Die vorliegende Arbeit bezieht sich auf das Thema: „Flüchtlingsexistenz(en) in Arno Surminskis Kudenow oder An fremden Wassern weinen“.
Der Roman handelt von Lebensumständen, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland herrschen. Deutsche Flüchtlinge lassen sich in Kudenow nieder, wo sie jeden Tag einen Kampf um das Überleben führen und den Auseinandersetzungen mit den Einheimischen ausgesetzt werden. Das Ziel der Arbeit basiert also auf der Analyse einer schweren Lage deutscher Flüchtlinge, die zweifelsohne ihren physischen und psychischen Zustand beeinflusst. Dabei stellt sich die Frage nach der Integration in die neue Gesellschaft. In diesem Sinne werden am Beispiel von einigen Flüchtlingsexistenzen das alltägliche Leben und die sich damit verbundenen Probleme und Konflikte in der Nachkriegszeit dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1 Zur Zielbestimmung
2 Flüchtlingsexistenz
2.1 Flucht und ihre Motive
2.2 Emotionale Zone
3 Zum Raumdiskurs
3.1 Zur Theorie des Zwischenraumes
3.2 Zustand der Heimatlosigkeit
4 Zum Gedächtnisdiskurs
4.1 Gedächtnis im Spannungsfeld von Erinnern und Vergessen
4.2 (Re)Konstruktion des individuellen und kollektiven Gedächtnis
5 Zum Inhalt des Romans Kudenow oder An fremden Wassern weinen
6 Zur Erzählperspektive
7 Kudenow als sozialer Raum
7.1 Rangordnung unter den Bewohnern
7.2 Der tägliche Existenzkampf
8 Figurenkonstellationen
8.1 Zur Opposition ‚Flüchtling - Einheimischer‘
8.2 Bruder-Schwester-Verhältnis: Kurt und Ella Marenke
8.3 Mutter Marenke als Spielball der Geschichte
9 Schlussfolgerungen
10 Literatur
10.1 Primärliteratur
10.2 Sekundärliteratur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die „Flüchtlingsexistenz(en)“ in Arno Surminskis Roman Kudenow oder An fremden Wassern weinen und untersucht dabei die physischen sowie psychischen Belastungen deutscher Flüchtlinge in der Nachkriegszeit. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie diese Individuen in einer feindseligen Umgebung ihren Alltag meistern, mit traumatischen Erfahrungen umgehen und welche soziologischen Raum- und Gedächtniskonzepte ihre Integration in die neue Gesellschaft prägen.
- Analyse der Fluchtmotive und des existenziellen Zustands von Vertriebenen
- Untersuchung des soziologischen Raumdiskurses und der räumlichen Exklusion
- Bedeutung von Gedächtnis, Erinnern und Trauma in der Identitätsbildung
- Analyse der Figurenkonstellationen und sozialen Hierarchien in Kudenow
Auszug aus dem Buch
2.1 Flucht und ihre Motive
Das Phänomen der Flucht und der Flüchtlingsexistenz ist ein aktuelles, brisantes Thema. Wenn man auf die Geschichte zurückgreift, bedeutete die Beendigung des Zweiten Weltkrieges den Beginn der Flucht von mehr als sechzehn Millionen Menschen aus dem Osten. Dieses Ereignis soll man als eine Massenflucht bezeichnen, mit der sich viele ähnliche, aber auch unterschiedliche Einzelschicksale verbinden. Die Menschen sind aus dem südosteuropäischen Raum, aus der Heimat gewaltsam geflohen. Von 1945 bis 1950 kamen sie als Flüchtlinge nach Deutschland, in ein Land, das als keine wohlhabende Aufnahmegesellschaft, sondern im Gegenteil, als ein durch Bombardement zerstörtes und völlig verarmtes Land galt.
Die Flucht kommt infolge verschiedener Push- und Pull-Faktoren, gesellschaftlich politischer Konstellationen, brutal durchgesetzter Machtansprüche und Machtentfaltungen zustande. Sie ist das Ergebnis der existenziellen Bedrohung. Als ein weiterer Faktor gelten Kriege und bewaffnete Konflikte lokaler Art oder Bürgerkriege. Bei der Migrationsbewegung können sich im Hintergrund national-ethnische Auseinandersetzungen abspielen. Durch bestimmte Abschottungstendenzen fühlen sich die Menschen unglücklich und diskriminiert. Ein kulturell-religiöses Dominanzverhalten von Machthabern oder wirtschaftlich-finanzielle Notstände sowie ökonomische Bedingungen führen zweifelsohne zur Flucht. All diese Faktoren tragen dazu bei, dass man aus diesen störungsgeladenen Raumstrukturen ausbrechen möchte. Es gibt aber Motive der Flucht, die den Betroffenen keine freie Entscheidung bieten, sondern zur Flucht zwingen, denn Zwang und Gewalt ins Spiel gebracht werden. Der Hauptgrund der Flucht während des Zweiten Weltkrieges ist auf jeden Fall der permanente Angstzustand vor Gewalt, Vergewaltigung oder Tod. Kleßmann weist aber auf einen weiteren Aspekt, und zwar auf die ‚ethnische Säuberung‘. Mit diesem Prozess ist eine ‚massive Verpflanzung‘ ethnischer Minderheiten gemeint. Das Ziel ist, eine Homogenisierung der Staaten einzuführen. Der politische Radikalisierungsprozess löst die national-sozialistische Politikaus, die zu einem erzwungenen Bevölkerungsaustausch beiträgt. Die sogenannte ‚Lebensraumeroberung‘ liefert keine andere Möglichkeit als die Flucht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Zur Zielbestimmung: Die Arbeit erläutert die zentrale Fragestellung und den methodischen Aufbau zur Untersuchung der Flüchtlingsexistenz in Surminskis Roman.
2 Flüchtlingsexistenz: Dieses Kapitel behandelt die Motive der Flucht sowie die emotionalen Auswirkungen und psychischen Belastungen, die mit einer erzwungenen Migration einhergehen.
3 Zum Raumdiskurs: Es werden soziologische Raumkonzepte vorgestellt, um die Begriffe Heimatlosigkeit und Zwischenraum im Kontext der Flüchtlingserfahrung zu klären.
4 Zum Gedächtnisdiskurs: Die Analyse konzentriert sich auf das Zusammenspiel von Erinnern und Vergessen sowie die Bedeutung von kollektivem Gedächtnis und Trauma bei der Identitätsbildung.
5 Zum Inhalt des Romans Kudenow oder An fremden Wassern weinen: Eine inhaltliche Einführung in den Roman, die die Lebensumstände der Familie Marenke im Nachkriegsdeutschland skizziert.
6 Zur Erzählperspektive: Die Untersuchung der Erzählsituation im Roman, insbesondere die auktoriale Erzählweise und deren Einfluss auf die Leserwahrnehmung.
7 Kudenow als sozialer Raum: Die Analyse der sozialen Hierarchien und des Existenzkampfes zwischen Flüchtlingen und Einheimischen in Kudenow.
8 Figurenkonstellationen: Die detaillierte Untersuchung der Beziehungen zwischen den Hauptcharakteren und deren Rollen innerhalb der sozialen Strukturen des Romans.
9 Schlussfolgerungen: Eine zusammenfassende Reflexion der theoretischen und analytischen Ergebnisse der Diplomarbeit.
Schlüsselwörter
Flüchtlingsexistenz, Flucht, Nachkriegszeit, Raumdiskurs, Gedächtnisdiskurs, Heimatlosigkeit, Identität, Trauma, soziale Integration, Existenzkampf, Zwischenraum, kollektives Gedächtnis, Figurenkonstellationen, Arno Surminski, Kudenow
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit untersucht die literarische Darstellung von Flüchtlingsexistenzen in Arno Surminskis Roman Kudenow oder An fremden Wassern weinen und analysiert die schwierigen Lebensbedingungen sowie die psychischen Folgen von Flucht und Vertreibung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Themen Fluchtmotive, soziale Raumkonzepte, Gedächtnisdiskurs (Erinnern, Vergessen, Trauma) und die sozialen Hierarchien im Nachkriegsdeutschland.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Analyse der schweren Lage deutscher Flüchtlinge in der Nachkriegszeit und die Beantwortung der Frage, wie diese Menschen in die neue Gesellschaft integriert werden und welchen Einfluss dieser Prozess auf ihr psychisches Befinden hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine Kombination aus literaturwissenschaftlicher Textanalyse und soziologischen Theorien (unter anderem von Pierre Bourdieu, Niklas Luhmann und Maurice Halbwachs) angewandt, um die literarischen Befunde theoretisch einzuordnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil über Flucht und Raum/Gedächtnis sowie einen analytischen Teil, in dem die Figuren, die Erzählperspektive und der soziale Raum im Roman untersucht werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselbegriffe sind Flüchtlingsexistenz, Trauma, Heimatlosigkeit, Zwischenraum, kollektives Gedächtnis und sozialer Existenzkampf.
Welche Rolle spielt der Begriff „Zwischenraum“ im Roman?
Der Zwischenraum symbolisiert den Zustand der Flüchtlinge, die sich zwischen dem Verlust der alten Heimat und dem schwierigen, ungesicherten Neuanfang an einem fremden Ort befinden.
Warum ist die Beziehung zwischen Kurt und Ella Marenke von besonderem Interesse?
Die Geschwister zeigen durch ihre unterschiedlichen Bewältigungsstrategien – Kurt durch den Rückzug in Traumata und Erinnerungen, Ella durch materialistische Härte – die Bandbreite der Folgen, die Flucht auf Kinder und Jugendliche hat.
- Arbeit zitieren
- Aleksandra Lange (Autor:in), 2017, Flüchtlingsexistenz(en) in Arno Surminskis "Kudenow oder An fremden Wassern weinen", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/424110