Analyse eines Zeitungsartikels nach der Methode der Objektiven Hermeneutik


Hausarbeit, 2018
10 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

2 Grundlage: Methodik - Objektive Hermeneutik

3 Analyse

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Alex, Ötzi und der Libanesen-Jäger: Die Wahrheit über die Dortmunder Nordstadt oder eine sachliche Auseinandersetzung mit den vorherrschenden Vorurteilen über prekäre Verhältnisse im Ruhrgebiet. In dieser Hausarbeit wird mit der Methode der objektiven Hermeneutik der Gütegehalt eines Artikels der etablierten Zeitung ״Die Zeit“ gemessen, welcher aufgrund harscher und kritischer Aussagen im betroffenen Stadtteil Dortmund Wellen geschlagen hat.

Im öffentlichen Raum wird dem Artikel starke Einseitigkeit vorgeworfen. Der Artikel würde sich auch lediglich zwei Straßen in der Nordstadt fokussieren und die restliche Stadt ausblenden. Alles würde über einen Kamm geschert werden. Mit der objektiven Hermeneutik werden diese Hypothesen überprüft. Zunächst wird die Methode erläutert, um ihren Funktionsweise zu erklären. Anschließend wird der Artikel anhand prägnanter Stellen mit der Methode geprüft und die Ergebnisse präsentiert. Die Relevanz der Hausarbeit ergibt sich durch die angestrebte Sensibilisierung der Leser gegenüber kritischen Lesens von Zeitungsartikeln. Der Pressecodex, welcher als Wahrung der Berufsethik von Journalisteninnen fungiert, wird oftmals missachtet. Kritisch denkende Leserinnen ist es auferlegt, vergehen gegen den Kodex zu melden um zur Verbesserung der Pressequalität beizutragen (vgl. Pressecodex).

2 Grundlage: Methodik - Objektive Hermeneutik

Die ״Objektive Hermeneutik“ ist eine von Ulrich Oevermann entwickelte Interpretationsart von Texten, welche durch angelegte und im Folgendem erläuterte Prinzipien intersubjektiv geltend gemacht werden kann. Als Ziel soll eine ״methodischen Kontrolle der wissenschaftlich empirischen Operation des Verstehens“ (Wemet 2009, s. 11) erreicht werden, um beispielsweise sozialwissenschaftlichen Texten ein spezifisches Verständnis zu verleihen (vgl. Wemet, A. 2009, s. 11). Die Grundannahme der Methodik ist, dass sich eine Textförmigkeit der sozialen Wirklichkeit in Texten widerspiegeit. Wernet (2009) bezeichnet dies als Protokoll der Wirklichkeit und meint damit, dass unsere Prägung der sinnstmkturierten Welt sich in Texten wiederfinden lässt. Die ״Objektive Hermeneutik“ stellt dabei sein Handwerkszeug dar (vgl. Wernet 2009, s. 12). In einem Dreischritt wird eine Fallstrukturhypothese erstellt, welche im folgenden Verlauf durch neue Indizien vervollständigt, erweitert oder falsifiziert wird. Der Dreischritt beginnt mit dem Geschichtenerzählen. Hierbei wird der zu analysierende Text in einen fiktiven Alternativkontext gesetzt, der realistisch sein könnte. Wichtig dabei ist, dass der reale Kontext beim Geschichten bilden verlassen wird. Dies funktioniert logischerweise besonders gut, wenn der reale Kontext noch gar nicht bekannt ist. Möglichst verschiedene Altemativkontexte lassen Gemeinsamkeiten und Differenzen erkennen. Diese werden als Lesarten gehandelt und bilden den zweiten Schritt, über sie erlangt man Aufschluss über die fallungsspezifische Textbedeutung und es ergibt sich ein Charakter. Im dritten Schritt setzt man den Text zurück in den echten Kontext. Dabei trifft man auf die eigentliche Aussage des Textes und bildet dabei eine Fall Strukturhypothese, die zunächst unsere Vermutung, basierend auf unseren bisherigen Indizien, über die Lesart des Textes vertritt und im weiteren Verlauf als Maßstab gilt. (vgl. Wernet 2009, s. 39f).

Die ״Objektive Hermeneutik“ folgt fünf Prinzipien:

1. Kontextfreiheit: Da das Verstehen eines Textes oftmals stark durch den Kontext gelenkt wird, verzichtet man im ersten Schritt des Prozesses auf den Kontext um andere Interpretationen und Lesarten zuzulassen. Im späteren Verlauf ist der Kontext dennoch wichtig zum deuten des Textes.
2. Wörtlichkeit: Die Artikulation des Verfassers nimmt in der Wörtlichkeit Gestalt an und ist somit ein unabdingbares Prinzip der ״Objektiven Hermeneutik“
3. Sequenzialität: Hierunter fällt das Einhalten der Reihenfolge, bei uns kulturell geprägt von links oben nach rechts unten. Diese Reihenfolge stellt allerdings kein unabdingbares Gesetz dar. Springt einem beispielsweise ein Bild ins Auge wird es nach der Sequenzialität zuerst beäugt, da es relevant erscheint. Zusätzlich gibt es vor, bestimmte Sequenzen herauszusuchen und zu analysieren, welche relevant erscheinen die Fall Strukturhypothese zu erweitern, zu bestätigen oder zu falsifizieren. Das punktuelle analysieren beinhaltet die Kritik, nicht den ganzen Text zu würdigen.
4. Extensivität: Jegliche Anhaltspunkte, welche sich aus dem Artikel sowie den Bildern bei einer punktuellen Überprüfung ergeben, werden akribisch bis in kleinste Detail analysiert.
5. Sparsamkeit: Die Interpretation basiert nur auf vorzuweisenden Tatsachen. Dieses Prinzip kommt vor allem im ersten Schritt des Dreischritts zum Tragen. Beim Geschichten erzählen werden außergewöhnliche beziehungsweise weit hergeholte Kontexte außer Acht gelassen.

3 Analyse

Der zu analysierende Text ist ein Zeitungsartikel, welcher in der Zeitung ״Zeit Online“ am 03.05.2017 von den Autoren Nadine Ahr und Moritz Aisslinger verfasst wurde. Sequenziell betrachtet sticht zunächst das Logo der Zeitung ins Auge. Auffallend ist hierbei vor allem das Wappen im Zentrum des Logos. Zu sehen ist ein alt wirkender Schlüssel, welcher vermutlich zum öffnen eines großen Portals, einer Kirchen- oder Schlosstür verwendet wird. Seine altmodische Form wird zum einen durch seine wuchtige Größe als auch durch die alte Technik, welche ohne verschieden lange Zähne am Schlüsselschaft auskommt, erkannt. Links und rechts wird der Schlüssel von zwei auf zwei Beinen stehenden Löwen gerahmt, welche als Abbild eines mächtiges Raubtieres Ehrfurcht vermitteln. Darüber fixiert ist eine Krone zu finden, die auf altertümliche Herkunft königlicher Abstammung schließen lässt. Passend dazu befindet sich am Boden des Wappens als auch kreisrund um den Schlüssel herum ein Lorbeerkranz, welcher ebenfalls mit der königlichen Herrschaft, in diesem Fall das antike Rom und Julius Cäsar, verknüpft wird. Dadurch demonstriert das Wappen Größe und Macht. Darüber hinaus wirkt es sehr traditionell, pompös und beständig, da Wappen mit einer mittelalterlichen beziehungsweise königlichen Zeit assoziiert werden und auf Fahnen und Schilden getragen wurden. So wird geschlussfolgert, dass die Zeitung auf eine langjährige Erfahrung zurückblicken kann. Die Schriftart vereint das Traditionelle und die Moderne. Dies erkennt man an den klar und direkt abgebildeten Blockbuchstaben, welche auf einem modernen Design basieren und gleichzeitig aber Verschnörkelungen an den Linienenden wie bei einer kaligraphischen Machart beinhaltet, welche eher an eine traditionelle Schriftart erinnert. Die Schriftart wäre in einem alternativen Kontext gut auf einem Grabstein zu verorten. Die weiß eingelassenen Striche erscheinen wie ein ״Glanzeffekt“ und lässt die Buchstaben dreidimensional erscheinen, was einer in Stein gemeißelter Schrift sehr ähnlichsieht und auf Beständigkeit hinweist. Aufgrund der eben erhaltenen Fakten wird eine erste Fall Strukturhypothese entwickelt:

Der Artikel richtet sich an eine gehobene Leserschaft, da die Zeitung aufgrund ihrer Beständigkeit und langjährigen Erfahrung sich eine seriöse Leserschaft erarbeitet hat. Daraus folgt, dass der Artikel vermutlich gut recherchiert und sachlich formuliert sein wird.

Im nächsten Abschnitt wird die Dachzeile No-Go-Areas analysiert.

Die Dachzeile befindet sich oberhalb der Überschrift und ist in Anführungsstriche gesetzt. Grundlegend wird damit angenommen, dass es sich bei dem Inhalt der Anführungsstriche um ein Zitat, einem ״Augenzwinkern“ oder einem Eigennamen handelt. Die Begrifflichkeit ״No-Go-Areas“ deutet wortwörtlich auf ein Gebiet hin, welches man besser nicht aufsuchen sollte. Es steht einen Anglizismus dar, der Örtlichkeiten wie beispielsweise die Bronx in New York meint. Synonyme wären beispielsweise ״Sperrgebiet“ oder ״sozialer Brennpunkt“. Ein Ort, bei dem man Angst haben muss ihn zu passieren. Selbst Polizisten trauen sich nicht in solche Viertel, da sie gemeinhin als gefährlich gelten. Darauffolgend wird erwartet, dass der betreffende Ort benannt und somit die aufgebaute Spannung gelöst wird. Was geschieht denn nun in dieser No-Go- Area? In Verbindung mit dem Logo werden weiterhin hohe Erwartungen auf den folgenden Text erweckt.

Anschließend folgt die Überschrift Alex, Ötzi und der Libanesen-Jäger.

Die Aneinanderreihung von Vor- beziehungsweise Spitznamen erinnert stark an einen Kinderbuchtitel wie beispielsweise ״Robbi, Többi und das Fliwatüüt“ (vgl. Tripp 1967) oder auch einem Comic wie ״Asterix bei den Briten“. Grundsätzlich hebt sich die Nennung von Vornamen von allgemeiner Berichterstattung ab. Vornamen werden gewöhnlich von Kindern und Jugendlichen untereinander genutzt. Des Weiteren werden in kleinen Ortschaften beziehungsweise Gemeinschaften wo man sich ״untereinander kennt“ Vornamen verwendet. Der Vorname Alex erinnert an Alexander den Großen. Ötzi ist ein untypischer Spitzname, der zunächst mit dem gefunden Steinzeitmenschenskellet Ötzi und seinen Namensvetter DJ Ötzi in Verbindung gebracht wird.

[...]

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Analyse eines Zeitungsartikels nach der Methode der Objektiven Hermeneutik
Hochschule
Fachhochschule Dortmund
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
10
Katalognummer
V421206
ISBN (eBook)
9783668690356
ISBN (Buch)
9783668690363
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
analyse, zeitungsartikels, methode, objektiven, hermeneutik
Arbeit zitieren
Florian Lente (Autor), 2018, Analyse eines Zeitungsartikels nach der Methode der Objektiven Hermeneutik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/421206

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