Vergleich verschiedener Methoden zur Analyse von Wirtschaftsclustern für die Region Lübeck


Projektarbeit, 2017
42 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Wirtschaftscluster
2.1 Definition von Wirtschaftsclustern
2.2 Entwicklung von Wirtschaftsclustern und Regionen
2.3 Wettbewerbsfähigkeit einer Region

3 Relevanz des Themas
3.1 Standortentwicklung in Lübeck durch Clusterinitiativen
3.2 Anforderungen an die Methoden

4 Methoden der Clusteranalyse
4.1 Lokalisationskoeffizient
4.2 Krugman-Spezialisierungsindex
4.3 Spezialisierungsindex nach Hirschmann/Herfindahl
4.4 Spezialisierungsindex nach Gini
4.5 Shift-Share-Analyse
4.6 Method of Competitive Advantage Analysis

5 Bewertung der Methoden und Handlungsempfehlung
5.1 Die Methoden im Vergleich
5.2 Problematik der Datengrundlage und Clusterbildung
5.3 Handlungsempfehlung

6 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildung 1: Determinanten regionaler Produktivität (Porter's Diamant-Modell)

Abbildung 2: Modell der Hauptkomponentenanalyse bei der Method of Competitive Advantage Analysis

Abbildung 3: Beispielhafte tetragonale Darstellung bei der Method of Competitive Advantage Analysis

Tabelle 1: Darstellungsweise der Sektoren und Regionen

Tabelle 2: Beispielhafte Beschäftigtenzahlen für Regionen und Sektoren

Tabelle 3: Spezialisierungsindex nach Krugman bei vollkommener Ungleichheit

Tabelle 4: Spezialisierungsindex nach Krugman bei relativ geringer Abweichung zur vollkommener Ungleichheit

Tabelle 5: Ergebnisse des Spezialisierungsindex nach Hirschmann und Herfindahl

Tabelle 6: Beispiel-Lokalisationskoeffizienten je Region und Sektor

Tabelle 7: Bewertung der Methoden im Überblick

Tabelle 8: Ausschnitt der Testdaten vom BHP des IAB

1 Einleitung

Wirtschaftscluster stehen immer mehr im Mittelpunkt der regionalen Entwick- lungspolitik. Insbesondere bei großen Infrastrukturprojekten, wie der Fehmarn- beltquerung zwischen Schleswig-Holstein und der dänischen Region Sjælland, wodurch die Wirtschaft beider Regionen näher rücken wird, gibt es Handlungs- bedarf, um die Wettbewerbsfähigkeit der eigenen Region sicherzustellen.

Regionale Wirtschaftsförderungen setzen sich daher zum Ziel, geeignete Maß- nahmen zu entwickeln, um die Wettbewerbsfähigkeit und somit auch die Be- schäftigung in der eigenen Region vor negativen Effekten zu schützen. Dabei kommen auch Methoden zur Analyse von Wirtschaftscluster zum Einsatz, die Ballungen von Unternehmen und Branchen in einer Region untersuchen. Das Ziel ist es, die Dynamik sowie die Stärken und Schwächen einer Region zu identifizieren, um darauf basierend geeignete wirtschaftspolitische Maßnahmen zu empfehlen.

Diese Arbeit stellt eine Grundlage für die Wahl der geeigneten Methoden für Clusteranalysen in Lübeck dar. Dabei gilt es, die Anwendbarkeit der Methoden hinsichtlich verschiedener Kriterien zu bewerten. Weil die regionale Entwick- lungspolitik mit begrenzten Ressourcen arbeitet, kommt der Wahl der geeigne- ten Methoden ein hoher Stellenwert zu. Clusteranalysen müssen interpretierbar und valide sein und effizient umgesetzt werden können. Nur so können die rich- tigen Branchen mit geeigneten wirtschaftspolitischen Maßnahmen gefördert und so die regionale Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung und somit der Wohlstand gesichert werden.

Die Arbeit erläutert und bewertet häufig verwendete Methoden und schließt mit einer Handlungsempfehlung aus einem Methodenmix ab, die den Zielen der regionalen Wirtschaftsförderung in Lübeck am sachdienlichsten ist und stellt so die methodische Grundlage für künftige Clusteranalysen dar.

2 Wirtschaftscluster

2.1 Definition von Wirtschaftsclustern

Wirtschaftscluster, oder kurz nur Cluster, sind räumlich naheliegende Gruppen von verbundenen Unternehmen und Institutionen in einem speziellen Feld, die sich ergänzen oder Gemeinsamkeiten aufweisen. Ein Cluster befindet sich i.d.R. in einem geographischen Bereich in dem es für Unternehmen und Institutionen möglich ist, miteinander zu agieren.1

Da sich in einem Cluster nicht nur Unternehmen befinden, die in demselben Markt oder der Branche agieren, gehen Wirtschaftscluster über die klassischen statistischen Klassifikationssysteme hinaus. Daher beinhalten gut entwickelte Cluster folgende Mitglieder2:

- Hersteller von Produkten/Dienstleistungen
- Zulieferer von Inputs, Maschinen und Spezialdienstleister
- Finanzinstitutionen
- Firmen in verwandten Branchen § Infrastrukturdienstleister
- Berufs- und Industriekammern
- Bildungseinrichtungen wie Hochschulen oder Berufsschulen
- Forschungseinrichtungen
- Institutionen für Normung und Standardisierung
- Wirtschaftsförderungen, die letztlich Cluster-Aktivitäten fördern

Ein Vorteil von Clustern ist, dass durch die Ballung dieser Cluster-Mitglieder in einem geografisch relativ begrenztem Raum die Produktivität von Firmen geför- dert wird. Denn sie haben innerhalb des Clusters einen guten Zugang zu Zulie- ferern, Informationen, Technologien und Fachkräften in einem kompetitiven Umfeld mit anspruchsvollen Kunden. Informationen über Märkte, Technologien, Verfahren oder anderen relevanten Feldern sammeln sich innerhalb des Clus- ters, wodurch Unternehmen einfacher neue Schritte wagen können. Dies erhöht die Effizient und Flexibilität von Unternehmen stärker als bspw. eine vertikale Rückwärtsintegration mit geografisch weiter entfernten Zulieferern.3

Ein weiterer Vorteil ist, dass Unternehmen in Cluster die Chancen für neue Pro- dukte, neuen Prozessen oder neuen Kundenbedürfnissen besser wahrnehmen können. Die Anwesenheit von vielen lokalen Zulieferern sowie Hochschulen und Forschungseinrichtungen fördert die Wissensgenerierung und unterstützt somit Innovationen.4

Darauf basierend vereinfachen Cluster auch die Kommerzialisierung von Innovationen durch Eintritte in einen neuen Markt sowie Neu- oder Ausgründungen, da Inputfaktoren bereits lokal vorhanden sind und Kapitalgeber bereits Erfahrungswerte besitzen.5

2.2 Entwicklung von Wirtschaftsclustern und Regionen

Die Entstehung und Entwicklung von Clustern ist ein langer Prozess, der meh- rere Jahrzehnte dauern kann und die Wurzeln vieler Cluster reichen bis zum vorherigen Jahrhundert zurück. Natürliche Ressourcen, Infrastruktur oder Bil- dungseinrichtungen, die bestimmte Fachkräfte hervorbringen, sind einige dieser Faktoren.6

Weiterhin können vorhandene Cluster die Entstehung neuer Cluster unterstützen. So kann es sein, dass Zulieferer und die Expertise eines Clusters kompatibel sind mit den Anforderungen und Bedürfnissen in anderen wirtschaftlichen Tätigkeitsfeldern. Daher können neue Cluster auch in den Schnittstellen von bereits bestehenden Clustern entstehen.7

Genauso können auch i.d.R. einzelne große Unternehmen durch positive ex- terne Effekte neue Cluster hervorbringen. Zunächst agieren diese sog. Anker- unternehmen als Magneten für andere große Konkurrenten und Zulieferer. Weiterhin engagieren sich die Ankerunternehmen in der regionalen Verwaltung durch bspw. Lobbyarbeit, um Verbesserungen in der Infrastruktur zu bewirken oder bei Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen, um bestimmte Fachkräfte bereitzustellen.8

In die Entwicklung von Clustern kann unterstützend eingegriffen werden. Ein Aspekt ist, das Bewusstsein über Cluster zu stärken und die Kooperationen zwischen den Unternehmen zu stärken. Dazu ist es auch notwendig, neue Un- ternehmen in dem Cluster zu akzeptieren, damit das Cluster wachsen kann.9

Im Bereich der regionalen Entwicklung muss zunächst ein gemeinsames Ver- ständnis über den Ursprung der Wettbewerbsfähigkeit und der Rolle der Cluster darin vorhanden sein. Es muss verstanden werden, dass Produktivität und In- novation die Wettbewerbsfähigkeit definieren und nicht niedrige Steuern, Löhne oder Subventionen. Die Strategie zur regionalen Entwicklung muss daher all- gemeine und Cluster-spezifische Strategien enthalten und alle Cluster mitein- beziehen. Die Priorisierung und Unterstützung von nur einzelnen Clustern ist Klientelpolitik in seiner Urform, weshalb sowohl neue als auch bestehende, wachsende und auch schrumpfende Cluster unterstütz werden sollten. Ande- rerseits sollte auch der Versuch vermieden werden, neue Cluster zu formen, die nicht am Markt bestehen können und daher auch kein Potenzial in der Region haben. Um politisch motivierte Fehlentscheidungen zu vermeiden, muss der private Sektor die regionale Entwicklungspolitik anleiten, da sie Chancen und Risiken i.d.R. besser beurteilen können als die Politik. Daher ist ein unabhängi- ger institutioneller Rahmen für die Clusterpolitik, der alle Stakeholder miteinbe- zieht, notwendig.10

2.3 Wettbewerbsfähigkeit einer Region

Die Produktivität und Innovationsfähigkeit einer Branche wird durch makroöko- nomische Faktoren und der Qualität der Institutionen der Region zwar begüns- tigt, jedoch rücken diese immer weiter in den Hintergrund und werden zu Vo- raussetzungen für die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes oder einer Region. Die Wettbewerbsfähigkeit bestimmt den Wohlstand einer Region und ist abhän- gig vom Konkurrenzniveau der Marktteilnehmer. Und die Voraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit ist eine stetige Verbesserung der Managementqualitäten sowie die Weiterentwicklung von Unternehmensstrategien und operativen Me- thoden. Das Konkurrenzniveau wiederrum wird bestimmt von der Qualität der regionalen Umwelt der Unternehmen, bspw. der Verfügbarkeit von Fachkräften oder der Infrastruktur.11

Porter beschreibt in seinem „Diamanten“ vier Determinanten, die die Qualität der regionalen Umwelt beschreiben und somit auch die Produktivität einer Re- gion beeinflussen. Diese vier Determinanten in der folgenden Abbildung 1 funk- tionieren als ein System und können sich gegenseitig verstärken. So kann ein hoher regionaler Wettbewerbsdruck, die Entwicklung von spezialisierten Fach- kräften oder Zulieferern unterstützen. Gleichzeitig kann ein hoher Wettbe- werbsdruck zu immer anspruchsvolleren Kunden führen, die sie sich an stetige Verbesserungen der Produkte und Dienstleistungen gewöhnen. Im Umkehr- schluss kann auch ein Abschwächen in einem der vier Bereiche die anderen untergraben.12 Nachfolgend werden die vier Determinanten aus Porter’s Modell näher erläutert.

Faktorkonditionen (Input):

Eine hohe Produktivität bedürft einer Reihe qualitativ hochwertiger und speziali- sierter Inputfaktoren darunter Humankapital, angewandten Technologien, Infra- struktur und Finanzkapital, welches den speziellen Anforderungen einzelner Branchen entsprechen muss. Grundsätzliche Inputfaktoren wie ein gutes Schulsystem oder ein funktionsfähiges Transportnetz die bereits für alle Regionen gleichermaßen gelten.13

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Determinanten regionaler Produktivität (Porter's Diamant- Modell)

Nachfragekonditionen:

Die Qualität der Nachfrage in einer Region hat einen starken Einfluss auf die Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen. Anspruchsvolle Kunden in einer Region zwingen Unternehmen nicht nur dazu, sich stetig zu verbessern. Sie geben ihnen auch einen Einblick in aktuelle und zukünftige Kundenbedürfnisse, was den Erfolg von Innovationen sichert.14

Kontext für Strategie und Wettbewerb:

Die Regeln, Anreize und der Wettbewerbsdruck in der Region haben einen fundamentalen Einfluss auf die Produktivität. Maßnahmen die bspw. Märkte öffnen, Investitionen anregen oder geistiges Eigentum schützen, verstärken das Produktivitätswachstum und die Wettbewerbsfähigkeit. Die Präsenz von vielen Konkurrenten in einer Region geben Anreiz für Innovation und ziehen Zulieferer an, wodurch insgesamt das Geschäftsumfeld verbessert wird.15

Verwandte und unterstützende Branchen:

Lokal ansässige Zulieferer ermöglichen einen schnelleren und günstigeren Ideen- und Informationsaustausch sowie höhere Flexibilität durch das Outsourcing an lokale Unternehmen, welches positiv auf die Produktivität wirkt. Das Vorhandensein von verwandten und unterstützenden Branchen hilft auch, wie zuvor erwähnt, bei der Entstehung von neuen Clustern.16

3 Relevanz des Themas

3.1 Standortentwicklung in Lübeck durch Clusterinitiativen

Die Wirtschaftsförderung Lübeck sieht die technologie- und branchenorientier- ten Cluster als profilbildende Alleinstellungsmerkmale, die für die Positionierung des Standortes Lübeck im nationalen und internationalen Wettbewerb dienen. Sie unterstützt daher Clusterinitiativen in den Bereichen Ernährungswirtschaft, Logistik und beteiligt sich darüber hinaus aktiv in Clusterinitiativen rund um die Gesundheitswirtschaft, Windenergie (Green Technology), Maritime Wirtschaft, Kreativwirtschaft und Tourismus. Denn gemessen an dem Anteil der sozialver- sicherungspflichtig Beschäftigten, sind hier die größten Anteile. Dabei kon- zentriert sich die Wirtschaftsförderung auf den Erhalt und den Ausbau der Ko- operation innerhalb der Cluster sowie der Vernetzung der Unternehmen mit Forschungseinrichtungen, Hochschulen, Kammern und Verbänden.17

Die Clusterinitiativen dienen den übergeordneten Zielen der Wirtschaftsförde- rung in Bezug auf die Standortentwicklung in Lübeck. Diese Ziele sind in erster Linie die Sicherung der Arbeitsplätze und des Wohlstandes durch Schaffung neuer Arbeitsplätze und Ansiedlung neuer Unternehmen. Darüber hinaus si- chert der Erfolg der Unternehmen und der Arbeitnehmer die kommunale Fi- nanzkraft, die sich (neben Finanzzuweisungen des Landes) aus der Gewerbe- und Einkommenssteuer ergibt.18

Als strategisches Ziel hat die Wirtschaftsförderung formuliert, unter den Top 3 in der Peer-Group zu sein. Die Peer-Group besteht neben Lübeck aus Freiburg, Kiel, Krefeld, Mainz, Erfurt, Chemnitz, Rostock, Magdeburg, Halle und Ober- hausen. Der Prognos Zukunftsatlas der Jahre 2007 und 2016 ordnet Lübeck in Bezug auf die Standortdynamik auf Rang 76 und innerhalb der Peer-Group auf Platz acht.19

In ihrem Masterplan 2025 beschreibt die Wirtschaftsförderung Lübeck mehrere Maßnahmen, die sie im Rahmen der Standortentwicklung durch Clusterinitiati- ven umsetzen will. Darunter ist die Aktualisierung der Clusteranalyse für die Region um Lübeck aus dem Jahr 2011. In diesem Zusammenhang möchte sie bedarfsgerechte Förderprojekte für Cluster entwickeln, clusterübergreifende Querschnittsbranchen stärken und die Kooperation zwischen Wirtschaft und Hochschulen intensivieren. Zu dem möchte die Wirtschaftsförderung das Be- wusstsein über die Bedeutung vorhandener Cluster stärken.20

Für diese Maßnahmen und der Erreichung des strategischen Ziels ist es not- wendig, eine oder mehrere Methoden der Clusteranalyse auszuwählen, die eindeutige Ergebnisse liefern und auf repräsentativen Daten beruhen. Da wirt- schaftspolitische Maßnahmen zur Standortentwicklung auch auf Basis dieser Clusteranalyse entwickelt und umgesetzt werden, ist es notwendig eine oder mehrere spezifische und valide Methoden auszuwählen, damit die Ziele hin- sichtlich der Standortentwicklung auf eine effiziente Weise erreicht werden kön- nen.

3.2 Anforderungen an die Methoden

In der Clusteranalyse aus dem Jahr 2011, welche den Zeitraum von 2005 und 2009 analysiert, wurde die Shift-Share-Analyse angewendet.21 Diese gibt Auf- schluss darüber, inwiefern die Beschäftigungsdynamik von der Dynamik der nationalen Ebene, der Dynamik der gesamten Branche und der Dynamik der Branche in der eigenen Region beeinflusst wird.22 Dadurch kann die Wirt- schaftsförderung erkennen, wie sich die Wettbewerbsfähigkeit der Region mit der Zeit verändert hat und auf welche Faktoren diese Entwicklung zurückzufüh- ren ist. Daher kann das erste Kriterium an die Methode sein, ob diese die Ver- änderung über die Zeit hinweg mit der Methode erklärt werden kann. Die Ver- gleichbarkeit mit einer früheren Periode alleine kann nicht als Kriterium ange- setzt werden, da durch den Dateninput bei jeder Methode theoretisch ein Ver- gleich mit einer früheren Periode gegeben sein müsste.

In ihrem Masterplan 2025 stellt die Wirtschaftsförderung eine Peer-Group zu- sammen, die inkl. Lübeck aus zehn Städten besteht. Dies dient dazu, überall dort, wo ein Vergleich mit der Bundesebene zu keinen sinnvollen Ergebnissen führt, ein Benchmarking durchzuführen.23 Die Methode, die in einer Clusterana- lyse angewendet wird, sollte daher auch die Möglichkeit bieten, Peer-Group- Vergleiche mit einzelnen Regionen und dem Durchschnitt dieser durchzufüh- ren.

Ein weiterer Aspekt liegt in der Interpretierbarkeit der Ergebnisse. Die Methoden geben Zahlen als Ergebnisse heraus, die interpretationsbedürftig sind. Daher sollten die Methoden eindeutige Ergebnisse liefern und idealerweise über eine solide theoretische und empirische Grundlage verfügen.

Die Clusterbildung wird vorweg auf Grundlage von Expertenwissen durchge- führt und Branchen werden zu Wirtschaftsclustern wie Lebensmittel oder Medi- zintechnik zusammengeführt. Eine Methode, die hier helfen könnte, wäre die Input-Output-Analyse auf Grundlage von Input-Output-Tabellen, die den Güter- strom zwischen den einzelnen Branchen darstellen. Diese sind jedoch nur für die nationale Ebene verfügbar und die Branchendefinitionen weisen ein hohes Aggregationsniveau aus. Daher muss im Rahmen einer regionalen Clusterana- lyse, wie sie hier in der Arbeit thematisiert wird, das Clustern auf Expertenwis- sen basieren. In diesem Zusammenhang ist die Messbarkeit der Bedeutung einzelner Cluster für eine Region wichtig. Daher ist eine weitere Anforderung an die Methoden die Möglichkeit, die Bedeutung einzelner Branchen bzw. Cluster zu identifizieren. In der Clusteranalyse von 2011 wurde ein Beschäftigungsan- teil eines Clusters von 20% der Gesamtbeschäftigung in der Region als be- deutsam angenommen.24

Dieses Kriterium ist auch deswegen wichtig, weil nur durch die Identifizierung der Bedeutung einzelner Branchen und Cluster geeignete Maßnahmen für die regionale Entwicklungspolitik geschaffen werden können.

Das Clustern vorweg auf Grundlage von Expertenwissen stellt jedoch auch eine Fallstricke dar. Denn eine unterschiedliche Zuordnung von Branchen zu Clus- tern kann u.U. das Ergebnis der Methode verändern. Einzelne Branchen sind in ihrer statistischen Klassifikation in unterschiedlichen Aggregationsstufen zu- sammengefasst. Bei der Auswahl der Daten ist es daher wichtig zu wissen, welches Aggregationsniveau sich wie auf die Ergebnisse der Methode auswir- ken. Idealerweise verändert die Definition einzelner Cluster anhand von Bran- chen mit unterschiedlicher Aggregationsstufe nicht das Ergebnis.

Wenn dies jedoch der Fall ist, wäre das Kriterium der Objektivität nicht mehr gegeben. Die Objektivität als Gütekriterium in der quantitativen Sozialforschung definiert, inwiefern Messergebnisse unterschiedlich vom Anwender sind.25

[...]


1 Vgl. Porter (2001) S. 53

2 Vgl. ebd.

3 Vgl. Porter (2001) S. 54

4 Vgl. ebd.

5 Vgl. ebd.

6 Vgl. ebd. S. 62

7 Vgl. ebd. S. 63, 65

8 Vgl. Porter (2001) S. 66

9 Vgl. ebd. S. 64

10 Vgl. ebd. S. 71

11 Vgl. Porter (2001) S. 35

12 Vgl. ebd. S. 35-36

13 Vgl. Porter (2001) S. 36

14 Vgl. ebd.

15 Vgl. Porter (2001) S. 36

16 Vgl. ebd.

17 Vgl. Wirtschaftsförderung Lübeck GmbH (2017) S. 14

18 Vgl. ebd. S. 9

19 Vgl. ebd. S. 32

20 Vgl. ebd. S. 16-17

21 siehe Larsen, Miler (2011)

22 Siehe dazu Kapitel 4.5

23 Vgl. Wirtschaftsförderung Lübeck GmbH (2017) S. 5

24 Vgl. Larsen, Miler (2011) S. 9

25 Vgl. Berger-Grabner (2016) S. 161

Ende der Leseprobe aus 42 Seiten

Details

Titel
Vergleich verschiedener Methoden zur Analyse von Wirtschaftsclustern für die Region Lübeck
Hochschule
Fachhochschule Lübeck  (Fachbereich Maschinenbau und Wirtschaft)
Veranstaltung
Forschungsprojekte
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
42
Katalognummer
V421153
ISBN (eBook)
9783668714984
ISBN (Buch)
9783668714991
Dateigröße
1846 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Standort, Cluster, Standortpolitik, Wirtschaftscluster, Standortentscheidung, Wirtschaftsförderung, Methoden, Clusteranalyse
Arbeit zitieren
Ibrahim Ruç (Autor), 2017, Vergleich verschiedener Methoden zur Analyse von Wirtschaftsclustern für die Region Lübeck, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/421153

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