Inwiefern ist monoedukativer Unterricht zu bevorzugen?


Essay, 2015
6 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inwiefern ist monoedukativer Unterricht zu bevorzugen?

Der Artikel „Geschlechtertrennung ja oder nein?!“ von Marita Kampshoff thematisiert die Geschlechtertrennung im Schulwesen und sowohl deren Vorteile als auch Nachteile (vgl. Kampshoff 2012).

Im Folgenden wird zunächst der Forschungsstand des Themas reflektiert, wobei sowohl theoretische als auch empirische Einsichten berücksichtigt werden. Daraufhin wird im nächsten Schritt die Fragestellung präzisiert, indem das Phänomen der monoedukativen Unterrichtung näher erörtert wird. Endlich wird dargestellt, ob monoedukativer Unterricht dem koedukativen vorzuziehen ist, wobei ersichtlich werden wird, dass eine eindeutige Lösung kaum zu finden sein wird. Schließlich endet die Abhandlung mit einem Fazit, welches sowohl die wesentlichen Ergebnisse zusammenfasst, als auch einen forschungstheoretischen Ausblick bietet.

Forschungsstand

Geschlechtertrennung stellt ein Mittel dar, welches eingesetzt wird, um eine Gruppe besonders zu berücksichtigen und zu fördern (vgl. Kampshoff 2012, S. 443). Die Forschung hat vier Formen der geschlechtergetrennten Unterrichtung herausgearbeitet, welche ich im Folgenden nennen werde. Beginnen möchte ich bei der Geschlechtertrennung als didaktisches Prinzip. Hier wird die monoedukative Unterrichtung eingesetzt, um Mädchen oder Jungen speziell zu fördern und besonders deren Interessen individuell zu berücksichtigen. Hierbei findet die monoedukative Unterrichtung nur in ausgewählten Fächern statt, wobei alle übrigen Fächer koedukativ unterrichtet werden (vgl. ebd., S. 444). Die zweite Form der monoedukativen Unterrichtung ist die zufällige methodische Geschlechtertrennung, bei welcher pro Halbjahr ein Fach zufällig gewählt wird, welches dann monoedukativ unterrichtet wird. Hierbei sollen die Schülerinnen und Schüler Erfahrungen mit monoedukativem Unterricht machen und diesen anschließend reflektieren (vgl. ebd.).

Die dritte Möglichkeit der monoedukativen Unterrichtung wäre, dass eine koedukative Schule ausschließlich Mädchen- und Jungenklassen einrichtet, wobei die Vorteile einer geschlechtergetrennten Unterrichtung genutzt werden und zusätzlich auch die Vorteile des koedukativen Schullebens Einfluss nehmen (vgl. ebd.). Als letzte Form der Monoedukation wären die Single Sex Schulen zu nennen, welche lediglich einem Geschlecht offen stehen, also geschlechtshomogen sind (vgl. ebd.). Das Thema Monoedukation ist eines von vielen Themenfeldern der Genderforschung, welche fortlaufend neue Ergebnisse bringt. Die aktuellen Forschungsergebnisse zum Thema Monoedukation werde ich in den folgenden Abschnitten näher beleuchten.

Ziele monoedukativer Unterrichtung und deren Erfolgschancen

Was ist eigentlich das Ziel der Monoedukation? Dieser Frage möchte ich mich nun stellen und anschließend die Ziele nennen, welche die Monoedukation verfolgt. Wenn Mädchen und Jungen getrennt unterrichtet werden, so die Vertreter der Monoedukation, würden beide Geschlechter bessere Schulleistungen erbringen, da keine Ablenkung mehr durch das andere Geschlecht bestünde (vgl. Kampshoff 2012, S. 445). Auch würde das Fächer- und Berufswahlspektrum erweitert, da auf Grund der monoedukativen Klassen die Stereotypisierung der Geschlechter wegfällen würde und so jedem Geschlecht alle Berufe offen stünden (vgl. ebd.).[1] Verbessern würden sich auch die Selbstkonzepte der Mädchen, deren Selbstwirksamkeitserwartungen und das Selbstwertgefühl, da die Dominanz des männlichen Geschlechts nicht mehr präsent wäre. Durch das Dominanzverhalten der Jungen werden die Mädchen unterdrückt, eine Förderung der Mädchen ist somit im koedukativen Unterricht nur schwer möglich (vgl. Kreienbaum 2005, S. 73).

Die Bildung von Geschlechterstereotypen würde durch monoedukativen Unterricht eingedämmt, da keine Vergleichsgruppe mehr vorhanden wäre, für welche es sich lohnen würde, sich geschlechtstypisch zu verhalten. Mädchen und Jungen ermahnen sich gegenseitig dazu, sich entsprechend den Erwartungen an ihr Geschlecht zu verhalten (vgl. ebd., S. 79f.). Außerdem könnte der Unterricht bei einer geschlechtergetrennten Klasse störungsfreier ablaufen, da es keine Ablenkung mehr durch das andere Geschlecht gäbe (vgl. Kampshoff 2012, S. 445). Monoedukativer Unterricht bietet einen Schon- und Schutzraum, da ungestört vom anderen Geschlecht geschlechterbezogene Anliegen bearbeitet werden können (vgl. ebd.).[2] Als letztes Ziel der monoedukativen Unterrichtung wäre zu nennen, dass Freiräume für persönliche Entwicklungen entstehen würden, in welchen Zuschreibungen, das Geschlecht betreffend, überschritten werden könnten (vgl. ebd.).[3] Wie anhand der Ziele der Monoedukation ersichtlich wurde, bietet sich monoedukative Unterrichtung vor allem dann an, wenn Mädchen mit vermindertem Selbstwertgefühl gefördert werden sollen und eine geschlechtsuntypische Interessenentwicklung angestrebt wird (vgl. ebd., S. 447). Außerdem soll durch Monoedukation der Bildung von Geschlechterrevieren entgegengewirkt werden, welche sich vor allem durch Koedukation entwickeln (vgl. Kreienbaum 2005, S. 73). Durch Monoedukation soll also die Konzentration auf die eigenen Stärken jenseits von Klischees ermöglicht werden.

Monoedukation versus Koedukation: Nachteile des Konzeptes der monoedukativen Unterrichtung

Forschungen haben ergeben, dass geschlechtergetrennte Unterrichtung häufig „mit einer Defizitperspektive auf die jeweilige Geschlechtergruppe verbunden“ ist (Kampshoff 2012, S. 445). Die Jungen und Mädchen entwickeln durch den geschlechtergetrennten Unterricht häufig stereotype Vorstellungen, da die gendertheoretischen Grundlagen viel zu selten reflektiert werden. Durch die Trennung der Geschlechter werden die Unterschiede im Geschlecht dramatisiert, was dazu führt, dass die Unterschiede innerhalb der Gendergruppe nur schwer wahrnehmbar sind und dadurch ein stereotypisches doing gender[4] entsteht (vgl. Faulstich-Wieland/Horstkemper 2012, S. 34). Des Weiteren ist monoedukativer Unterricht problematisch, da immer eine Geschlechtergruppe ausgeschlossen und damit diskriminiert wird (vgl. Kampshoff 2012, S. 446). Auch ist bewiesen, dass man sein eigenes Geschlecht betont, sobald man sich in der Gegenwart des jeweils anderen befindet. Da bei einem monoedukativen Unterricht jedoch das Gegengeschlecht wegfällt, besteht auch kein Anlass mehr, das eigene Geschlecht und damit die Unterschiedlichkeit von Jungen und Mädchen, zu betonen (vgl. ebd., S. 446).[5] Forschungen haben ergeben, „dass nur da, wo beide Geschlechter zusammentreffen, das Geschlecht überhaupt eine Rolle spielt“ (Kreienbaum 2005, S. 79). Auch ist zu bemerken, dass Kinder, die eine monoedukative Schule besuchen, unzureichend auf die ihnen bevorstehende Realität vorbereitet werden, da diese nun mal gemischtgeschlechtlich ist (vgl. Kampshoff 2012, S. 446). Kritiker sind der Meinung, dass Geschlechtertrennung eine „Dramatisierung und die Hoffnung auf eine entdramatisierte Situation in homogenen Gruppen“ ist (ebd., S. 449). Studien an einer Jungenschule haben ergeben, dass die Jungen dort durch die Lehrkräfte immens diszipliniert wurden, um echte Männer aus ihnen zu machen (vgl. ebd., S. 450). Auch haben Studien herausgefunden, dass es bei der Berufswahl von Mädchen keinen Einfluss hatte, ob Selbige eine Mädchenschule besucht haben oder koedukativ unterrichtet wurden (vgl. ebd.). Die Vertreter der koedukativen Unterrichtung plädieren für eine gemeinsame Unterrichtung von Jungen und Mädchen, da sie der Ansicht sind, dass bereits in der Schule Geschlechterdemokratie ausgeübt werden sollte. Diese soll durch die gemeinsame Unterrichtung auf die Realität vorbereiten, welche gemischtgeschlechtlich ist (vgl. ebd., S. 446). Außerdem würden in einem koedukativen Unterricht konstruktive Spannungen entstehen.

Fazit

Um dann in einem Fazit zu schließen, welches die Ergebnisse der vorangegangenen Erörterung nochmals resümiert, ist zu sagen, dass eine monoedukative Unterrichtung nicht zwingend einer koedukativen vorzuziehen ist. Hierbei spielen so viele Dinge eine Rolle, dass die Entscheidung für eine monoedukative Unterrichtung gut durchdacht werden sollte. Für beide Unterrichtsformen gibt es Vor- und Nachteile. Forschungen haben ergeben, dass beide Formen die gewünschten Bedingungen erfüllen oder eben nicht erfüllen können. Auch haben Leistungsmessungen der Schülerinnen und Schüler, in einzelnen Fächern, keine Unterschiede ergeben. Egal ob monoedukative oder koedukative Unterrichtung, die Leistungen der Kinder wiesen keine Unterschiede auf. Es hängt also nicht von der Form der Unterrichtung ab, sondern von den Personen, die dafür zuständig und davon betroffen sind, sowie von den Begründungen, weshalb man monoedukativ unterrichten sollte (vgl. Kampshoff 2012, S. 451). Es sollten also im Vorfeld alle Betroffenen mit einbezogen werden. Lehrer, Schüler und Eltern- alle sollten ihre persönliche Meinung äußern dürfen und anhand ihrer Aussagen sollte dann gemeinsam entschieden werden, welche Unterrichtsform wohl die Beste für alle Beteiligten ist. Wer sich auch nach diesem Fazit noch nicht schlüssig darüber ist, ob er nun koedukativ oder monoedukativ unterrichten soll, sollte sich vielleicht für eine Form der Monoedukation entscheiden, welche einen Mittelweg von Mono- und Koedukation darstellt. Die so genannte zufällige methodische Trennung nutzt die Vorteile der Monoedukation, indem ein zufällig gewähltes Fach monoedukativ unterrichtet wird, aber auch die Vorteile der Koedukation, da die restlichen Fächer weiterhin koedukativ unterrichtet werden. Vorteilhaft ist bei dieser Form auch, dass keine besonderen fachlichen Voraussetzungen von Nöten sind. Diese Form bietet also einen „Weg, innerhalb der Koedukation bewusst unterschiedliche Geschlechter- und Lernarrangements einzusetzen und zu nutzen“ (Kreienbaum 2005, S. 80f.).

Literaturverzeichnis

Faulstich-Wieland, Hannelore/Horstkemper, Marianne (2012): „Schule und Geschlechterforschung“, in: Kampshoff, Marita/Wiebke, Claudia (Hrsg.): Handbuch Geschlechterforschung und Fachdidaktik, Wiesbaden: Springer VS, S. 25-38

Kampshoff, Marita (2012): „Geschlechtertrennung ja oder nein?!“, in: Kampshoff, Marita/Wiebke Claudia (Hrsg.): Handbuch Geschlechterforschung und Fachdidaktik, Wiesbaden: Springer VS, S. 443-454

Kreienbaum, Maria Anna (2005): „Vom Umgang mit Mädchen und Jungen in der Schule“, in: Bräu, Karin/Schwerdt, Ulrich (Hrsg.): Heterogenität als Chance. Vom produktiven Umgang mit Gleichheit und Differenz in der Schule, Münster: LIT, S. 71-84

[...]


[1] Typisch Mann- Typisch Frau gibt es hier nicht mehr

[2] Beispiel: Pubertät- Jungen und Stimmbruch, Mädchen und Periode

[3] Frauen lieben Autos und Männer tanzen Ballett

[4] Doing gender= Herstellung von Geschlecht in alltäglichen Interaktionen (vgl. Kampshoff 2012, S. 446)

[5] Phänomen wird auch als undoing gender bezeichnet

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Inwiefern ist monoedukativer Unterricht zu bevorzugen?
Hochschule
Pädagogische Hochschule in Schwäbisch Gmünd
Note
2
Autor
Jahr
2015
Seiten
6
Katalognummer
V421702
ISBN (eBook)
9783668699229
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
inwiefern, unterricht
Arbeit zitieren
Laura Volkmann (Autor), 2015, Inwiefern ist monoedukativer Unterricht zu bevorzugen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/421702

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Inwiefern ist monoedukativer Unterricht zu bevorzugen?


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden