Einleitung
Periodenartig steigt und fällt das Interesse, welches Kinderdelinquenz – Kinderkriminalität gibt es ja nicht, da Kinder nicht straffähig sind - gezollt wird. Dabei spielen tatsächliche Entwicklungen und Kriminalitätsstatistiken kaum eine Rolle; wichtiger ist die potentiell mediale Verarbeitung des Stoffes. So stehen immer andere „Problemgruppen“ im Mittelpunkt des Aufmerksamkeit: Ausländerbanden, Neonazis, Kampfhunde oder eben ab und an „Verbrecher-Kids“, „Monster-Kids“ (der Einfallsreichtum der Medien bei der Prägung von Begriffen für delinquente Kinder scheint grenzenlos).
Nicht nur, aber besonders bei Kindern wird häufig übertrieben und sich eine generelle Verwahrlosung der „Terror-Kids“ halluziniert. Wie die Fakten aussehen, ist dabei häufig egal. Doch wie sehen die Fakten aus? Verlässliche Statistiken lassen sich schwer finden. Eine Möglichkeit wäre die polizeiliche Kriminalstatistik (kurz PKS). Diese werde ich nun vorstellen, um zu sehen, ob diese geeignet ist, für eine Bestandsaufnahme der Verfassung der Kinder unserer Gesellschaft.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschichte der PKS
3. Ziele der PKS
4. Kinderdelinquenz
5. Aussagegehalt der PKS bezüglich Kinderdelinquenz
6. Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht den Aussagegehalt der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) in Bezug auf die Kinderdelinquenz. Ziel ist es zu analysieren, inwiefern die Statistik als geeignetes Instrument für eine objektive Bestandsaufnahme dient und ob sie die in der medialen Debatte häufig behauptete Zunahme oder Brutalisierung kindlichen Fehlverhaltens belegen kann.
- Historische Entwicklung und methodische Grundlagen der PKS
- Wesen und Merkmale von Kinderdelinquenz
- Einflussfaktoren auf das Anzeigeverhalten der Bevölkerung
- Analyse der Deliktsstrukturen und Altersverteilung
- Kritische Würdigung der statistischen Aussagekraft
Auszug aus dem Buch
4. Kinderdelinquenz
Wesen- und Strukturmerkmale von Kinderdelinquenz unterscheiden sich logischerweise von der der Erwachsenen – oft sogar grundlegend. So sind Kinder vorrangig in ihrer Freizeit delinquent, in ihren Freiräumen, wo sie unbeobachtet spielen können. Oft haben Kinder einen völlig anderen Zugang zu ihren Taten und sind sich häufig der Tragweite ihres Tuns nicht bewusst. Worte wie „Klauen“, „Mopsen“ „Kokeln, „Stibitzen“, verniedlichen Straftaten und veranschaulichen zu gleich, die eher spielerische Komponente dieser Straftaten, die dann nicht als solche wahrgenommen werden. Oft resultieren diese Verfehlungen aus Übermut, Abenteuerlust und Ausgelassenheit. Häufig begehen Kinder auch aus reiner Langeweile verbotene Dinge, in der Hoffnung, etwas „Kick“ möge ihnen Abwechslung verschaffen. Kinderdelinquenz kann daher als normales kindliches Verhalten angesehen werden, welches mehr aus „Versehen“ als mit böser Absicht die Grenzen strafbaren Verhaltens überschreitet.
Oft werden Straftaten auch aus Gruppen heraus begangen; der sogenannte Gruppenzwang – also verschiedene gruppendynamische Prozesse – ist häufig bei Kindern viel stärker ausgeprägt als bei Erwachsenen, so dass Einzelne sich mehr oder weniger aus „Loyalität“ gegenüber der Gruppe zu Straftaten hinreißen lassen können, statt von ihrem eigenen – noch nicht ausgeprägten – Verantwortungsbewusstsein Gebrauch zu machen.
Kinderkriminalität bewegt sich vorrangig im Bagatelldeliktbereich wie Ladendiebstahl, Fahrraddiebstahl, Sachbeschädigung und leichten Körperverletzungsdelikten; also Taten bei denen keine Gewaltmotivationen entdeckt werden kann. Typisch ist auch Brandstiftung, durch „Kokelei“, die jedoch auch größeren Sachschaden verursachen kann (vgl. Tab. 1).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die mediale Wahrnehmung von Kinderdelinquenz und stellt die Forschungsfrage, ob die PKS eine verlässliche Grundlage zur Bestandsaufnahme kindlichen Verhaltens bietet.
2. Geschichte der PKS: Dieses Kapitel zeichnet die historische Genese der Polizeilichen Kriminalstatistik von den Anfängen bis zur modernen EDV-gestützten Erfassung nach.
3. Ziele der PKS: Hier werden die Aufgaben und die Intention der PKS erläutert, wobei gleichzeitig die Grenzen der Statistik, wie der Ausschluss bestimmter Deliktsarten, aufgezeigt werden.
4. Kinderdelinquenz: Das Kapitel definiert die Besonderheiten kindlichen Fehlverhaltens, das oft durch spielerische Motive und Gruppendynamik geprägt ist.
5. Aussagegehalt der PKS bezüglich Kinderdelinquenz: Es wird kritisch geprüft, inwieweit das Anzeigeverhalten der Bevölkerung und polizeiliche Erfassungsmethoden die statistischen Daten beeinflussen und verzerren.
6. Zusammenfassung: Das abschließende Fazit resümiert, dass die PKS nur begrenzt aussagekräftig ist und vor einer Stigmatisierung von Kindern gewarnt werden sollte.
Schlüsselwörter
Polizeiliche Kriminalstatistik, PKS, Kinderdelinquenz, Kinderkriminalität, Bagatelldelikte, Tatverdächtige, Anzeigeverhalten, Deliktarten, Jugendkriminalität, Statistik, Kriminalitätsentwicklung, Bundeskriminalamt, Gruppenzwang, Bestandsaufnahme, Deliktsstruktur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Eignung der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) zur Erfassung und Bewertung von Kinderdelinquenz in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Methodik der Datenerfassung, die Definition und Eigenheiten kindlichen Fehlverhaltens sowie die kritische Reflexion statistischer Daten vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Debatten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu untersuchen, ob die PKS ein objektives Bild der Kinderkriminalität zeichnet oder ob sie durch externe Faktoren wie das Anzeigeverhalten der Bevölkerung verzerrt wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine kriminologisch-soziologische Analyse auf Basis der PKS-Daten von 2003 sowie einer ergänzenden Expertenstudie durch.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der historischen Entwicklung der PKS, den Merkmalen kindlicher Delikte, der Interpretation von Statistiken und den Einflüssen auf das Anzeigeverhalten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie PKS, Kinderdelinquenz, Bagatelldelikte, Tatverdächtigenbelastungszahlen und Stigmatisierung beschreiben.
Warum sind laut Autor mediale Berichte über Kinderkriminalität oft kritisch zu sehen?
Der Autor argumentiert, dass Medien häufig ein panikartiges Bild von "Verbrecher-Kids" konstruieren, das durch die tatsächlichen statistischen Fakten der PKS nicht gedeckt ist.
Welche Rolle spielt der Ladendiebstahl für die Kinderkriminalität?
Ladendiebstahl wird als mit Abstand häufigstes Delikt bei Kindern identifiziert, das zudem meist als Bagatellfall eingestuft wird und oft aus spielerischen Motiven oder Langeweile entsteht.
Wie bewertet der Autor die Datenlage zu nicht-deutschen Tatverdächtigen?
Die Datenlage wird als schwierig bewertet, da keine verlässlichen Quellen zur Bevölkerungsstruktur existieren und ein Vergleich durch ausländertypische Delikte verzerrt wird, weshalb der Autor von einer detaillierten Auswertung absieht.
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- Christian Uhrheimer (Author), 2005, Die Polizeiliche Kriminalstatistik und Kinderdelinquenz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42426