwürfe symbolisiert.
Wie reagieren die anderen Mönche auf Ilsân?
Die Mönche stehen ihm kritisch gegenüber; sie empfinden Erleichterung über seinen Auszug und wünschen ihm den Tod, da sie unter seinem gewalttätigen Verhalten leiden.
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- Emilie Platt (Autor), 2017, Der Rosengarten zu Worms (A), Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/420468