Auf dem Weg nach oben. Die Bemühungen der Fugger'schen Linien um den Aufstieg in den Adel


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016
19 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Der Aufstieg des Stammvaters Hans Fugger (ca. 1350-1408)

3. Das Handelsimperium der Fugger
3.1 Die Erben
3.1.1. Andreas Fugger (1394-1457): Aufstieg und Fall der Fugger vom Reh
3.1.2. Jakob Fugger (1399-1469): Wirtschaftlicher und sozialer Aufstieg der Fugger von der Lilie
3.2. Jakob Fugger der Reiche (1459 - 1525)

4. Einflüsse auf die Politik und der Aufstieg in den Adel

5. Schlussbetrachtung

Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Fugger - Der ehrenvolle Name einer ruhmreichen Familie, die selbst heute noch, 500 Jahre später, Bestand hat und nur wenig an Bekanntheit verlor. Stets wird der Name assoziiert mit dem Kaufmannsberuf und sagenhaftem Erfolg.[1] Die Familie galt als eine der reichsten und ambitioniertesten der Welt. Der Stammvater der Familie, Hans Fugger, legte den Grundstein für ein regelrechtes Handelsimperium, welches durch seine Söhne Andreas und Jakob beibehalten, verbessert und ausgedehnt wurde.[2] Die Dimensionen ihres Reichtums und ihrer Macht nahmen ein beinahe unermessliches Ausmaß an. Sie wurden zum Geldgeber des Königshauses, übernahmen sämtliche Machtpositionen in der Politik und in zahlreichen geistlichen Positionen und wurden sogar in den Adelsstand erhoben.[3]

Diese Hausarbeit soll sich mit den Anfängen des Handelsimperiums und im Besonderen mit den Söhnen der zweiten und dritten Generation des Hauses Fugger beschäftigen.

Zudem mache ich es mir zur Aufgabe, die Unterschiede bezüglich der Bemühungen um den Aufstieg in den Adel beider Fugger’schen Linien herauszuarbeiten. Im Speziellen soll dies heißen, den Verlauf der Geschäfte der Brüder und ihrer Söhne zu untersuchen. Dazu sollen folgende Fragen als roter Faden gelten und am Ende dieser Hausarbeit beantwortet werden:

„Wie gelang es einem einfachen Mitglied der Weberzunft, wie Hans Fugger eines war, und in Folge dessen seiner ganzen Familie, dieser kometenhafte Aufstieg?“, „Wieso geriet der Familienzweig „Fugger vom Reh“ beinahe in Vergessenheit, während die „Fugger von der Lilie“ immer mehr und mehr an Bedeutung gewannen?“, „Welche Fehlentscheidungen müssen vom „Reh“ getroffen worden sein?“, „War es der Fehlschlag einer einzigen Person oder gründeten sich die Misserfolge auf nachfolgende Generationen?“ Und „Welche Entscheidungen billigten den sagenhaften Aufstieg der „Lilie“, welche später europäische Geschichte schrieb?“

Beschäftigt man sich mit den Fuggern, so wird es wohl nie an einschlägiger Literatur fehlen. Eine Familie wie diese, weckte sowohl in der Vergangenheit, als auch in der Gegenwart ein unglaubliches großes Interesse. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich die Literaturliste dieser Proseminarsarbeit mit sämtlichen Publikationen der letzten Dekaden schmücken kann. Vermeidet man die populärwissenschaftliche Literatur, so bleiben zum wissenschaftlichen Arbeiten immer noch ausreichend viele Fugger-Publikationen übrig.

Ausgenommen der Quellen, die sich ohnehin durch Alter und gerade deswegen qualitätsspezifisch von der Sekundärliteratur abheben, war das älteste Werk dieser Arbeit der von Konrad Häbler im Jahre 1897 erschienene Aufsatz mit dem Titel „Die Geschichte der Fugger’schen Handlung in Spanien.“ In diesem wird sich, wie der Titel bereits äußert, hauptsächlich mit dem Handel der Fugger in Spanien beschäftigt, jedoch gibt er auch wichtige Erkenntnisse zu den Einzelschicksalen der Handelsherren und behandelt in einem ganzen Abschnitt den Handel der Fugger vor ihrer Zeit in Spanien.[4] Das nächste Buch von größerer Relevanz für diese Seminararbeit war Max Jansens im Jahre 1907 erschienene Publikation „Die Anfänger der Fugger bis 1494“, aus welcher sich der Großteil der in dieser Arbeit genutzten Quellen entnehmen ließ. Durch die Einfachheit der Einarbeitung historischer Quellen in den Familienkontext stach die Publikation heraus und eignete sich deshalb besonders gut zum Verständnis der Quellen. Hauptsächlich wurde von dem Kapitel „Das geheime Ehrenbuch des Fuggerischen Geschlechts“ aus Max Jansens Veröffentlichung Gebrauch gemacht.[5] Sämtliche Publikationen prägnanter Fugger-Experten der letzten Jahrzehnte flossen ebenfalls in diese Arbeit mit ein. Historiker wie Graf Freiherr von Pölnitz, Richard Ehrenberg oder auch Marc Häberlein trugen maßgeblich zur Forschung bei und sind geringstenfalls für die Jahre 1949 - 2012 Spitzenreiter auf dem Gebiet der Fugger-Forschung.

Während sich Graf Freiherr von Pölnitz[6] zum größten Teil Jakob Fugger dem Reichen annahm, beschäftigte sich Ehrenberg[7] mit dem Geldkapital und dem Kreditverkehr der Familie. Marc Häberleins Publikationen, wie zum Beispiel „Die Fugger - Geschichte einer Augsburger Familie (1376-1650)[8], eigneten sich hingegen besonders gut um sich einen Überblick über das große Ganze zu verschaffen. Konkreter bedeutet dies, dass er ohne besonderes Augenmerk auf nur eine einzige Person im Familienimperium zu legen, fähig ist, dem Leser chronologisch aufzuzeigen welches Ereignis auf welchen Fugger zurückzuführen war und was die einzelnen Charaktere im Hinblick für die gesamte Familie bedeuteten. Doch auch die Fugger-Frauen- Expertin Martha Schad[9] lieferte die nötigen Informationen zu den, wie sich noch im weiteren Verlaufe dieser Arbeit herausstellen wird, interessanten Persönlichkeiten der Ehefrauen des Hauses Fugger. Dazu diente ihre im Jahre 1989 erschienene Dissertation „Die Frauen des Hauses Fugger von der Lilie“.

Insgesamt lässt sich sagen, dass das Leben der Kaufmannsfamilie und besonders das des Jakob Fugger des Reichen, beliebter Untersuchungsgegenstand vieler Historiker des späten 19. Jahrhunderts war, die sich den sich heraus kristallisierenden Familien der frühen Neuzeit annahmen.[10]

2. Der Aufstieg des Stammvaters Hans Fugger (ca. 1350-1408)

Als Hans Fugger, der Stammvater „ zu Graben aim Dorf[11] in die Stadt Augsburg kam, ahnte er womöglich nicht, dass er und seine Erben einmal in die Geschichte eingehen würden als große Experten auf ihrem Gebiet mit messerscharfem Geschäftssinn, denen es sogar später gelingen sollte, in den Adel aufzusteigen.

„Wohl wissend, dass in der Reichsstadt tüchtigen Handwerkern guter Verdienst winkte“[12] zog es ihn also im Jahre 1367 dorthin. Entgegen der Annahme, Hans Fugger müsse als armer Geselle in die Stadt gekommen sein, steht Mark Häberleins Aussage in seiner Publikation „Die Fugger - Geschichte einer Augsburger Familie (1376-1650)“, in der es heißt: „Der Zuwanderer zahlte eine Vermögenssteuer von 44 Pfennigen, die auf ein nicht unbeträchtliches Vermögen von 22 Pfund schließen lässt.“[13] Es trifft demnach eher wenig zu, Hans Fugger als vollkommen mittellos zu betrachten.

Indes war es ihm nach bereits zwei Jahren möglich, die Tochter eines angesehenen und wohlhabenden Bürger der Stadt[14] zu ehelichen und sich gleichsam eine „Eintrittskarte in die Weberzunft und zum Augsburger Bürgerrecht“[15] zu sichern. In Analogie dazu steht folgende Aussage entnommen aus dem Ehrenbuch der Fugger: „Dann er das Bürgerrecht nicht erkauft sondern eehlichen erheirat hat.“ [16] Klara Widolf verschaffte, als Zunftmeisterstochter, Hans Fuggers „Geschäfte einen […] Aufschwung.“[17] Ohne ihm einen Stammhalter geschenkt zu haben, starb sie relativ früh und hinterließ ihm zwei Töchter.[18]

Die darauf folgende Heirat, mit Elisabeth Gfattermann, sollte vielversprechender im Bezug auf ihre Kinder und im Besonderen auf ihre Erben sein. 1382 ehelichte Hans Fugger die Tochter eines Ratsherren Augsburgs[19], welche ihm neben anderen Kindern die beiden Söhne Andreas und Jakob Fugger gebar.[20] Wie an späterer Stelle dieser Seminararbeit noch hinreichend erklärt wird, rufen diese beiden die Fugger’schen Hauptlinien „Fugger vom Reh“ und „Fugger von der Lilie“ ins Leben.[21]

3. Das Handelsimperium der Fugger

Fragen wie „Womit machten sie sich eigentlich zu den reichsten und erfolgreichsten Kaufmännern ihrer Zeit?“ lassen sich, was die Fugger betrifft, nicht einfach beantworten. Denn diese beschränkten sich nicht nur auf den Handel mit Textilien.

Wo man noch anfangs stark auf das Webergeschäft und der Vermarktung von Stoffen in und um Augsburg herum spezialisiert war, wenn auch nicht immer primär handwerklich beteiligt, wurde schnell weitaus mehr daraus. Besonders in der zweiten und dritten Generation des Hauses Fugger, das heißt zu Lebzeiten der Stammväter der Fugger vom Reh und der Fugger von der Lilie und ihren Söhnen, wurde das Geschäft immer weiter ausgebaut.

Die älteren Brüder Georg und Ulrich der Linie der Fugger von der Lilie bauten eine große Reichweite im Bezug auf internationale Geschäfte aus, welche Jakob der Reiche dann „im großen und ganzen […] übernehmen [konnte].“[22] „Bis nach Italien im Süden, bis in die Niederlande im Westen und bis Schlesien, Polen und Ungarn im Osten reichte der Radius der geschäftlichen Arbeit Ulrichs und Georgs schon längere Zeit ehe Jakob Fugger von maßgeblicher Bedeutung für die Weiterentwicklung der Unternehmung zu werden begann.“[23]

Die Fugger kamen durch ihren Handel zu einem enormen Kapitalüberschuss. Dieses Kapital galt es zu investieren, was wohl keinem der Brüder Fugger in solchem Maße gelang wie dem jüngsten. Jakob Fuggers erste Station führte ihn nach Südtirol und in die Slowakei, welche mit ihren unheimlich wertvollen Bodenschätzen lockten.[24] Er ließ Silberminen in „Schwaz, Rattenberg und Sterzing und weitere Gruben bei Neusohl“[25] errichten und erntete so in hohem Maße woraus sich Geld und Schmuck herstellen ließ: Silber. Als sich diese Minen ihrem Ende neigten, weiteten die Fugger ihr Gebiet aus, um sich nach anderen Erwerbsquellen umzusehen. Das nächste Projekt war der Abbau und Handel von Kupfer. Um auf dem, für die Deutschen, verfeindeten Gebiet Ungarns ein Unternehmen aufbauen zu können, holten die Fugger sich die Hilfe eines einheimischen Experten namens Hans Thurzo.[26] Dieser Mann, den Häberlein in seiner Publikation als „den wichtigsten Makler und Experte, mit dem Jakob Fugger je zusammengearbeitet hat“[27] bezeichnet, wurde 1437 in Leitschau geboren und qualifizierte sich als wichtigster „Bergbauexperte für den ungarischen Handel“[28]. Die Fugger-Thurzo-Gesellschaft baute den gemeinsamen ungarischen Handel nach Vertragsabschluss im Jahre 1494 rasch zu einem großen und äußerst gewinnbringenden Unternehmen aus.[29] Gestärkt wurde diese geschäftliche Beziehung zwischen den Fuggern und den Thurzo zudem durch zwei Heiratsverbindungen: „Ulrich Fuggers Tochter Anna wurde 1497 mit Georg Thurzo verheiratet und Hans Thurzos Tochter Katharina 1513 mit Raymund Fugger vermählt.“[30] Sogar das Fugger’sche Ehrenbuch merkt an, dass die Thurzo dem Geschäfte der Fugger „[…] sehr verholffen“ hätten.[31]

Als es darum ging, die großen Mengen von Silber und ungarischem Kupfer abzusetzen, beschlossen die Fugger an den wichtigsten europäischen Warenumschlagplätzen mitzuwirken.[32] „Aus und über Italien führte man ferner Südfrüchte, Safran, Spezerei, Edelsteine, Halbedelsteine und andere Waren der Apenninhalbinsel, der Levante und des fernen Indiens und Ostasien ein.“[33] Neben Venedig, welches das traditionelle Zentrum des oberdeutschen Italienhandels und wichtigstes Einführungszentrum für Waren aus dem östlichen Mittelmeerraum und aus Asien war, machte Lissabon einen weiteren wichtigen Ausgangspunkt für die portugiesische Expansion nach Übersee aus. Aber auch Antwerpen bildete ein wichtiges Wirtschaftszentrum und war daher für den internationalen Handel der Fugger unabdingbar.[34] In einem Brief aus Lissabon vom 30. Juli 1582 an die Fugger heißt es: „In Indien sind zwei […] Schiffe an der Ladung gelegen, die sollen ungefähr 16.000 Quintal Pfeffer, 600 Quintal Gewürznägel und 1000 Quintal Zimmt und viele andere Droguen bringen. Gott solle sie mit Glück ankommen lassen!“ [35] Dieser Brief zeigt auf, dass die internationalen Geschäfte selbst noch nach dem Tod Jakobs und der Übergabe der Geschäftsleitung an seinen Neffen Anton florierten.[36]

Resümierend lässt sich sagen, dass die Fugger sich darauf verstanden ihr Gewerbe international zu verankern und sich überall dort an oberster Spitze jener befanden, die ihrem Geschäft durch Expansion einen kräftigen Schub nach oben verleihen wollten.

3.1 Die Erben

„[…] Bei seinem Tode hinterließ er [Hans Fugger] das einst nicht geringe Vermögen von 3.000 Gulden. Diese 3.000 Gulden sind eigentlich das Gründungskapital des Hauses Fugger geworden, und die Söhne des […] Hans Fugger waren bereits Mitglieder der angesehensten Augsburger Zünfte, der Weber- und Kaufmannsgilde, sie heirateten Bürgerstöchter und handelten mit […] Seiden- und Wollengewand.“[37]

[...]


[1] vgl. Burkhardt (2004), S. 2.

[2] vgl. Jansen (1907), S.8-10 f.

[3] vgl. Ebd., S.20 f.

[4] vgl. Häbler (1897), S.2-65.

[5] vgl. Jansen (1907), S.78-134.

[6] vgl. Pölnitz (1949), (1959), S.5-40.

[7] vgl. Ehrenberg (1963).

[8] vgl. Häberlein (2006).

[9] vgl. Schad (1989), S.9-16.

[10] vgl. Häberlein (2006), S. 11.

[11] Zitiert nach Jansen, Die Anfänger der Fugger, S.75.

[12] Schad, S.9.

[13] Häberlein, S.17.

[14] vgl. Häbler, S.1.

[15] Burkhardt, S.12.

[16] Zitiert nach Jansen, Die Anfänger der Fugger, S.75.

[17] Häbler (1897), S.1.

[18] Ebd., S.1.

[19] Ebd., S.1.

[20] Ebd., S.1.

[21] vgl. Häberlein (2006), S.20.

[22] Häbler (1897), S.57.

[23] Ebd. S.57.

[24] vgl. Pölnitz (1959), S.26.

[25] Pölnitz (1959), S. 26.

[26] vgl. Häberlein (2006), S. 64.

[27] Häberlein (2006), S. 64.

[28] Ebd. S.64.

[29] vgl. Strieder (1926),S.133, vgl. Häberlein (2006), S.64.

[30] Häberlein (2006), S.65.

[31] Zitiert nach Rohmann, Das Ehrenbuch der Fugger, Bd.1, S.37.

[32] vgl. Häberlein (2006), S.52.

[33] Strieder (1926), S.58.

[34] vgl. Häberlein (2006), S.52.

[35] Klarwill (1923), S.71.

[36] Häberlein (2006), S. 93.

[37] Klarwill (1923), S.10.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Auf dem Weg nach oben. Die Bemühungen der Fugger'schen Linien um den Aufstieg in den Adel
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Historisches Institut)
Note
2,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
19
Katalognummer
V423524
ISBN (eBook)
9783668693425
ISBN (Buch)
9783668693432
Dateigröße
556 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fugger, Adel, Medici
Arbeit zitieren
Nadja Ameziane (Autor), 2016, Auf dem Weg nach oben. Die Bemühungen der Fugger'schen Linien um den Aufstieg in den Adel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/423524

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