Das Vorhandensein von Schulmanagementideen und entsprechender Aktivitäten an einer Schule wird seit einigen Jahren von einer breiten Bevölkerungsschicht, von vielen Lehrpersonen und nicht zuletzt von der Schulaufsicht als eine der wichtigen Vorraussetzungen für einen erfolgreichen Schulbetrieb und effiziente Lernleistungen angesehen. Ein gewichtiger Grund dafür ist wohl auch die Tatsache, dass seit 1990 eine entsprechende gesetzliche Basis für einen größeren standortbezogenen Entscheidungsspielraum in Schulfragen gewährt wurde.
Der gesamte Schulbetrieb trägt zu derartigem Management bei oder ist zumindest von dessen Entscheidungen betroffen. Entscheidungen, die früher für alle Schulen bundesweit gleich waren, werden jetzt in verschiedenen Bereichen autonom getroffen und sollen aus der Sicht der Beteiligten vordefinierte Verbesserungen in verschiedenen mehr oder weniger wichtigen Bereichen bringen.
Dabei handelt es sich sowohl um Managemententscheidungen, die von den Beteiligten kaum wahrgenommen werden und an den jeweiligen Standorten unbedingt sinnvoll erscheinen, als auch um Entscheidungen, die tiefgreifend sind oder durchaus kritisch betrachtet werden können und damit auch ein gewisses Konfliktpotential in sich bergen.
Mit der Möglichkeit Schule schulautonom zu strukturieren, wurde natürlich auch ein Konkurrenzdenken zwischen den einzelnen Schulen aktiviert, was sowohl positive als auch negative Begleiterscheinungen mit sich bringt.
Die vorliegende Hausarbeit soll Schulmanagement definieren und zeigen, ob der Begriff Management in der Schule in seiner gegenwärtigen Verwendung seine Berechtigung hat. Außerdem soll die Arbeit den gegenwärtigen Stand in Österreich aufzeigen, verschiedene Fakten kritisch beleuchten und einen grundlegenden Denkanstoss für ein erfolgreiches Schulmanagement geben.
Um den Umfang der Arbeit zu begrenzen, möchte ich mich dabei auf die Bedingungen der öffentlichen Hauptschulen in Österreich beschränken. Der Großteil der angeführen Überlegungen trifft aber sicher auch für andere Länder und andere Schultypen zu.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsklärung
3 Gegenwärtige Situation in Österreich
4 Kritik am Schulmanagement
4.1 Unfähigkeit zur Selbstkritik
4.2 Modeabhängigkeit, Widersprüchlichkeit
4.3 Unverständliche Sprache
4.4 Widerspruch zum gesunden Menschenverstand
4.5 Mangelnde Anpassung zur gegenwärtigen Jugendsituation
4.6 Unterschiedliche Zielvorstellungen der Beteiligten
5 Resümee und zentrale Gedanken für ein erfolgreiches Schulmanagement
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht soziologische Aspekte des Schulmanagements an öffentlichen österreichischen Hauptschulen. Ziel ist es, den Begriff des Schulmanagements zu definieren, den aktuellen Stand kritisch zu beleuchten und zu hinterfragen, ob die Übertragung wirtschaftlicher Managementmodelle auf den Bildungsbereich gerechtfertigt und zielführend ist.
- Soziologische Analyse des Managementbegriffs im Bildungssektor
- Kritische Betrachtung von Schulautonomie und Wettbewerbsdenken
- Einfluss von Schulmanagement auf Lehrpersonal und Bildungsqualität
- Konfliktpotenziale zwischen ökonomischen Zielen und pädagogischen Aufgaben
- Bedeutung der Einbeziehung der Jugendsituation in Schulmanagementprozesse
Auszug aus dem Buch
4.1 Unfähigkeit zur Selbstkritik
Beim Durcharbeiten der Literatur zum Thema Schulmanagement und Schulentwicklung zieht sich der Begriff „Evaluation“ wie ein roter Faden durch fast alle Werke und bildet dem ersten Eindruck nach einen zentralen Punkt für das Schulmanagement.
Der Begriff der Evaluation entspricht etymologisch einem Bewerten (vgl. Rolff 1998, S. 216). Man könnte meinen, dass die Selbstevaluation damit mit einer Selbstbewertung und somit auch einer Selbstkritik gleichgesetzt werden kann. Da diese Evaluation zum Teil auch von den Schulentwicklern und den Schulmanagern selbst gefordert und durchgeführt wird, und wenn die Schulmanager fähig zu dieser eigenen Evaluation sind, könnte man ihnen dies auch als die Fähigkeit zur Selbstkritik anrechnen.
Evaluation scheint für Schulen oberflächlich gesehen kein Neuland zu sein, da der Beruf des Lehrers ja von Haus aus zu einem großen Teil aus dem Evaluieren von Schülerleistungen und eigener Unterrichtsarbeit besteht. Die Erfahrung zeigt aber, dass Evaluation in Schulen keine einfach erlernbare Technik ist und Lehrer und Schulen nur selten Evaluationsprofis sind (vgl. Eikenbusch 1998, S. 187).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einführung erläutert den Kontext des Schulmanagements, die gesetzlichen Rahmenbedingungen der Schulautonomie ab 1990 und das Ziel der Arbeit, den Managementbegriff kritisch an österreichischen Hauptschulen zu prüfen.
2 Begriffsklärung: Dieses Kapitel nähert sich dem Begriff des Schulmanagements durch einen Vergleich mit dem betriebswirtschaftlichen Management und analysiert, inwieweit diese Definition auf den Bereich der Schule übertragbar ist.
3 Gegenwärtige Situation in Österreich: Hier werden die durch die SchOG-Novelle eingeführten Gestaltungsspielräume, wie Lehrplanautonomie und Sponsoring, dargestellt und deren Bedeutung für die Schulentwicklung analysiert.
4 Kritik am Schulmanagement: Dieses Hauptkapitel beleuchtet kritisch verschiedene Facetten des Schulmanagements, darunter die mangelnde Selbstkritik, die Abhängigkeit von Modetrends sowie Konflikte mit dem gesunden Menschenverstand und den Interessen der Jugendlichen.
5 Resümee und zentrale Gedanken für ein erfolgreiches Schulmanagement: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und gibt Empfehlungen für eine erfolgreichere Gestaltung des Schulmanagements, insbesondere durch Vernetzung und den Fokus auf den Menschen.
Schlüsselwörter
Schulmanagement, Schulautonomie, Österreichische Hauptschulen, Schulentwicklung, Evaluation, Bildungsmarkt, Arbeitssoziologie, Pädagogische Institution, Schulleitung, Lehrpersonal, Organisationsstruktur, Qualitätskontrolle, Schulprofil, Jugendstudie, Ressourcenmanagement
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht aus arbeitssoziologischer Perspektive, welche Bedeutung das Konzept des Schulmanagements für österreichische Hauptschulen hat und wie kritisch der Transfer wirtschaftlicher Managementinstrumente auf den Bildungsbereich zu sehen ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themenfeldern zählen die Folgen der Schulautonomie, die Kritik an der mangelnden Definition und Verbindlichkeit von Managementbegriffen in der Schule sowie das Spannungsfeld zwischen ökonomischer Effizienz und pädagogischen Anforderungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu definieren, was Schulmanagement im aktuellen Kontext bedeutet, die Praxis an österreichischen Hauptschulen kritisch zu reflektieren und einen Denkanstoß für ein erfolgreiches und sinnvolles Schulmanagement zu geben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert primär auf einer Literaturanalyse, in der aktuelle Schultheorien, soziologische Managementkonzepte und Untersuchungsergebnisse des Bundesministeriums sowie relevante Jugendstudien (wie die Schell Jugendstudie) vergleichend betrachtet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil erfolgt eine kritische Analyse des Schulmanagements anhand von sechs zentralen Punkten: der Unfähigkeit zur Selbstkritik, der Anfälligkeit für Modetrends, der Unverständlichkeit der Sprache, dem Widerspruch zum gesunden Menschenverstand, der mangelnden Anpassung an die Jugendsituation sowie den unterschiedlichen Zielvorstellungen der beteiligten Akteure.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Schulmanagement, Schulautonomie, Schulentwicklung, Evaluation, Bildungsmarkt, Schulleitung und Pädagogische Institution charakterisiert.
Wie wird das Sponsoring an Schulen im Kontext der Arbeit bewertet?
Sponsoring wird als ein Instrument zur finanziellen Autonomie betrachtet, das jedoch die Gefahr birgt, dass sich Schulen in einem ungleichen Konkurrenzkampf verlieren und der Fokus von der eigentlichen Bildungsaufgabe abgelenkt wird.
Warum ist die „Unfähigkeit zur Selbstkritik“ ein zentraler Kritikpunkt?
Der Autor argumentiert, dass Management zwar oft „Evaluation“ einfordert, sich dabei jedoch meist auf oberflächliche Schulprogramme konzentriert, anstatt die eigene Existenzberechtigung oder das Selbstverständnis des Managements kritisch zu hinterfragen.
Welche Rolle spielt die Schulleitung in diesem Managementmodell?
Die Arbeit stellt fest, dass Schulleiter oft mit der Rolle des Managers überfordert sind, da sie nicht über die disziplinarischen Machtbefugnisse eines Wirtschaftsmanagers verfügen und das Engagement des Lehrkörpers primär auf Konsens und Freiwilligkeit basiert.
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- Thomas Schroffenegger (Author), 2001, Soziologische Aspekte des Schulmanagements an österreichischen Hauptschulen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4228