Prüfungen gewinnen im Schülerleben eine immer größere Bedeutung. Bei hoher Arbeitslosigkeit und zunehmenden Anforderungen im Berufsleben übernimmt die Schule eine Selektionsfunktion, d.h. sie bereitet spätere Bildungswegentscheidung durch die Ermittlung und Bewertung individueller Leistungen mit vor.
Die gestiegene Bedeutung von Prüfungen in der Schule bewirkt oft einen größeren Leistungsdruck, der dann wiederum einen Anstieg von Prüfungsstress nach sich zieht. Es besteht die Möglichkeit, dass das eigentliche Leistungspotential des Schülers nicht bewertet werden kann, weil es durch Prüfungsstress blockiert oder zumindest einschränkt wird. Dies führt unter Umständen zu einer Beeinträchtigung der Schulleistungen und vermindert das Selbstwertgefühl des Schülers.
Aus diesen Gründen ist es sowohl für die Schüler als auch für Lehrer wichtig zu wissen, welche Instrumente zur effektiven Stressbewältigung während der Prüfungsvorbereitung und in der Prüfungssituation für Schüler existieren.
Aufgabe und Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, anhand der Fachliteratur eine Stresskonzeption zu entwickeln und Prüfungsvorbereitung und Prüfungssituation auf diese Konzeption zu übertragen. In Verbindung mit dieser Konzeption sollen einige effektive Bewältigungsmethoden vorgestellt werden, die dazu beitragen können, Prüfungsstress für Schüler zu reduzieren oder zu vermeiden.
Im ersten Kapitel werden mögliche Auslöser von Stress (Stressoren) und die daraus resultierenden Stressreaktionen in der Prüfungsvorbereitung und in der Prüfung selbst vorgestellt. Es wird erörtert, welche Ursachen die Entstehung von Stress haben kann und wie der Schüler, der Prüfungsstress empfindet, reagiert.
Das zweite Kapitel stellt auf der Grundlage des ersten Kapitels Instrumente zur Vermeidung und Rückführung von Stress in der Prüfungsvorbereitung und in der Prüfungssituation an sich vor. Der Schwerpunkt liegt hierbei allerdings auf der Prüfungsvorbereitung, da diese entscheidend für die Entstehung von Stress und das Verhalten in der Prüfungssituation selbst ist und die dargestellten Bewältigungsmethoden zum Teil auf die eigentliche Prüfungssituation übertragen werden können.
Inhaltsverzeichnis
A. Einführung
B. Hauptteil
1 Streßkonzeption: Stressoren und Streßreaktionen
1.1 Stressoren
1.1.1 Das transaktionale Streßmodell von Lazarus
1.1.2 Prüfungsbezug
1.2 Streßreaktionen
1.2.1 Kognitiv-emotionale Streßreaktionen
1.2.2 Körperliche Streßreaktionen
1.2.3 Behaviorale Streßreaktionen
2 Instrumente zur Vermeidung und Rückführung von Streß
2.1 Veränderung der primären Bewertung
2.1.1 Neubewertung durch Erkennen von Schwächen von Prüfungen
2.1.2 Neubewertung der eigenen oder angetragenen Anforderungen
2.1.3 Neubewertung der Interessen des Lehrers in Bezug auf Prüfungen des Schülers
2.2 Veränderung der sekundären Bewertung: Steigerung der Selbstwirksamkeit
2.2.1 Geistige und körperliche Entspannung
2.2.1.1 Steigerung der Selbstwirksamkeit im kognitiv-emotionalen Bereich
2.2.1.2 Steigerung der Selbstwirksamkeit im körperlichen Bereich
2.2.2 Steigerung der Selbstwirksamkeit im behavioralen Bereich
2.3 Art der gegenseitigen Beeinflussung von primärer und sekundärer Bewertung
2.3.1 Leistungsförderderliche und leistungsschädliche Beeinflussung durch primäre und sekundäre Bewertung
2.3.2 Gleichzeitige Beeinflussung von primärer und sekundärer Bewertung
C Schlußbemerkung
Zielsetzung & Themen
Ziel der Arbeit ist es, auf Basis der Fachliteratur eine Stresskonzeption zu entwickeln, diese auf die Prüfungsvorbereitung und Prüfungssituation zu übertragen sowie effektive Methoden zur Reduktion oder Vermeidung von Prüfungsstress für Schüler aufzuzeigen.
- Analyse von Stressoren und Stressreaktionen im Prüfungskontext
- Veränderung der primären Bewertung der Prüfungssituation
- Steigerung der Selbstwirksamkeit durch gezielte Entspannung und Verhaltensweisen
- Gegenseitige Beeinflussung von primärer und sekundärer Bewertung
Auszug aus dem Buch
1.2.1 Kognitiv-emotionale Streßreaktionen
Unter kognitiv-emotionalen Streßreaktionen werden Prozesse verstanden, die das Wohlbefin den in gefühlsmäßiger Weise negativ beeinträchtigen und belastende Gedanken hervorbrin gen. Von anderen Menschen wird oft nicht unmittelbar bemerkt, daß der Schüler unter Streß reaktionen leidet. „Die kognitiv-emotionale Ebene der Streßreaktion umfaßt das sogenannte „verdeckte“ Verhalten, intrapsychische Vorgänge, die für Außenstehende nicht direkt sichtbar sind“ (Kaluza 1996, S.21). Solche Reaktionen können z.B. sein:
Angst/Verzweiflung: („Es wird schlimm!“, „Ich schaffe das nicht!“, „Warum immer ich?“)
Zorn/Wut: („Denen werde ich es zeigen!“, „Das zahl´ ich denen heim!“)
Resignation: („Ich bin ein Versager.“, „Ich bin verloren.“, „Ich kann nichts!“)
Unsicherheit: („Werde ich es schaffen?“, „Was soll ich tun?“, „Es ist zu schwer!“)
(vgl. Tausch 1993, S.14 f).
Charakteristisch für kognitiv-emotionale Reaktionen ist „daß die Gedanken (...) häufig nicht auf die Aufgabe und deren relevante Merkmale bezogen sind, sondern als auf die eigene Per son bezogene aufgabenirrelevante Gedanken gehäuft auftreten“ (Greif 1991, S.96, zit. n. Sa rason 1988, S. 3-7). Diese Gedanken können ein „sorgenvolles Grübeln“ verursachen, wel ches das Leistungspotential eines Schülers einschränkt und sogar für die körperlich-seelische Gesundheit sehr schädigend sein kann (vgl. Tausch 1993, S.12).
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einführung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Bedeutung von Prüfungen für den sozialen Aufstieg und die damit einhergehende Problematik der Leistungsblockade durch Prüfungsstress.
B. Hauptteil: Der Hauptteil systematisiert Stressursachen und -reaktionen und leitet daraus konkrete Methoden zur Stressbewältigung für Schüler ab.
1 Streßkonzeption: Stressoren und Streßreaktionen: Dieses Kapitel erläutert das transaktionale Stressmodell nach Lazarus und definiert die kognitiven, körperlichen und behavioralen Ebenen von Stressreaktionen.
2 Instrumente zur Vermeidung und Rückführung von Streß: Hier werden praktische Ansätze vorgestellt, wie durch Neubewertung der Situation und Steigerung der Selbstwirksamkeit Stress abgebaut werden kann.
C Schlußbemerkung: Die Schlussbemerkung resümiert die Notwendigkeit, Prüfungen als Herausforderung statt als Bedrohung wahrzunehmen und betont die Lehrerrolle bei der Vermittlung von Bewältigungsstrategien.
Schlüsselwörter
Prüfungsstress, Stressbewältigung, transaktionales Stressmodell, Lazarus, Selbstwirksamkeit, Prüfungsangst, Leistungsdruck, kognitive Neubewertung, Entspannungstechniken, Prüfungsvorbereitung, Stressreaktionen, Stressoren, Schülerverhalten, Leistungssteigerung, Stressprävention
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den psychologischen Hintergründen von Prüfungsstress bei Schülern und zeigt auf, wie diese durch gezielte Methoden bewältigt werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Analyse von Stressauslösern, die Differenzierung von Stressreaktionen und die Darstellung von Strategien zur kognitiven sowie verhaltensbezogenen Stressregulation.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Erarbeitung eines theoretischen Rahmens zur Stresskonzeption und die Ableitung praktischer Instrumente, mit denen Schüler Prüfungsstress reduzieren können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die auf Basis wissenschaftlicher Fachliteratur (u.a. Lazarus, Tausch, Kaluza) eine theoretische Struktur erarbeitet und auf die schulische Prüfungspraxis anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Stressmodell) und die praktische Anwendung (Bewältigungsmethoden), unterteilt in kognitive, körperliche und behaviorale Aspekte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Stressbewältigung, Selbstwirksamkeit, Prüfungsstress, Stressoren, Stressreaktionen und kognitive Neubewertung.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen "primärer" und "sekundärer" Bewertung?
Die primäre Bewertung bezieht sich auf die Einschätzung der Situation selbst als bedrohlich oder herausfordernd, während die sekundäre Bewertung die Einschätzung der eigenen Fähigkeiten und Bewältigungsmöglichkeiten umfasst.
Welche Rolle spielt die "Selbstwirksamkeit" bei der Stressbewältigung?
Eine Steigerung der Selbstwirksamkeit führt dazu, dass Schüler ihre eigenen Kompetenzen zur Problemlösung optimistischer einschätzen, wodurch die Prüfungssituation als weniger bedrohlich wahrgenommen wird.
Warum ist das "Grübel-Stop"-Verfahren effektiv?
Es unterbricht aufgabenirrelevante, selbstbezogene Gedankenmuster und lenkt die Aufmerksamkeit weg von der eigenen Person hin zur eigentlichen Prüfungsaufgabe.
- Quote paper
- Thorsten Gabbert (Author), 1999, Darstellung von Methoden zur effektiven Streßbewältigung in Bezug auf Prüfungsvorbereitung und Prüfungssituation aus Sicht des Schülers, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42064