Ziel dieser Hausarbeit ist es, Thomas Mann und Gustav Stresemanns politisches Leben miteinander zu vergleichen und aufzuzeigen, ob und inwiefern das Prädikat des Vernunftrepublikaners auf Mann und/oder auch auf Stresemann zutrifft. Hierzu wird zunächst Manns und Stresemanns politische Entwicklung nachgezeichnet und Unterschiede sowie Gemeinsamkeiten aufgezeigt. Auf eine vollständige Nennung aller Ämter, Gremien und Tätigkeiten, welche Stresemann inne hatte beziehungsweise ausführte, wird verzichtet, da es den Rahmen dieser Hausarbeit sprengen würde. Beispielhaft werden nur einige herausragende Stationen genannt, welche nötig sind, um diesen Vergleich zu ermöglichen. Der Vergleich beschränkt sich auf den Zeitraum von Thomas Manns Geburtsjahr 1875 bis zu Gustav Stresemanns Tod 1929.
Als Grundlage dienten neben Ekkehart Baumgartners "Frühe Lebenskrise und Ursprung künstlerischer Produktivität: Thomas und Heinrich Mann, Hermann Hesse und Robert Musil, Franz Kafka und Rainer Maria Rilke im Vergleich" auch Julia Schölls "Einführung in das Werk Thomas Manns2 sowie Wilhelm von Sternburgs "Gustav Stresemann".
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Familie und Jugend
2.1 Thomas Mann
2.2 Gustav Stresemann
2.3 Gemeinsamkeiten und Unterschiede
3 Der Erste Weltkrieg
3.1 Thomas Mann
3.2 Gustav Stresemann
3.3 Gemeinsamkeiten und Unterschiede
4 Die Weimarer Republik
4.1 Thomas Mann
4.2 Gustav Stresemann
4.3 Gemeinsamkeiten und Unterschiede
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist der Vergleich des politischen Lebens von Thomas Mann und Gustav Stresemann, um zu analysieren, ob und inwiefern der Begriff des „Vernunftrepublikaners“ auf beide Persönlichkeiten zutrifft. Die Untersuchung zeichnet dabei ihre politische Entwicklung in der Zeitspanne von 1875 bis 1929 nach und arbeitet Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede heraus.
- Biografische Analyse von Herkunft und Sozialisation
- Politische Haltungen während des Ersten Weltkrieges
- Die Rolle in der Weimarer Republik
- Vergleich von „Denker“-Mentalität und „Macher“-Habitus
- Historische Einordnung der Vernunftrepublikaner-Debatte
Auszug aus dem Buch
3.1 Thomas Mann
„Muß man nicht dankbar sein für das vollkommen Unerwartete, so große Dinge erleben zu dürfen? Mein Hauptgefühl ist eine ungeheuere [syn.] Neugier – und, ich gestehe es, die tiefste Sympathie für dieses verhaßte, schicksals- und rätselvolle Deutschland, das, wenn es ,Civilisation´ bisher nicht unbedingt für das höchste Gut hielt, sich jedenfalls anschickt, den verworfensten Polizeistaat der Welt zu zerschlagen“18, so fasste Thomas Mann seine Kriegsbegeisterung in Worte und begann mit der Arbeit an seinem berüchtigsten Werk: „Betrachtungen eines Unpolitischen“19.
Bereits der Titel ist irreführend, denn es handelt sich hierbei nicht um ein Werk, in welchem sich der Autor bzw. der Protagonist von Politik losspricht und es lediglich um nicht-politische Themen geht, sondern das genaue Gegenteil ist der Fall. Unter dem Begriff „unpolitisch“ verstand Thomas Mann keinesfalls eine Person, welche sich nicht mit Politik befasst, sondern stattdessen versuchte er eine neue politische Anschauung zu kreieren. Diese setzte er in Kontrast zu den bereits vorhandenen Denkweisen. Der Begriff „unpolitisch“ ist in diesem Zusammenhang lediglich als weitere politische Denkweise neben bereits vordefinierten wie z.B. demokratisch, republikanisch, westlich usw.20 anzusehen.
So handelt es sich weniger um ein Buch über aktuelle politische Themen, sondern stattdessen viel mehr um einen Versuch Thomas Manns sein eigenes Empfinden von Politik darzustellen und auszudrücken. Auffällig ist, dass Mann sich überwiegend auf Literaten wie Goethe und Nietzsche stützte und nicht auf Politiker.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage und des Vergleichszeitraums zwischen Thomas Mann und Gustav Stresemann sowie der verwendeten Quellenbasis.
2 Familie und Jugend: Darstellung der unterschiedlichen sozialen Herkunft und Bildungswege, die den Habitus der beiden Protagonisten maßgeblich prägten.
3 Der Erste Weltkrieg: Analyse der Kriegsbegeisterung Thomas Manns und der politischen Ambitionen Gustav Stresemanns während der Kriegsjahre.
4 Die Weimarer Republik: Betrachtung der politischen Wandlung Thomas Manns zum Sozialismus und der praktischen, staatstragenden Rolle Stresemanns als Außenminister.
5 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der gegensätzlichen Charaktere, wobei Mann als „Denker“ und Stresemann als „Macher“ gegenübergestellt werden.
Schlüsselwörter
Weimarer Republik, Thomas Mann, Gustav Stresemann, Vernunftrepublikaner, Politischer Vergleich, Erster Weltkrieg, Betrachtungen eines Unpolitischen, Sozialismus, Demokratie, Kaiserreich, Politische Biografie, Nationalliberale Partei, Kultur, Zivilisation, Habitus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit vergleicht die politischen Lebensläufe von Thomas Mann und Gustav Stresemann zwischen 1875 und 1929.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Themen umfassen die familiäre Sozialisation, die Einstellung zum Ersten Weltkrieg sowie das politische Wirken in der Weimarer Republik.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Es wird untersucht, ob und inwieweit das Prädikat „Vernunftrepublikaner“ auf Thomas Mann und Gustav Stresemann zutrifft.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine biografische Vergleichsanalyse auf Grundlage der Fachliteratur durchgeführt, um politische Entwicklungen nachzuzeichnen.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bereiche Familie/Jugend, Erster Weltkrieg und Weimarer Republik, wobei die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Protagonisten in diesen Phasen erörtert werden.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit beschreiben?
Wichtige Begriffe sind Weimarer Republik, Vernunftrepublikaner, politischer Habitus, Denker vs. Macher und die politische Entwicklung von Mann und Stresemann.
Wie unterscheidet sich die politische Rolle der beiden Männer in der Weimarer Republik?
Während Thomas Mann sich erst allmählich und intellektuell zur Republik bekannte, handelte Stresemann als pragmatischer „Macher“, der als Außenminister politische Verantwortung übernahm.
Welche Bedeutung hat der „Bruderzwist“ für die politische Entwicklung Thomas Manns?
Der Konflikt mit seinem Bruder Heinrich Mann diente als Impuls für Thomas Mann, seine eigene „unpolitische“ Haltung polemisch zu definieren und sich im intellektuellen Diskurs abzugrenzen.
- Citar trabajo
- Anna Brauer (Autor), 2016, Vernunftrepublikaner in der Weimarer Republik? Thomas Mann und Gustav Stresemann im Vergleich, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/423676