Ausführlicher Unterrichtsentwurf zur Religionsstunde am mit dem Thema „Das Gleichnis vom verlorenen Sohn“


Unterrichtsentwurf, 2017
28 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

1. Bedingungsanalyse
1.1 Soziokulturelle Voraussetzungen
1.2 Fachliche Voraussetzungen und Entwicklungsstand der SuS
1.3 Methodische Voraussetzungen

2. Didaktische Analyse
2.1 Begründung des Themas vor dem Hintergrund der Lerngruppe
2.2 Einbettung der Stunde in den Gesamtzusammenhang
2.3 Legitimation des Themas vor dem Hintergrund des Bildungsplans
2.4 Lernziele

3. Sachanalyse
3.1 Das Lukasevangelium
3.2 Schuld und Vergebung
3.3 Das Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lukas 15,11-32)

4. Methodische Analyse
4.1 Ritualisierter Beginn
4.2 Hinführungsphase
4.3 Erarbeitungsphase
4.4 Arbeitsphase
4.5 Präsentationsphase
4.6 Vertiefungsphase
4.7 Abschluss

5. Unterrichtsskizze

6. Literaturverzeichnis

Anhang

1. Bedingungsanalyse

1.1 Soziokulturelle Voraussetzungen

In der betreffenden Religionsgruppe der Klasse 4 der Schule X befinden sich 13 Kinder. Diese sind aus allen drei Vierer-Klassen kombiniert. Sieben Kinder kommen aus der Klasse 4a, zwei aus der Klasse 4b und vier Kinder aus der Klasse 4c. Diese klassenübergreifende Mischung hat jedoch keine erkennbaren, negativen Auswirkungen auf das soziale Klima innerhalb der Religionsgruppe. Insgesamt handelt es sich bei dieser Religionsgruppe um eine sehr interessierte, aufmerksame und engagierte Gruppe. Das religiöse Vorwissen der SuS ist sehr groß und zeigt sich vor allem in den Schüleräußerungen. Die sieben Mädchen der Gruppe sind sehr fleißig, wobei an dieser Stelle vor allem L. und A. hervorzuheben sind, die sich besonders an Unterrichtsgesprächen im Stuhlkreis beteiligen. Trotz des insgesamt sehr positiven Klassenklimas ist mir bereits einige Male bei Gruppenarbeiten aufgefallen, dass M. oftmals von den anderen Mädchen ausgeschlossen wird.

Besonders hervorzuheben ist vor allem einer der sechs Jungen der Religionsgruppe. J. hat ein sehr großes Allgemeinwissen und bringt sich in jeder Religionsstunde mit äußerst produktiven Beiträgen ein. N. und R. haben oftmals abstrakte Ideen, sind aber jedes Mal bemüht sich aktiv zu beteiligen und ihre Aufmerksamkeit zu demonstrieren.

Insgesamt handelt es sich um eine sehr aktive und engagierte Lerngruppe, mit der sowohl tiefe theologische Gespräche, als auch selbstständige Arbeitsphasen, die produktive Ergebnisse hervorbringen, möglich sind.

Es sollte darauf hingewiesen werden, dass die Religionsstunde in der 2. Unterrichtsstunde stattfindet. Da es nach der 1. Stunde keine Pause gibt und die SuS den Klassenraum wechseln müssen, ist es möglich, dass es beim Unterrichtsbeginn zu Verzögerungen kommt.

1.2 Fachliche Voraussetzungen und Entwicklungsstand der SuS

Die fachlichen Voraussetzungen der Klasse zu Jesus und seinen Gleichnissen sind sehr gut, da bereits einige Gleichnisse, wie beispielsweise Der Schatz im Acker, behandelt wurden. Die SuS der Klasse 4 sind zwischen neun und zehn Jahre alt und lassen sich damit nach Piaget dem konkret-operatorischen Stadium der kognitiven Entwicklung zuordnen. Dieses Stadium ist dadurch gekennzeichnet, dass es den Kindern immer häufiger möglich ist Schlussfolgerungen zu ziehen.[1] Im Hinblick auf die Religionsgruppe lässt sich dieser Entwicklungsstand bestätigen, da die SuS bereits in der Lage sind eigene Interpretationen anzustellen und ihren Mitschülern ihre individuellen Gedankengänge zu beschreiben. Die SuS bringen zudem ein sehr breites Vorwissen mit und stehen dem Religionsunterricht äußerst interessiert und motiviert gegenüber. An neuen Themen sind sie stets interessiert und darauf bedacht sich aktiv in den Unterricht einzubringen. Wenn den SuS beispielsweise eine Problemstellung gegeben wird, sind sie in der Lage eigene Lösungsvorschläge anzubringen. Fowler spricht bei dieser Altersgruppe von einem mythisch-wörtlichen Glauben, der dadurch gekennzeichnet ist, dass die SuS die Fähigkeit des logischen Denkens entwickeln. Dadurch sind sie in der Lage einen Perspektivenwechsel zu vollziehen und aus Geschichten einen Bezug zu ihrer eigenen Lebenswelt herzustellen.[2]

Es muss bei der Unterrichtsvorbereitung aus eben dargelegten Gründen auf eine didaktische Reduktion geachtet werden, die die Lerngruppe fordert, dabei jedoch nicht überfordert und ihrem Entwicklungsstand trotzdem gerecht wird.

1.3 Methodische Voraussetzungen

Hervorgehoben sei an dieser Stelle der Stuhl- oder Sitzkreis, der in Religion eine übergeordnete Rolle einnimmt, da er die Möglichkeit gibt, offene Gespräche zu führen. Die SuS sind in der Lage diesen selbstständig zu bilden, ohne dass sie durch die Lehrkraft dazu aufgefordert werden müssen. Ansonsten sitzen die SuS in Reihen hintereinander und nebeneinander. Als festes Eingangsritual darf ein Kind eine Kerze in der Kreismitte anzünden, anschließend wird gemeinsam gebetet, wobei ein Kind das Gebet vorlesen darf. Zum Abschluss der Stunde wird gemeinsam im Stehkreis das Lied Hier bist du richtig gesungen.

2. Didaktische Analyse

2.1 Begründung des Themas vor dem Hintergrund der Lerngruppe

Laut der von Klafki formulierten kritisch-konstruktiven Didaktik trägt Unterricht zur Bildung bei, indem Inhalte von den SuS selbstständig und handlungsorientiert erarbeitet werden.[3] Diese selbstständige Erarbeitung fällt den SuS leichter, wenn das Thema der Stunde einen Bezug zur eigenen Lebenswelt hat. Beim Gleichnis vom verlorenen Sohn lässt sich dieser Gegenwartsbezug für die SuS herstellen, da auch sie Fehler machen und daraufhin Vergebung erfahren dürfen. Die Erarbeitung des Gleichnisses innerhalb der Unterrichtseinheit Schuld und Vergebung zeigt den SuS auf theologischer Ebene, dass eine Umkehr zu Gott immer möglich ist. Ziel ist es, dass sie am Ende der Unterrichtseinheit Gott als den liebenden Vater kennen, der sie nicht für ihre Fehler verurteilt. Im Gegenteil: Gott empfängt sie mit offenen Armen und kommt ihnen auf diesem Weg sogar entgegen![4] Er liebt sie trotz allem- und das bedingungslos. Diese Erfahrung bewirkt auf der Ebene der Lebenswelt der SuS, dass sie sich angenommen fühlen. Sie wissen, dass sie zu ihren Fehlern stehen können, dürfen und auch sollen und Gott immer an ihrer Seite steht und ihnen ihre Fehler vergibt. Durch dieses Wissen kann das Selbstvertrauen, das Selbstbewusstsein und die Authentizität der SuS gestärkt werden. Dies ist gerade deshalb wichtig, da SuS ständig in Kontakt mit Verletzung und Schuld kommen. Oftmals zeigen sich diese Probleme im Schulalltag durch Handgreiflichkeiten, Ausgrenzung oder Mobbing. Durch die positive Bestärkung der eigenen Identität mit Hilfe des Gleichnisses, erfahren die SuS eine Bestärkung ihrer eigenen Person. Gleichzeitig wird ihnen jedoch auch vermittelt, ihrem Gegenüber dieselben Eigenschaften zuzugestehen und ihn in seiner Individualität zu achten. Gelingt es, die SuS darin zu bestärken, wird ein konstruktiver Umgang mit Konflikten ermöglicht und Vergebung findet immer mehr Beachtung. Auf Grund des schulischen Erziehungsauftrags, ist es die Pflicht der Schule, den SuS die Möglichkeit zu bieten, sich im Eingestehen von Schuld und der Vergebung Selbiger zu üben.[5] Entsprechend hat das Gleichnis vom verlorenen Sohn nicht nur in der Gegenwart eine große Bedeutung, sondern gerade im Hinblick auf die Zukunft der SuS. Ziel sollte es deshalb sein, die SuS in ihrer Interpretation des Gleichnisses zu unterstützen und ihnen Raum für die selbstständige Erarbeitung zu geben.

2.2 Einbettung der Stunde in den Gesamtzusammenhang

Die Thematik der Unterrichtsstunde lässt sich der Unterrichtseinheit Schuld und Vergebung zuordnen. Diese umfasst sieben Unterrichtsstunden. Die gezeigte Stunde zum Gleichnis vom verlorenen Sohn ist die zweite Stunde dieser Einheit. Zuvor wurde im Hinblick auf Ostern die Verleugnung durch Petrus thematisiert. Hierbei standen vor allem Petrus und seine Gefühle im Fokus. Die SuS sollten Petrus‘ Gefühle und deren Wandel innerhalb der biblischen Geschichte erfassen.[6] Das Gleichnis vom verlorenen Sohn wird über zwei Unterrichtsstunden behandelt, wobei der Schwerpunkt in der Besuchsstunde auf dem Gleichnis und dessen theologischer Auslegung und Interpretation liegt und der Lebensweltbezug in der darauffolgenden Stunde vertieft thematisiert wird. Der Lebensweltbezug wird in der zweiten Stunde nur kurz in der Einstiegsphase hergestellt. Die SuS sollen das Gleichnis zunächst kennenlernen und sich anschließend vertieft damit auseinandersetzen, wobei vor allem die Perspektivübernahme und das Hineinversetzen in die Figuren des Gleichnisses ein wichtiges Ziel ist. Dies soll für die SuS eine Hilfe sein, in der dritten Stunde den Bezug zu ihrer eigenen Lebenswelt und zu eigenen Erfahrungen herzustellen. In den vier verbleibenden Stunden der Unterrichtseinheit wird die biblische Geschichte von Jakob und Esau thematisiert. Zunächst werden in der vierten Stunde Jakob und Esau und ihre Rivalität vorgestellt. Hierzu soll der Bezug zur Lebenswelt dadurch hergestellt werden, dass die SuS erarbeiten wie sie mit Unterschieden umgehen und erarbeiten, dass diese Ursprung von Schuld und Verletzung sein können. In der fünften Stunde wird Jakobs Verhalten thematisiert und wie er sich Isaaks Segen erschleicht. Der Lebensweltbezug wird über die Frage nach menschlichem Fehlverhalten und dem Umgang damit hergestellt. Inhalt der sechsten Stunde ist Jakobs Kampf mit Gott am Jabbok. Hier geht es vorwiegend um die Schuldgefühle Jakobs und die Vergebung durch Gott. Der Lebensweltbezug wird hergestellt, indem die SuS ihren Umgang mit Schuld reflektieren und herausfinden, dass Reue und Einsicht von Schuld zwar ein schmerzlicher, aber notwendiger Weg zur Vergebung und Versöhnung von Fehlern ist. In der Abschlussstunde der Unterrichtseinheit steht die Versöhnung von Jakob und Esau im Zentrum. Um hier den Lebensweltbezug herzustellen, werden die positiven Auswirkungen des Schuldeingeständnisses, der Reue und der darauffolgenden Vergebung thematisiert.

2.3 Legitimation des Themas vor dem Hintergrund des Bildungsplans

Der evangelische Religionsunterricht in der 4. Klasse wird auf der Grundlage des Bildungsplans 2004 erteilt. Dieser nennt zunächst einige Aufgaben und Ziele des evangelischen Religionsunterrichts. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn kann einen Beitrag zur Erreichung des Ziels „Suche nach Orientierung und Lebenssinn“[7] sein, indem die SuS in Gott eine Orientierungshilfe erkennen. Jemanden, der ihnen auch in Notlagen hilft und der sie niemals im Stich lässt, der sie auch annimmt, wenn andere sich vielleicht abwenden, der sie auch liebt, obwohl sie sich schuldig machen. Diese Orientierungshilfe in Gott zu erkennen kann den SuS einen Sinn im Leben geben. Ihnen wird dadurch der „Zusammenhang von Glauben und Leben“[8] verdeutlicht, da dieser Gott eine Bedeutung in ihrem Leben gewinnt und der persönliche Glaube daran kein abstrakter Begriff ist. Dabei ist es vor allem wichtig, die SuS mit ihren Problemen, Sorgen und Ängsten im Hinblick auf Schuld und Vergebung ernst zu nehmen. Auch der Sohn im Gleichnis hat Angst, denn er weiß, dass er einen Fehler begangen hat. Der Bildungsplan sieht in seinen Leitgedanken zum Kompetenzerwerb außerdem vor, dass die SuS dazu befähigt werden, die Bibel auszulegen.[9] Auch hierfür eignet sich das Gleichnis sehr gut, da die Problematik des Gleichnisses auf die Lebenswelt der SuS übertragen werden kann, wodurch eine Interpretation und Auslegung des Gleichnisses möglich wird.

Im Rahmen dieser Stunde werden insbesondere folgende Kompetenzen aufgegriffen und gefördert: Die Hermeneutische Kompetenz, indem die SuS die Fähigkeit entwickeln, biblische Texte zu verstehen und auf ihre Gegenwart und Zukunft zu beziehen; die Personale Kompetenz, da die SuS ihre Fähigkeit zum Perspektivenwechsel üben, die Personen des Gleichnisses und deren Handeln reflektieren; die Kommunikative Kompetenz, dadurch, dass die SuS ihre eigene Meinung äußern, ihren Mitschülern zuhören und auf diese reagieren und die Methodische Kompetenz, durch das selbstständige Arbeiten der SuS, die eigenverantwortliche Organisation der Arbeit in Gruppen und mit einem Partner und die Präsentation der Ergebnisse.[10] Betrachtet man die Kompetenzen und Inhalte für die Klasse 4, lässt sich die konkret formulierte Kompetenz „Die SuS wissen, […] dass Schuld und Vergebung zum menschlichen Leben gehören“[11] der Unterrichtseinheit Schuld und Vergebung, sowie der Unterrichtsstunde Das Gleichnis vom verlorenen Sohn zuordnen. Diese Kompetenz ist der Dimension Mensch zugeordnet und verdeutlicht nochmals die Bedeutung für die Lebenswelt der SuS. Der Lebensweltbezug wird außerdem durch die Kompetenz der Dimension Welt und Verantwortung verdeutlicht: „Die SuS schildern Situationen des menschlichen Miteinanders und bringen sie mit biblischen Texten in Zusammenhang (zum Beispiel Streit und Versöhnung […])“[12] Hierbei sollen die SuS ihre persönlichen Situationen schildern, die sich mit diesem biblischen Text in Zusammenhang bringen lassen. Das Themenfeld des Bildungsplans, welchem das Gleichnis vom verlorenen Sohn zuzuordnen ist, ist „Jesus Christus setzt Zeichen – Gottes neue Welt: Jesus Christus erzählt in Gleichnissen von Gott, […] Lk 15,11-32.“.[13]

Im Hinblick auf die Bildungsplanreform und dessen Zukunftsrelevanz, wird im Folgenden kurz Bezug zum Bildungsplan 2016 und seinen inhalts- und prozessbezogenen Kompetenzen genommen. Die Überlegungen hierzu lassen sich der Planungsübersicht entnehmen, die aus quantitativen Gründen zur Darstellung gewählt wurde:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.4 Lernziele

Aus den obigen Überlegungen lassen sich folgende Lernziele für die Unterrichtsstunde formulieren:

Die Schülerinnen und Schüler:…

- …erkennen, dass ihnen vergeben wird

- …äußern sich zur Thematik Schuld und Vergebung, benennen dabei eigene Erfahrungen und finden einen persönlichen Zugang zum Gleichnis

- …fühlen sich in verschiedene Personen ein und erarbeiten aus deren Perspektiven Vertiefungen der Geschichte

3. Sachanalyse

3.1 Das Lukasevangelium

Das Gleichnis vom verlorenen Sohn steht im Neuen Testament im Lukasevangelium, Kapitel 15, Vers 11-32. Grundlage der Inhalte des Lukasevangeliums sind das Markusevangelium, die Logienquelle Q, sowie das Sondergut des Lukas. Die Abfassungszeit lässt sich auf circa 80-90 vermuten.[14] Dieses Evangelium beginnt mit einem Prolog (1,1-4) und fährt mit der Geburtsankündigung und Geburt von Johannes und Jesus fort (1,5-2,52). Anschließend lässt sich eine Dreiteilung des Evangeliums verzeichnen. Der erste Hauptteil (4,14-9,50) berichtet von Jesu Wirken in Galiläa. Der zweite Hauptteil (9,51-19,28) kann unter der Überschrift Jesu Reisebericht zusammengefasst werden. Der dritte Hauptteil (19,29-24,53) thematisiert Jesu Wirken in Jerusalem, sowie seine Passion, die Auferstehung bis zur Himmelfahrt. Hierzu lässt sich sagen, dass alle drei Hauptteile als gleichwertig zu betrachten sind. Eine weitere Besonderheit des Lukasevangeliums ist, dass es sich ähnlich einer Erzählung liest, die sehr darauf bedacht ist Sachverhalte detailliert zu beschreiben. Vor allem Jesus wird den Lesern genau vorgestellt. Der Erzählungscharakter des Lukasevangeliums zeigt sich vor allem in Geschichten, die von Jesus selbst erzählt werden, wie beispielsweise das Gleichnis vom verlorenen Sohn.[15]

3.2 Schuld und Vergebung

Betrachtet man den Menschen aus anthropologisch-theologischer Sichtweise, lässt sich zunächst festhalten, dass die Geschichte des Menschen durch Zerstörung, Rache und Krieg gekennzeichnet ist. Dieses menschliche (Fehl-)Verhalten lässt sich oftmals als Kreislauf beschreiben: Unrecht geschieht, dies ist der Auslöser für Rache, welche ebenfalls Unrecht ist. Im Zusammenhang zu Unrecht steht auch die Schuld. Der Umgang mit Selbiger ist sehr unterschiedlich. Schuld kann erkannt werden, sie kann eingesehen und eingestanden werden, sie kann verleugnet werden, anderen angehängt und aufgeladen oder gar verdrängt werden. Sie kann außerdem weitere Folgehandlungen mit sich bringen, indem auf ihrer Grundlage versucht wird, etwas wieder gut zu machen, einen Fehler einzusehen und möglicherweise zu beheben oder zumindest Reue zu zeigen. Abgesehen von der zuvor beschriebenen negativ konnotierten Geschichte der Menschheit im Hinblick auf Schuld, muss jedoch auch erwähnt werden, dass trotzdem ein jedem Menschen innewohnendes tiefes Bedürfnis nach Frieden, Miteinander und Respekt besteht. Um diesem Bedürfnis in der Praxis nachzukommen, bedarf es der Fähigkeit des Vergebens. Nur durch diese ist es möglich, den Kreislauf von Schuld und Rache zu durchbrechen. Die Bibel beschreibt den Ursprung der Sünde im Ablösen und Abwenden des Menschen von Gott. Trotzdem steht Gott den Menschen offen gegenüber und zeigt dies, indem er ihnen vergibt und ihnen damit die Chance auf einen Neuanfang gibt. Die Bibel will damit ein Beispiel für die Menschen sein und zeigen, wie wichtig es ist Schuld zu vergeben. Auch Menschen sollen so miteinander umgehen. Sich ihre Schuld eingestehen, vor allem zu ihr stehen und Vergebung schenken und erleben dürfen. Dies versucht Jesus seinen Zuhörern mit dem Gleichnis vom verlorenen Sohn zu verdeutlichen. Er zeigt, dass Gott uns Sünder immer wieder annimmt- insofern wir einen Schritt auf ihn zugehen und unsere Schuld eingestehen.[16]

3.3 Das Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lukas 15,11-32)

Gleichnisse sind leicht verständliche Erzählungen Jesu, die er gewählt hat, um von den Menschen leichter verstanden zu werden und Sachverhalte bildhafter darzustellen.[17] Die Metaphorik der Gleichnisse soll die Zuhörer fesseln und sie so zum Nachdenken anregen. Die Besonderheit an Gleichnissen ist zweifellos, dass sie immer sehr allgemeingültig formuliert sind. Entsprechend verhält es sich auch mit dem Gleichnis vom verlorenen Sohn. Es werden keine Namen genannt, sodass die Geschichte für jedermann gültig sein und beliebig übertragen werden kann. Ein Perspektivenwechsel wird hierdurch sehr gut möglich, da der Leser des Gleichnisses weniger durch die Personen, als durch die Handlung angesprochen wird. Der Inhalt des Gleichnisses, der von Schuld und Vergebung Selbiger handelt, ist jedem Menschen bekannt, weshalb auch jeder angesprochen wird. Zudem werden auch keine Zeit- und Ortsangaben gemacht. Darum kann das Gleichnis auch auf jede beliebige Zeit übertragen werden. Das Gleichnis verdeutlicht eine familieninterne Problematik, die nicht sofort auf eine religiöse, gar biblische, Geschichte hindeutet. Jedoch übersteigt zum Ende des Gleichnisses das barmherzige Verhalten des Vaters das Verhalten eines normalen Elternteils. Aus diesem Grund wird deutlich, dass der Vater der Geschichte als Metapher für Gott verwendet wird.[18] Als Jesus dieses Gleichnis erzählte, verdeutlichte er, wie Gott zu Sündern steht- wie ein barmherziger Vater, der nicht nur auf die Umkehr des Sohnes hofft, sondern nach ihm Ausschau hält und ihm sogar entgegeneilt.[19]

[...]


[1] Vgl. Zimbardo, Gerrig: Psychologie, 2008, S. 375

[2] Vgl. Kuld: Wie hast du's mit der Religion?, 2000, S. 67

[3] Vgl. Wiemer, Edelbrock, Käss: Basiskartei Religionsdidaktik, 2011, U6

[4] Vgl. Weth: Neukirchner Kinder-Bibel, 1993, S. 210

[5] Vgl. Jerger: Vergebung finden, 1992, S. 4f.

[6] Die Unterrichtsstunde zur Verleugnung durch Petrus wurde von einem Kollegen durchgeführt und von mir nicht beobachtet, weshalb eine detailliertere Beschreibung leider nicht möglich ist.

[7] Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg: Bildungsplan 2004, S. 22

[8] Ebd.

[9] Vgl. ebd.

[10] Vgl. Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg: Bildungsplan 2004, S. 23

[11] Vgl. Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg: Bildungsplan 2004, S. 28

[12] Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg: Bildungsplan 2004, S. 28

[13] Ebd., S. 29

[14] Vgl. Wiemer: Lernkarten Bibelkunde, 2012, NT 6

[15] Vgl. Conzelmann, Lindemann: Arbeitsbuch zum Neuen Testament, 2004, S. 338ff.

[16] Jerger: Vergebung finden, 1992, S. 3f.

[17] Vgl. Wiemer: Lernkarten Bibelkunde, 2012, NT 16

[18] Vgl. Köhnlein: Gleichnisse Jesu – Visionen einer besseren Welt, 2009, S. 33f.

[19] Vgl. Imbach: Und lehrte sie in Bildern, 2003, S.22f.

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Details

Titel
Ausführlicher Unterrichtsentwurf zur Religionsstunde am mit dem Thema „Das Gleichnis vom verlorenen Sohn“
Hochschule
Staatliches Seminar für Didaktik und Lehrerbildung Schwäbisch Gmünd
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
28
Katalognummer
V423608
ISBN (eBook)
9783668692688
ISBN (Buch)
9783668692695
Dateigröße
1043 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ausführlicher, unterrichtsentwurf, religionsstunde, thema, gleichnis, sohn
Arbeit zitieren
Laura Volkmann (Autor), 2017, Ausführlicher Unterrichtsentwurf zur Religionsstunde am mit dem Thema „Das Gleichnis vom verlorenen Sohn“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/423608

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