Ziel dieser Arbeit ist es, Charakteristika und Bedeutung Harsdörffers „Der Grosse Schauplatz Lust- und Lehrreicher Geschichte“ (LLG) herauszuarbeiten. Dazu werden die Druckgeschichte, die formale und inhaltliche Struktur des Textes sowie die Intention des Autors analysiert. In allen genannten Analysekategorien fällt die enge Verbindung zu Harsdörffers anderem Schauplatz, "Der Grosse Schauplatz Jämmerlicher Mordgeschichte (JMG) auf. Eine getrennte wissenschaftliche Betrachtung der beiden Texte erscheint daher als nicht sinnvoll. Da andererseits der begrenzte Umfang der vorliegenden Arbeit eine umfassende Analyse beider Texte nicht gewährleisten kann, soll der Schwerpunkt auf der LLG liegen und Hinweise bzw. Vergleiche mit der JMG eher selektiv gemacht werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Druckgeschichte
3. Formale und inhaltliche Struktur
4. Intention des Autors
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Ausarbeitung analysiert das Werk „Der Grosse Schauplatz Lust- und Lehrreicher Geschichte“ von Georg Philipp Harsdörffer, um dessen inhaltliche Charakteristika, die formale Struktur sowie die didaktische Intention des Autors herauszuarbeiten und in Bezug zu dessen Gesamtwerk, insbesondere zu den „Jämmerlichen Mordgeschichten“, zu setzen.
- Analyse der Druckgeschichte und Editionsmerkmale der Schauplätze
- Untersuchung der formalen Makro- und Mikrostruktur (Erzählaufbau)
- Dekonstruktion der moralisch-didaktischen Intention des Autors
- Vergleich der „Lust- und Lehrreichen Geschichte“ mit den „Jämmerlichen Mordgeschichten“
- Untersuchung der Exempelstruktur als Vermittlungsinstrument christlicher Sittenlehre
Auszug aus dem Buch
3. Formale und inhaltliche Struktur
Eng verknüpft mit der vorstehend beschriebenen Druckgeschichte ist die formale Struktur der LLG. Während die erwähnte Erstausgabe von 1648 offiziell nur 100 Erzählungen umfasst, wurde die zweite Auflage 1651 um zusätzliche 100 Geschichten erweitert. Dadurch kommt eine Untergliederung in zwei Bände zustande, die ihrerseits jeweils vier Teile mit je 25 Erzählungen umfassen. Tatsächlich sind aber, nicht nur aufgrund der nicht mitgezählten kurzen Erzählungen des Anhangs und fehlerhafter Nummerierung, insgesamt mehr als 200 Erzählungen enthalten. Auf diese Tatsache weist auch Harsdörffer selbst in der Vorrede des zweiten Bandes hin: „Wann man [...] solche genau rechnen wollte / werde man nicht nur hundert / sondern vielleicht noch so viel absonderlicher Erzehlungen finden.“ Die über den ersten Band hinweg fortlaufende Nummerierung der Teile weist darauf hin, dass beide Bände als zusammengehörig gekennzeichnet werden sollten. Da die JMG nicht in Bände aufgeteilt wurde, ist anzunehmen, dass die Trennung in der LLG eher publikationstechnische oder anderweitige Gründe gehabt haben könnte, als inhaltlich beabsichtigt gewesen zu sein.
Den Erzählungen vorangestellt ist jedem Band eine Vorrede, in der beispielsweise theoretische Vorüberlegungen und die Intention des Autors dargelegt werden. Da der erste Band die ursprüngliche Erstausgabe darstellt, enthält er neben dem Titelbild weitere Paratexte wie die „Erklärung deß Tittel-Bildes“, eine Widmung, eine Zuschrift und ein Send-Schreiben. Außerdem enthalten beide Bände jeweils ein Register vor und ein „Inhalts Register“ nach den Erzählungen. Auch hier zeigt sich die Verbindung zur JMG. Die formale Grundstruktur ist in beiden Schauplätzen identisch. Neben der strengen äußeren Gliederung lässt sich in beiden Texten zudem auch innerhalb der einzelnen Erzählungen eine feste formale Struktur ausmachen: Jede Erzählung besteht aus zwölf Argumenten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Autors Georg Philipp Harsdörffer als Universalgelehrten und Einleitung in die wissenschaftliche Fragestellung bezüglich seines Werks „Der Grosse Schauplatz Lust- und Lehrreicher Geschichte“.
2. Druckgeschichte: Analyse der Entstehungsgeschichte, der Auflagen sowie der programmatischen Einbettung der Schauplätze als didaktisches Projekt in Nachfolge der „Frauenzimmer Gesprächspiele“.
3. Formale und inhaltliche Struktur: Untersuchung der symmetrischen Gliederung der Bände, der Erzählanordnung sowie der Anwendung der klassischen Exempelstruktur innerhalb des Werkes.
4. Intention des Autors: Dekonstruktion der moralischen und pädagogischen Ziele des Autors, wobei die Metaphorik des „Schauplatzes“ als Mittel der Unterhaltung und Belehrung im Sinne einer christlichen Sittenlehre interpretiert wird.
5. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse, die Harsdörffers Werk als methodisch strukturiertes Instrument zur Vermittlung christlicher Werte durch unterhaltsame Exempel charakterisieren.
Schlüsselwörter
Georg Philipp Harsdörffer, Der Grosse Schauplatz Lust- und Lehrreicher Geschichte, Jämmerliche Mordgeschichte, Barockliteratur, Exempelliteratur, Didaktik, Sittenlehre, Erzählstruktur, Moral, 17. Jahrhundert, Buchgeschichte, Paratexte, Theatrum Mundi, Literaturwissenschaft, Unterhaltungsliteratur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den formalen und inhaltlichen Charakteristika des Werkes „Der Grosse Schauplatz Lust- und Lehrreicher Geschichte“ des Nürnberger Autors Georg Philipp Harsdörffer.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Ausarbeitung?
Sie beleuchtet schwerpunktmäßig die Druckgeschichte, die formale Gliederung in Bände und Argumente, die Intention des Autors sowie die didaktische Einbettung der enthaltenen Exempelerzählungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Harsdörffers Programmatik hinter den „Schauplätzen“ zu rekonstruieren und zu erklären, warum diese Werke im 17. Jahrhundert einen solchen Erfolg beim Publikum feiern konnten.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die primäre Quellen wie Vorreden und Paratexte des Werkes mit dem aktuellen Forschungsstand (z.B. Stefan Manns) abgleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Druckgeschichte, die Untersuchung der strengen formalen Struktur (Makro- und Mikroebene) und die Erörterung der moralisch-didaktischen Absichten des Autors.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Barockliteratur, Exempelliteratur, Didaktik, christliche Sittenlehre, Erzählstruktur sowie der Vergleich der beiden „Schauplätze“ (LLG und JMG).
In welchem Verhältnis stehen die beiden Schauplätze (LLG und JMG) zueinander?
Die Arbeit zeigt auf, dass beide als zusammengehöriges Projekt konzipiert sind, wobei sie sich primär durch die inhaltliche Trennung in fröhliche Geschichten (LLG) und traurige, verbrechensbezogene Geschichten (JMG) unterscheiden.
Welche Rolle spielt die Metapher des „Schauplatzes“ für Harsdörffer?
Der Begriff dient sowohl der marktorientierten Vermarktung als auch der inhaltlichen Ausgestaltung, da er den Leser als Beobachter auf ein „theatrum mundi“ (Welttheater) versetzt und so die moralische Wirkung der Beispiele verstärkt.
- Arbeit zitieren
- Steven Dunn (Autor:in), 2017, Charakteristika und Bedeutung von Georg Philipp Harsdörffers „Der Grosse Schauplatz Lust- und Lehrreicher Geschichte“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/423838