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Decoding PHILADELPHIA -Die Krankheit Aids und ihre Darstellung im Hollywood-Film

Title: Decoding PHILADELPHIA -Die Krankheit Aids und ihre Darstellung im Hollywood-Film

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 37 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Alexander Thiele (Author)

Film Science
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Summary Excerpt Details

Einleitung

Fast zehn Jahre war die Krankheit AIDS 1 und der sie verursachende HI-Virus einer immer breiter werdenden Öffentlichkeit bekannt, ehe 1993 der erste Film aus Hollywood zu diesem Thema gedreht wurde. In den Jahren vor PHILADELPHIA gab es zahlreiche kleinere Independent-Produktionen2 und einige Fernsehfilme, die sich erzählerisch3 oder dokumentarisch4 mit der Krankheit, ihrem immer tödlichen Verlauf, den betroffenen Menschen und den gesellschaftlichen Vorurteilen und Ängsten auseinander setzten. PHILADELPHIA von Jonathan Demme war nun die erste Studiogroßproduktion (Columbia TriStar), die sich an dieses brisante Thema mit all seinen Implikationen (Sexualität, Familie, Tod, gesellschaftliche Stigmatisierung, Vorurteile) heranwagte. Es soll mir nicht um die Frage gehen, warum die großen Studios – sonst auf der Suche nach verfilmbaren Stoffen und gesellschaftlich relevanten Entwicklungen immer am Puls der Zeit – das Thema Aids erst so spät aufgegriffen haben, sondern vielmehr interessiere ich mich für die aufklärerischen Qualitäten von PHILADELPHIA und die im Film thematisierte >Schnittstelle< Aids/Homosexualität. Ob sich in einer Großproduktion zum Thema Aids überhaupt ein differenziertes, glaubwürdiges Bild der Krankheit und der von ihr Betroffenen realisieren lässt und ob ein aufklärerischer Ansatz nicht zwangsläufig an wirtschaftlichen Interessen und Zwängen des Mediums scheitern muss, stelle ich im weiteren Verlauf zur Diskussion.

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1 1981 veröffentlichte das United States Center for Disease Control erstmals einen Bericht über AIDS. Dass diese Krankheit durch das HI-Virus verursacht wird, ließ sich jedoch erst 1983/84 eindeutig belegen.

2 z.B. Gregg Araki′s The Living End (1992).

3 z.B. An Early Frost(1985), Roger Spottiswoode´s And the Band Played On (1992).

4 z.B. Peter Adair′s Absolutely Positive (1990, Kermit Cole′s Living Proof: HIV and the Pursuit of Happiness (1993).

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

1.1 Aufbau und Herangehensweise

2 AIDS – DIE KRANKHEIT UND IHRE FOLGEN

2.1 Aids – eine Statistik

2.2 Tabuthemen: Krankheit und (Homo-)Sexualität

2.3 Entstehung von Vorurteilen

3 EXKURS: AIDS UND POLITIK

4 CULTURAL STUDIES (CS)

4.1 Stuart Hall

4.2 Der ausgehandelte Raum

5 ENCODING PHILADELPHIA

5.1 Was erzählt PHILADELPHIA?

5.2 Die Protagonisten

5.2.1 Miller

5.2.2 Beckett

6 DECODING PHILADELPHIA

6.1 Homophil, homophobe and not so homophobe

7 WAS BLEIBT?

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Darstellung von AIDS und Homosexualität im Hollywoodfilm am Beispiel von Jonathan Demmes „Philadelphia“. Dabei wird analysiert, inwiefern der Film durch eine „ausgehandelte Lesart“ sowohl ein breites Mainstreampublikum anzusprechen versucht als auch gesellschaftliche Vorurteile und Tabus in Bezug auf HIV-Infizierte und Homosexuelle behandelt.

  • Analyse des gesellschaftlichen Umfelds und der Stigmatisierung von AIDS
  • Anwendung des Encoding/Decoding-Modells nach Stuart Hall auf den Film
  • Sozialpsychologische Annäherung an das Thema Krankheit und Diskriminierung
  • Untersuchung der zentralen Charaktere Beckett und Miller als Identifikationsfiguren
  • Kritische Reflexion der ökonomischen Zwänge von Hollywood-Großproduktionen

Auszug aus dem Buch

5.2.1 Miller

Miller personifiziert den durchschnittlichen Mittelklasse-Amerikaner. Mit Engagement harter Arbeit und Penetranz hat er sich eine Existenz aufgebaut und streitet als Anwalt für Bürgerinteressen. Während Beckett in einer chicen Kanzlei arbeitet und große Firmen vertritt, so hat sich Miller in einem engen und lauten Büro selbstständig gemacht, rekrutiert seine Kunden buchstäblich von der Straße und wirbt in Fernsehspots für seine Leistungen, die sich eher im unteren Schadensbereich bewegen. Bei aller Professionalität hat sich Miller – so will es die Regie – etwas jungenhaft Naives bewahrt, dass ihn zudem als impulsiven, natürlichen und intuitiven Mann charakterisiert.

Auf Becketts Outing (Seq.9, TC 00:22:00) reagiert Miller mit erschrockener Ablehnung. Seine freundliche und kollegiale Art ändert sich schlagartig, als er von Becketts Aidserkrankung erfährt. Gespräche mit seinem Hausarzt (Seq.10, TC 00:28:45) und seiner Frau (Seq.11, TC 00:29:41), die sich unmittelbar an das Klientengespräch anschließen, charakterisieren ihn als konservativen und vorurteilsbehafteten Macho.

Es ist dramaturgisch geschickt, Miller als homophobe Figur in den Film einzuführen. Zum einen wird ihm so eine Entwicklungsmöglichkeit gegeben – a „transformation from mental gay basher to bashful gay rights advocate.“ Zum anderen funktioniert Miller für den Rezipienten und den Film als sprichwörtlicher Eisbrecher, indem er alle Vorurteile gegenüber Homosexuellen verbalisiert. Der Film gibt mit Miller „auch dem Zuschauer in Wichita jemanden an die Hand (...), mit dem er sich identifizieren kann“, so einer der Produzenten von PHILADELPHIA in einem Gespräch mit der New York Times.

Zusammenfassung der Kapitel

1 EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die Relevanz des Themas AIDS im Hollywoodkino ein und skizziert den methodischen Ansatz, insbesondere die Verwendung des Encoding/Decoding-Modells.

2 AIDS – DIE KRANKHEIT UND IHRE FOLGEN: Dieses Kapitel betrachtet die soziale Dimension von AIDS, die Entstehung von Stigmatisierung und den historischen Kontext gesellschaftlicher Tabus bezüglich Sexualität.

3 EXKURS: AIDS UND POLITIK: Hier wird der späte Umgang Hollywoods mit dem Thema AIDS vor dem Hintergrund der konservativen Politik der Reagan- und Bush-Ära in den USA analysiert.

4 CULTURAL STUDIES (CS): Der theoretische Teil erläutert die Bedeutung der Cultural Studies und detailliert das Encoding/Decoding-Modell von Stuart Hall für die Filmanalyse.

5 ENCODING PHILADELPHIA: Dieses Kapitel untersucht die Entstehungsbedingungen von „Philadelphia“ als Mainstream-Produktion und analysiert die Funktion der Charaktere Beckett und Miller.

6 DECODING PHILADELPHIA: Hier wird die Rezeption des Films reflektiert und die Ambivalenz zwischen den dargestellten Vorurteilen und dem Anspruch auf Aufklärung kritisch bewertet.

7 WAS BLEIBT?: Das abschließende Kapitel fasst zusammen, dass „Philadelphia“ trotz guter Absichten eine „ausgehandelte Lesart“ bietet, die gesellschaftliche Konflikte eher verwaltet als grundlegend aufbricht.

Schlüsselwörter

AIDS, Philadelphia, Hollywood, Cultural Studies, Stuart Hall, Encoding-Decoding-Modell, Homosexualität, Diskriminierung, Vorurteile, Stigmatisierung, Mainstream-Film, Rezeptionsanalyse, Identifikationsfigur, soziale Konstruktion, politischer Diskurs

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die filmische Darstellung der Krankheit AIDS im US-amerikanischen Mainstream-Kino am Beispiel des Films „Philadelphia“ aus dem Jahr 1993.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Felder umfassen die Stigmatisierung von AIDS, die gesellschaftliche Wahrnehmung von Homosexualität, die Rolle von Vorurteilen sowie den Einfluss wirtschaftlicher Interessen auf Hollywood-Produktionen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, den Film mithilfe des Encoding/Decoding-Modells von Stuart Hall zu analysieren, um zu prüfen, ob der Film ein wirkliches Plädoyer für Toleranz ist oder lediglich eine „ausgehandelte Lesart“ zur Konsensbildung anbietet.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt medienanalytische Methoden im Rahmen der Cultural Studies, insbesondere das Encoding/Decoding-Modell von Stuart Hall, ergänzt durch eine Analyse der erzählerischen Struktur und der Figurenkonstellation.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu den Cultural Studies, eine Produktionsanalyse des Films sowie eine Untersuchung der Protagonisten Beckett und Miller und deren Rezeptionsmöglichkeiten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Cultural Studies, AIDS-Diskurs, Stigmatisierung, Homophobie, Encoding/Decoding und Mainstream-Hollywoodkino beschreiben.

Warum ist die Figur Miller für die Analyse so entscheidend?

Miller fungiert als „Eisbrecher“ und Projektionsfläche für das Publikum; durch seine anfängliche Homophobie kann der Zuschauer seine eigenen Vorurteile spiegeln und eine schrittweise Identifikation mit dem Anliegen des Protagonisten Beckett erleben.

Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur "ausgehandelten Lesart"?

Der Autor schließt, dass der Film das Thema AIDS zwar aufgreift, aber durch narrative Konventionen und eine bewusste Entsexualisierung Becketts eine kontroverse Auseinandersetzung vermeidet, um ein breites Publikum nicht zu verschrecken.

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Details

Title
Decoding PHILADELPHIA -Die Krankheit Aids und ihre Darstellung im Hollywood-Film
College
Ruhr-University of Bochum  (Medienwissenschaften)
Course
Postklassisches Kino
Grade
2,0
Author
Alexander Thiele (Author)
Publication Year
2004
Pages
37
Catalog Number
V42057
ISBN (eBook)
9783638401814
Language
German
Tags
Decoding PHILADELPHIA Krankheit Aids Darstellung Hollywood-Film Postklassisches Kino
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Alexander Thiele (Author), 2004, Decoding PHILADELPHIA -Die Krankheit Aids und ihre Darstellung im Hollywood-Film, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42057
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