Zunächst werde ich eine Skizze des „dialektischen Umschlags” von „Aufklärung in Barbarei” versuchen, indem ich das Verhältnis Aufklärung und Mythos untersuche. Der von Horkheimer und Adorno angeführte homersche Epos, die Odyssee, dem „Grundtext der europäischen Zivilisation”, soll einerseits zur Verdeutlichung herangezogen werden, schließlich aber auf die Kosten der instrumentellen Vernunft gegenüber dem einzelnen Individuum und der Gesellschaft hinführen. Abschließend möchte ich die DdA kritisch bewerten und verständlich machen, warum einzelne Standpunkt Horkeimer und Adornos widersprüchlich sind und in einer Aporie münden (müssen) - hier liegt die ganze Merkwürdigkeit des Buches! Nämlich einmal Aufklärung an-sich führt ins Unheil und ist ebenso unheilbar in blinde Herrschaft verstrickt. Dem nun -fast!- unvereinbar gegenüberstehend ist der von Horkeimer/Adorno formulierte Anspruch einen positiven Aufklärungsbegriff begründen zu wollen, im Sinne einer aus sich selbst selbstreflektierten Aufklärung. Angesichts des historischen Entstehungshorizontes wandelt die DdA stets am Abgrund: einerseits einer pessimistisch-resignativen Einsicht, anderseits dann dem Versuch progressiv-optimistischer Dialektik treubleiben zu wollen
Inhaltsverzeichnis
I. Das Moment des dialektischen Umschlags von Aufklärung in Barbarei: Mythos, Aufklärung und instrumentelle Vernunft
II. Das identische Selbst und Entsagung, Verhärtung, schließlich Entfremdung
III. Eine kritische Bewertung der Dialektik der Aufklärung oder zweimal Hölderlin
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die „Dialektik der Aufklärung“ von Horkheimer und Adorno mit dem Ziel, die im Werk enthaltene Aporie sowie das dialektische Umschlagen von aufklärerischer Vernunft in neue Formen der Barbarei und Herrschaft kritisch zu beleuchten.
- Analyse des dialektischen Verhältnisses zwischen Mythos und Aufklärung
- Untersuchung der instrumentellen Vernunft als Ursache für Naturbeherrschung und Entfremdung
- Kritische Reflexion der individuellen und gesellschaftlichen Kosten der Selbsterhaltung
- Diskussion des theoretischen Dilemmas der Synthesebildung in der Dialektik
- Bewertung der bleibenden Offenheit und Fragilität des Textes als philosophisches Fragment
Auszug aus dem Buch
I. Das Moment des dialektischen Umschlags von Aufklärung in Barbarei: Mythos, Aufklärung und instrumentelle Vernunft
Horkheimer und Adorno beschreiben das Verhältnis von Mythos und Aufklärung als ein dialektisches. Was bedeutet nun dialektisch? Mit Hegel und seinem Schüler Marx vereinfacht gesprochen, eine These (also z.B. hier der Mythos) trägt ihren Widerspruch, die Antithese (hier: Aufklärung) schon in sich und schlägt in diese um. Also der Moment des dialektischen Umschlages. Für Hegel und Marx wichtig ist die „Aufhebung” sowohl der These, als auch der Antithese in einem „höheren” Ganzen, die Synthese. Aufheben meint etwas beinahe Paradoxes, in jedem Fall sehr Seltsames: In der Synthese sind These und Antithese aufgehoben im Sinne von sie sind bewahrt und doch enthoben worden (wie dann und wann Gesetze ihrer Gültigkeit verlieren) - vielleicht sogar ein aufgehoben wie in „ich fühle mich aufgehoben”, d.h. sicher und geborgen, ich bin (wieder) zu Hause. Eine solche Aufhebung in der Synthese ist zwar auch bei Horkheimer und Adorno vernehmbar, wird aber zu ihrem eigentlichen Problem. Aber dazu später.
Konkret heißt das in den Hauptthesen der Dialektik der Aufklärung: Mythos ist schon Aufklärung, also „Mythos setzt die Aufklärung ins Spiel” und „Aufklärung schlägt in Mythologie zurück.” Das impliziert der Mythos trägt das Wesensmerkmal der Aufklärung in sich und Aufklärung gleicht eigenschaftlich doch immer auch dem Mythos, und zwar in allen geschichtlichem Ausprägungen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Das Moment des dialektischen Umschlags von Aufklärung in Barbarei: Mythos, Aufklärung und instrumentelle Vernunft: Das Kapitel erläutert den dialektischen Zusammenhang zwischen Mythos und Aufklärung sowie die Rolle der instrumentellen Vernunft, die in eine neue Form der Barbarei umschlägt.
II. Das identische Selbst und Entsagung, Verhärtung, schließlich Entfremdung: Dieser Abschnitt thematisiert die psychischen und sozialen Konsequenzen der Vernunftkritik, insbesondere die Entfremdung des Individuums durch die erzwungene Selbstbeherrschung und Entsagung.
III. Eine kritische Bewertung der Dialektik der Aufklärung oder zweimal Hölderlin: Der Autor bewertet das Dilemma der Autoren bei der Suche nach einer Synthese und reflektiert die bleibende Offenheit des Werkes als essenzielles Merkmal der „philosophischen Fragmente“.
Schlüsselwörter
Dialektik der Aufklärung, Horkheimer, Adorno, Instrumentelle Vernunft, Mythos, Selbsterhaltung, Barbarei, Entfremdung, Aporie, Kritische Theorie, Herrschaft, Naturbeherrschung, Negative Dialektik, Subjektivierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert das zentrale Werk von Horkheimer und Adorno, die „Dialektik der Aufklärung“, und untersucht, wie der Prozess der Aufklärung dialektisch in den Mythos und schließlich in Herrschaftsformen umschlägt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den Schwerpunkten gehören das Verhältnis von Vernunft und Herrschaft, die Bedeutung der Odyssee als Zivilisationsgrundtext, die Pathologie der instrumentellen Vernunft sowie das Problem des Subjektsverlusts in der modernen Gesellschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die interne Aporie des Buches aufzudecken, also den Widerspruch zwischen dem totalitären Anspruch der Aufklärungsanalyse und dem gleichzeitigen Wunsch der Autoren, einen positiven Aufklärungsbegriff zu begründen.
Welche methodischen Ansätze werden verfolgt?
Der Autor nutzt eine ideengeschichtliche und textkritische Analyse, die Bezüge zu Hegel, Marx und den russischen Formalisten herstellt, um die Dialektik der Autoren zu hinterfragen.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des dialektischen Umschlags von Aufklärung in Barbarei, die Analyse der individuellen Entfremdung durch Entsagung und eine abschließende kritische Bewertung der dialektischen Methodik.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit maßgeblich?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie instrumentelle Vernunft, mythische Angst, Selbstbeherrschung, Entfremdung und Aporie charakterisiert.
Wie interpretieren Horkheimer und Adorno das Motiv der „Stellvertretung“ in der Odyssee?
Der Autor zeigt auf, wie Horkheimer und Adorno die List des Odysseus als eine frühe Form der instrumentellen Vernunft deuten, bei der die Selbsterhaltung durch den Betrug an der eigenen Natur und den Mitmenschen erkauft wird.
Warum sieht der Autor die „bleibende Offenheit“ des Werkes als so entscheidend an?
Der Autor argumentiert, dass die Unfertigkeit und Offenheit des Buches kein Mangel ist, sondern die einzig ehrliche Konsequenz angesichts einer Aufklärung, die sich selbst durch Totalitarismus und Angst entlarvt hat.
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- Nils Ramthun (Author), 2001, Horkheimers und Adornos Dialektik der Aufklärung und ihr Problem der Aporie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4217