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Lebensbedingungen, Lebensstil und Mortalität - Analysen der WHO-MONICA-Daten zur sozialen Ungleichheit der Mortalität

Title: Lebensbedingungen, Lebensstil und Mortalität - Analysen der WHO-MONICA-Daten zur sozialen Ungleichheit der Mortalität

Doctoral Thesis / Dissertation , 2001 , 312 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Privatdozent Dr. Sven Schneider (Author)

Sociology - Old Age
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Summary Excerpt Details

Eine große gesellschaftliche und sozialpolitische Herausforderung der Zukunft wird von einer Entwicklung ausgehen, die gemeinhin als ‘demographische Alterung der Gesellschaft’ bezeichnet wird. Angesichts der weiteren Zunahme der Lebenserwartung und des damit fortschreitenden Alterungsprozesses der bundesdeutschen Bevölkerung ist zu vermuten, daß in den nächsten Jahren die Nachfrage seitens politischer und anderer gesellschaftlicher Institutionen nach wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Zusammenhang zwischen sozialen Dimensionen und Sterblichkeit zunehmen wird.

Die vorliegende Arbeit beschränkt sich nicht auf eine – wegen mangelhaften Datenmaterials häufig anzutreffende – eindimensionale Verknüpfung von makrosoziologischen Dimensionen (wie Sozialschicht und Geschlecht) mit Mortalitätsdaten. Ziel dieser Arbeit ist vielmehr, die absolute und relative Bedeutung grundlegender soziologischer Dimensionen für die Mortalität zu erhellen und durch eine Verfeinerung dieser Dimensionen die hinter den makrosoziologischen Strukturen wirksamen Prozesse (Integration, soziale Kontrolle, Belastungsgrößen, lebensstiltypisches Verhalten) zu eruieren.
Ein fruchtbarer Weg stellt dabei die Arbeit mit epidemiologischen Daten dar, da derartige Studien i.d.R. neben klassischen sozioökonomischen und -strukturellen Variablen auch verhaltensbezogene und medizinische Parameter beinhalten. Außerdem sind sie oft longitudinal mit einer ausreichenden Fallzahl an Probanden angelegt.

Im empirischen Teil nimmt aus den o.g. Gründen die Analyse des Zusammenhanges zwischen makrosoziologischen Kategorien und verhaltens- also lebensstilbezogenen Angaben großen Raum ein. Aus den anschließenden zahlreichen multivariaten Verlaufsdatenanalysen gehen die Kategorien Schichtzugehörigkeit, Geschlecht, Alter, Konfession und Netzwerkstruktur als die bedeutendsten sozialen Einflußgrößen auf die Mortalität hervor. Darüber hinaus stellen Alkohol- und Tabakkonsum die wichtigsten mortalitätsrelevanten Lebensstilaspekte dar. Der eigenständige Einfluß der eben genannten sozialen Kategorien bleibt beachtlicherweise auch nach Kontrolle des Lebensstils und objektiver sowie subjektiver Gesundheitsvariablen (wie Blutparameter, Puls und subjektiver Gesundheitszustand) empirisch relevant. Aus den gefundenen Zusammenhängen werden schließlich Schlußfolgerungen zu möglichen kausalen Ursache-Wirkungs-Beziehungen abgeleitet.

Excerpt


Gliederung

1. Einleitung

1.1 Entdeckungszusammenhang

1.2 Fragestellung und Untersuchungsgegenstand

1.3 Forschungslogik und Konzeptspezifikation

2. Theoretische Überlegungen und aktueller Forschungsstand

2.1 Theoretische Modelle der Morbidität und Mortalität

2.2 Epidemiologische Großstudien und ihr Beitrag zur Fragestellung

2.3 Forschungsstand zu möglichen Einflußgrößen der Mortalität

2.3.1 Vertikal-strukturierende Einflußgrößen

2.3.1.1 Soziale Schicht

2.3.1.2 Bildung

2.3.1.3 Einkommen

2.3.1.4 Berufliche Stellung

2.3.2 Horizontal-strukturierende Einflußgrößen

2.3.2.1 Geschlecht

2.3.2.2 Konfession

2.3.2.3 Alter

2.3.2.4 Familienstand

2.3.2.5 Genetische und biologische Faktoren

2.3.2.6 Wohnort

2.3.3 Lebensstilstrukturierende Einflußgrößen

2.3.3.1 Body-Mass-Index und Adipositas

2.3.3.2 Tabakkonsum

2.3.3.3 Passivrauchen

2.3.3.4 Alkoholkonsum

2.3.3.5 Physische Aktivität

2.3.3.6 Schlafdauer

2.3.3.7 Netzwerkdichte und –qualität

2.3.3.8 Streß

2.3.3.9 Inanspruchnahmeverhalten

2.3.4 Medizinische Kontrollvariablen

2.3.4.1 Gesundheitszustand

2.3.4.2 Hypertonie

2.3.4.3 Diabetes mellitus

2.3.4.4 Cholesterinparameter

2.3.4.5 Pulsfrequenz

2.4 Anmerkungen zu aktuellen Forschungsdefiziten

2.5 Zusammenfassung

3. Hypothesen

3.1 Systematisierung möglicher Einflußgrößen auf die Mortalität

3.2 Hypothesen zu möglichen Einflußgrößen auf die Mortalität

3.3 Zusammenfassung

4. Daten und Methoden

4.1 Datengrundlage

4.1.1 Das WHO-MONICA-Projekt

4.1.2 Konstruktion der Datengrundlage

4.1.3 Variablenkonstruktion und Verteilungskontrolle

4.1.3.1 Vorbemerkungen zur Codierung der Variablen

4.1.3.2 Vertikal-strukturierende Variablen

4.1.3.3 Horizontal-strukturierende Variablen

4.1.3.4 Lebensstilstrukturierende Variablen

4.1.3.5 Medizinische Kontrollvariablen

4.1.3.6 Abhängige Variablen

4.1.4 Externe Validierung

4.2 Methoden

4.2.1 Analysenmethoden zum Beziehungsgefüge zwischen Lebensbedingungen und Lebensstil

4.2.2 Multivariate Verlaufsdatenanalyse

4.3 Daten- und Methodenrestriktionen

4.4 Zusammenfassung

5. Empirische Analysen

5.1 Analysen zum Schichteinfluß

5.1.1 Ergebnisse

5.1.2 Interpretation

5.2 Analysen zum Geschlechtseinfluß

5.2.1 Ergebnisse

5.2.2 Interpretation

5.3 Analysen zum Konfessionseinfluß

5.3.1 Ergebnisse

5.3.2 Interpretation

5.4 Analysen zum Familienstandseinfluß

5.4.1 Ergebnisse

5.4.2 Interpretation

5.5 Analysen zum Wohnorteinfluß

5.5.1 Ergebnisse

5.5.2 Interpretation

5.6 Analysen zum Netzwerkeinfluß

5.6.1 Ergebnisse

5.6.2 Interpretation

5.7 Zusammenfassende Analysen zur Mortalität (Gesamtbetrachtung)

5.7.1 Ergebnisse

5.7.2 Interpretation des Gesamtzusammenhanges

6. Schlußfolgerungen und Überlegungen zum Verwertungszusammenhang

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die soziale Ungleichheit der Mortalität unter Verwendung des WHO-MONICA-Datensatzes. Ziel ist es, die absolute und relative Bedeutung soziologischer Dimensionen wie Sozialschicht, Geschlecht, Alter, Konfession, Familienstand und Netzwerkstruktur für das Sterberisiko zu erhellen und durch eine Verfeinerung dieser Dimensionen die hinter den makrosoziologischen Strukturen wirksamen Prozesse wie Integration, soziale Kontrolle und lebensstiltypisches Verhalten zu eruieren.

  • Soziale Ungleichheit und ihre Auswirkungen auf die Mortalität
  • Vergleich von makrosoziologischen Dimensionen und individuellen Lebensstilen
  • Einflussfaktoren wie sozioökonomischer Status, Bildungsniveau und Netzwerkqualität
  • Methodische Nutzung epidemiologischer Datensätze für soziologische Analysen
  • Analyse kausaler Ursache-Wirkungs-Beziehungen bei Mortalitätsprozessen

Auszug aus dem Buch

1.1 Entdeckungszusammenhang

Eine große - wenn nicht die größte - gesellschaftliche und sozialpolitische Herausforderung der Zukunft wird von einer Entwicklung ausgehen, die gemeinhin als ‘demographische Alterung unserer Gesellschaft’ (Dinkel, 1992: 62) bezeichnet wird. Bereits jetzt, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, kann angenommen werden, daß die demographische Alterung langfristig zu einem zentralen Thema soziologischer Forschung emergieren wird.

Die besagte Entwicklung resultiert aus erheblich gesunkenen Geburtenraten, aus dem Rückgang der Sterblichkeit in jungen Jahren und vor allem aus der Zunahme der Lebenserwartung. Nur wenige demographische Entwicklungen haben das Leben der Menschen so grundsätzlich verändert wie der Wandel des Mortalitätsprozesses. Hiervon werden mannigfaltige und tiefgreifende Auswirkungen auf das gesellschaftliche, soziale und wirtschaftliche Leben in der Bundesrepublik Deutschland (und anderen westlichen Industrienationen) ausgehen. Dabei ist eine Lebenserwartung bis ins hohe Seniorenalter historisch gesehen ein vergleichsweise junges Phänomen des vergangenen 20. Jahrhunderts. Während in davorliegenden Jahrhunderten der Tod angesichts jederzeit drohender Infektionskrankheiten (wie Pocken, Typhus, Cholera, Fleckfieber und Pest) nahezu unberechenbar war und jederzeit eintreten konnte, ist der Tod heute zunehmend an den Rand des Lebens gedrängt worden. Die Wahrscheinlichkeit, alt zu werden, hat sich markant erhöht (Höpflinger, 1997: 143). Das Leben wurde planbar; Investitionen in Bildung, soziale Netzwerke und eine monetäre Altersvorsorge wurden kalkulierbar. Begünstigende Faktoren waren hierbei medizinische und technische Fortschritte, qualitative Verbesserungen der Hygiene, der Arbeitsbedingungen und der Ernährung sowie eine bessere Betreuung der Kinder infolge einer zurückgehenden Geburtenrate (Feldmann, 1997: 47ff). Die Fortschritte der öffentlichen Gesundheitspflege in Form der Kanalisation, der Abwasserklärung, der Müllentsorgung, der Einrichtung öffentlicher Parks und der Schulspeisungen taten ein übriges (Gerhardt, 1993: 33). Angesichts einer anhaltenden Zunahme der Lebenserwartung wird die Forderung innerhalb (und auch außerhalb) der Scientific Community immer lauter, Faktoren zu identifizieren, die eine hohe Lebenserwartung begünstigen, und Einflüsse zu benennen, die einem langen Leben abträglich sind.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die demographische Alterung der Gesellschaft ein und stellt die Relevanz der Untersuchung sozialer Ungleichheit auf die Mortalität sowie die Zielsetzung der Arbeit dar.

2. Theoretische Überlegungen und aktueller Forschungsstand: Hier werden theoretische Modelle zur Morbidität und Mortalität diskutiert und der aktuelle Forschungsstand zu verschiedenen Einflussgrößen kritisch aufgearbeitet.

3. Hypothesen: In diesem Teil werden basierend auf den theoretischen Überlegungen die zu testenden Hypothesen systematisiert und expliziert.

4. Daten und Methoden: Dieses Kapitel beschreibt die Datengrundlage des WHO-MONICA-Projekts sowie die angewandten statistischen Verfahren zur Analyse.

5. Empirische Analysen: Das Herzstück der Arbeit, in dem die bivariaten und multivariaten Analysen zu den verschiedenen Einflussgrößen durchgeführt und detailliert interpretiert werden.

6. Schlußfolgerungen und Überlegungen zum Verwertungszusammenhang: Zusammenführung der Ergebnisse und Diskussion ihrer Bedeutung für die künftige sozialpolitische und wissenschaftliche Praxis.

Schlüsselwörter

Mortalität, Morbidität, Soziale Ungleichheit, Lebensbedingungen, Lebensstil, WHO-MONICA-Projekt, Sozialschicht, Bildung, Einkommen, Berufliche Stellung, Familienstand, Konfession, Netzwerkqualität, Epidemiologie, Gesundheitswesen

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert soziologische Einflussfaktoren auf die Mortalität unter Verwendung von epidemiologischen Daten des WHO-MONICA-Projekts.

Was sind die zentralen Themenfelder der Dissertation?

Zu den zentralen Themen gehören die Bedeutung sozioökonomischer Faktoren (Sozialschicht, Bildung, Einkommen, Beruf), horizontaler Strukturmerkmale (Geschlecht, Konfession, Alter, Familienstand, Wohnort) sowie individueller Lebensstilfaktoren für das Sterberisiko.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, die absolute und relative Bedeutung grundlegender soziologischer Dimensionen für die Mortalität zu identifizieren und die hinter makrosoziologischen Strukturen wirksamen Prozesse (Integration, soziale Kontrolle, Lebensstil) zu erklären.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt ein multivariates Design, insbesondere die Ereignisanalyse bzw. Verlaufsdatenanalyse, um kausale Zusammenhänge unter Kontrolle verschiedener Variablen zu untersuchen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil erfolgen nach einer theoretischen Fundierung zunächst eine deskriptive univariate Analyse der Daten und anschließend umfangreiche bivariate sowie multivariate Analysen, unterteilt in thematische Blöcke wie Schichteinfluss, Geschlechtseffekt, Konfession, Familienstand und Wohnort.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Schlagworte umfassen Mortalitätsforschung, soziale Ungleichheit, Lebensstil, epidemiologische Analysen und soziologische Determinanten.

Warum verwendet der Autor Daten des WHO-MONICA-Projekts?

Der Autor wählt diese epidemiologischen Daten, da sie im Gegensatz zu vielen sozialwissenschaftlichen Datensätzen neben sozioökonomischen Variablen auch detaillierte medizinische Parameter enthalten und zudem longitudinal angelegt sind.

Was ist das Ergebnis bezüglich des Konfessionseinflusses auf die Mortalität?

Die empirischen Befunde sind uneinheitlich; während sich für Männer kein signifikanter Konfessionseffekt auf die Mortalität zeigt, deutet sich für Frauen bei einigen Modellen ein höherer Mortalitätsrisiko für Nicht-Katholiken an, was jedoch kaum auf die untersuchten Netzwerk- oder psychischen Mechanismen zurückzuführen ist.

Welchen Einfluss hat der Familienstand laut den Analysen auf das Sterberisiko?

Die Analysen bestätigen, dass Verheiratete ein geringeres Mortalitätsrisiko aufweisen, wobei dieser Effekt nur teilweise durch materielle oder lebensstilbezogene Faktoren erklärt werden kann, was für eine protektive Wirkung der Ehe spricht.

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Details

Title
Lebensbedingungen, Lebensstil und Mortalität - Analysen der WHO-MONICA-Daten zur sozialen Ungleichheit der Mortalität
College
University of Heidelberg  (Institut für Soziologie)
Course
Promotion
Grade
1,0
Author
Privatdozent Dr. Sven Schneider (Author)
Publication Year
2001
Pages
312
Catalog Number
V42169
ISBN (eBook)
9783638402668
ISBN (Book)
9783638731690
Language
German
Tags
Lebensbedingungen Lebensstil Mortalität Analysen WHO-MONICA-Daten Ungleichheit Mortalität Promotion
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Privatdozent Dr. Sven Schneider (Author), 2001, Lebensbedingungen, Lebensstil und Mortalität - Analysen der WHO-MONICA-Daten zur sozialen Ungleichheit der Mortalität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42169
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