Inwiefern ist Rassismus in unserer Gesellschaft präsent?


Essay, 2016
5 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inwiefern ist Rassismus in unserer Gesellschaft präsent?

Der Artikel „Was ist eigentlich Rassismus?“ von Birgit Rommelspacher thematisiert den Rassismus-Begriff sowie die Aktualität der Problematik und den Umgang der Gesellschaft mit selbigem Thema (vgl. Rommelspacher 2009).

Im Folgenden wird zunächst der Forschungsstand des Themas reflektiert, wobei sowohl theoretische als auch empirische Einsichten berücksichtigt werden. Daraufhin wird im nächsten Schritt die Fragestellung präzisiert, ob in einer multikulturellen Gesellschaft der Rassismus überhaupt präsent sein kann. Endlich wird dargestellt, ob und inwiefern Rassismus in unserer Gesellschaft vorhanden ist, wobei ersichtlich werden wird, dass Rassismus leider traurige Realität ist. Schließlich endet die Abhandlung mit einem Fazit, welches sowohl die wesentlichen Ergebnisse zusammenfasst, als auch einen forschungstheoretischen Ausblick bietet.

Forschungsstand

Der Begriff des Rassismus ist schwer abzugrenzen, da es verschiedene Vorstellungen seiner Bedeutung gibt. Es handelt sich zweifellos um einen politischen Begriff. Beim Rassismus werden Differenzen zwischen Gruppen verdeutlicht, um eine Abgrenzung zu schaffen und dadurch bestimmte Gruppen auszuschließen, damit die ausschließende Gruppe hierarchisch höher anzusiedeln ist. Diese Gruppen werden auf Grund arbiträrer Kriterien bestimmt (vgl. Rommelspacher 2009, S. 25). Man spricht hierbei auch von Rassendiskriminierung. Die Menschen dieser anderen Gruppe werden ausgeschlossen, benachteiligt, diskriminiert und in manchen Teilen der Welt sogar verfolgt. Grundlage des Rassismus ist die Rassenideologie. Hierbei wird davon ausgegangen, dass Menschenrassen auf Grund genetischer Faktoren unterschiedlich viel wert sind. Vor allem die weiße Rasse wurde in der Vergangenheit häufig hierarchisch höher angesiedelt (vgl. wissen.de 2004, S. 55). Durch Rassismus wird also versucht, die ungerechte Behandlung von Menschen zu legitimieren. Die sozialen Differenzen werden naturalisiert, also als Folge der unterschiedlichen biologischen Anlagen begründet. Diese biologischen Unterschiede seien angeboren und würden weitervererbt, weshalb eine Mischung verschiedener Rassen die Gefahr der Verunreinigung mit sich brächte (vgl. Rommelspacher 2009, S. 26). Dass all dies in der Vergangenheit bereits eine Rolle gespielt hat, ist bekannt. Doch heute leben wir in einer multikulturellen Gesellschaft, in welcher Rassismus absolut fehl am Platz wäre.

Deutschland – eine multikulturelle Gesellschaft

“Multikulturell“ beschreibt, dass verschiedene Kulturen, die sich in Sprache, Religion und Abstammung unterscheiden, zusammen leben. In den späten 1970ern kam dieser Begriff erstmals in Deutschland auf, wo er vorwiegend in der Sozialpädagogik und der Ethik verwendet wurde. Seit Ende der 1980er Jahre wurde er vor allem im Kontext der Ausländerpolitik benutzt. Eine multikulturelle Gesellschaft steht vor allem für ein friedliches Miteinander ohne Diskriminierung und bietet allen Mitgliedern dieser Gesellschaft die Möglichkeit nach Belieben kulturelle Besonderheiten auszuleben (vgl. wissen.de 2004, S. 116). Auf Grund dessen, dass wir in einer demokratischen Gesellschaft leben, sollte man meinen, dass all dies in Deutschland gewährleistet ist. Schließlich steht die Demokratie dafür, dass keine rassistischen Hierarchien gebildet werden und auch für soziale Diskriminierung kein Platz ist. Wir nehmen Flüchtlinge auf um uns stets als tolerante Gesellschaft zu präsentieren. In Deutschland leben mehr als hundert verschiedene Nationalitäten. Vor allem aus Polen und der Türkei ist eine rege Zuwanderung zu vermerken. Das führt wiederum zu einer großen Heterogenität innerhalb der Bevölkerung (vgl. Gogolin; Krüger-Potratz 2006, S. 22).

Und wir geben vor, froh darüber zu sein. Wollen andere Länder und Kulturen kennenlernen, zeigen unser Interesse an ihnen, schwören auf unsere Akzeptanz und bauen auf Heterogenität. Wir verhalten uns normativ. Vollziehen soziale Handlungen, die beabsichtigen, etwas gesellschaftlich akzeptabel zu machen, es quasi zu normalisieren.

Doch sind wir wirklich so tolerant, wie wir behaupten? Empfangen wir, für uns, fremde Nationen wirklich mit offenen Armen? Dies möchte ich im Folgenden näher beleuchten.

Die Präsenz des Rassismus in Deutschland

80% befragter Jugendlicher mit muslimischen Wurzeln sagten, dass sie nie dazugehören werden und sich immer wie Außenseiter fühlen werden (vgl. Rommelspacher 2009, S. 31). Tagtäglich sind sie kollektiven Anfeindungen und Ausgrenzungen ausgesetzt. Sie müssen sich Anschuldigungen anhören und werden für alles verantwortlich gemacht, was nicht der Norm entspricht (vgl. ebd., S. 26f.). Ist das etwa kein Rassismus? Allein schon die Bezeichnung Ausländer setzt Grenzen.

Den Fremden werden negative Eigenschaften zugeschrieben, für welche sie dann diskriminiert werden und welche sie in der Hierarchie weit unten ansiedeln. Auf Grund dieser sozialen Segregation werden ihnen wiederum weitere negative Eigenschaften zugeschrieben (vgl. Hund 2006, S. 120).

Migrantenkinder werden wissentlich benachteiligt, wodurch ihnen der Zugang zur Gesellschaft weiter erschwert wird. Anstatt zu fördern, wird diese Benachteiligung in Kauf genommen. Die Mehrheit stellt die Norm dar und diese ist dann für jedermann verbindlich. So haben Kinder mit Migrationshintergrund schon in der Schule Probleme, was sich später auf die berufliche Karriere ausbreitet und auch in sozialen Beziehungen und dem gesellschaftlichen Ansehen zum Ausdruck kommt. Der Mehrheit sind solche Schwierigkeiten meist nicht bewusst, da sie durch das Repräsentieren der Norm all dies für selbstverständlich ansehen. (vgl. Rommelspacher 2009, S. 31f.).

Das Problem ist jedoch, dass viele der Meinung sind, dass eine Diskriminierung nur vorliegt, wenn diese bewusst und gewollt vollzogen worden ist. Dass es jedoch auch diskriminierend sein kann vom Aussehen einer Person auf seine Abstammung zu schließen und daraufhin nach den Gepflogenheiten der anderen Nation zu fragen, ist für viele nicht verständlich. Für sie ist die Absicht ihrer Aussage entscheidend und nicht die Wirkung, die diese Aussage erzielt. Allerdings kann auch ein wohlgewolltes Verhalten diskriminierend sein, da es dem Gegenüber zeigt, dass man ihn aus seiner Gesellschaft ausschließt und ihn für anders hält. So wird deutlich eine Grenze gezogen, wenn auch nicht beabsichtigt (vgl. ebd., S. 32).

Unterschiede zwischen verschiedenen Kulturen werden naturalisiert, was bedeutet, dass die Differenzen völlig natürlich sind und auch auf Grund der biologischen Anlagen immer weiter vererbt werden.

Dieses Vorgehen nennt sich Naturalisierung, da Rassen biologisiert werden und die Differenzen als von der Natur bestimmt angesehen werden. Die Fremden werden dadurch einer homogenen Gruppe zugeteilt, was als Homogenisierung bezeichnet wird. Diese Gruppe ist das Gegenteil der Einheimischen. Diese beiden Gruppen sind nicht miteinander vereinbar und stellen das jeweilige Gegenteil des anderen dar. Diese strikte Trennung wird als Polarisierung bezeichnet. Daraus folgt dann die Hierarchisierung, bei welcher auf Grund der jeweiligen Merkmale eine Rangordnung der Gruppen festgelegt wird (vgl. ebd., S. 29).

Fazit

Um dann in einem Fazit zu schließen, welches die Ergebnisse der vorangegangenen Erörterung nochmals resümiert, ist zu sagen, dass ersichtlich geworden ist, dass Rassismus in unserer heutigen Gesellschaft sehr wohl noch vorhanden ist. Und das, obwohl doch in unserem Grundgesetz verankert ist, dass niemand wegen „seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden“ (Limbach; Dürig 1998, Artikel 3) darf. Auch wenn das Wort Rassismus häufig gemieden wird, beschreibt es doch ganz klar, was in unserem Land vorgeht. Es werden Machtverhältnisse akzeptiert und gerechtfertigt, indem Unterschiede der menschlichen Rasse dazu genutzt werden eine Rasse der anderen zu unterstellen. Es wird nicht darauf geachtet jeden gleich zu behandeln und niemanden zu benachteiligen - im Gegenteil: es wird Macht dazu genutzt um andere zu unterdrücken und sich selbst höher zu stellen. Allein aus diesem Grund sollte das Wort Rassismus nicht weiter ein Tabuthema sein.

Literaturverzeichnis

Gogolin, Ingrid; Krüger-Potratz, Marianne (2006): Einführung in die Interkulturelle Pädagogik. Opladen [u.a.]: Budrich (UTB, 8246 : Erziehungswissenschaft).

Hund, Wulf D. (2006): Negative Vergesellschaftung. Dimensionen der Rassismusanalyse. 1. Aufl. Münster: Westfälisches Dampfboot.

Limbach, Jutta; Dürig, Günter (1998): Grundgesetz mit Vertrag über die abschliessende Regelung in bezug auf Deutschland, Menschenrechtskonvention, Bundesverfassungsgerichtsgesetz, Parteiengesetz und Gesetz über den Petitionsausschuss. Textausgabe mit ausführlichem Sachverzeichnis und einer Einführung. 35., neubearb. Aufl. Stand : 15. Aug. 1998. München: C.H. Beck (Beck-Texte im dtv, 5003).

Melter, Claus; Mecheril, Paul; Scharathow, Wiebke; Leiprecht, Rudolf (2009): Rassismuskritik. Schwalbach/Ts: Wochenschau Verlag (Reihe Politik und Bildung, Bd. 47).

wissen.de (Hg.) (2004): Das aktuelle wissen.de Lexikon. Unter Mitarbeit von Dr. Beate Vanhorn. 24 Bände. Gütersloh / München: Wissen Media Verlag GmbH (15).

wissen.de (Hg.) (2004): Das aktuelle wissen.de Lexikon. Unter Mitarbeit von Dr. Beate Vanhorn. 24 Bände. Gütersloh / München: Wissen Media Verlag GmbH (18).

[...]

Ende der Leseprobe aus 5 Seiten

Details

Titel
Inwiefern ist Rassismus in unserer Gesellschaft präsent?
Hochschule
Pädagogische Hochschule in Schwäbisch Gmünd
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
5
Katalognummer
V421704
ISBN (eBook)
9783668693500
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
inwiefern, rassismus, gesellschaft
Arbeit zitieren
Laura Volkmann (Autor), 2016, Inwiefern ist Rassismus in unserer Gesellschaft präsent?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/421704

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Inwiefern ist Rassismus in unserer Gesellschaft präsent?


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden