Terror und Konsum - Theoretische Erklärungsversuche für die Veränderung des Konsumentenverhaltens vor dem Hintergrund von terroristischen Anschlägen


Diplomarbeit, 2004
86 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Gliederung

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen
2.1. Konsumentenverhalten
2.1.1. Entwicklung der Konsumentenforschung
2.1.2. Determinanten des Konsumentenverhaltens
2.1.2.1. Aktivierende Prozesse
2.1.2.2. Kognitive Prozesse
2.1.2.3. Umweltfaktoren
2.1.2.4. Situative Faktoren
2.1.3. Der Kaufentscheidungsprozess
2.2. Terrorismus
2.2.1. Begriffsbestimmung
2.2.2. Erscheinungsformen des Terrorismus
2.2.3. Merkmale des Terrorismus
2.2.4. Islamistischer Terrorismus
2.2.5. Entwicklungsprognosen

3. Auswirkung von Terroranschlägen auf das Konsumentenverhalten
3.1. Grundlagen und Aufbau der Untersuchung
3.2. Auswirkungen auf die aktivierenden Prozesse
3.2.1. Angst als Waffe des Terrorismus
3.2.1.1. Zunahme der Ängste in der Bevölkerung
3.2.1.2. Einflussfaktoren der Angstwahrnehmung
3.2.1.3. Übertragung der Ängste auf Objekte und Situationen
3.2.1.4. Auswirkungen der Ängste auf das Konsumentenverhalten
3.2.1.5. Zeitlicher Verlauf der Verhaltensänderungen
3.2.2. Stimmungen
3.2.2.1. Terroranschläge trüben die Befindlichkeit
3.2.2.2. Verhaltenswirksame Folgen negativer Stimmungen
3.2.3. Motivation
3.2.3.1. Verschiebungen auf den Bedürfnisstufen von Maslow
3.2.3.2. Einfluss der Verschiebungen auf das Verhalten
3.2.4. Einstellungen
3.2.4.1. Einstellungsänderungen durch Motivverlagerung
3.2.4.2. Einfluss politischer Einstellungen auf die Produktbeurteilung
3.3. Auswirkungen auf die kognitiven Prozesse
3.4. Auswirkungen auf die Umweltfaktoren
3.4.1. Erfahrungsumwelt
3.4.2. Medienumwelt
3.4.2.1. Einfluss der Medienumwelt auf das Konsumentenverhalten
3.4.3. Kultur
3.4.3.1. Verschiebungen im Wertesystem
3.5. Auswirkungen auf die situativen Faktoren
3.5.1. Wirtschaftliche Folgen von Terroranschlägen
3.5.1.1. Auswirkungen auf das Haushaltseinkommen
3.5.2. Politische und rechtliche Situation
3.6. Auswirkungen auf den Entscheidungsprozess
3.6.1. Veränderung der Risikowahrnehmung
3.6.2. Entscheidungsverhalten in Abhängigkeit der Güterarten

4. Konsequenzen für das Marketing
4.1. Anpassung der Marketinginstrumente
4.1.1. Produktpolitik
4.1.2. Distributions- und Entgeltpolitik
4.1.3. Kommunikationspolitik
4.2. Vertrauensgewinn durch erfolgreiches Krisenmanagement

5. Resümee

Literaturverzeichnis

Eidesstattliche Versicherung

Lebenslauf des Verfassers

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

»Nichts wird mehr so sein, wie es einmal war.« Diese Formulierung war kurz nach den Terroranschlägen des 11. Sep­tember 2001 in sämtlichen Medien präsent.[1] Die Anschläge in den USA symbolisieren den bisherigen Höhepunkt der steigenden Zahl von Terror­an­schlägen und bilden den Ausgangspunkt für eine Vielzahl von politischen und gesellschaftlichen Reaktionen. Durch die Anschläge in Madrid am 11. März 2004 wird darüber hinaus deutlich, dass auch Europa zu einem Ziel des internationalen Terrorismus geworden ist.

Auch wenn wenige Wochen nach einem Anschlag wieder andere Themen die Schlagzeilen beherrschen, ist die politische und ge­sellschaftliche Diskussion weiterhin stark vom Thema Terrorismus geprägt. Nach Wirth wird die Gesellschaft durch Terroranschläge „mit der Erfahrung der Ver­wundbarkeit, der Endlichkeit des Lebens [und] der Hilflosigkeit angesichts des »Bösen« konfrontiert“.[2] Diese Erfahrungen lösen u.a. emotionale Reaktionen in Form von Angst und Verunsicherung aus und führen auf gesellschaftlicher Ebene zu Verschiebungen im Wertesystem.

Nach Kroeber-Riel und Weinberg wird das Konsumenten­verhalten durch eine Vielzahl von Einflussfaktoren bestimmt.[3] Hierzu zählen Emotionen, Motive, Einstellungen, kognitive Prozesse, die Erfahrungs- und Medienumwelt sowie das kulturelle Normen- und Wertesystem. Vor diesem Hintergrund kann vermutet werden, dass durch Terroranschläge verursachte Veränderungen an den verhaltensprägenden Faktoren[4] einen Einfluss auf das Konsumentenverhalten ausüben.

Trotz einer hohen Zahl von Publikationen zum Thema Terrorismus fehlt in der Literatur bisher eine umfassende Analyse der Auswirkungen von Terroranschlägen auf die verhaltensprägenden Faktoren. Die vorliegende Arbeit möchte diese Lücke schließen und damit eine theoretische Grundlage für die Erklärung bestehender und möglicher Veränderungen des Konsumentenverhaltens durch Terroranschläge bieten.

Um den praktischen Nutzen der Untersuchung zu erhöhen, erfolgt am Ende der Arbeit ein Transfer der Ergebnisse in die Marketingpraxis. Neben Maßnahmen für direkt betroffene Branchen, z.B. der Tourismus- oder Luftfahrtsektor, soll dabei aufgezeigt werden, welche »allgemeinen« Chancen und Risiken sich für das Marketing in Folge von Terroranschlägen ergeben.

2. Theoretische Grundlagen

2.1. Konsumentenverhalten

Als Grundlage für die Untersuchung werden zunächst das Arbeits­gebiet und der aktuelle Stand der Konsumentenforschung dargestellt. Im Anschluss daran werden die relevanten verhaltens­bestimmenden Einflussfaktoren beschrieben und abschließend wird der Kaufentscheidungsprozess als Zusammenspiel der einzelnen Faktoren betrachtet.

2.1.1. Entwicklung der Konsumentenforschung

Die Konsumentenforschung hat als angewandte Verhaltenswissen­schaft das Ziel, Konsumentenverhalten zu erklären und die gewonnenen Gesetzmäßigkeiten an die Praxis weiterzugeben.[5] Als verhaltensforschende Wissenschaft ist die Konsumentenforschung interdisziplinär und entspringt neben den naturwissenschaftlichen Fächern Biologie und Physiologie vor allem den sozialwissenschaft­lichen Fächern Ökonomie, Psychologie, Sozialpsychologie und Soziologie.[6]

Hauptnutzer der Konsumentenforschung ist das kommerzielle Marketing.[7] Marketing ist nach Meffert „die bewusste marktorientierte Führung des gesamten Unternehmens.“[8] Mit Hilfe der Erkenntnisse der Konsumentenforschung sollen Aussagen zu den so genannten »7 K’s« getroffen werden: Wer kauft? (Kauf­entscheidungsträger), Was? (Kaufgegenstand), Warum? (Kaufmotiv), Wie? (Kaufentscheidungsprozess), Wie viel? (Kauf­menge), Wann? (Kaufzeitpunkt), Wo und bei Wem? (Kaufort).[9] Da die Kundenorientierung auf gesättigten Märkten entscheidend den Erfolg eines Unternehmens beeinflusst, bieten die Erkenntnisse der Konsumentenforschung die Grundlage für die Optimierung der einzelnen Marketingmaßnahmen.[10]

Aufgrund der Tatsache, dass nicht jede Marketingmaßnahme notwendigerweise dem Individuum oder der Gesellschaft dient, wird die starke Ausrichtung auf das Marketing in jüngster Zeit vermehrt kritisiert und eine neutrale Position der Konsumentenforschung gefordert.[11] Vor diesem Hintergrund werden nicht nur marketing­spezifische Fragestellungen behandelt, sondern auch Aussagen für die Verbraucherpolitik, das Wettbewerbsrecht und die Wirtschafts­politik formuliert.[12] Dieses auch in der vorliegenden Arbeit verwendete Verständnis der Konsumentenforschung umfasst eben­falls die Untersuchung der Auswirkungen von externen Effekten wie z.B. eine Steuererhöhung auf das Konsumentenverhalten.[13]

Innerhalb der Konsumentenforschung existieren verschiedene Ansätze zur Erklärung des Konsumentenverhaltens. Beim behavioristischen Ansatz wird der Mensch als ‚black-box’ betrachtet und es werden lediglich beobachtbare und messbare Stimuli und Reaktionen erfasst.[14] Der dominierende neobehavioristische Ansatz ersetzt die ‚black-box’ durch das Konstrukt der »intervenierenden Variablen«, welches die nicht direkt beobachtbaren, internen Vorgänge im Menschen abbilden soll.[15] Das Konstrukt der »intervenierenden Variablen« besteht aus aktivierenden und kogniti­ven Prozessen[16], deren Determinanten im folgenden Abschnitt näher dargestellt werden.

Bei den Forschungsparadigmen konkurrieren der positivistische und der verstehende Ansatz. Ziel des auf der erfahrungs­wissenschaft­lichen Erkenntnistheorie beruhenden positivistischen Ansatzes ist es, allgemein gültige und empirisch prüfbare Aussagen mit Hilfe von Hypothesen und Theorien zu erlangen.[17] Dieser vorherrschende Ansatz wird stark von kognitiven Theorien beeinflusst, die das Verhalten als Ergebnis von nicht unmittelbar reizabhängigen Informationsverarbeitungspro­zessen betrachten.[18] Bei dieser Sicht­weise wird das Konsumentenverhalten als vergleichsweise konsistent, rational und somit berechenbar beschrieben.[19]

Die Aussagen der bisher vorgestellten Ansätze boten nur einen begrenzten praktischen Nutzen für die Erklärung von hybridem und irrationalem Konsumentenverhalten. Aus diesem Grund kam es in den letzten Jahren zu einer deutlichen Bedeutungszunahme des verstehenden Ansatzes. Bei diesem soll das Verhalten der Konsumenten „mittels semiotischer und hermeneutischer Verfahren aus einem symbolischen oder realen Sinnzusammenhang erschlos­sen“[20] und interpretiert werden. Verstärkt wird dieser Wandel durch die Erkenntnis, dass Emotionen einen größeren Einfluss auf das Konsumentenverhalten haben als in der kognitiven Theorie postuliert wird.

Aufgrund der komplexen und vielfach noch unbekannten Wirkungs­zusammenhänge der einzelnen Einflussfaktoren existieren nur sehr abstrakte Totalmodelle des Konsumentenverhaltens. Aus diesem Grund richten sich die Bemühungen der Konsumentenforschung darauf, Modelle geringerer Reichweite zu entwickeln, die lediglich Ausschnitte des Konsumentenverhaltens betrachten und eine Umsetzung in überprüfbare Hypothesen zulassen.[21]

2.1.2. Determinanten des Konsumentenverhaltens

In der Literatur existiert eine Vielzahl verschiedener Systematiken von Einflussfaktoren des Konsumentenverhaltens. Als Grundlage für diese Arbeit dient in Anlehnung an Kroeber-Riel eine Einteilung in aktivierende Prozesse, kognitive Prozesse und Umweltfaktoren. Koppelmann weißt in seinem System der verhaltensprägenden Faktoren darüber hinaus auf die Bedeutung von situativen Faktoren hin.[22] Aufgrund der großen Bedeutung von situativen Einflüssen für diese Arbeit wird die Gliederung um diesen Einflussbereich ergänzt.

Die Einordnung der im Inneren des Menschen stattfindenden psychischen Vorgänge in aktivierende und kognitive Prozesse darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese voneinander nicht unabhängig sind, sondern komplexe Interdependenzen bestehen.[23] Darüber hinaus haben die Umwelt- und Situationsfaktoren einen starken Einfluss auf die psychischen Prozesse, während das Indivi­duum als Teil der Gesellschaft wiederum auf diese einwirken kann.[24]

2.1.2.1. Aktivierende Prozesse

Aktivierende Prozesse sind mit einem Zustand der inneren Erregung und Spannung verbunden und dienen als menschliche Antriebs­kraft.[25] Im Mittelpunkt dieser psychischen Vorgänge stehen Emotion, Motivation und Einstellung des Konsumenten.[26] Das häufig ebenfalls zu den aktivierenden Prozessen gezählte Konstrukt der Werte wird aufgrund der starken kulturellen Einflüsse in dieser Arbeit bei der Darstellung der Umweltfaktoren betrachtet.

Die Emotion wird als mehr oder weniger bewusst erlebter und zeitlich begrenzter Erregungszustand beschrieben und ist durch eine positive oder negative Gefühlsrichtung, Intensität und Art gekenn­zeichnet.[27] Emotionen wie z.B. Freude oder Angst haben einen großen Einfluss auf das menschliche Verhalten[28] und werden im Marketing zur Beeinflussung der Konsumenten u.a. bei der Werbe­mittelgestaltung eingesetzt.[29] Bei der Untersuchung der Auswirkungen von Terroranschlägen auf die Emotionen spielen Ängste eine wesentliche Rolle. Dorsch definiert Angst als „ein mit Beengung, Erregung, Verzweiflung verknüpftes Lebensgefühl, dessen besonderes Kennzeichen die Aufhebung der willensmäßigen und verstandesmäßigen ‚Steuerung’ der Persönlichkeit ist.“[30] Angst wird durch die Wahrnehmung von Situationen ausgelöst, in denen wichtige Werte wie z.B. Gesundheit oder Freiheit bedroht sind.[31]

Eng verbunden mit den Emotionen ist das Konstrukt der Stimmun­gen. Stimmungen werden als relativ ungerichtete, subjektiv erfahrene Befindlichkeit definiert.[32] Im Gegensatz zu den auf bestimmte Gegenstände, Ereignisse oder Personen ausgerichteten Emotionen sind Stimmungen ungerichtet, länger andauernd und weniger intensiv.[33]

Motive werden definiert als „Emotionen (und Triebe), die mit einer Zielorientierung in Bezug auf das Verhalten verbunden sind.“[34] Die Zielorientierung kann als Bedürfnis dargestellt werden, durch das ein Zustand der Spannung ausgelöst wird. Diese Spannung treibt den Menschen dazu an, durch sein Verhalten das Bedürfnis zu redu­zieren oder zu beseitigen.[35] Eine viel beachtete Motivationstheorie liefert Maslow[36] durch den Entwurf einer Bedürfnispyramide, mit der fünf Stufen von grundlegenden Motiven beschrieben werden. Auf der untersten Stufe stehen die biologischen Grundbedürfnisse gefolgt von dem Sicherheitsbedürfnis, dem Bedürfnis nach sozialem Kontakt und dem Bedürfnis nach sozialer Anerkennung. Auf der höchsten Stufe steht das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung. Nach Maslow sind die Bedürfnisse hierarchisch angeordnet und erst wenn das Bedürfnis einer Stufe weitgehend befriedigt ist, wird die nächste Bedürfnisstufe angestrebt. Während die ersten vier Bedürfnisse als »Defizitbedürfnisse« nach einer Befriedigung keine weitere Moti­vation verursachen, löst das Selbstverwirklichungsbedürfnis als »Wachstumsbedürfnis« eine anhaltende Motivation aus.[37]

Einstellungen können als Motive kombiniert mit einer Gegenstands­beurteilung definiert werden.[38] Im Vergleich zu Emotionen sind Einstellungen relativ beständig und durch den Beurteilungsvorgang stark mit kognitiven Prozessen verknüpft.[39] Bei der Erfassung von Einstellungen kann zwischen spezifischen und relativ unspezifischen Einstellungen unterschieden werden.[40] Während sich unspezifische Einstellungen auf übergeordnete Begriffe und Gruppen beziehen, sind spezifische Einstellungen mit konkreten Produkten, Dienst­leistungen oder Personen verknüpft. Einstellungen haben insbesondere im Rahmen des Entscheidungsprozesses einen großen Einfluss auf das Konsumentenverhalten.[41] Für das Marketing ist es wichtig, die einstellungsrelevanten Merkmale zu identifizieren und mit Hilfe der verschiedenen Marketinginstrumente zu beeinflussen.

2.1.2.2. Kognitive Prozesse

Kognitive Prozesse können als gedankliche, rationale Vorgänge beschrieben werden, mit deren Hilfe das Individuum Kenntnis von sich selbst und seiner Umwelt erhält.[42] Während das Individuum durch die aktivierenden Prozesse zu Verhaltensweisen veranlasst wird, steuern die kognitiven Prozesse durch Reflexion, Kontrolle und auf Grundlage von gelerntem Wissen den Ablauf dieser Verhaltensweisen.[43] Neben dem Wissen gehören u.a. Wahrnehmung, Beurteilen, Lernen, Gedächtnis und Intelligenz zu den Konstrukten innerhalb der kognitiven Prozesse. Im Rahmen der kognitiven Theorie werden diese Konstrukte in Analogie zum elektronischen Informationsverarbeitungsprozess in Informations-aufnahme, Informationsverarbeitung und Informations­speicherung eingeteilt.[44] Vor dem Hintergrund dieser Theorie bilden der Produktbeurteilungsprozess, das Produktwissen und das Lernen und Vergessen von Werbebotschaften einen Schwerpunkt in der Konsumentenforschung.

Durch die Vorherrschaft der kognitiven Theorie in der Konsumen­tenforschung wird erst in jüngster Zeit verstärkt der Einfluss von Emotionen auf die kognitiven Prozesse betrachtet. Hierbei zeigt sich, dass emotionale Vorgänge stärker als angenommen in die kognitiven Prozesse eingreifen.[45]

2.1.2.3. Umweltfaktoren

Die Umwelt des Individuums lässt sich unterteilen in die durch direkten Kontakt wahrnehmbare Erfahrungsumwelt und die indirekt durch Medien vermittelte Medienumwelt.[46] Die Erfahrungsumwelt lässt sich wiederum differenzieren in die soziale und die physische Umwelt, die u.a. durch das Klima, die Landschaft oder die vom Menschen geschaffene Infrastruktur geprägt wird.[47] Die soziale Umwelt wird u.a. durch die Familien-, Gruppen-, Rollen- und Schichteinflüsse bestimmt.[48]

Die Medienumwelt wirkt neben dem Fernsehen verstärkt durch interaktive Medien auf das Individuum ein und vermittelt dem Menschen neben der realen Umwelt eine zweite Wirklichkeit.[49] Die Agenda-Setting-Theorie besagt, dass insbesondere die Massen­medien als Leitmedium dafür verantwortlich sind, welche Themen in der Bevölkerung diskutiert werden[50] und dabei einen Deutungs- & Bewertungsrahmen vorgeben.[51]

Als übergeordneter Umweltfaktor wird die Kultur betrachtet. Sie wird als Übereinstimmung der durch Symbole erworbenen und weitergegebenen Denk- und Verhaltensmuster einer Gruppe von Individuen definiert.[52] Durch das Zusammenwirken von Erfahrungs- und Medienumwelt werden dem Individuum im Rahmen des Sozialisationsprozesses die kulturellen Muster vermittelt.[53] Die kulturellen Muster haben in Form von Normen und Werten einen bedeutenden Einfluss auf das Konsumentenverhalten. Während Normen dem Individuum Vorgaben darüber liefern, was von ihm in der Gesellschaft erwartet wird,[54] haben Werte einen stärkeren indivi­duellen Einfluss. Werte stellen etwas Wünschenswertes dar[55] und werden als „innere Führungsgrößen des menschlichen Tuns und Lassens“[56] definiert, die überall dort wirksam sind, „wo nicht biolo­gische ´Triebe´, Zwänge oder ´rationale´ Nutzenerwägungen den Ausschlag geben.“[57]

2.1.2.4. Situative Faktoren

Die Schwerpunkte der situativen Faktoren liegen in den wirtschaft­lichen und politischen Situationseinflüssen. Die wirtschaftliche Situation des Individuums wird im Wesentlichen durch das Haus­haltseinkommen bestimmt und ist abhängig von konjunkturellen und branchenspezifischen Schwankungen.[58] Der finanzielle Spielraum zur Befriedigung der Konsumbedürfnisse wird durch das nach Abzug aller Abgaben frei verfügbare Einkommen abgesteckt.[59] Neben dem realen Einkommen haben auch Erwartungen über die zukünftige Konjunkturentwicklung einen entscheidenden Einfluss auf das Investitions- und Sparverhalten der Konsumenten.[60]

Auch die Politik hat einen bedeutenden Einfluss auf die Investitions- und Sparneigung der Bevölkerung. Dabei spielt besonders das Vertrauen in die politische Führung bei der Bewältigung wirtschaftspolitischer Aufgaben eine große Rolle. Außenpolitische Bedrohungen durch Kriege wirken sich ebenfalls auf das Verhalten der Konsumenten aus.[61]

Neben den direkten Auswirkungen der Steuergesetze auf das Haus­haltseinkommen hat die Gesetzgebung z.B. durch Sonderabgaben oder das Ladenschlussgesetz weitreichende Einflussmöglichkeiten auf das Konsumentenverhalten.[62]

2.1.3. Der Kaufentscheidungsprozess

Der Kaufentscheidungsprozess kann als Zusammenspiel der aktivie­renden und kognitiven Prozesse betrachtet werden.[63] Durch ihren Einfluss auf die psychischen Prozesse wirken die Umwelt- und Situationsfaktoren ebenfalls auf den Entscheidungsprozess ein. Das in dieser Arbeit verwendete Verständnis des Entscheidungsver­haltens umfasst den gesamten Prozess von der Produktwahrnehmung bis zur Entscheidung für oder gegen den Produktkauf.

Lange Zeit wurden die kognitiven Prozesse als dominierende Einflussfaktoren des Kaufentscheidungsprozesses betrachtet und die Konsumenten als rein rational entscheidende Wesen dargestellt. Erst in jüngster Zeit wird die große Bedeutung der aktivierenden Prozesse für die Erklärung des Entscheidungsverhaltens hervorgehoben.[64]

In der Konsumentenforschung wird abhängig von den dominie­renden Prozessen zwischen vier Arten von Entscheidungen differenziert. Extensive Kaufentscheidungen zeichnen sich durch eine hohe kognitive Beteiligung zusammen mit einer starken emotio­nalen Schubkraft aus.[65] Limitierte Kaufentscheidungen werden überlegt gefällt und beruhen auf Wissen und Erfahrung. Emotionale Prozesse spielen nur eine untergeordnete Rolle.[66] Auf habitualisierte Entscheidungen als routinemäßiges Verhalten haben sowohl kognitive als auch aktivierende Prozesse einen geringen Einfluss. Impulsive Kaufentscheidungen sind dagegen unmittelbar reizgesteuert und mit einer starken Aktivierung verbunden.[67]

Zur Differenzierung des persönlichen Engagements während des Entscheidungsprozesses wird das kognitivistisch geprägte Konstrukt Involvement verwendet. Nach Trommsdorff ist das Involvement definiert als der „Aktivierungsgrad bzw. die Motivstärke zur objekt­gerichteten Informationssuche, -aufnahme, -verarbeitung und –speicherung.“[68] Extensive Kaufentscheidungen sind mit einem hohen Involvement verbunden und u.a. durch aktive Informationssuche, hohe Verarbeitungstiefe, Einbeziehung vieler Produktmerkmale und großen sozialen Einfluss gekennzeichnet.[69] Abhängig von der Situation und dem Objekt dominieren unter­schiedliche Haushaltsmitglieder den Entscheidungsprozess.

Das wahrgenommene Risiko und die individuelle Risikoneigung beeinflussen ebenfalls den Entscheidungsprozess.[70] Das wahr-genom­mene Risiko kann als eine auf kognitiven Einschätzungen beruhende Unsicherheit bei der Bewertung der Handlungsfolgen bezeichnet werden.[71] Nach einer vielfach bestätigten Hypothese versucht der Konsument mit Hilfe verschiedener Strategien das wahrgenommene Risiko zu reduzieren, sobald eine von der indivi­duellen Risikoneigung abhängige Toleranzschwelle überschritten wird.[72] Zu den möglichen Strategien zählt u.a. eine gesonderte Absicherung, eine verstärkte Informationssuche zur Reduzierung der Unsicherheit oder das Ausweichen auf eine bekannte Alternative.

2.2. Terrorismus

2.2.1. Begriffsbestimmung

Etymologisch leitet sich »Terror« vom lateinischen Verb »terrere« ab und kann mit »erschrecken« oder »zum Zittern bringen« übersetzt werden.[73] Erstmals wurde der Begriff während der französischen Revolution zur Bezeichnung der gewaltsamen Regierungsmaß­nahmen verwendet. Abhängig von den unterschiedlichen Definitionen ist das Phänomen des Terrorismus jedoch schon bedeutend älter.

Der Begriff Terrorismus ist mit einer stark negativen Bewertung verbunden und die wenigsten Gruppen bezeichnen sich selbst oder ihre Aktivitäten als terroristisch.[74] Sie sehen sich vielmehr als Freiheitskämpfer oder Gotteskrieger, die einen gerechten Krieg gegen den Staat oder den ungläubigen Gegner führen.[75] Die Einord­nung als Terroristen erfolgt grundsätzlich durch die andere Seite und beinhaltet dabei eine Rechtfertigung für ihre Bekämpfung.[76] Vor diesem Hintergrund existiert sowohl in der Terrorismusforschung als auch innerhalb der Vereinten Nationen keine allgemein anerkannte Definition von Terrorismus.[77]

Aus der Vielzahl der häufig politisch motivierten Definitionen wird die weitgehend neutrale Definition von Hess als Grundlage für diese Arbeit vorgeschlagen. Nach Hess ist „Terrorismus eine Reihe von vorsätzlichen Akten direkter, physischer Gewalt, die punktuell und unvorhersehbar, aber systematisch mit dem Ziel psychischer Wirkung auf andere als das physisch getroffene Opfer im Rahmen einer politischen Strategie ausgeführt werden.“[78]

2.2.2. Erscheinungsformen des Terrorismus

Auf der Grundlage der Definition von Hess kann zwischen Terrorismus als Waffe der Macht und Terrorismus als Waffe gegen die Macht differenziert werden.[79] Der Staatsterrorismus als repres­sive Machtausübung totalitärer Diktaturen[80] wird in dieser Arbeit nicht weiter betrachtet. Innerhalb des Terrorismus gegen die Macht wird zwischen nationalem und internationalem Terrorismus unter­schieden. Der innerstaatliche Terrorismus ist in den westlichen Industrieländern vorwiegend durch sozialrevolutionäre oder ethno­separatistische Ideologien geprägt worden.[81] In Deutschland führte die RAF[82] einen auf sozialrevolutionären Theorien beruhenden Kampf gegen »das System«, auf dessen Höhepunkt in den 70er Jahren sogar eine Staatskrise drohte.[83] Die ETA[84] in Spanien und die IRA[85] in Irland haben dagegen ihren Ursprung in der Autonomie­bewegung einer ethnischen Gemeinschaft. Der Terror im Nahen Osten ist geprägt durch den Konflikt zwischen Israel und palästinen­sischen Terrorgruppen, die für einen eigenen Staat auf israelischem Gebiet kämpfen.[86]

Zeitgleich mit der als Globalisierung bezeichneten Internationali­sierung der wirtschaftlichen, politischen und sozialen Beziehungen findet in den letzen Jahren ein Wandel vom innerstaatlichen zum internationalen Terrorismus statt. Der Aktionsraum ist nicht mehr auf einzelne Länder beschränkt und hat sich von einer innerstaat­lichen Bedrohung zu einer Herausforderung der internationalen Ordnung gewandelt.[87] Für viele Terrorismusforscher und Politiker stellt gegenwärtig der islamistische Terrorismus die größte Bedro­hung innerhalb des internationalen Terrorismus dar.[88]

2.2.3. Merkmale des Terrorismus

Terrorismus unterscheidet sich von gewöhnlicher Kriminalität und Banditentum durch die Dominanz politischer Ziele.[89] Das Hauptziel besteht in der Destabilisierung und dem Zusammenbruch der angegriffenen Macht. Bei vielen Terrorgruppen besteht ein weiteres Ziel in der Ansprache des »als interessiert unterstellten Dritten«,[90] der Sympathie und Beistand für das politische Anliegen aufbringen soll.[91]

Ein Merkmal von Terrororganisationen ist ihre verhältnismäßig geringe Gruppenstärke. Aufgrund der geringen Größe und fehlender Waffen suchen Terrorgruppen im Gegensatz zur Guerilla nicht den direkten Angriff der Macht mit militärischen Mitteln.[92] Das Agieren als kleine Gruppe aus dem Untergrund erschwert wiederum eine militärische Bekämpfung der Terrororganisation. Für Waldmann ist der Terrorismus primär eine »kommunikative Strategie«, deren Ziel die »Provokation der Macht« durch einen schwächeren Konkur­renten ist.[93] Durch einzelne Aktionen mit verhältnismäßig geringem logistischem und materiellem Aufwand entsteht eine »Asymmetrie der Mittel«,[94] die den betroffenen Staat mit seinen komplexen Verteidigungsstrukturen herausfordert.

Der Wirkungsmechanismus dieser »punktuellen Signale«[95] wird durch das Dreierschema von Walter[96] dargestellt. Danach besteht Terror aus einem Gewaltakt oder dessen Androhung, einer emotio­nalen Reaktion und bestimmten Verhaltensweisen der angegriffenen Macht als Konsequenz der emotionalen Reaktion.[97]

Zu den häufigsten Gewaltakten zählen die gezielte Entführung oder Ermordung von Personen des öffentlichen Lebens, Flugzeug­entführungen und Bombenanschläge. Während der Personenkreis bei gezielten Entführungen und Ermordungen begrenzt ist, besteht durch Flugzeugentführungen und Bombenanschläge eine Bedrohung für die gesamte Bevölkerung. Zu den Zielen von Bombenanschlägen zählen abhängig von den Motiven der Terrororganisation sowohl staatliche Einrichtungen als auch der gesamte öffentliche Raum der angegriffenen Gesellschaft. Besonders bedroht sind kritische Infra­strukturen als „Organisationen oder Einrichtungen mit (lebens-) wichtiger Bedeutung für das staatliche Gemeinwesen.“[98] Hierzu zählen u.a. das Transport- und Verkehrswesen, das Bank-, Finanz- und Versicherungswesen sowie die Energieversorgung.[99]

Bei der Auswahl des Anschlagsziels steht die symbolische Bedeutung des Anschlags im Vordergrund. Der Angriff auf gesellschaftliche Symbole und durch sie ausgedrückte Wert­haltungen erzielt die zur Kommunikation der Botschaft benötigte Medienaufmerksamkeit und führt zu starken emotionalen Reak­tionen in der Bevölkerung.[100] Vor dem Hintergrund der zunehmenden Informationsüberflutung müssen die Terrororganisationen nach Rötzer „immer größere und beeindruckendere Spektakel realisieren (...) um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu gewinnen.“[101] Der »Schockeffekt« ist „zentraler Bestandteil terroristischer Logik und Strategie.“[102]

Der Schwerpunkt der terroristischen Strategie liegt jedoch nicht auf den unmittelbar physischen Auswirkungen der Anschläge sondern auf den psychischen Reaktionen in der Bevölkerung.[103] Durch die Anschläge soll in der Bevölkerung sowohl Angst als auch Sympathie und Schadenfreude ausgelöst werden.[104] Die Angst soll „das Vertrauen in den Staat und seine Fähigkeit, die Bürger zu schützen“[105] untergraben und den Staat zu, in den Augen Dritter, entlarvenden Verhaltensweisen veranlassen.[106] Die komplexen wirt­schaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Verflechtungen sollen durch ein Klima der Angst und Ungewissheit gestört werden und am Ende zu einer Kapitulation der angegriffenen Macht führen.[107] Da Einzelaktionen die Erwartungsmuster der Bevölkerung langfristig nicht verändern, müssen die Anschläge zur Aufrecht­erhaltung der Bedrohung in regelmäßigen Abständen wiederholt werden.[108]

2.2.4. Islamistischer Terrorismus

Aufgrund der Tatsache, dass der islamistische Terrorismus weit­gehend versteckt im Untergrund agiert, existieren wenig wissenschaftlich überprüfbare Aussagen über dieses Phänomen. Die meisten Informationen stammen von westlichen Geheimdiensten oder aus übermittelten Botschaften der Terrororganisationen und sind durch die jeweiligen politischen Motive beeinflusst. Vor diesem Hintergrund kann die nachfolgende Darstellung nur als bedingt wissenschaftlich betrachtet werden.

Islamistische Terroristen zeichnet ein religiös motivierter Fana­tismus[109] aus, der sie zu der Überzeugung führt, gegen ein Regime zu kämpfen, das jeglicher Legitimität entbehrt.[110] Durch eine Verzerrung der islamischen Vorstellung vom Märtyrertum wird dabei auch der Einsatz von Selbstmordattentaten gerechtfertigt.[111]

Die Terrorgruppe Al Qaida[112] stellt die bedeutendste Terror­organi­sation innerhalb des islamistischen Terrorismus dar und ihr Anführer Osama Bin Laden hat dem Terror weltweit ein Gesicht gegeben.[113] Al Qaida wird u.a. für die Anschläge am 11. September 2001 in den USA und am 11. März 2004 in Madrid verantwortlich gemacht. Um die Terrororganisation Al Qaida hat sich ein Netzwerk aus verschie­denen islamistischen Terrorgruppen gebildet.[114] Innerhalb des Netzwerkes bietet die Al Qaida neben einer Ausbildungsplattform finanzielle und logistische Unterstützung bei der Durchführung von Anschlägen. Das Netzwerk ist „nicht hierarchisch strukturiert, sondern wird zusammen gehalten durch ein gemeinsames Feindbild und Ziel als Ideologie.“[115]

Neben der bekämpften Regierung in ihren jeweiligen Ursprungs­ländern sind der Westen und besonders die USA das übergeordnete Feindbild. In den Augen der Terrororganisationen unterstützt die USA bei der Durchsetzung ihrer vitalen Interessen im Nahen und Mittleren Osten die von den Gruppen bekämpften Regime.[116] Das weltwirtschaftliche und weltpolitische Machtungleichgewicht zwischen der arabisch-islamischen und der westlichen Welt provoziert unter vielen Muslimen ein latentes Gefühl der Benach­teiligung.[117] In dem „zur Schau getragenen Individualismus des Westens“[118] sehen insbesondere die islamischen Fundamentalisten einen Angriff auf ihre religiös geprägte Identität.

Die politischen Ziele des Netzwerks sind unter Terrorismusforschern umstritten. Während viele die Bekämpfung der westlichen Einflüsse und die Errichtung eines islamistischen Gottesstaates in den Ursprungsländern als Ziel ansehen, stellen einige die Existenz eines politischen Ziels in Frage.[119] Für sie hat sich der durch rational nach­vollziehbare Ziele und Ideologien geprägte Terrorismus zu einem »irrationalen Destruktionsphänomen« gewandelt.[120]

In den Ursprungsländern der Terrorgruppen stehen westliche Botschaften, wirtschaftliche und logistische Knotenpunkte sowie touristische Einrichtungen als Anschlagsziele im Vordergrund.[121] Aufgrund der wirtschaftlichen Abhängigkeit vom Tourismus und der zumeist ausländischen Opfer wird sowohl die verhasste Staatsmacht als auch die westliche Staatengemeinschaft getroffen. Touristische Ziele sind relativ leicht anzugreifen und die Anschläge erzielen eine hohe internationale Medienaufmerksamkeit.[122] Durch Anschläge auf internationale Transportwege wie z.B. Ölpipelines oder Schiff­fahrtswege sollen besonders die von den Rohstoffen abhängigen Industrieländer getroffen werden.

Bei Anschlägen auf dem Gebiet der westlichen Staatengemeinschaft werden bewusst Ziele mit symbolischer Bedeutung ausgewählt. Um die gewünschte Schockwirkung und Medienaufmerksamkeit zu erreichen, werden hohe Opferzahlen und große materielle Schäden bei der Planung der Anschläge einkalkuliert.[123]

2.2.5. Entwicklungsprognosen

Das begrenzte Wissen über die verschiedenen Terrororganisationen macht es äußerst schwierig, Aussagen über die zukünftige Entwick­lung des Terrorismus zu treffen.[124]

Viele Beobachter und Politiker befürchten eine Zunahme von Anschlägen als Druckmittel gegen die Regierung. Putin bezeichnet den Terrorismus sogar als „die Pest des 21. Jahrhunderts“[125]. Terrorismusexperten prophezeien verheerende Anschläge auf kritische Infrastrukturen, bei denen auch biologische, chemische oder atomare Waffen zum Einsatz kommen könnten.[126]

Kritiker schätzen die reale Gefährdung deutlich geringer ein und beklagen einen Missbrauch der Ängste in der Bevölkerung für politische und wirtschaftliche Zwecke. Für sie dient die terroristische Bedrohung u.a. zur Rechtfertigung militärischer Inter­ventionen[127] und zur Beschneidung der persönlichen Freiheit durch verschärfte Sicherheitsgesetze.[128]

Die jüngsten Anschläge in Madrid und die geringen Erfolge bei der bisherigen Terrorismusbekämpfung deuten jedoch auf eine anhal­tende Bedrohung durch den internationalen Terrorismus hin. Die von den USA angeführten Kriege gegen Afghanistan und den Irak sowie der international kritisierte Umgang mit den Gefangenen haben die Feindseligkeit in der arabischen Welt gegen die USA und ihre Verbündeten weiter verschärft. Als führende westliche Industrienation und durch seinen Militäreinsatz in Afghanistan ist nach Einschätzung des Bundesinnenministers auch Deutschland Teil des Gefahrenraums.[129]

Die Bereitschaft zur Tötung einer großen Zahl von Zivilisten und die Geringschätzung des eigenen Lebens machen die Terroristen bei der Planung von Anschlägen zunehmend unberechenbar. Die Aussicht auf eine politische Lösung durch Verhandlungen mit religiös motivierten Fanatikern ist dabei stark begrenzt.[130]

[...]


[1] vgl. Horx, M. (Das Unsicherheitszeitalter 2001), S. 3

[2] Wirth, H.J. (Macht, Narzissmus, Destruktivität 2003), S. 76

[3] vgl. Kroeber-Riel, W. / Weinberg, P. (Konsumentenverhalten 2003)

[4] Anm. d. Verf.: Die ‚verhaltensprägenden Faktoren’ nach Koppelmann decken sich weitgehend mit der in dieser Arbeit verwendeten Systematik der Einflussfaktoren nach Kroeber-Riel und Weinberg. Vgl.: Koppelmann, U. (Produktmarketing 1997), S. 33ff

[5] vgl. Kroeber-Riel, W. / Weinberg, P. (Konsumentenverhalten 2003), S. 8

[6] vgl. Trommsdorff, V. (Konsumentenverhalten 1998), S. 17

[7] ebenda, S. 21

[8] Meffert, H. (Marketing 1986), S. 29

[9] vgl. Kotler, P./Bliemel, F. (Marketing-Management 1999), S. 307f

[10] vgl. Solomon, M. et al. (Konsumentenverhalten 2001), S. 39

[11] ebenda, S. 39

[12] vgl. Trommsdorff, V. (Konsumentenverhalten 1998), S. 22f

[13] ebenda, S. 23

[14] vgl. Behrens, G. (Konsumentenverhalten 1991), S. 17

[15] ebenda, S. 17f

[16] vgl. Kroeber-Riel, W. / Weinberg, P. (Konsumentenverhalten 2003), S. 30

[17] vgl. Weinberg,P. et al. (Konsumentenverhalten 2003), S. 4

[18] vgl. Kroeber-Riel, W. / Weinberg, P. (Konsumentenverhalten 2003), S. 23

[19] vgl. Schüppenhauer, A. (Multioptionales Konsumentenverhalten 1996), S. 6

[20] vgl. Kroeber-Riel, W. / Weinberg, P. (Konsumentenverhalten 2003), S. 15

[21] vgl. ebenda, S. 376f

[22] vgl. Koppelmann, U. (Produktmarketing 1997), S. 73

[23] vgl. ebenda, S. 49

[24] vgl. Koppelmann, U. (Produktmarketing 2001), S. 58

[25] vgl. ebenda, 49ff

[26] vgl. ebenda, S. 53

[27] vgl. Trommsdorff, V. (Konsumentenverhalten 1998), S. 61

[28] vgl. Behrens, G. (Konsumentenverhalten 1991), S. 65

[29] Für den Einsatz von Angst in der Werbung siehe: Seel, B. R. (Die Angst in der Werbung 1983)

[30] Dorsch, F. (Dorsch Psychologisches Wörterbuch 1987), S. 34

[31] vgl. Becker, P. (Studien zur Psychologie der Angst 1980), S. 20

[32] vgl. Silberer, G. / Jaekel, M. (Marketingfaktor Stimmungen 1996), S.20

[33] vgl. ebenda, S. 16ff

[34] vgl. Kroeber-Riel, W. / Weinberg, P. (Konsumentenverhalten 2003), S. 53

[35] vgl. Solomon, M. et al. (Konsumentenverhalten 2001), S. 119

[36] Maslow, A.H. (Motivation and Personality 1954)

[37] vgl. Kroeber-Riel, W. / Weinberg, P. (Konsumentenverhalten 2003), S. 146

[38] vgl. Koppelmann, U. (Produktmarketing 2001), S. 45

[39] vgl. Trommsdorff, V. (Konsumentenverhalten 1998), S. 143

[40] vgl. Kroeber-Riel, W. / Weinberg, P. (Konsumentenverhalten 2003), S. 177

[41] vgl. ebenda, S. 175

[42] vgl. Kroeber-Riel, W. / Weinberg, P. (Konsumentenverhalten 2003), S. 225

[43] vgl. Koppelmann, U. (Produktmarketing 2001), S. 51

[44] vgl. Kroeber-Riel, W. / Weinberg, P. (Konsumentenverhalten 2003), S. 225

[45] vgl. Zajonc, R. B. (Feeling and Thinking 1980), S.151

[46] vgl. Kroeber-Riel, W. / Weinberg, P. (Konsumentenverhalten 2003), S. 419

[47] vgl. ebenda, S.419

[48] vgl. Koppelmann, U. (Produktmarketing 2001), S. 58f

[49] vgl. Kroeber-Riel, W. / Weinberg, P. (Konsumentenverhalten 2003), S. 571

[50] vgl. Fischer, L. / Wiswede, G. (Sozialpsychologie 1997), S. 320f

[51] vgl. Junge, M. (Die Deutungen des 11. September 2003), S. 127

[52] vgl. Kroeber, A.L. / Kluckhohn, C. (Culture 1952), S. 181

[53] vgl. Kroeber-Riel, W. / Weinberg, P. (Konsumentenverhalten 2003), S. 553

[54] vgl. Homanns, G.C. (Theorie der sozialen Gruppe 1978), 136

[55] vgl. Kluckhohn, C. (Values and Value-Orientation 1962), S. 395

[56] Kmieciak, P. (Wertestrukturen und Wertewandel 1976), S. 9

[57] ebenda, S. 9

[58] vgl. Koppelmann, U. (Produktmarketing 1997), S. 73

[59] vgl. Trommsdorff, V. (Konsumentenverhalten 1998), S. 134

[60] vgl. Koppelmann, U. (Produktmarketing 1997), S. 73

[61] vgl. Eckstein, Z. / Tsiddon, D. (macroeconomic consequences of terror 2004), S. 31

[62] vgl. Trommsdorff, V. (Konsumentenverhalten 1998), S. 23

[63] vgl. Kroeber-Riel, W. / Weinberg, P. (Konsumentenverhalten 2003), S. 368

[64] vgl. ebenda, S. 369f

[65] vgl. Weinberg, P. et al. (Konsumentenverhalten 2003), S. 89f

[66] vgl. Kroeber-Riel, W. / Weinberg, P. (Konsumentenverhalten 2003), S. 384

[67] vgl. ebenda, S. 409ff

[68] Trommsdorff, V. (Konsumentenverhalten 1998), S. 50

[69] vgl. ebenda, S. 50f

[70] vgl. Koppelmann, U. (Produktmarketing 1997), S. 59f

[71] vgl. Kroeber-Riel, W. / Weinberg, P. (Konsumentenverhalten 2003), S. 397f

[72] vgl. ebenda, S. 399

[73] vgl. Jain, A. K. (Terror 2003), S. 32

[74] vgl. Simon, F. B. (Was ist Terrorismus? 2002), S. 13

[75] vgl. Auchter, T. (Angst, Hass und Gewalt 2003), S. 146f

[76] vgl. Waldmann, P. (Terrorismus 2000), S. 15

[77] vgl. Laqueur, W. (Krieg dem Westen 2003), S. 208ff und Scheerer, S. (Die Zukunft des Terrorismus 2002), S. 18f

[78] Hess, H. et al. (Angriff auf das Herz des Staates 1988), S. 59

[79] vgl. Scheerer, S. (Die Zukunft des Terrorismus 2002), S. 30

[80] vgl. Reinares, F. (Terorismus 2002), S. 390f

[81] vgl. Münkler, H. (Grammatik der Gewalt 2003), S. 13f

[82] RAF steht für Rote Armee Fraktion

[83] vgl. Schrep, B. („Furchtbare Moralisten“ 2004), S.80

[84] ETA steht für „Euskadi Ta Askatasuna“ („Baskenland und Freiheit“)

[85] IRA steht für „Irish Republican Army“

[86] vgl. Simons, S. (Palästina: Hamas 2004); vgl. Simons, S. (Al-Aksa-Brigaden 2004); vgl. Simons, S. (Kämpferbündnis Islamischer Dschihad 2004)

[87] vgl. Münkler, H. (Grammatik der Gewalt 2003), S. 14

[88] vgl. Laqueur, W. (Krieg dem Westen 2003), S. 8

[89] vgl. Simon, F. B. (Was ist Terrorismus? 2002), S. 19

[90] vgl. Münkler, H. (Grammatik der Gewalt 2003), S. 18

[91] vgl. Waldmann, P. (Terrorismus 2000), S. 14

[92] vgl. Laqueur, W. (Krieg dem Westen 2003), S. 353

[93] vgl. Waldmann, P. (Terrorismus 1998), S. 13

[94] vgl. de Benoist, A. (11. September 2002), S. 24f

[95] vgl. Rötzer, F. (Das terroristische Wettrüsten 2002), S 95

[96] vgl. Walter, E.V. (Terror and Resistance 1969)

[97] vgl. ebenda, S. 7

[98] Definition von kritischen Infrastrukturen des Bundesamtes für Sicherheit, http://www.bsi.bund.de/fachthem/kritis/kritis.htm, am 02.03.2004

[99] vgl. ebenda

[100] vgl. Palm, G. / Rötzer, F. (Enduring War 2002), S. 8ff

[101] Rötzer, F. (Das terroristische Wettrüsten 2002), S 86

[102] Waldmann, P. (Terrorismus 2000), S. 12

[103] vgl. Münkler, H. (Grammatik der Gewalt 2003), S. 177

[104] vgl. Walter, E.V. (Terror and Resistance 1969), S. 7

[105] Waldmann, P. (Terrorismus 2000), S. 13

[106] vgl. ebenda, S. 22

[107] vgl. Münkler, H. (Grammatik der Gewalt 2003), S. 18ff

[108] vgl. Simon, F. B. (Was ist Terrorismus? 2002), S. 15

[109] vgl. Wirth, H.J. (Macht, Narzissmus, Destruktivität 2003), S.66

[110] vgl. Bendel, P. / Hildebrandt, M. (Der 11. September 2001 2002), S. 17

[111] vgl. Cooper , B. (Unholy Terror 2002), S. 23ff

[112] Schreibweisen auch ‚ Al Qaeda’, ‚Al Kaida’ oder ‚El Kaida’. Übersetzt: 'Basis, Stützpunkt; Datenbank'

[113] vgl. Palm, G. / Rötzer, F. (Enduring War 2002), S. 11

[114] Einen Überblick und Hintergründe über die vermuteten Netzwerkmitglieder bietet u.a.: Lorenz, A. (Philippinen: Abu Sayyaf 2004), S. 52f; Kremb, J. (Indonesien: Jemaah Islamiah 2004) S. 72f; Leike, R. (Algerien 2004), S. 78f; Neef, C. (Tschetschenien 2004), S. 76f

[115] Hirschmann, K. / Leggemann, C. (Der Kampf gegen den Terrorismus 2003), S. 12

[116] vgl. Bendel, P. / Hildebrandt, M. (Der 11. September 2001 2002), S. 10

[117] vgl. ebenda, S. 10

[118] Krieg, P. (Ewige Gerechtigkeit oder anhaltende Freiheit? 2002), S.166

[119] vgl. de Benoist, A. (11. September 2002), S. 20

[120] vgl. Scheerer, S. (Die Zukunft des Terrorismus 2002), S.12

[121] vgl. Chronik des internationalen Terrorismus in: Schröm, O. (Al Qaida 2003), S. 202ff

[122] vgl. Frey, B. S. et al. (Schäden des Terrorismus 2004), http://www.nzz.ch/
dossiers/2003/terrorismus/2004.06.12-fw-article9NJ1L.html, am 22.07.2004

[123] vgl. Andresen, K. / Follath, E. (Krieg gegen jedermann 2004), S. 6; Rötzer, F. (Das terroristische Wettrüsten 2002), S. 86f

[124] vgl. Scheerer, S. (Die Zukunft des Terrorismus 2002), S. 7

[125] Putin, W., http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,285126,00.html, am 06.02.2004

[126] vgl. Münkler, H. (Die neuen Kriege 2002), S. 199

[127] vgl. Andresen, K. / Follath, E. (Krieg gegen jedermann 2004), S.11

[128] vgl. Darnstädt, T. / Hipp, D. (Gefährlicher Wahn 2004)

[129] vgl. Mascolo, G. (Leben im Gefahrenraum 2003), S. 48

[130] vgl. Wirth, H.J. (Macht, Narzissmus, Destruktivität 2003), S. 81

Ende der Leseprobe aus 86 Seiten

Details

Titel
Terror und Konsum - Theoretische Erklärungsversuche für die Veränderung des Konsumentenverhaltens vor dem Hintergrund von terroristischen Anschlägen
Hochschule
Universität zu Köln  (Seminar Beschaffung und Produktpolitik)
Note
2,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
86
Katalognummer
V42246
ISBN (eBook)
9783638403306
Dateigröße
658 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Terror, Konsum, Theoretische, Erklärungsversuche, Veränderung, Konsumentenverhaltens, Hintergrund, Anschlägen
Arbeit zitieren
Thomas Niehaus (Autor), 2004, Terror und Konsum - Theoretische Erklärungsversuche für die Veränderung des Konsumentenverhaltens vor dem Hintergrund von terroristischen Anschlägen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42246

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