Fort- und Weiterbildung als Instrument zur Reduzierung von Arbeitsbelastung bei Pflegekräften in der Pflege von Menschen mit kognitiven Einschränkungen


Examensarbeit, 2018

40 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung
1.1 Beweggrund
1.2 Thesen
1.2.1 Hauptthese
1.2.2 Unterthese
1.3 Vorgehensweise/ genutzte Literatur
1.3.1 Recherche
1.3.2 Aufbau Facharbeit
1.4 Ziel der Auseinandersetzung

2 Begriffsbestimmungen
2.1 Arbeitsbelastung, psychische Belastung
2.1.1 Arbeitsbelastung
2.1.2 psychische Belastung
2.2 Fort- und Weiterbildungen, Fachweiterbildungen
2.2.1 Fortbildung
2.2.2 Weiterbildung
2.2.3 Fachweiterbildung
2.3 kognitive Einschränkungen
2.4 kognitive Einschränkungen in der gerontopsychiatrischen Pflege
2.5 Pflegekraft

3 Die Bedeutung von Fort- und Weiterbildung
3.1 Forschungsergebnisse
3.2 Auswirkung mangelnder Kompetenzen auf die psychische Belastungvon Pflegekräften
3.3 Fort- und Weiterbildung zur Kompetenzerweiterung
3.3.1 Kompetenzerweiterung von Pflegekräften in der Pflege von Menschen mit Demenz
3.3.2 Kompetenzerweiterung in der Selbstpflege
3.4 Auswirkungen von Kompetenzerweiterung durch Fort- und Weiterbildung auf die psychische Belastung von Pflegekräften in der gerontopsychiatrischen Pflege

4. Eigene Erfahrungen

5. Kritische Auseinandersetzung

6. Zusammenfassung

7. Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Beweggrund

Als Pflegekraft sowie als Wohnbereichsleitung eines Wohnbereiches für Menschen mit Demenz sehe ich für mich eine besondere Verantwortung, die durch die besonderen Beanspruchungen in der Pflege von Menschen mit kognitiven Einschränkungen bei Pflegekräften auftretenden Belastungen, insbesondere der psychischen Belastungen, zu erkennen und mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu minimieren. Dazu gehört neben anderen auch das Stärken und Fördern von vorhandenen Ressourcen, Potenzialen, Kenntnissen und Kompetenzen, welche es den Pflegekräften ermöglichen, mit den an sie gestellten Anforderungen und Belastungen umzugehen.

Im Rückblick auf die Fachweiterbildung zur Gerontopsychiatrischen Fachkraft bemerke ich bei mir eine positive Veränderung meiner Arbeitszufriedenheit in der Pflege von Menschen mit kognitiven Einschränkungen. Beispielsweise der Umgang mit bei Menschen mit kognitiven Einschränkungen immer wieder auftretenden Verhaltensauffälligkeiten war vor der Fachweiterbildung geprägt von Bauchgefühl, Halbwissen, Versuch, Irrtum und erneutem Versuch. Dies führte nicht selten zur Verstärkung von Verhaltensauffälligkeiten. Dadurch bedingt konnte ich neben der beim Menschen mit kognitiven Einschränkungen auftretenden Verunsicherung auch bei mir belastende Faktoren feststellen. Zum einen war mir daran gelegen, dass es dem mir anvertrauten Menschen so gut wie möglich geht, zum anderen traten Situationen auf, in denen die von mir gewählten Maßnahmen nicht den gehofften Erfolg zeigten, was eine Unzufriedenheit meinerseits zur Folge hatte. Außerdem spielte auch der Zeitfaktor eine nicht zu unterschätzende Rolle, Versuch, Irrtum und neuer Versuch benötigten mehr Zeit, welche mir für andere Tätigkeiten fehlte. Diese Kriterien verursachten rückblickend einen latenten, jedoch stetig vorhandenen Stresspegel im Umgang mit Menschen mit kognitiven Einschränkungen.

Im Rahmen der Fachweiterbildung wurden meine fachlichen, methodischen, personalen sowie sozial-kommunikativen Kompetenzen gestärkt und erweitert. Dies ermöglicht mir, mit den Besonderheiten in der Pflege von alten Menschen mit kognitiven Einschränkungen einen zielgerichteteren und entspannteren Umgang. Aus meiner Wahrnehmung ist dies auf ein größeres Wissen um Krankheitsbilder, welche mit kognitiven Einschränkungen einhergehen, sowie einem mit diesem Wissen gewachsenen Kompetenzzuwachs zu begründen. Hierzu zählen Instrumente und Methoden wie z.B. Validation oder Biographiearbeit genauso wie eine Sensibilisierung bezüglich der Wahrnehmung von Wünschen und Bedürfnissen meines Gegenübers. Neben dem Menschen mit kognitiven Einschränkungen betrifft dies auch die Kommunikation mit anderen, an der Pflege dieser Menschen beteiligten Personen wie Angehörigen, Teammitgliedern im Arbeitsbereich, Ärzten, Therapeuten u.a.. Durch die gezielte Weitergabe von Beobachtungen an den behandelnden Arzt, beispielsweise von Anzeichen, welche auf Schmerzen hindeuten, kann eine Schmerzbehandlung optimiert werden. Dies kann für den Menschen mit kognitiven Einschränkungen ein Gewinn an Lebensqualität sein. Auch Erklärungen zu Verhaltensauffälligkeiten in Zusammenhang mit dem Krankheitsbild helfen Angehörigen, hiermit gelassener umzugehen. Ein Angehöriger, der weiß, dass aufgrund einer Agnosie, also dem nicht mehr Erkennen und Zuordnen können bestimmter Gegenstände zu bestimmten Handlungsabläufen, sieht, dass das Besteck beim Essen nicht mehr genutzt wird, erkennt einen Gewinn darin, wenn sein von kognitiven Einschränkungen betroffener Angehöriger mit den Fingern isst.

Auch die Kompetenz, die eigenen Befindlichkeiten und Bedürfnisse wahrzunehmen und der Transfer dieser zur Erreichung von Veränderungen und Verbesserungen wurde gestärkt. Hier sei als ein Beispiel die gewaltfreie Kommunikation[1] genannt, welche mich zum Hinterfragen der eigenen Wahrnehmung, der eigenen Wünsche und Bedürfnisse brachte und mir eine Möglichkeit an die Hand gab, diese meinem Gegenüber zu vermitteln.

Zusätzlich zu dieser Eigenwahrnehmung in Bezug auf meine Weiterbildung ergab sich die im folgenden beschriebene Situation, welche mich dazu veranlasste, das im Titel genannte Thema für meine Facharbeit zu wählen:

Als ich mit Beginn meiner Frühschicht den Wohnbereich für Menschen mit Demenz, auf welchem ich arbeite, betrat, wurde ich sofort von einer sichtlich angespannten Pflegemitarbeiterin des Nachtdienstes abgefangen. Sie erzählte mir, dass eine Bewohnerin des Bereiches in den frühen Morgenstunden den Bereich barfuß und im Nachthemd verlassen habe und sich zurzeit im Treppenhaus aufhalte. Alle Versuche, sie in einen warmen, nicht so sturzgefährdeten Bereich zu leiten, führten zu immer größerem ablehnenden, teilweise verbal aggressivem Verhalten. So habe sie der Bewohnerin mehrfach gesagt, dass es Nacht und damit Schlafenszeit sei, auch mit der Aussicht auf ein warmes Bett versuchte sie es. Dabei habe sie immer wieder versucht, die Bewohnerin an die Hand zu nehmen, diese habe dies aber nicht zugelassen. Sie bat mich, mich um diese Bewohnerin zu kümmern, da sie noch verschiedene andere Bewohner versorgen musste und zusätzlich mehrere Rufklingeln gingen, welche bedient werden mussten. Ich begab mich ins Treppenhaus, beobachtete kurz die Bewohnerin und trat dann unter Anwendung meiner Kenntnisse der Integrativen Validation an sie heran und stellte den Blickkontakt mit ihr her. Die Bewohnerin wirkte verunsichert, fast ängstlich, aber auch verärgert. Ich spiegelte die wahrgenommenen Gefühle wider, verdeutlichte ihr dies mit meiner Mimik und Körperhaltung. ‚Wenn man nicht mehr weiß, wo man hinmuss, dann kriegt man Angst! Und dass es einem dann noch kalt ist, ist richtig ärgerlich!‘ Mit diesen Worten begleitete ich sie auf ihrem Weg durchs Treppenhaus. Nach ein paar Stufen sah sie mich nochmals an, ergriff meinen Arm und ließ sich von mir leiten. Mit der Weisheit ‚Der Weg ist das Ziel‘ erzeugte ich ein Lächeln in ihrem Gesicht. Wir gingen langsam, von mir gelenkt, zurück auf den Wohnbereich, wo die Bewohnerin sich auf einem Sofa niederließ. Ich deckte sie mit einer Decke zu und brachte ihr einen Kaffee, welchen sie dankbar lächelnd und sichtlich entspannt entgegennahm. Ich verabschiedete mich mit einem festen Händedruck von der Bewohnerin.

Im anschließenden Gespräch mit meiner Nachtwachenkollegin äußerte diese, dass sie nicht mehr weitergewusst habe, da sie keine Idee mehr hatte, wie sie mit der Bewohnerin in Kontakt treten könnte, um die Situation zu entspannen. Sie habe zuerst versucht, sie mit dem Hinweis auf die Nachtzeit zurück zu bewegen, auch der Hinweis, sie habe keine Schuhe an und könnte so nicht weiterlaufen, brachte die Bewohnerin nicht zum Umkehren. Gleichzeitig wäre sie immer mehr in eine Stresssituation geraten, da ja auch die anderen Bewohner versorgt werden mussten. Die Kollegin wirkte auf mich jetzt nicht mehr gestresst, jedoch sagte sie mir, dass sie in einer erneut auftretenden ähnlichen Situation trotzdem nicht wisse, wie sie handeln solle. Ich besprach mit ihr die Möglichkeit, ihre beiden Nachtwachenkolleginnen dann zu bitten, die Notrufklingeln auf ihrem Bereich zu übernehmen, um den Zeitdruck heraus zu nehmen. Die Kontaktaufnahme zur Bewohnerin wurde von mir nochmals beschrieben, ich stellte heraus, dass der Augenkontakt und die Augenhöhe wichtige Elemente sind. Auch, dass der Bewohnerin Zeit zum Reagieren auf den Blickkontakt eingeräumt werden muss, bevor weitere Kommunikation möglich ist. Dann beschrieb ich ihr, wie wichtig das Wahrnehmen und Spiegeln der Gefühle der Bewohnerin ist, damit diese sich verstanden fühlt. Da dies jedoch insbesondere nach einem anstrengenden Nachtdienst jetzt zu detailliert wurde, versprach ich ihr, mich über geeignete Fortbildungsmöglichkeiten, beispielsweise Validation, zu informieren und diese mit ihr zu besprechen.

1.2 Thesen

1.2.1 Hauptthese

Anhand in der Einleitung ausgeführter Erfahrungen zeigt sich:

Fachliche Fort- und Weiterbildungen erhöhen die Handlungskompetenz der Pflegekräfte in der Arbeit mit Menschen mit kognitiven Einschränkungen.

1.2.2 Unterthese

Neben fachlichen Fort- und Weiterbildungen spielt auch die Fähigkeit zur Selbstpflege eine zu beachtende Rolle, um einen guten Umgang mit den psychischen Belastungen zu gewährleisten:

Fort- und Weiterbildungen dienen der Erweiterung der persönlichen Ressourcen und ermöglichen einen lösungsorientierten Umgang mit psychischen Belastungen

1.3 Vorgehensweise/ genutzte Literatur

1.3.1 Recherche

Beginnend mit den für diese Facharbeit relevanten Begriffen Pflegekraft, Arbeitsbelastung, psychische Belastung, Menschen mit kognitiven Einschränkungen, kognitive Einschränkungen in der gerontopsychiatrischen Pflege, Fort- und Weiterbildung sowie Fachweiterbildung erfolgte eine Recherche in verschiedenen Internetportalen, ein Verweis der genutzten Webseiten erscheint jeweils in den Fußnoten sowie im Literaturverzeichnis. Hierbei ist festzustellen, dass es nicht zu allen Begriffen eine einheitliche, allgemeingültige Definition gibt. Beim Fehlen einer solchen Definition wurden stattdessen die vorhandenen, in Bezug auf das Thema aussagekräftigsten Beschreibungen der Begriffe verwendet.

Unter variierender Eingabe der Begriffe Arbeitsbelastung, psychische Belastung, Fachweiterbildung, Fort- und Weiterbildung, kognitive Einschränkungen, kognitive Einschränkungen in der gerontopsychiatrischen Pflege sowie Pflegekräfte in den Suchmaschinen google scholar, Livivo und grin wurden Studien und Literatur aus dem deutschsprachigen Raum zusammengetragen. Die durch die Bibliothek der kbs Mönchengladbach sowie durch Dozenten bereitgestellte Literatur zum Thema wurde einbezogen. Es zeigte sich, dass zur Arbeitsbelastung im Bereich der Pflege von Menschen mit kognitiven Einschränkungen, insbesondere im gerontopsychiatrischen Bereich, in Bezug auf Fort- und Weiterbildungen nur wenig deutschsprachige Literatur zu finden ist. Daher wurden auch allgemeinere Studien und Literatur bzgl. Fort- und Weiterbildung zur Reduzierung von Arbeitsbelastung in der Pflege mit einbezogen.

Für die vorliegende Facharbeit wurden Vergleichsstudien zu gesundheitlichen Beschwerden und Belastungen am Arbeitsplatz, Studien zum Arbeitsschutz, zu Belastungen und Ressourcen in der Pflege sowie zu Arbeitszufriedenheit und Motivation einbezogen.

Um auf die besonderen Belastungen im Bereich der Pflege von Menschen mit kognitiven Einschränkungen in der gerontopsychiatrischen Pflege einzugehen, liegt zum Kriterium Arbeitsbelastung der Schwerpunkt hier auf psychischen Belastungen, welche auf Grund der bei kognitiven Einschränkungen erschwerten Kommunikation sowie gehäuft auftretenden Verhaltensauffälligkeiten besonderer Beachtung bedürfen. Da sich zur Thematik Menschen mit kognitiven Einschränkungen in der gerontopsychiatrischen Pflege vorwiegend Studien und Literatur zum Umgang und der Pflege von Menschen mit Demenz fanden wurde die besondere Belastung in der Pflege dieser Personengruppe beschrieben. Literatur und Studien bezüglich dieser fließen hier zur Verdeutlichung der auftretenden Problematik und der Möglichkeiten mit ein.

Mit Rechercheergebnissen zur Auswirkung mangelnder Kompetenzen und der Möglichkeiten der Kompetenzerweiterung sowohl auf fachlicher Ebene als auch zur Förderung der Selbstpflegekompetenz gelingt die Verbindung von psychischen Belastungen, Arbeitszufriedenheit und Fort- und Weiterbildung bei Pflegekräften in der Pflege von Menschen mit kognitiven Einschränkungen in der gerontopsychiatrischen Pflege.

1.3.2 Aufbau Facharbeit

Beginnend mit Erklärungen und Definitionen zu den für diese Facharbeit relevanten Begriffen Arbeitsbelastung und psychischer Belastung, Fort- und Weiterbildung sowie Fachweiterbildung, Menschen mit kognitiven Einschränkungen, kognitive Einschränkungen in der gerontopsychiatrischen Pflege und dem Begriff Pflegekräfte wird im weiteren Verlauf der Zusammenhang dieser Begriffen hergestellt. Dazu werden die Forschungsergebnisse sowie zum Thema passende Literatur aufgeführt. Die Auswirkungen mangelnder Kompetenzen auf die psychische Belastung von Pflegekräften wird im nächsten Abschnitt verdeutlicht. Des Weiteren wird die Kompetenzentwicklung durch Fort- und Weiterbildung beleuchtet. Im Anschluss wird aufgezeigt, dass fachliche Fort-und Weiterbildungen von Pflegekräften in der Arbeit mit Menschen mit kognitiven Einschränkungen in der gerontopsychiatrischen Pflege, hier in Hinblick auf die Pflege von Menschen mit Demenz, zu einer höheren Handlungskompetenz dieser Pflegekräfte führen. Als Beispiel eines Fortbildungsthemas wird die Validation nach Nicole Richard gewählt. Anschließend wird herausgearbeitet, dass Fort- und Weiterbildungen der Erweiterung der persönlichen Ressourcen im Umgang mit psychischen Belastungen dienen, in dem sie einen lösungsorientierten Umgang mit diesen ermöglichen. Hier liegt der Schwerpunkt der Ausführungen auf der Selbstpflege der Pflegekräfte, am Beispiel Team - Supervision wird aufgezeigt, dass der Arbeitgeber Einfluss auf die Selbstpflegekompetenz nehmen kann. Die Auswirkungen der Kompetenzerweiterung durch Fort- und Weiterbildungen auf das Belastungsempfinden von Pflegekräften in der gerontopsychiatrischen Pflege werden ausgearbeitet.

Eigene Erfahrungen bezüglich einer Kompetenzerweiterung durch Fort- und Weiterbildungen sowie durch Fachweiterbildung fließen am Ende der Ausarbeitung mit ein. Danach erfolgt eine kritische Auseinandersetzung mit den zu Anfang aufgestellten Thesen.

Eine Zusammenfassung dieser Auseinandersetzung sowie das hieraus gezogene Fazit schließen diese Facharbeit ab.

1.4 Ziel der Auseinandersetzung

Der in der Öffentlichkeit und in den Medien vielfach genannte demographische Wandel mit Zunahme alter und hochaltriger Menschen bei gleichzeitiger Abnahme von Menschen im erwerbsfähigen Alter zeigt auch Auswirkungen im Bereich der Pflege von Menschen mit kognitiven Einschränkungen. Die Anzahl von pflegebedürftigen Menschen mit kognitiven Einschränkungen, welche im höheren Alter z.B. im Zusammenhang einer Demenz auftreten, wird in Zukunft weiter ansteigen. Demgegenüber nimmt die Zahl der Erwerbstätigen insgesamt ab. Beispielsweise im Kreis Viersen fehlen Prognosen und Hochrechnungen zufolge 2030 1297,8 Vollzeit-Pflegekräfte im stationären Bereich, 298,6 im ambulanten. Demgegenüber steigt die Zahl der Pflegebedürftigen von 10753 im Jahr 2013 auf 14888 im Jahr 2030, hiervon werden 45% von ambulanten Pflegediensten oder in stationären Einrichtungen versorgt.[2] Bei dem jetzt schon vorherrschenden Mangel an Pflegekräften verdeutlicht dies die Brisanz sowohl für die im Beruf befindlichen Pflegekräfte als auch für die auf Pflege angewiesenen Menschen.

Daher erscheint es elementar, für gute Arbeitsbedingungen sowie eine Reduzierung der Arbeitsbelastung bei Pflegekräften in der Pflege von Menschen mit kognitiven Einschränkungen zu sorgen. Damit ermöglicht man es diesen Pflegekräften, lange Zeit die hohen beruflichen Anforderungen erfüllen zu können und ihre persönliche Belastung zu minimieren, was zu einem längeren Verbleib im Pflegeberuf führen kann.

Ziel dieser Facharbeit ist es, aufzuzeigen, dass sich Fort- und Weiterbildungen von Pflegekräften in der Pflege von Menschen mit kognitiven Einschränkungen positiv auf die Arbeitszufriedenheit auswirken, und damit die Arbeitsbelastung reduziert werden kann. Dabei wird einerseits die Kompetenzsteigerung in Bezug auf die pflegerische Arbeit beleuchtet, andererseits findet auch die Förderung der Selbstpflegekompetenz Beachtung.

2 Begriffsbestimmungen

2.1 Arbeitsbelastung, psychische Belastung

2.1.1 Arbeitsbelastung

Nach DIN EN ISO 6385 Grundsätze der Ergonomie von Arbeitssystemen wird Arbeitsbelastung wie folgt beschrieben:

‚Gesamtheit der beim Arbeiten auf den physiologischen und/oder psychologischen Zustand des Menschen wirkenden erfassbaren Einflüsse; durch deren Art, Höhe und Dauer der Einwirkung bzw. Beschaffenheit näher gekennzeichnet. Einflussgrößen können z.B. die Schwere der Arbeit, die Körperstellung oder die Arbeitsanforderungen sein.‘[3]

Eine detailliertere Beschreibung zeigt das im folgenden aufgeführte Zitat:

‚Arbeitsbelastung sind alle äußeren Bedingungen und Anforderungen, die auf Körper oder Psyche von Personen an ihrem Arbeitsplatz einwirken. Dabei werden sowohl wahrnehmbare wie nicht wahrnehmbare Umstände einbezogen und zwar als sogenannte (nicht individualisierte) Belastungsgrößen. Ist eine Teilbelastung quantifizierbar, wird sie als Belastungsfaktor bezeichnet.

Zu den Belastungsgrößen zählen Umgebungseinflüsse (Schall, Klima, Schadstoffe), die physischen und psychischen Anforderungen der Arbeit sowie die Arbeitsorganisation und die Arbeitszeit. Psychische Belastungen beruhen unter anderem auf den sozialen Beziehungen im Betrieb (Vorgesetzte, Betriebsklima).‘[4]

2.1.2 psychische Belastung

Auch zur psychischen Belastung hat man sich auf eine einheitliche Norm geeinigt, die DIN EN ISO 10075-1(1a) Ergonomische Grundlagen bezüglich psychischer Arbeitsbelastung:

‚Psychische Beanspruchung ist die unmittelbare (nicht langfristige) Auswirkung der psychischen Belastung im Individuum in Abhängigkeit von seinen jeweiligen überdauernden und augenblicklichen Voraussetzungen, einschließlich der individuellen Bewältigungsstrategien.‘[5]

Die BGW beschreibt dies in Bezug auf diese Norm als

‚die Gesamtheit aller erfassbaren Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und psychisch auf ihn einwirken.‘

Damit sind laut BGW alle Faktoren gemeint, welche in der Arbeit auf die einzelne Person einwirken. Hier wird nicht zwischen positivem und negativem Einfluss unterschieden, d.h. diese Belastungsfaktoren können positiv anregend, herausfordernd und motivierend wirken, aber auch negative Auswirkungen zeigen, dies steht in Abhängigkeit mit der jeweils betroffenen Person sowie den Umständen.

Des Weiteren unterteilt die BGW die Faktoren, welche in Zusammenhang mit psychischer Belastung in der Arbeit eine Rolle spielen, in 5 Kategorien:

- Arbeitsumgebung (Lärm, Licht, verfügbare Arbeitsmittel u.a.)
- Arbeitsorganisation und -ablauf (Zeitkorridore, Dienstplan, Handlungsspielraum u.a.)
- Arbeitsinhalte- und aufgaben (Verantwortlichkeiten, Konfrontation mit Gewalt und Aggression, Über- oder Unterforderung u.a.)
- Soziale Faktoren (Kommunikation, Führungsverhalten, Umgang mit Konflikten u.a.)
- Arbeitsformen (befristete Arbeitsverträge, ständige Erreichbarkeit u.a.)[6]

2.2 Fort- und Weiterbildungen, Fachweiterbildungen

2.2.1 Fortbildung

In Bezug auf die berufliche Fortbildung findet sich folgende Definition:

Berufsbildungsgesetz §1

(4) Die berufliche Fortbildung soll es ermöglichen, die berufliche Handlungsfähigkeit zu erhalten und anzupassen oder zu erweitern und beruflich aufzusteigen.[7]

Hieraus ergibt sich, dass eine Fortbildung darauf abzielt, bereits vorhandenes Wissen zu erhalten und aufzufrischen, an einen neuen Wissensstand anzupassen, zu erweitern oder für einen beruflichen Aufstieg zu qualifizieren.

Bezogen auf Fortbildungen von Pflegekräften unter Einbezug auch außerberuflicher Fortbildungen findet sich im pflegewiki folgendes Zitat:

‚Fortbildung dient dazu, die durch Ausbildung bzw. berufliche Tätigkeit erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten zu erhalten und zu erweitern. Gerade im Gesundheitswesen sind Fortbildungen aufgrund neuer Erkenntnisse in Medizin, und auch der jungen Pflegeforschung, sehr wichtig. Durch Fortbildungen werden keine neuen Abschlüsse erworben, es wird meist nur erfolgreiche Teilnahme bescheinigt.‘ (……)

(……) ‚Fortbildungen sind meistens ergänzende Bildungsmaßnahmen im beruflichen oder allgemeinbildenden Bereich, für die zunächst jede Pflegende selbst verantwortlich ist. Sie sollen (auch/vorrangig) den Erhalt der Qualifikation durch Anpassung an berufliche Neuerungen sichern. Einige Fortbildungen zielen auf bessere Interaktion und Kooperation in der Arbeitseinheit oder im Therapeutischen Team.‘[8]

2.2.2 Weiterbildung

Zum Begriff Weiterbildung finden sich unterschiedliche Beschreibungen. In den meisten der recherchierten Internetportale wurde auf die Definition des Deutschen Bildungsrates 1970 hingewiesen, so auch beim bibb (Bundesinstitut für berufliche Bildung):

Definition von Weiterbildung (Deutscher Bildungsrat 1970)

- Fortsetzung oder Wiederaufnahme organisierten Lernens
- Nach dem Ende einer ersten Bildungsphase und Aufnahme einer Erwerbstätigkeit
- Umfasst: berufliche Weiterbildung, allgemeine Weiterbildung, Erweiterung der Grundbildung, politische Bildung
- Umfasst nicht: Anlernen oder Einarbeiten am Arbeitsplatz[9]

Auf der Webseite des Bundesministeriums für Bildung und Forschung wird beschrieben, dass die Weiterbildung sowohl berufliche Maßnahmen wie Lehrgänge, Meisterschulungen, Umschulungen wie auch das Erlangen eines höheren Bildungsabschlusses oder aber freizeitorientierte Kurse wie z.B. Sprachkurse zu zählen sind. Hier wird ein Zusammenhang zwischen allgemeinbildender Weiterbildungen wie Weiterbildungen in Medienkompetenz oder zur Teamfähigkeit auch ein Bezug zur beruflichen Qualifizierung hergestellt, es wird auf sogenannte ‚Schlüsselkompetenzen‘ hingewiesen, welche auch für die Arbeit wichtig sind.[10]

2.2.3 Fachweiterbildung

Eine Definition zum Begriff Fachweiterbildung konnte nicht gefunden werden. Am ehesten zutreffend wird folgende Beschreibung zur Fachweiterbildung, hier berufliche Weiterbildung genannt, erachtet:

Berufliche Weiterbildung dient einerseits dem Ziel, aufbauend auf der Ausbildung, einer Erwerbsperson neue Qualifikationen zu vermitteln oder alte zu erhalten und aufzufrischen, um so nachhaltig die Beschäftigungschancen sicherzustellen und ein selbständiges Agieren auf dem Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Andererseits zielt sie auf die Sicherstellung des qualitativen und quantitativen Arbeitskräftebedarfs der Betriebe oder der gesamten Volkswirtschaft. Das Lernen in der beruflichen Weiterbildung kann entweder formal in Weiterbildungseinrichtungen, nicht-formal, etwa am Arbeitsplatz, oder informell (Alltags- und Erfahrungslernen) erfolgen.[11]

Hier zeigt sich deutlich eine inhaltliche Vermischung beruflicher Fortbildung und beruflicher Weiterbildung. In der Fortsetzung dieser Facharbeit bezieht sich die Beschreibung der Fachweiterbildung auf den Erwerb neuer Kenntnisse und Fertigkeiten sowie den Ausbau von Kompetenzen, welche im Rahmen von Fortbildungen so nicht vermittelt werden können, wie z.B. die Fachweiterbildung zur Fachkraft für Gerontopsychiatrie.

2.3 kognitive Einschränkungen

Um zu verstehen, was kognitive Einschränkungen sind, muss man zuerst wissen, was unter ‚kognitiv‘ zu verstehen ist. Der Begriff selbst stammt aus dem lateinischen ‚cognoscere‘, was man mit ‚zu erkennen‘ übersetzen kann. Die kognitiven Fähigkeiten beschreiben die Fähigkeiten eines Menschen, sich mit seiner Umwelt auseinander zu setzen. Sie umfassen das Wahrnehmen und das Weiterverarbeiten von Signalen aus der Umwelt.[12]

Genauere Aufschlüsselungen zu kognitiven Fähigkeiten beschreiben diese als Fähigkeit der Wahrnehmung, der Aufmerksamkeit, der Erinnerung, des Lernens, des Problemlösens, der Kreativität, des Planens, der Orientierung u.a..[13]

Einschränkungen der kognitiven Fähigkeiten haben somit Auswirkungen auf die Persönlichkeit des Betroffenen. Die Ursachen für kognitive Einschränkungen sind sehr vielfältig und können sich in jedem Entwicklungsstadium des Menschen vom Fötus bis zum alten Menschen manifestieren. Die Auslöser können genetisch, traumatisch, infektiös, durch psychische Erkrankungen, durch Drogen u.a. sein, entsprechend vielseitig sind die hier anzutreffenden Krankheitsbilder.

[...]


[1] ‚ Die gewaltfreie Kommunikation ist ein von Marshall Rosenberg entwickelter Kommunikations- und Konfliktlösungsprozess (…) vgl. www.gfk-info.de/was-ist-gewaltfreie-kommunikation/ , 19.02.2018, 12:23 Uhr

[2] vgl. www.wegweiser-kommune.de/statistik/nettetal+versorgungsluecken-bei-den-pflegekraeften+tabelle 2018.02.19, 12:40 Uhr

[3] https://refa-consulting.de/arbeitsbelastung ,2018.01.14, 13:02 Uhr

[4] http://glossar.item24.com/de/start/view/glossary/ll/de%7Cen/item/arbeitsbelastung/?d=63049 2018.01.14, 13:30 Uhr

[5] Psychische Belastung und Beanspruchung im Berufsleben, baua, Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, 5. Auflage 2010, S.12

[6] vgl. www.bgw-online.de/DE/Arbeitssicherheit-Gesundheitsschutz/Psyche-und-Gesundheit/Hintergrundinfos-psy-Belastung/Hintergrund-psy-Belastung_node.html , 2018.01.15, 10:10 Uhr

[7] Berufsbildungsgesetz (BBiG) , § 1 Ziele und Begriffe der Berufsbildung, vgl. https://www.gesetze-im-internet.de/bbig_2005/__1.html, 2018.01.12, 14:55 Uhr

[8] http://www.pflegewiki.de/wiki/Fort-_und_Weiterbildung, 2018.01.12, 15:15 Uhr

[9] Deutscher Bildungsrat (Hrsg.) (1970): Empfehlungen der Bildungskommission -Strukturplan für das Bildungswesen. Stuttgart 1970 , aus Dr. Friederike Behringer https://www.bibb.de/dokumente/pdf/pr_indikatorentagung_20160422_behringer.pdf 2018.01.13, 12:05 Uhr

[10] vgl. https://www.bmbf.de/de/weiterbildung-71.html, 2018.01.13, 12:25 Uhr

[11] http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/berufliche-weiterbildung.html, I Definition, 2018.01.13, 12:44 Uhr

[12] www.medien.ifi.lmu.de/lehre/ws0506/mmi1/kognitive-faehigkeiten.xhtml 2018.01.15 11:42 Uhr

[13] https://pflegeversicherung-leistungen-im-pflegefall.de/demenz-was-sind-kognitive-stoerungen/ 2018.01.16 11:52 Uhr

Ende der Leseprobe aus 40 Seiten

Details

Titel
Fort- und Weiterbildung als Instrument zur Reduzierung von Arbeitsbelastung bei Pflegekräften in der Pflege von Menschen mit kognitiven Einschränkungen
Veranstaltung
Weiterbildung zur Gerontopsychiatrischen Fachkraft
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
40
Katalognummer
V424156
ISBN (eBook)
9783668697829
ISBN (Buch)
9783668697836
Dateigröße
758 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pflegekräfte, Arbeitsbelastung, kognitive Einschränkungen, Fortbildung, Weiterbildung, psychische Belastung, Demenz, Validation
Arbeit zitieren
Gerda Germes (Autor), 2018, Fort- und Weiterbildung als Instrument zur Reduzierung von Arbeitsbelastung bei Pflegekräften in der Pflege von Menschen mit kognitiven Einschränkungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/424156

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Fort- und Weiterbildung als Instrument zur Reduzierung von Arbeitsbelastung bei Pflegekräften in der Pflege von Menschen mit kognitiven Einschränkungen



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden