Es scheint, als drehe sich in Antoine de Saint-Exupérys 1943 erschienenem Kunstmärchen „Der Kleine Prinz“ alles um diese besondere Blume, die Rose des Prinzen. Ihretwegen sucht er verzweifelt nach einem Schaf, er versucht, sie gegen jegliche Bedrohungen zu beschützen und findet auf Reisen schließlich Antworten auf Fragen, die nur seine Rose betreffen. Jedoch ist die Beziehung zu ihr äußerst zwiespältig; ihre Dornen können sehr verletzend sein. Es stellt sich die Frage: Was hat dieses Symbol zu bedeuten, wen soll es verkörpern?
In diesr Hausarbeit beschränke ich mich darauf, die beiden wohl zentralsten Forschungspositionen zu dieser Thematik kritisch zu reflektieren. Eugen Drewermann argumentiert in seinem Werk „Das Eigentliche ist unsichtbar“, die Mutter des Autors verkörpere die Rose. Paul Webster nimmt in „Leben und Tod des Kleinen Prinzen“ die Gegenposition ein: Seiner Argumentation nach stehe das Rosensymbol unmissverständlich für Saint-Exupérys Ehefrau Consuelo.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Kulturgeschichtliche Bedeutung der Rose und ihrer Dornen
3 Interpretation
3.1 Die Rose als Verkörperung der Mutter?
3.1.1 Biographische Grundlagen
3.1.2 Reflexion der Position Drewermanns
3.1.2.1 Argumentationsgrundlage
3.1.2.2 Zentrale Thesen
3.1.2.3 Briefe Saint-Exupérys an seine Mutter
3.2 Die Rose als Verkörperung der Ehefrau?
3.2.1 Biographische Grundlagen
3.2.2 Reflexion der Position Websters
3.2.2.1 Briefe Saint-Exupérys an seine Ehefrau
4 Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, das zentrale Symbol der Rose in Antoine de Saint-Exupérys „Der kleine Prinz“ zu untersuchen. Dabei wird der Frage nachgegangen, wen dieses Symbol verkörpert, indem die beiden zentralen Forschungspositionen von Eugen Drewermann und Paul Webster kritisch gegenübergestellt und mithilfe biographischer Fakten sowie Briefwechseln des Autors geprüft werden.
- Analyse des Rosensymbols in „Der kleine Prinz“
- Kritische Gegenüberstellung der Thesen von Drewermann (Mutter) und Webster (Ehefrau)
- Einbezug biographischer Kontexte und privater Korrespondenz des Autors
- Untersuchung der Treueproblematik und der Rolle des Autors
- Psychologische Deutung der Beziehung zwischen Prinz und Rose
Auszug aus dem Buch
3.1.2.2 Zentrale Thesen
In allem was der kleine Prinz über seinen Planeten erzählt, stecken laut Drewermann verdichtete Informationen über die Beziehung zu seiner Mutter. Es beschreibe eine Zeit im Leben des Autors, die von der äußeren Realität der Erwachsenenwelt noch weit entfernt scheine. Eine Zeit, die geprägt sei von der so unerbittlich geforderten Aufmerksamkeit für die Rose. Diese zeichnet sich vor allem durch ihre Affektiertheit, ihre hohen Ansprüche, ihre Egozentrik und Verletzlichkeit aus.
Die Allüren der Rose werden besonders an folgender Textstelle deutlich: Als der Kleine Prinz, voller Bewunderung, die Schönheit der gerade emporgewachsenen Blume thematisiert, erwidert diese auf sein Kompliment: „Nicht wahr? [...] Und ich bin zugleich mit der Sonne geboren“ (KP: S. 31). Gleich darauf verlangt die Rose zu frühstücken, und der Kleine Prinz kommt ohne Umschweife dieser Forderung nach, sieht sich sogleich verpflichtet, für die Rose zu sorgen (vgl. KP: S.31). Der Erzähler kommentiert: „So hatte sie ihn sehr bald schon mit ihrer etwas scheuen Eitelkeit gequält.“ (KP: S. 31)
Drewermann argumentiert, dass dieses Verhalten der Mutter Saint-Exupérys zuzuordnen ist, die durch emotionale Erpressung die Beziehung zu ihrem Kind belastet habe. Die beschriebenen Eigenschaften könnten jedoch beiden Frauen zugeordnet werden, insbesondere Zeitgenossen Consuelos bestätigen ein ähnliches Verhalten ihrerseits. Obwohl es ihn „quält“, scheint es, als sei das Wohlergehen der Rose alles, was für den Kleinen Prinzen von Bedeutung ist. Dieser Widerspruch wirft einige Fragen auf. Wieso, zum Beispiel, muss die Rose sich mit derart verletzenden Dornen schützen?
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Rose als zentrales Symbol und Vorstellung der Forschungsfrage sowie der konkurrierenden Positionen von Drewermann und Webster.
2 Kulturgeschichtliche Bedeutung der Rose und ihrer Dornen: Erläuterung der symbolischen Bedeutungen der Rose (Liebe, Leid, Vollkommenheit) im kulturhistorischen Kontext als theoretische Grundlage für die Analyse.
3 Interpretation: Hauptteil der Arbeit, der die biographischen Grundlagen und die Thesen von Drewermann und Webster im Hinblick auf die Mutterfigur bzw. die Ehefrau Consuelo detailliert analysiert.
4 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Positionen, die zu dem Ergebnis kommt, dass die Deutung Websters unter Einbeziehung biographischer Belege und Briefe überzeugender ist.
Schlüsselwörter
Der kleine Prinz, Antoine de Saint-Exupéry, Rosensymbol, Consuelo, Eugen Drewermann, Paul Webster, Mutterbeziehung, Eheprobleme, Literaturanalyse, Symbolforschung, biographische Interpretation, tiefenpsychologische Deutung, Dornen, Treue, Verantwortungsgefühl.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das zentrale Symbol der Rose in Antoine de Saint-Exupérys Werk „Der kleine Prinz“ und dessen Bedeutung für das Verständnis der Erzählung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentral sind die Frage nach der Verkörperung der Rose (Mutter vs. Ehefrau), die Verarbeitung biographischer Erlebnisse im Text sowie die psychologische Dimension der Beziehung zwischen Autor und den Figuren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die kritische Reflexion und Validierung der konkurrierenden Forschungspositionen von Eugen Drewermann und Paul Webster durch textimmanente Analyse und biographische Belege.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die biographische Fakten, Briefwechsel des Autors und eine hermeneutische Interpretation des Textes kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst Drewermanns ödipale Deutung (Rose als Mutter) und anschließend Websters Argumentation (Rose als Ehefrau Consuelo) jeweils mit biographischem Hintergrund und Briefanalysen diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend sind die Begriffe „Der kleine Prinz“, „Symbolik“, „Consuelo“, „biographischer Kontext“ und „Literaturanalyse“.
Wie begründet Drewermann seine These, dass die Rose für die Mutter steht?
Drewermann sieht das Werk als Reflexion der Kindheit des Autors und interpretiert das Verhalten der Rose als Ausdruck einer schwierigen Mutter-Sohn-Bindung, die von emotionaler Erpressung geprägt ist.
Warum kommt die Arbeit zu dem Schluss, dass Websters Position zuzustimmen ist?
Aufgrund der lückenlosen Übereinstimmung von Textstellen, den Briefwechseln zur Zeit der Entstehung des Werkes und der Parallelen im Leben der Eheleute erscheint die Deutung der Rose als Consuelo schlüssiger.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2018, Von der Rose und ihren Dornen. Analyse der Interpretationsansätze E. Drewermanns und P. Websters zum zentralen Symbol in Saint-Exupérys "Der kleine Prinz", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/421650