Nicht selten wird der Wunsch verspürt, einen kleinen Goldesel als Haustier zu halten. Weil dies leider nur im Märchen möglich ist, bevorzugen viele Haushalte, das benötigte Geld in Form eines Kredites bei einer Bank zu leihen. Wohlhabendere Kunden haben hingegen ihr überschüssiges Kapital bei einer solchen angelegt. Die Bank tritt als Intermediär ein und übernimmt die Aufgabe der Risiko-, Fristen- und Losgrößentransformation. Doch wie kann es dann zu Schwankungen der Geldmenge kommen und warum liegt es nicht allein in der Macht der EZB und Notenbanken, die Höhe der Inflation zu bestimmen? Wer nimmt neben den Notenbanken noch Einfluss auf die Steuerung der Geldmenge? Oder sind es gar die Geschäftsbanken, die "kleine Goldesel in ihren Tresorräumen halten"?
Diese Arbeit soll einen Überblick über die Entstehung und den Prozess der Geldschöpfung durch Geschäftsbanken geben, sowie eine Einschätzung, ob die Geldschöpfung der Banken durch eine 100%-Reservehaltung abgeschafft werden sollte.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DIE BEDEUTUNG DES GELDES
2.1. DIE GELDFUNKTIONEN
2.2. DIE FORMEN DES GELDES
2.2.1. DAS BARGELD
2.2.2. DAS BUCHGELD (GIRALGELD)
2.2.3. DIE MESSUNG DER GELDMENGE
3. GELDSCHÖPFUNG UND GELDVERNICHTUNG
3.1. BUCHGELDSCHÖPFUNG DER GESCHÄFTSBANKEN DURCH KREDITGEWÄHRUNG
3.2. WEITERE ALTERNATIVEN DER AKTIVEN BUCHGELDSCHÖPFUNG
4. GRENZEN DER BUCHGELDSCHÖPFUNG
5. SZENARIO EINER 100%-RESERVEHALTUNG UND SCHLUSSBETRACHTUNG
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Prozess der Geldschöpfung durch Geschäftsbanken, erläutert die Mechanismen der Kreditvergabe sowie alternative Schöpfungsmethoden und bewertet kritisch die Wirksamkeit einer 100%-Reservehaltung zur Stabilisierung des Finanzsystems.
- Grundlagen des Geldes und dessen Funktionen
- Mechanismen der Buchgeldschöpfung bei Geschäftsbanken
- Einflussfaktoren und Grenzen der Geldschöpfung
- Analyse einer 100%-Reservehaltung als regulatorisches Instrument
- Rolle der Zentralbank und des Leitzinses
Auszug aus dem Buch
3.1. BUCHGELDSCHÖPFUNG DER GESCHÄFTSBANKEN DURCH KREDITGEWÄHRUNG
Auch Geschäftsbanken können analog zur Zentralbank Geschäftsbankengeld schaffen, indem Buchkredite an Kunden vergeben werden. Nach eingehender Bonitätsprüfung wird dem Kreditnehmer der Kreditbetrag als Sichteinlage eingebucht, gleichzeitig ergibt sich für den Kunden eine Verbindlichkeit in Form einer Rückzahlungsverpflichtung zu späterem Zeitpunkt. In der Bankbilanz ergeben sich daraus sowohl eine Forderung ggü. des Kunden, sowie auch eine Verbindlichkeit zur Bereitstellung der Sichteinlage.
Durch eine beiderseitige Bilanzverlängerung wurde so Buch- oder auch Giralgeld geschaffen. Die Bilanz der Zentralbank bleibt hingegen unverändert. Zentralbankgeld übernimmt jedoch eine zentrale Rolle, wenn Kunde X den Kreditbetrag für Zahlungsvorgänge verwendet. Wendet Kunde X den geschaffenen Giralgeldbetrag auf, um ein Gut zu erwerben, wird der mittels Überweisung an den Käufer Kunde Y übertragene Betrag dessen Konto als Sichteinlage gutgeschrieben - das Buchgeld fließt in dem Falle an Bank B ab. Die Sichteinlagen der Geschäftsbank A verringern sich also um den entsprechenden Betrag. Gleichermaßen steigen die Sichteinlagen der Bank B um den selben Betrag - es kommt zu einer Verrechnung des Zentralbankgeldes auf den Zentralbankkonten der Banken.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet das mangelnde Verständnis für das moderne Bankensystem und steckt den Rahmen für die Untersuchung der Geldschöpfungsprozesse ab.
2. DIE BEDEUTUNG DES GELDES: Dieses Kapitel definiert die Funktionen und verschiedenen Erscheinungsformen des Geldes sowie dessen Bedeutung für die Volkswirtschaft.
3. GELDSCHÖPFUNG UND GELDVERNICHTUNG: Es wird der Mechanismus erklärt, wie Geschäftsbanken durch Kreditvergabe und andere Aktivitäten aktiv Buchgeld erzeugen können.
4. GRENZEN DER BUCHGELDSCHÖPFUNG: Das Kapitel erläutert die Risiken und regulatorischen Vorgaben, die das unbegrenzte Schöpfen von Buchgeld durch Banken einschränken.
5. SZENARIO EINER 100%-RESERVEHALTUNG UND SCHLUSSBETRACHTUNG: Hier wird geprüft, ob eine vollständige Deckung der Sichteinlagen das Finanzsystem stabilisieren kann und ob dies in der Realität umsetzbar wäre.
Schlüsselwörter
Geldschöpfung, Geschäftsbanken, Buchgeld, Giralgeld, Zentralbank, Leitzins, Kreditvergabe, Reservehaltung, Geldmenge, Fiat-Währung, Liquidität, Finanzsystem, Bilanzverlängerung, Refinanzierung, Preisstabilität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung und dem Prozess der Geldschöpfung durch Geschäftsbanken und deren Rolle im modernen Finanzsystem.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Geldfunktionen, die Entstehung von Buchgeld, die Rolle der Zentralbank und die regulatorische Frage nach einer 100%-Reservehaltung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, einen Überblick über den Geldschöpfungsprozess zu geben und zu bewerten, ob eine 100%-Reservehaltung zur Stabilität des Finanzsystems beitragen würde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine theoretische Analyse sowie eine modellhafte Veranschaulichung mittels Bilanzbetrachtungen genutzt, um die Prozesse der Geldschöpfung zu erläutern.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird detailliert analysiert, wie Banken durch Kreditvergabe und Ankäufe von Vermögenswerten Giralgeld schaffen und welche Grenzen diesem Prozess durch Regulatorik und Marktmechanismen gesetzt sind.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe umfassen Geldschöpfung, Buchgeld, Kreditvergabe, Reservehaltung und Zentralbanksteuerung.
Wie unterscheidet sich Buchgeld von Bargeld?
Bargeld ist physisches, gesetzliches Zahlungsmittel, während Buchgeld (Giralgeld) nur in den Kontobüchern der Banken existiert und keinen gesetzlichen Zahlungsmittelstatus besitzt.
Kann die Zentralbank die Geldschöpfung der Geschäftsbanken vollständig kontrollieren?
Nein, laut Arbeit kann die Zentralbank zwar über den Leitzins Einfluss nehmen, ist aber bei der tatsächlichen Kreditvergabe und dem individuellen Verhalten von Kunden und Banken nicht in der Lage, das Geldmengenwachstum vollständig zu steuern.
Was würde eine 100%-Reservehaltung für Banken bedeuten?
Eine 100%-Reservehaltung würde die Fähigkeit der Banken zur direkten Geldschöpfung durch Kreditvergabe massiv einschränken und sie eher zu bloßen Vermittlern zwischen Kreditnehmern und Kreditgebern degradieren.
Warum kommt die Autorin zu dem Schluss, dass eine 100%-Reservehaltung keine Garantie für Stabilität ist?
Die Autorin argumentiert, dass Banken im zweistufigen Finanzsystem alternative Refinanzierungsmöglichkeiten nutzen würden und eine solche Maßnahme die Fristentransformation und Liquiditätsbereitstellung der Banken gefährden könnte.
- Citation du texte
- Annemarie Troeger (Auteur), 2018, Die Geldschöpfung der Geschäftsbanken, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/421614