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Dantes Inferno als Spiegelbild seiner Gerechtigkeit

Title: Dantes Inferno als Spiegelbild seiner Gerechtigkeit

Term Paper , 1998 , 23 Pages , Grade: sehr gut minus

Autor:in: Tobias Budke (Author)

Romance Studies - Italian and Sardinian Studies
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Einleitung und Fragestellung

Welches Prinzip der Gerechtigkeit jemand vertritt, wird am ehesten evident durch die Strafen, die er denen zukommen lässt, die gegen diese Gerechtigkeit verstoßen, und weniger durch die Belohnungen, die diejenigen erhalten, die sich an ihre Vorschriften halten. Daher ist Dantes Inferno bezüglich Dantes Gerechtigkeitskonzept aussagekräftiger als das Paradiso und das Purgatorio . Daher - und aus Platzgründen - werde ich mich in dieser Arbeit auf das Inferno beschränken und nur selten die anderen Teile der Commedia erwähnen.
Für Dante gibt es im Grunde genommen drei Arten von Gerechtigkeit:

- persönliche Gerechtigkeit, die sich mit dem sündigen Individuum befasst;
- historisch-politische Gerechtigkeit, die sich mit der Sünde an sich und ihren Auswirkungen auf das Gemeinwesen beschäftigt;
- theologische Gerechtigkeit, die mehr oder weniger von Dantes christlichem Glauben abhängig ist.

Für jedes Gerechtigkeitskonzept sollen im Verlaufe der Arbeit Beispiele herangezogen und erläutert werden. Dabei will ich im Besonderen drei Aspekte der jeweiligen Gerechtigkeit herausarbeiten:

- Aus welchen Quellen schöpft Dante seine Konzeptionen?
- Inwieweit ist das Inferno als rechtsphilosophische Schrift deckungsgleich mit seinen anderen Werken, insbesondere De Monarchia?
- Ist Dante ein "zutiefst mittelalterlicher" Autor oder lassen sich seine Vorstellungen mit modernen Gerechtigkeitsauffassungen versöhnen?

Die Auswahl der Beispiele wird sich an diesen Fragestellungen orientieren und darüber hinaus zu ermitteln versuchen, für welche Art der Gerechtigkeit sich Dante im Zweifelsfall entscheidet und welche Vergehen für ihn die strafwürdigsten sind. Als hochintelligenter und gebildeter Mensch des Spätmittelalters bewegte sich Dante in einem Spannungsfeld mehrerer religiöser und politischer Bezugssysteme; interessant ist hier die Frage, welches Bezugssystem für welche Bestrafung relevant ist.

Bei Lebensdaten und historischen Ereignissen beziehe ich mich - falls im Zweifel - auf A Dictionary of Proper Names and Notable Matters in the Works of Dante, hrsg. von Charles Singleton, Oxford 1968.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Fragestellung

2. Gerechtigkeit als höchste Tugend

3. Dantes Prinzip des "contrappasso" und seine Vorläufer

4. Das Legitimationsproblem

5. Dantes drei Gesichter der Gerechtigkeit

5.1 Dantes theologische Gerechtigkeit

5.1.1 Die Ewigkeit der Höllenstrafen

5.1.2 Die zentrale Position des freien Willens

5.1.3 Die Erbsünde

5.2 Dantes historisch-politische Gerechtigkeit

5.2.1 Brutus und Cassius

5.3 Dantes persönliche Gerechtigkeit

5.3.1 Filippo Argenti - die doppelte Verdammnis

5.3.2 Brunetto Latini - der Grenzfall

5.3.3 Ugolino della Gherardesca und die Sippenhaft

5.3.4 Fra Alberigo - Höllenfahrt vor dem Tod

6. Zusammenfassung - die drei Gesichter Dantes

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Gerechtigkeitskonzept in Dantes Inferno, indem sie analysiert, wie göttliche, historisch-politische und persönliche Aspekte die Struktur der Bestrafungen prägen. Die zentrale Forschungsfrage zielt darauf ab, wie diese verschiedenen Bezugssysteme interagieren, ob Dante als mittelalterlicher oder moderner Denker agiert und welche Rolle der freie Wille in seiner Rechtsphilosophie spielt.

  • Systematisierung der drei Gerechtigkeitsformen: theologisch, historisch-politisch, persönlich.
  • Analyse des "contrappasso"-Prinzips als Ausdruck göttlicher Gerechtigkeit.
  • Untersuchung des Legitimationsproblems für irdische Herrschaftsformen im Kontext der Monarchie.
  • Diskussion der Rolle des Autors als handelndes Subjekt mit persönlichen Sympathien und Antipathien.
  • Evaluation von Dantes Position im Spannungsfeld zwischen mittelalterlicher Scholastik und humanistischen Ansätzen.

Auszug aus dem Buch

5.3.1 Filippo Argenti - die doppelte Verdammnis

Einer dieser Verdammten ist Filippo Argenti, den Dante im achten Gesang erwähnt: "Quei fu al mondo persona orgogliosa; bontà non è che sua memoria fregi: così s'è l'ombra sua qui furiosa."

Dante erhält dem Leser die Spannung, indem er den Namen des Gepeinigten erst in Vers 61 erwähnt; seine Strafe ist es, sich vor Wut selbst zerfleischen zu müssen. Filippo Argenti, ein Mitglied der florentinischen Familie Adimari, galt als Mann von hitzigem Temperament, der auch in Boccaccios Decameron erwähnt wird: [...] Filippo Argenti, uom grande e nerberuto e forte, sdegnoso, iracundo e bizarro più che altro [...]

Warum er mit Dante verfeindet war, ist "unbekannt". Die Bestrafung Filippo Argentis ist aus mehreren Gründen aufschlussreich. Zunächst einmal bestraft er sich eigentlich selber: "e il fiorentino spirito bizzarro in sè medesmo si volvea co' denti."

während er von einer verdreckten Horde geschlagen wird. Seine Strafe könnte also gar nicht vollständiger sein; andere Verdammte tun sich auch an diesem Ort noch zusammen, um seine Verdammnis zu erschweren. Damit wird das "contrappasso" auf die Spitze getrieben.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung und Fragestellung: Das Kapitel definiert den Fokus auf das Inferno zur Erläuterung von Dantes Gerechtigkeitskonzept und stellt die zentralen Fragestellungen zur rechtsphilosophischen Einordnung des Werkes vor.

2. Gerechtigkeit als höchste Tugend: Hier wird Dantes hoher Stellenwert der Gerechtigkeit als moralische und staatsphilosophische Kategorie unter Rückgriff auf klassische und scholastische Vorbilder dargelegt.

3. Dantes Prinzip des "contrappasso" und seine Vorläufer: Es wird das Prinzip der angemessenen Bestrafung analysiert und gezeigt, wie Dante dieses durch Traditionen wie Höllenfeuer und apokryphe Schriften historisch fundiert.

4. Das Legitimationsproblem: Dieses Kapitel erörtert die notwendige rechtliche Begründung für Urteile und identifiziert die Monarchie als Dantes präferiertes, einzig logisches Regierungsmodell.

5. Dantes drei Gesichter der Gerechtigkeit: Dieses Hauptkapitel differenziert zwischen theologischer, historisch-politischer und persönlicher Gerechtigkeit als den drei Hauptsäulen des Danteschen Konzepts.

5.1 Dantes theologische Gerechtigkeit: Analyse der dogmatischen Grundlagen des Inferno, insbesondere im Hinblick auf die Ewigkeit der Strafe, den freien Willen und die Erbsünde.

5.1.1 Die Ewigkeit der Höllenstrafen: Untersuchung der theologischen Begründung der ewigen Höllenstrafen durch Augustinus und Papst Gregor I. im Kontext von Dantes Werk.

5.1.2 Die zentrale Position des freien Willens: Erläuterung, dass für Dante nicht die Tat, sondern der böse Wille als Ursache der Sünde im Zentrum der göttlichen Beurteilung steht.

5.1.3 Die Erbsünde: Behandlung der scholastischen Einordnung ungetaufter Seelen und der Rolle der Kindertaufe in Dantes Hölle.

5.2 Dantes historisch-politische Gerechtigkeit: Fokus auf historische Figuren und deren Verstoß gegen die von Dante vertretene Staatsidee als Grundlage für ihre Verdammnis.

5.2.1 Brutus und Cassius: Analyse der Cäsarenmörder als Symbolfiguren des Verrats an der von Dante idealisierten kaiserlichen Herrschaftsidee.

5.3 Dantes persönliche Gerechtigkeit: Untersuchung der subjektiven Komponente in der Bestrafung von Zeitgenossen, bei denen persönliche Motive des Autors einfließen.

5.3.1 Filippo Argenti - die doppelte Verdammnis: Darstellung der Selbstbestrafung Argentis als Beispiel für Dantes persönliche Abneigung und die Eskalation des contrappasso.

5.3.2 Brunetto Latini - der Grenzfall: Analyse der ambivalenten Haltung Dantes gegenüber seinem Lehrer Latini, der trotz Bewunderung wegen seiner Sünden verdammt wird.

5.3.3 Ugolino della Gherardesca und die Sippenhaft: Diskussion der Tragik Ugolinos und Dantes Ablehnung kollektiver Sippenhaft versus individueller Schuld.

5.3.4 Fra Alberigo - Höllenfahrt vor dem Tod: Beispiel für einen Verräter, der als vollkommen moralisch verkommen dargestellt wird, wodurch sich theologische und politische Gerechtigkeit vereinen.

6. Zusammenfassung - die drei Gesichter Dantes: Synthese der Ergebnisse zur Rangfolge der Gerechtigkeitsformen und Fazit über Dantes humanistische Züge.

Schlüsselwörter

Dante Alighieri, Inferno, Gerechtigkeit, Contrappasso, Theologie, Rechtsphilosophie, Monarchie, Freier Wille, Erbsünde, Historisch-politische Gerechtigkeit, Persönliche Gerechtigkeit, Scholastik, Humanismus, Moral, Staatsidee.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die verschiedenen Konzepte von Gerechtigkeit, die Dante Alighieri in seinem Werk Inferno verwendet, um die Strafen der Verdammten zu rechtfertigen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der theologischen Dogmatik, der politischen Staatsphilosophie Dantes und der psychologischen Dimension persönlicher Sympathien und Antipathien des Autors.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die interne Logik von Dantes Höllenkonstruktion zu entschlüsseln und zu prüfen, inwieweit Dante ein typisch mittelalterlicher Autor ist oder bereits modernere, humanistische Züge zeigt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine textanalytische Untersuchung, die das Inferno mit Dantes anderen Werken wie "De Monarchia" und zeitgenössischer theologischer Literatur (z. B. Thomas von Aquin, Augustinus) vergleicht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die drei Gerechtigkeitsformen: die theologisch begründete Sünde, die politisch gewertete Straftat gegen den Staat und die persönlich motivierte Verdammnis von Bekannten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind Dante, Inferno, Gerechtigkeit, Contrappasso, freier Wille, Monarchie und das Spannungsfeld zwischen mittelalterlicher Scholastik und individuellem Empfinden.

Wie bewertet der Autor Dantes Umgang mit Ugolino della Gherardesca?

Der Autor zeigt auf, dass Dante Ugolinos individuelle Geschichte als tragisch empfindet und die Sippenhaft, die Ugolinos Kinder betrifft, kritisch sieht, obwohl er Ugolinos politische Schuld anerkennt.

Warum wird Brunetto Latini als "Grenzfall" bezeichnet?

Er ist ein Grenzfall, da Dante ihn als Lehrer persönlich hoch schätzt, ihn aber aufgrund des kirchlichen Dogmas dennoch verdammt, wodurch der Konflikt zwischen Dantes Gefühlen und seinem theologischen Weltbild verdeutlicht wird.

Wie unterscheidet sich die Bestrafung von Fra Alberigo von anderen?

Im Gegensatz zu anderen Sündern empfindet der Autor Dante bei Alberigo keinerlei Mitgefühl, da dieser als Verräter an Gästen seine Verdammnis durch den Autor aktiv vorantreibt.

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Details

Title
Dantes Inferno als Spiegelbild seiner Gerechtigkeit
College
University of Münster  (Romanistisches Seminar)
Course
Dantes Inferno
Grade
sehr gut minus
Author
Tobias Budke (Author)
Publication Year
1998
Pages
23
Catalog Number
V42054
ISBN (eBook)
9783638401784
Language
German
Tags
Dantes Inferno Spiegelbild Gerechtigkeit Dantes Inferno
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Tobias Budke (Author), 1998, Dantes Inferno als Spiegelbild seiner Gerechtigkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42054
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