Bildungs- und Erziehungspartnerschaft zwischen Eltern und Lehrkräften

Welchen Einfluss hat die Elternarbeit auf die Schulentwicklung?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011

19 Seiten, Note: 1.7


Leseprobe

1.Einleitung

„Schule braucht die Erziehungsgemeinschaft von Elternhaus und Schule. Wenn Lehrkräfte und Eltern abgestimmt an einem Strang ziehen, profitieren vor allem - aber nicht nur - die Schülerinnen und Schüler davon“.1

In dieser Hausarbeit beschäftige ich mich mit dem Verhältnis von Schule und Elternhaus. Anlass für diese Diskussion sind unter anderem die Resultate der PISAStudien, welche die Bedeutung der Familie für die kindliche Entwicklung verdeutlichen. Hervorgehoben wird, dass die Schule dazu verpflichtet ist, die familiären Einflüsse intensiver als bisher zu berücksichtigen.

Heute wird eine starke Partnerarbeit zwischen Schule und Familie als sehr wichtig empfunden.2 In Wirklichkeit herrscht zwischen Eltern und Lehrkräften jedoch größtenteils eine distanzierte Beziehung. Es kommt zu einer wechselseitigen Kritik, bei der sich beide Positionen über das Verhalten der jeweils anderen beschweren.

Eltern beschweren sich über die angeblich zu hohen Leistungserwartungen der Lehrer/innen, die somit einen zunehmenden Druck auf die Schüler bewirken. Zudem beklagen Eltern sich über mangelnde Fürsorge, sodass zahlreiche Jugendliche ohne Abschluss die Schule verlassen.3 Eltern behaupten auch, dass für die Lehrkräfte ausschließlich die kognitiven Leistungen ihrer Schülerinnen und Schüler von Interesse seien und deren Persönlichkeitsentwicklung vollkommen übergehen würden.

Auf der anderen Seite klagen die Lehrer/innen über eine schlechte Erziehung der Schülerinnen und Schüler seitens der Eltern und zusätzlich, dass diese ihr Kinder nicht ausreichend dazu motivieren würden. Aufgrund dessen entwickeln sich die Schülerinnen und Schüler zu verhaltensauffälligen Jugendlichen mit denen sich letztendlich die Lehrkräfte in der Schule befassen müssen. Zusätzlich werfen Lehrer/innen den Eltern vor, sich nicht genug mit den Hausaufgaben ihrer Kinder zu beschäftigen.4

2.Beitragende Faktoren zur wechselseitigen Distanzierung

Für dieses distanzierte Verhältnis sind unterschiedliche Faktoren ausschlaggebend. Zu diesen Faktoren gehört beispielsweise, dass Eltern möglicherweise selber schlechte Erfahrungen in ihrer eigenen Schulzeit gemacht haben, dass Lehrkräfte und Eltern zu verschiedene oder zu hohe Erwartungshaltungen vertreten oder dass das Selbst- und Rollenverständnis von Eltern und Lehrkräften eine Problematik darstellt. In den letzten Jahren wurde festgestellt, dass die Anforderungen und Erwartungen an Lehrer/innen und (berufstätige) Eltern immerzu angestiegen sind. Daraus entwickelte sich ein Gefühl von Überforderung und Stress hinsichtlich ihrer Bildungs- und Erziehungsaufgaben.5 Zudem würden beide Positionen zunehmend in den Medien und seitens der Politik kritisiert - „[…] Stichworte sind hier schlechtere Schulleistungen deutscher Kinder bei internationalen Vergleichsuntersuchungen (z.B. PISA, IGLU), sehr hohes Schulversagen von Migrantenkindern und Kindern aus sozial schwachen Familien, Erziehungsunfähigkeit von Eltern, mangelnde Sprachförderung, (sexuelle) Gewalt in Familien etc.“.6 Für zahlreiche aktuelle Problematiken würden Eltern und Lehrer/innen sich gegenseitig als verantwortlich erklären.7 Die Angst von Eltern vor Lehrer/innen stellt einen weiteren Faktor zur beiderseitigen Distanzierung dar. Dazu gehören beispielsweise „[…] das Gefühl der Unterlegenheit, Furcht vor Kritik und „Betonung“ ihrer Erziehungsleistung, Sorge, dass kritische Äußerungen über die Lehrer/innen negative Konsequenzen für ihr Kind haben könnten“.8 Umgekehrt spielt die Angst von Lehrer/innen vor Eltern eine ebenso bedeutsame Rolle.9

Aufgrund von intensiver Zeitbeanspruchung durch Unterrichtsvorbereitung, Verwaltungsarbeit und Korrekturen fehlt es den Lehrer/innen an Zeit für Elternkontakte. Einige Eltern, vor allem von älteren Kindern, versuchen nicht (mehr) den Kontakt zu Lehrkräften aufzubauen, da sie Schwellenangst haben, sich nicht für die Schulerfolge ihrer Kinder interessieren, berufsbedingt keine Zeit aufbringen können, um an Sprechstunden und Elternveranstaltungen anwesend zu sein, oder sich aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse nicht fähig sind sich genügend zu verständigen.10

Nicht nur in Bezug auf Medien und Politik stößt man zunehmend auf eine ambivalente oder gar schlechte Haltung gegenüber Familie. Ebenso auf Fortbildungsveranstaltungen mit Lehrkräften sind Diskussionen zu beobachten, deren Mittelpunkt meist Erziehungsfehler seitens der Eltern, Verhaltensauffälligkeiten der Schülerinnen und Schüler oder Probleme und Belastungen innerhalb der Familie sind. Lehrer/innen sind der Ansicht, dass Eltern ihre Kinder überfordern oder vernachlässigen. Zudem stellen die Migrantenfamilien in den Augen der Lehrkräfte ein zentrales Problem dar. Diese ambivalente oder gar ablehnende Haltung gegenüber Familien führt zu einer starken Belastung für das Eltern-Lehrer-Verhältnis.11 Dies wird besonders bei Elternveranstaltungen und -gesprächen deutlich, da es in solchen Situationen den Lehrer/innen kaum möglich ist, diese Haltung zu verheimlichen. Diese negative Einstellung den Eltern gegenüber wird meist von ihnen erspürt und somit entwickelt sich eine ebenso kritische und häufig auch negative Haltung den Lehrkräften gegenüber. Dies wiederrum demotiviert die Lehrer/innen und diese sind somit nicht mehr um eine Verbesserung ihrer Elternarbeit beflissen. Teilweise kommt es sogar dazu, dass sich die Lehrkräfte vollkommen von den Familien abgrenzen, jedoch bringt dieses Verhalten keinen Fortschritt.12 Es kommt viel zu häufig vor, dass Lehrkräfte auf den Kontakt zu den Eltern angewiesen sind.

3.Die Bedeutung der Familie

„Offensichtlich ist, dass in der Familie extrem viel gelernt wird - vor allem Kompetenzen und Einstellungen, die im ganzen Leben wichtig sind“.13 Aufgrund dessen sollten Lehrkräfte die Leistungen der Eltern nicht unterbewerten, denn diese prägen die kindliche Entwicklung in ausgiebigem Maße.14 Sie haben ihren Kindern unter anderem erfolgreich das Laufen, das Sprechen und die Umgangsformen mit anderen Menschen beigebracht.15 Die Eltern sind diejenigen die eine Menge Zeit ihren Kindern widmen, um ihnen unter anderem Sprachfertigkeiten, Lernmotivation , Neugier, Interessen, Werte, Selbstbewusstsein, Leistungsbereitschaft zu lehren.16 Die Lehrkräfte können dieses Vielfache an Zeit für jeden einzelnen Schüler in ihrer Klasse nicht aufbringen. Eltern sind nicht nur Lehrkräfte, sondern ebenso wichtigere „Liebesobjekte“. Dieser Aspekt kann als Förderung für das Modelllernen dienen.17

Die Familie stellt die wichtigste Bildungsinstanz dar, weil sie einen viel größeren Einfluss auf die Schülerinnen und Schüler nimmt als die Schule. Dass Eltern die Schule sogar ersetzen können, zeigt sich an einem Beispiel aus den USA. Dort besuchen immer mehr amerikanische Schülerinnen und Schüler nicht mehr die Schule, da die Eltern von zu Hause aus die Aufgaben der Lehrkräfte übernehmen und ihr Kind somit selber bilden.18 „Während 1999 ca. 850.000 Kinder zwischen 5 und 17 Jahren zu Hause „beschult“ wurden, waren es 2003 bereits 1,1 Mio. Kinder (National Center for Educational Statistics 2004)“.19 Bei Betrachtung dieser aufsteigenden Zahlen erstaunt es nicht, dass es in Amerika mittlerweile ein gut ausgearbeitetes System zur Unterstützung für „Homeschoolers“ existiert. Mithilfe dieses Systems ist es Eltern beispielsweise möglich auf speziell für sie erstellte Unterrichtsmaterialien zurückzukommen, sich Selbsthilfegruppen und Verbänden beizufügen und bestimmte Ressourcen aus dem Internet zu nutzen.

Mittlerweile haben beinahe alle Universitäten bestimmte Aufnahmeverfahren für diejenigen Kinder und Jugendlichen erstellt, die keine Abschlusszeugnisse vorweisen können. Einige Untersuchungen zeigen, dass diese Kinder und Jugendliche, die nicht zur Schule gingen, sondern von ihren eigenen Eltern gebildet wurden bei Schulleistungstests ebenso gute oder sogar bessere Leistungen erbrachten als Schulkinder gleichen Alters (Burns 1999, ERIC Development Team 2001, 2003). Zusätzlich konnte später ein zirka gleich hoher Prozentsatz der Kinder und Jugendlichen auf ein College gehen (ungefähr 50%), wobei sie nahezu gleich gut wie Studierende mit einer klassischen Bildungslaufbahn abschnitten (ERIC Development Team 2003).20 Es ist festzustellen, dass Kinder und Jugendliche bei Homeschooling weniger Kontakte zu Gleichaltrigen aufweisen als diejenigen, die eine Regelschule besuchen, jedoch scheint ihre soziale Kompetenz im Vergleich nicht schlechter zu sein (Krumm 1996): „Zum einen haben sie mehr Kontakt zu Personen unterschiedlichen Alters, zum anderen sind sie zumeist Mitglieder außerschulischen Peergroups“.21 Seit einiger Zeit ist ebenso bei Schulkindern wissenschaftlich bewiesen, dass die Familie die Schullaufbahn eines Kindes intensiver beeinflusst als die Schule.22 Bereits in den 1960er Jahren wurde mithilfe von Untersuchungen verdeutlicht, „[…] dass der Anteil der Schule am Schulerfolg von Kindern nur etwa halb so groß wie der Anteil der Familie ist“.23

[...]


1 Doppke/Gisch 2005, S.6

2 Vgl. Martin R. Textor, Bildungs- und Erziehungspartnerschaft in der Schule; Gründe, Ziele, Formen, 2009, S.7

3 Vgl. ebd., S.8

4 Vgl. ebd., S.8

5 Vgl. Martin R. Textor, Bildungs- und Erziehungspartnerschaft in der Schule; Gründe, Ziele, Formen, 2009, S.8

6 Martin R. Textor, Bildungs- und Erziehungspartnerschaft in der Schule; Gründe, Ziele, Formen, 2009, S.8

7 Vgl. ebd., S.8

8 Martin R. Textor, Bildungs- und Erziehungspartnerschaft in der Schule; Gründe, Ziele, Formen, 2009, S.9

9 Vgl. ebd., S.9

10 Vgl. ebd., S.9

11 Vgl. ebd., S.11

12 Vgl. ebd., S.11

13 Martin R. Textor, Bildungs- und Erziehungspartnerschaft in der Schule; Gründe, Ziele, Formen, 2009, S.11

14 Vgl. ebd., S.11/12

15 Vgl. ebd., S.12

16 Vgl. ebd., S.11/12

17 Vgl. ebd., S.12

18 Vgl. ebd., S.12

19 Martin R. Textor, Bildungs- und Erziehungspartnerschaft in der Schule; Gründe, Ziele, Formen, 2009, S.12

20 Vgl. ebd., S.13

21 Martin R. Textor, Bildungs- und Erziehungspartnerschaft in der Schule; Gründe, Ziele, Formen, 2009, S.13

22 Vgl. ebd., S.13

23 Martin R. Textor, Bildungs- und Erziehungspartnerschaft in der Schule; Gründe, Ziele, Formen, 2009, S.13

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Bildungs- und Erziehungspartnerschaft zwischen Eltern und Lehrkräften
Untertitel
Welchen Einfluss hat die Elternarbeit auf die Schulentwicklung?
Hochschule
Universität Paderborn
Note
1.7
Autor
Jahr
2011
Seiten
19
Katalognummer
V420605
ISBN (eBook)
9783668686557
ISBN (Buch)
9783668686564
Dateigröße
781 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bildungs-, erziehungspartnerschaft, eltern, lehrkräften, welchen, einfluss, elternarbeit, schulentwicklung
Arbeit zitieren
Alina Weber (Autor), 2011, Bildungs- und Erziehungspartnerschaft zwischen Eltern und Lehrkräften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/420605

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