Der Umgang mit dementiell erkrankten Menschen im Hinblick auf die Humanistische Psychologie. Validation


Facharbeit (Schule), 2016
17 Seiten, Note: sehr gut

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Fragestellung und Ziel meiner Abschlussarbeit

3. Was ist Demenz?

4. Welche verschiedenen Formen der Demenz gibt es?

5. Krankheitsverlauf – die verschiedenen Stadien der Demenz

6. Kommunikation im Spätstadium der Demenz

7. Missverständnisse, die in der Kommunikation mit Dementen entstehen können

8. Einblick in die Humanistische Psychologie

9. Was ist Validation – Validation nach Naomi Feil

10. IVA = Integrative Validation nach Nicole Richard

11. Welche Gemeinsamkeiten haben Validation und die Humanistische Psychologie?

12. Zusammenfassung

13. Literaturverzeichnis/Quellangaben

1. Einleitung

In Deutschland sind derzeit etwa 1,6 Millionen Menschen an Demenz erkrankt, welt­weit sind es knapp 47 Millionen Menschen. Aufgrund des demografischen Wandels (al­ternde Gesellschaft) wird sich die Zahl der dementiell erkrankten Menschen vermutlich bis zum Jahr 2050 verdoppeln, eventuell sogar verdreifachen![1] Was früher mit „Altersschwachsinn“ abgetan wurde, ist heute eine ernstzunehmende Krankheit, an deren Ende der völlige Verfall der Persönlichkeit liegt. Der Umgang mit an Demenz erkrank­ten Menschen ist nicht nur für Angehörige und Pflegekräfte eine große Herausforde­rung, sondern auch für die gesamte Gesellschaft. Mit meiner Abschlussarbeit möchte ich auf den Umgang mit dementiell erkrankten Menschen im Hinblick auf die Humanis­tische Psychologie eingehen. Um eine bessere Kommuni­kation sowie ein besseres Verständnis mit verwirrten alten Menschen zu bekommen, hat Naomi Feil eine Kom­munikationsmethode, die sich Validation nennt, entwickelt. Validation basiert auf der Humanistischen Psychologie – u. a. auf der Grundhaltung der Klientenzen­trierten Gesprächsführung nach Carl Rogers und der Bedürfnispyramide nach Abraham Maslow. Diese werde ich auf den nachfolgenden Seiten beschreiben. Die Validation nach Feil wurde später von der einer deutschen Psychogerontologin, Nicole Richard weiterentwickelt – sie nannte ihre Methode Inte­grative Validation (IVA). Auch auf diese werde ich in meiner Arbeit eingehen.

2. Fragestellung und Ziel meiner Abschlussarbeit

In meiner Tätigkeit als Alltagsbegleiterin habe ich festgestellt, dass viele Werte und Verhaltensweisen, wie z. B. jeden Menschen „so zu nehmen wie er ist“ und ihn als ein­zigartig zu betrachten, ihm empathisch und wertschätzend zu begegnen von großer Bedeutung sind, um einen guten Umgang mit Dementen zu haben.

In der heutigen Gesellschaft geht dies leider immer mehr verloren. Kinder dürfen nicht laut sein, haben zu gehorchen, Mitarbeiter sollten ihren Job nach Schema „F“ machen und für Umsatz sorgen – ob Frau oder Mann u. U. alleinerziehend ist, interessiert nicht, Kindergeburtstage müssen heute ein regelrech­tes Event darstellen und die dreifache Mutter sollte weiterhin in Größe 36 passen. Kurzum: alles muss perfekt sein, man hat in sämtlichen Lebensberei­chen zu funktio­nieren und wir wollen immer höher und immer weiter hinaus.

Dabei gehen Werte wie Empathie, Wertschätzung und Lob und Anerkennung verlo­ren. Das dies Stress, Burnout, Depression, Süchte, etc. zur Folge hat, ist allgemein be­kannt.

Häufig kann man dieses Fehlverhalten in der Arbeit mit Dementen beobachten. Demenz ist aus meiner Sicht u. a. eine Folge von verdrängten und unterdrückten Gefühlen, die nicht gefühlt wurden oder werden durf­ten und im Alter das sozusagen „das Fass zum überlaufen“ bringen. Alte bzw. sterbende Men­schen haben am Lebensende jedoch das Bedürfnis diese Gefühle rauszulassen bzw. „aufzuräumen“, um schließlich friedlich sterben zu können.

Das Ziel meiner Abschlussarbeit ist es, eine bewusstere und achtsamere Kommunika­tion – nicht nur im Umgang mit Dementen - zu führen und sich selbst und das eigene Verhalten sowie die Körpersprache besser wahrzuneh­men. Dies ist letztendlich nicht nur für die Begeg­nung mit dementiell erkrankten Men­schen hilfreich, sondern auch für den täglichen Umgang miteinander.

3. Was ist Demenz?

Wort wörtlich aus dem Lateinischen „de-mens“ übersetzt heißt Demenz: de = „weg von“ mens = „geist“), also „weg vom Geist“. Anhand dieser Übersetzung erkennt man bereits ein wesentliches Merkmal dieser Krankheit – nämlich den Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit. Es handelt sich um eine gravierende Störung des Kurzzeitgedächtn­isses, begleitet von weiteren Defiziten in den Bereichen der Emotio­nen sowie des Bewusstseins. Demenz ist der Oberbegriff und hiervon leiten sich rund 50 verschiedene Formen der Demenz ab. Es handelt sich um eine Krankheit, die vor­wiegend im hohen Lebensalter auftritt. Allerdings steigt die Zahl der jüngeren Menschen, die an an Demenz erkranken.

4. Welche verschiedenen Formen der Demenz gibt es?

Wie bereits im vorherigen Abschnitt erwähnt, gibt es verschiedene Formen der De­menz. Hier unterteilt man zunächst in sogenannte primäre (hirnorganische) und sekund­äre (nicht-hirnorganische) Demenzformen.

Bei primären Demenzen beginnt der Krankheitsverlauf direkt im Gehirn. Nach dem heutigen Wissensstand sind diese irreversibel, d. h. sie können nicht rückgängig gemacht werden. Hier unterscheidet man wiederum zwischen neurogenerativen und vaskulären Demenztypen. Bei neurodegenerativen Typen degenerieren (Duden: sich zu­rückbilden) Nervenzellen des Gehirns und bei den vaskulären Typen handelt es sich um Durchblutungsstörungen (gefäßbedingte Demenz).

Die Alzheimer-Krankheit ist mit einem Anteil von 60 % aller Fälle die häufigste und auch bekannteste Form der primären Demenz. Sie wurde nach dem Psychiater und Neuropathologen Alois Alzheimer benannt, der dieses Krankheitsbild entdeckte. Da­neben gibt es noch die Lewy-Körperchen-Demenz, die Frontotemporalen Demen­zen (auch Pick-Krankheit genannt) sowie die Creutzfeldt-Jabkob-Krankeit, die aller­dings seltener verbreitet ist.

Bei den sekundären Formen hingegen ist die Demenz Folge einer anderen Grunder­krankung, wie z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankung, Hirngeschwulst, Alkohol-, Drogen- oder Medikamentenmissbrauch, etc. Wird diese Grunderkrankung gut behandelt, kann sich die geistige Leistungsfähig­keit wieder normalisieren. Zu den sekundären Demenzen gehören z. B. das Korsakow-Syndrom, die Demenz bei Morbus Parkinson.

Inzwischen hat man noch zahlreiche andere Demenzformen festgestellt – in dem vor­herigen Abschnitt habe ich die Formen, die am häufigsten vorkommen genannt.

5. Krankheitsverlauf – die verschiedenen Stadien der Demenz

Die meisten Formen der Demenz verlaufen schleichend. Als grobe Richtung kann man davon ausgehen, dass, gerechnet vom Auftreten der ersten Symptome, die Krankheits­dauer ca. 9 Jahre beträgt. Beim Krankheitsverlauf unterscheidet man 3 Stadien der Krankheit: frühes, mittleres und spätes Stadium. Die Dauer des jewei­ligen Krankheits­stadiums beträgt durchschnittlich 3 Jahre. Je nach Einzelfall kann dies variieren, d. h. der Verlauf der Krankheit kann sich langsamer oder schneller gestalten.

Frühes Stadium:

Typisch für das frühe Stadium der Demenzerkrankung ist, dass Störungen des Kurz­zeitgedächtnisses auftreten. Fragen wiederholen sich, Termine werden vergessen, Ge­genstände verlegt, es bestehen Schwierigkeiten des Denkens, usw. Da die Be­troffenen diese Symptome bei vollem Bewusstsein erleben, hat dies oft Angst, Scham, Nieder­geschlagenheit oder Frustration zur Folge. Die Betroffenen ziehen sich in diesem Sta­dium häufig zurück und versuchen die Defizite zu überspielen.

Mittleres Stadium:

In diesem Stadium sind die Betroffenen nicht mehr in der Lage ihren Alltag selbstän­dig zu bewältigen und benötigen Unterstützung, da die Störungen des frühen Stadi­ums weiter vorangeschritten sind. Neben dem Kurzzeitgedächtnis ist jetzt auch das Lang­zeitgedächtnis teilweise gestört. Die Betroffenen haben immer stärkere Defizite im Er­innerungsvermögen, verwechseln Namen vertrauter Menschen, das Sprachverständn­is nimmt mehr und mehr ab und es kommt zu permanenten Wiederholungen von Sät­zen oder auch Handlungen. Häufig kommt es in diesem Stadium auch vor, dass die Erkrankten sich verirren (Orientierungslosigkeit) oder dass die Körperhygiene ab­nimmt. Aktivitäten im Haushalt oder auch in der Freizeit werden oft aufgegeben und somit kommt es zu einem sozialen Rückzug. Dies wiederum ist für das soziale Um­feld häufig nicht nach­vollziehbar und wird fehlinterpretiert („XY will wohl nichts mehr mit mir zu tun haben!“). Dadurch entsteht bei den Betroffenen nicht selten Niedergeschlagenheit – bis hin zur Depression. Es kann allerdings – aus Frust – auch zu aggressivem Verhalten kom­men.

Es kommt auch vor, dass die Betroffenen sehr unruhig sind und weglaufen. Außer­dem treten oftmals abrupte Stimmungsschwankungen auf. Manche Demente verwechs­eln Tag und Nacht – irren in der Nacht umher und schlafen dafür tagsüber. Auch die Kontrolle über Blase und Darm kann verloren gehen.

Trotz all der hier aufgeführten Einschränkungen, kann es in diesem mittleren Stadi­um vorkommen, dass die Betroffenen vorübergehend nahezu normal wirken, wenn auch leider immer seltener.

Spätes Stadium:

Je weiter die Krankheit fortschreitet, desto weniger Fähigkeiten bleiben den Betroffe­nen - sie leben in ihrer eigenen Welt, die zwar immer kleiner wird, aber dennoch für sie zunehmend unübersichtlicher. Daher benötigen sie zunehmend Hilfe bei Routinetät­igkeiten wie z. B. das Ankleiden, Körperhygiene, etc. Letztendlich verlieren sie die Kontrolle über ihre Körperausscheidungen. Dementiell erkrankte Menschen sind im Spätstadium der Demenz nicht mehr in der Lage, Gespräche zu führen – ihre Spra­che ist, bis auf wenige Worte (es werden z. B. nur noch einzelne Wörter oder Laute an­einandergereiht) eingeschränkt.

6. Kommunikation im Spätstadium der Demenz

Wenn die Sprache eingeschränkt ist – wie ist dann die Kommunikation mit Demen­ten überhaupt noch möglich? In den nachfolgenden Absätzen erläutere ich einige Möglich­keiten.

Manche dementiell erkrankten Menschen verstummen komplett, was jedoch nicht be­deutet, dass keinerlei Kommunikation mehr stattfindet. Die Kommunikation findet in dieser Phase der Demenz intensiver auf der Gefühlsebene statt. Dementiell er­krankte Menschen reagieren oft sehr sensibel auf sanfte Berührungen, Gerüche, Gebete oder Musik. Sie tanzen sehr gerne zu alten Liedern – hier bietet sich Sitz-Tanz an, wenn der demente Mensch in einem Rollstuhl sitzt. Oft können sie Lieder, die in ihrer Jugend be­kannt waren, auswendig singen. Auf Gebete, wie z. B. das „Vater Unser“ reagieren sie oft sehr positiv, denn alte Menschen haben dies in ihrer Kindheit häufig gelernt und im Laufe ihres Lebens oft wiederholt. Des Weiteren sind häufig positive Reaktionen in Be­zug auf Gerüche zu erkennen: der Duft eines frisch gebacken Kuchens oder aber auch Düfte, wie z. b. „Kölnisch Wasser“, das sie an die Mutter erinnert.

Eine weitere Möglichkeit dieser non-verbalen (= Verständigung ohne Worte) Kommunik­ation ist die Sprache über Gestik und Mimik – die Körpersprache. Man kann davon ausgehen, dass die körpersprachlichen Fähigkeiten meistens wesentlich län­ger erhalten bleiben als die Verbalen. Die Dementen können bis weit in die fortge­schrittene Krankheit hinein einen großen Teil der non-verbalen Signale richtig ent­schlüsseln. Häufig deuten die Dementen im Spätstadium noch mimische Signale richtig, wie z. B. Stirnrunzeln als Ärger oder ein Lächeln als Anzeichen von Freu­de.

Ebenso können sie an der Körperhaltung, an dem Klang der Stimme, der Gang­art oder -geschwindig­keit erkennen, ob ein Mensch gestresst oder entspannt ist. Al­lerdings verlieren sie sehr viel schneller die Fähigkeit, selbst non-verbale Nachrich­ten zu senden, sodass man sie verstehen kann.

Da Demente sehr feinfühlig sind, können sie sehr gut spüren, wenn jemand versucht etwas vor ihnen zu verbergen oder sie anzuschwindeln. Merken sie es, kann dies – je nach Persönlichkeit – sogar zu aggressivem Verhalten führen.

Oft kann man beobachten, dass Emotionen wie Wut, Unruhe oder gute Laune ansteckb­ar wirken und sich diese auf die Dementen übertragen.

Wenn ein dementiell erkrankter Mensch z. B. wütend oder traurig ist, kann dieser Gefühlsausdruck sehr häufig „verfliegen“ wenn man ihn anstrahlt. Das liegt daran dass sie Verhalten beob­achten und imitieren.

7. Missverständnisse, die in der Kommunikation mit Dementen entstehen

können

Obwohl Menschen mit Demenz einen freundlichen Blickkontakt schätzen, so kann die­ser auch als aggressiv fehl gedeutet werden und zwar dann, wenn man einen dementi­ell erkrankten Menschen zu lange und intensiv anguckt. Ein Blickkontakt, der länger als 3 Sekunden anhält, wirkt bedrohlich und bedrängend. Auch bei gesunden Men­schen löst ein längerer Blickkontakt übrigens Unruhe bzw. Unbehagen aus.

Wie jeder Mensch lieben es von Demenz betroffene Menschen angelächelt zu wer­den, allerdings können sie ein aufgesetztes Lächeln von einem echten Lächeln sehr gut unterscheiden, denn sie sehen es, wenn die Augen der Person nicht mitlachen. Folglich reagieren sie häufig misstrauisch, ängstlich oder sogar verärgert.

Die Stimme ist in der Kommunikation mit Dementen ebenfalls von sehr großer Bedeut­ung. Positive Reaktionen bei Dementen sind zu beobachten, wenn eine Person eine ruhige, tiefe, gelassene und freundliche Stimme hat. Ist die Stimme zu hoch oder gar zu schrill, wenn Frauen z. B in der „Babysprache“ mit ihnen sprechen, so fühlen sie sich gestresst, bedroht und die Reaktion ist oft, dass sie sich ängstlich zu­rückziehen oder sogar beginnen, um sich zu schlagen.

[...]


[1] Welt Alzheimer Bericht, Stand 25.08.2015

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Der Umgang mit dementiell erkrankten Menschen im Hinblick auf die Humanistische Psychologie. Validation
Hochschule
Impulse e.V. - Schule für freie Gesundheitsberufe
Veranstaltung
Psychologischer Berater
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2016
Seiten
17
Katalognummer
V421612
ISBN (eBook)
9783668690257
ISBN (Buch)
9783668690264
Dateigröße
548 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Demenz, Validation, Humanistische Psychologie, Ratgeber, Seniorenbetreuung
Arbeit zitieren
Tanja Lüsgen-Below (Autor), 2016, Der Umgang mit dementiell erkrankten Menschen im Hinblick auf die Humanistische Psychologie. Validation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/421612

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