Chancen und Risiken für mittelständische Logistikdienstleister im interkontinentalen Transportgeschäft


Hausarbeit, 2018
12 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Fragestellung
1.2 Problemstellung
1.3 Aufbau der Arbeit

2 Definition Logistik

3 Chancen für mittelständische Logistikdienstleister im interkontinentalen Transportgeschäft
3.1 Kostensenkungen
3.2 Automatisierung / Standardisierung von manuellen Prozessen
3.3 Reduzierung der Komplexität
3.4 Zuwachs an Bedeutung innerhalb der Prozesskette

4 Risiken für mittelständische Logistikdienstleister im interkontinentalen Transportgeschäft
4.1 Hackerangriffe
4.2 Abhängigkeit von Technologieanbietern
4.3 Verlieren der Wettbewerbsfähigkeit
4.4 Inkompatibilität zu bestehenden Systemen

5 Fazit / Ausblick

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Bereits seit der Jahrtausendwende wird in der Logistik die Einführung cyberphysischer Technologien diskutiert.1 Durch die rasant fortschreitende technologische Entwicklung, sowie einer starken Verbundenheit der Logistik mit vielen der technischen und gesellschaftlichen Herausforderungen, erwartet diese Branche in naher Zukunft einen so grundsätzlichen Wandel wie keine andere.2

Maßgebend geprägt wird dieser Wandel durch die zunehmend an Bedeutung gewinnende Thematisierung einer Logistik 4.0.

1.1 Fragestellung

Diese Seminararbeit beschäftigt sich anhand von ausgewählten Beispielen mit der Fragestellung, welche Chancen und Risiken sich im Rahmen des Megatrends der Digitalisierung3, sowie der damit einhergehenden Logistik 4.0 für mittelständische Logistikdienstleister im interkontinentalen Transportgeschäft ergeben können.

1.2 Problemstellung

Zunehmende Koordinationsintensität, sowie ein steigender Koordinationsumfang führen zu einem Komplexitätsproblem in der Logistik.4

Durch eine ansteigende Dynamik nimmt die zur Verfügung stehende Reaktionszeit eines Logistikdienstleisters ab. Zudem wird aufgrund anwachsender Kompliziertheit zunehmend mehr Zeit für das Treffen von Entscheidung und der entsprechenden Analyse dergleichen beansprucht.5

Es entsteht eine Art Zeitschere, deren Zusammenführung im Gegenstandsbereich der Logistik 4.0 liegt.6

1.3 Aufbau der Arbeit

Als Ausgangsbasis dieser Seminararbeit wird in Kapitel 2 zunächst der Begriff Logistik 4.0 definiert.

Nachfolgend wird in Kapitel 3 konkret auf die Chancen eingegangen, die sich für mittel-ständische Logistikdienstleister im interkontinentalen Transportgeschäft durch Logistik 4.0 ergeben.

Daran anknüpfend erfolgt in Kapitel 4 die Gegenüberstellung der entsprechenden Risi-ken.

Kapitel 5 schließt die Arbeit mit einem Fazit, sowie einem Ausblick in die bevorstehende Zukunft ab.

2 Definition Logistik 4.0

Im Zusammenhang mit der vierten industriellen Revolution, sowie der Initiative Industrie 4.07, definiert Wehberg den Begriff Logistik 4.0 wie folgt: „Logistik 4.0 ist ein speziellerManagementansatz zur Entwicklung, Gestaltung, Lenkung und Realisierung verände-rungsorientierter Netzwerke von Objektflüssen, welche auf Musterkennung, Generalisie-rung und Selbstorganisation beruhen und neue Technologien sowie innovative Servicesnutzen.“8

Mit dieser Definition wird deutlich, dass Logistik 4.0 für den Logistikdienstleister der nahen Zukunft mehr bedeutet, als die reine Digitalisierung der Beziehung zu seinem direkten Auftraggeber. Vielmehr wird die Integration von Mitgliedern einer Wertschöpfungskette (horizontal) und mehrerer Wertschöpfungsketten zu einem Wertschöpfungsnetzwerk (vertikal) zur Aufgabe in Rahmen der Logistik 4.0.9

3 Chancen für mittelständische Logistikdienstleister im interkontinentalenTransportgeschäft

Aufgrund ihrer überschaubaren Strukturen und kurzen Entscheidungsprozesse sind mittelständische Logistikdienstleister ideal geeignet für die in Zeiten der Digitalisierung notwendige Agilität und Flexibilität in Hinblick auf bevorstehende Veränderungen im Rahmen einer Logistik 4.0.

Im Folgenden wird, illustriert anhand von Beispielen, auszugsweise auf aktuell bestehenden Chancen einer Logistik 4.0 eingegangen.

3.1 Kostensenkungen

In Zeiten der Globalisierung werden nicht nur die Lieferketten internationaler, der Wettbewerb, insbesondere in Hinblick auf Logistikdienstleistungen im interkontinentalen Transportgeschäft wird es auch.10 Logistikdienstleister mit den unterschiedlichsten Kostenstrukturen stehen in weltweitem Wettbewerb um dieselben Aufträge.11

Zu den sich aus der Logistik 4.0 ergebenen Chancen zählt u.a. die Möglichkeit der Kos-tensenkung durch eine Effizienzsteigerung entlang der logistisch angebotenen Dienstleis-tung. In Bezugnahme darauf, dass der Containerumschlag in den Nordseehäfen bis 2030stark anwachsen wird12, ist es für Logistikdienstleister zukünftig essentiell wichtig diestark ansteigenden Containermengen hocheffizient abfertigen zu können. Ist ein Logistik-dienstleister in der Lage, aus einem steigenden Digitalisierungsgrad im Rahmen von Lo-gistik 4.0 die Effizienz seiner Dienstleistung zu steigern, so verbessen die daraus resul-tierenden Kostensenkungen die Wettbewerbsfähigkeit unmittelbar und nachhaltig.

3.2 Automatisierung / Standardisierung von manuellen Prozessen

Effizienzsteigerungspotenzial durch Automatisierung bzw. Standardisierung bisher ma-nuell ausgeführter Prozesse findet sich in vielen Abläufen mittelständischer Logistik-dienstleister.

Unter Berücksichtigung des Konzentrationsprozesses im Luftfrachtmarkt, der dazu füh-ren wird, dass zukünftig nur noch wenige global operierende Fluggesellschaften denMarkt beherrschen werden13, können heute noch größtenteils manuell geprägte Prozessezukünftig in hohem Maße automatisiert bzw. standardisiert an den jeweiligen Partner an-gepasst werden. Exemplarisch sei hier die Übermittlung von Frachtraumbuchungen anFluggesellschaften genannt, welche noch heute hauptsächlich per einzeln angefertigterMail und damit nicht automatisiert bzw. standardisiert abgebildet wird.

3.3 Reduzierung der Komplexität

In der Logistik fehlt bereits heute geeignetes Personal zur Bewältigung der immer kom-plexer werdenden Wertschöpfungsketten.14 Aus diesem Umstand resultierende Personal-engpässe sind insbesondere bei mittelständischen Logistikdienstleistern zu beobachten.15 Durch eine Komplexitätsreduktion logistischer Prozesse im Rahmen von Logistik 4.0ergibt sich u.a. die Möglichkeit, dem bereits heute vorherrschenden Fachkräftemangelentgegenzuwirken und damit langfristig wettbewerbsfähig logistische Dienstleistungenerbringen zu können.

Darüber hinaus ergibt sich aus der Logistik 4.0 durch eine zunehmende Verzahnung vonIT-Systemen zwischen Logistikdienstleister und Verlader eine komplexitätsreduzierendeWirkung, indem die jeweiligen Prozesse in ihrer Abbildung robust gegenüber etwaigenStörgrößen verlaufen und die Qualität des generierten Outputs lediglich einer natürlichenStreuung unterliegt.16

3.4 Zuwachs an Bedeutung innerhalb der Prozesskette

Mit Blick auf die zukünftig weiter zunehmende Digitalisierung der gesamten Lieferkettenehmen Logistikdienstleister zunehmend eine Schlüsselposition ein.17 Dieser Zuwachs anBedeutung ist insbesondere in Hinblick darauf interessant, als dass die Logistik auch heute noch oft als notwendiges Übel in der Prozesskette eines produzierenden Industriebetriebes angesehen wird.18

Zukünftig wird die Logistik somit die Fäden entlang der gesamten Wertschöpfungskette ziehen und kann sich als kompetenter Partner für alle beteiligten Parteien positionieren.19 Denkbar wäre in diesem Kontext beispielsweise ein Ausbau der reinen Logistikdienstleistung auf weiterführende Konzepte entlang der Wertschöpfungskette für Lieferanten und Endkunden des eigentlichen Auftraggebers.

4 Risiken für mittelständische Logistikdienstleister im interkontinentalen Trans-portgeschäft

Mittelständische Logistikdienstleister sind im Rahmen einer weiter fortschreitenden Logistik 4.0 nicht nur mit dem naheliegenden Risiko hoher Investitionen in ihre IT-Infra-struktur konfrontiert. Nachstehend wird deshalb auszugweise auf weitere bestehende Risiken, illustriert anhand von Beispielen eingegangen.

4.1 Hackerangriffe

Die erst kürzlich erfolgte Cyberattacke auf die dänische Unternehmensgruppe A.P. Moel-ler-Maersk hat in eindrucksvoller Art und Weise demonstriert, in welchem Ausmaß be-stehende Systeme angreifbar sind und in welcher unmittelbaren Abhängigkeit die mitihnen entsprechend verbundenen Wertschöpfungsketten stehen.20 Nachwirkungen diesesZwischenfalles haben auch einen starken Einfluss auf Logistikdienstleister gehabt, da de-ren Kerndienstleistung in unmittelbarer Konsequenz durch den Angriff in Teilen lahm-gelegt worden ist. Container, welche bereits von einkommenden Schiffen entladen wor-den sind, waren temporär nicht auffindbar. Der Buchungsprozess von Exportcontainernwar erschwert.21 Importcontainer waren aufgrund fehlender Freistellungen nicht abnehm-bar. Aus diesen Umständen entstandene Kosten wurden seitens A.P. Moeller-Maersk au- tomatisiert an die Vertragspartner weitergegeben und führten somit auch hier, ohne di-rekten Angriff auf die Systeme eines mittelständischen Logistikdienstleisters, zu hohenAufwendungen in Bezug auf die Prüfung der größtenteils unberechtigten Forderungen.

Einer Einschätzung von IT-Experten nach gerät die Branche immer häufiger ins Visiervon Cyberkriminellen.22 Berichten des Beratungsunternehmens Oliver Wynam zufolgedrohen der weltweiten Logistikbranche bereits im Jahre 2020 Schäden i.H.v. rund 6 Mrd.EUR. 450 Mio. EUR könnte der Schaden allein in Deutschland betragen.23 In Anbetrachtdieser Summen stellen Hackerangriffe ein extrem hohes Risiko für mittelständische Lo-gistikdienstleister dar und können einen derartiges Unternehmen schnell vom Markt ver-schwinden lassen.

4.2 Abhängigkeit von Technologieanbietern

Laut einer vom Logistikunternehmen Hermes durchgeführten Umfrage sehen von 250befragten Logistikern 48% ein Risiko in der Abhängigkeit von Technologieanbietern.24 Werden beispielsweise die Dienste eines Cloud- oder Outsourcing-anbieters genutzt, soergibt sich daraus immer eine unmittelbare Abhängigkeit zum jeweiligen Dienstleister.25 Wächst eine Abhängigkeit zu stark an, so ist zu beachten, dass ein Wechsel des Dienst-leisters aufgrund der starken Verbundenheit der täglichen und für die Aufrechterhaltungdes Geschäftsbetriebes essentiell wichtigen Ablaufprozesse in die Systeme desselbigenextrem schwierig ist und zu existenzbedrohenden Situationen führen kann.26 Des Weite-ren besteht die Gefahr, dass der Cloud- oder Outsourcinganbieter eine verstärkte Abhän-gigkeit seines Auftraggebers erkennt und drastische Preiserhöhungen durchführt.27

1 Vgl. Bauernhansl, T., ten Hompel, M., Vogel-Heuser, B. (Hrsg), Industrie 4.0 in Produktion, Automatisierung und Logistik, 2014, S. 615.

2 Vgl. ebd.

3 Vgl. Bousonville, T., Logistik 4.0, 2017, S. 1.

4 Vgl. Wehberg, G. G., Logistik 4.0, 2015, S. 19.

5 Vgl. ebd.

6 Vgl. ebd., S. 22.

7 Vgl. Wehberg, G. G., Logistik 4.0, 2015, S. 49.

8 Wehberg, G. G., Logistik 4.0, 2015, S. 49.

9 Vgl. Czaja, F., Auswirkungen von Logistik 4.0 auf Mittelstand und Handwerk, 2016, S. 7.

10 Vgl. Schiemann, J., Logistik 4.0, S. 7.

11 Vgl. ebd.

12 Vgl. G ö pfert, I. (Hrsg.), Logistik der Zukunft, 2016, S. 383.

13 Vgl. G ö pfert, I. (Hrsg.), Logistik der Zukunft, 2016, S. 383.

14 Vgl. Schoenberger, K., Komplexitätsmanagement in Unternehmen, S. 254.

15 Vgl. ebd.

16 Vgl. Gie ß mann, M., Komplexitätsmanagement in der Logistik, 2010, S. 225.

17 Vgl. Zilman, M., Keine Industrie 4.0 ohne Digitalisierung der Supply Chain, 2016, S. 30.

18 Vgl. G ö pfert, I. (Hrsg.), Logistik der Zukunft, 2016, S. 402.

19 Vgl. Zilman, M., Keine Industrie 4.0 ohne Digitalisierung der Supply Chain, 2016, S. 30.

20 Vgl. https://www.dvz.de/rubriken/logistik/single-view/nachricht/angriff-auf-weltweite-lieferketten.html

21 Vgl. ebd.

22 Vgl. https://www.dvz.de/rubriken/logistik/single-view/nachricht/angriff-auf-weltweite-lieferketten.html

23 Vgl. ebd.

24 Vgl. https://www.verkehrsrundschau.de/nachrichten/logistik-4-0-die-skepsis-ueberwiegt-oft-noch-1847003.html

25 Vgl. https://www.bsi.bund.de/DE/Themen/ITGrundschutz/ITGrundschutzKataloge/Inhalt/_con-tent/g/g02/g02086.html

26 Vgl. ebd.

27 Vgl. https://www.bsi.bund.de/DE/Themen/ITGrundschutz/ITGrundschutzKataloge/Inhalt/_con-tent/g/g02/g02086.html

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Details

Titel
Chancen und Risiken für mittelständische Logistikdienstleister im interkontinentalen Transportgeschäft
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Bremen früher Fachhochschule
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
12
Katalognummer
V421697
ISBN (eBook)
9783668690561
ISBN (Buch)
9783668690578
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Logistik, Logistik 4.0, Digitalisierung, Dienstleister, Transportgeschäft
Arbeit zitieren
Yannic Schreiber (Autor), 2018, Chancen und Risiken für mittelständische Logistikdienstleister im interkontinentalen Transportgeschäft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/421697

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