Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Begriff der Psychopathie und mit den dahinterliegenden Konzepten. Unter dem Begriff der Psychopathie bezeichnete man eine angeborene oder im Laufe des Lebens erworbene Abnormität der Persönlichkeit, die sich durch das Fehlen von Empathie, Missachtung der moralischen Regeln, Affektstörungen und Verantwortungslosigkeit äußert. Allerdings ist der Begriff der Psychopathie in psychiatrischen Fachkreisen nicht unumstritten.
Das Forschungsvorhaben dieser Arbeit ist es, die ideengeschichtliche Entwicklung des Begriffs zu untersuchen, um die moderne Auffassung des Konzepts der Psychopathie besser zu verstehen. Des Weiteren wird auf einige gesellschaftliche Aspekte des modernen Begriffs der Psychopathie eingegangen und untersucht, welchen gesellschaftlichen Gruppen die Betroffenen angehören.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Weg zum modernen Verständnis des Begriffs
2.1 Geschichtliches
2.2 Robert D. Hare und der aktuelle Psychopathie-Begriff
3 Zentrale Formen des modernen Konzeptes der Psychopathie
3.1 Das Konzept der erfolgreichen Psychopathie
3.2 Psychopathische Persönlichkeitsfacetten im Top-Management
4 Resümee
5 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die ideengeschichtliche Entwicklung des Psychopathie-Begriffs, um das moderne Verständnis dieses Konzepts in Abgrenzung zur historischen psychiatrischen Einordnung sowie zur aktuellen klinischen Diagnostik besser zu verstehen.
- Ideengeschichtliche Entwicklung von der Antike bis heute
- Wissenschaftliche Fundierung durch Robert D. Hare und die Psychopathy-Checklist (PCL-R)
- Differenzierung zwischen klassischer psychiatrischer Diagnose und forensischem Konzept
- Phänomen der sogenannten erfolgreichen Psychopathie
- Manifestation psychopathischer Persönlichkeitsfacetten in Führungspositionen
Auszug aus dem Buch
3.2 Psychopathische Persönlichkeitsfacetten im Top-Management
Stellen Sie sich diesen Chef vor: Er hat eine perverse Begierde, andere runterzumachen. Seine Wutanfälle sind legendär. Aussagen wie „Du A*, du machst alles falsch“ kommen stündlich vor. Empathie fehlt ihm zur Gänze. Mit Charme wickelt er Leute ein, wenn es für ihn opportun ist. Er ignoriert die Realität und beansprucht für sich, jemand besonderes zu sein. Moral zählt nicht. Skrupellos betrügt er seinen besten Freund. Gleichzeitig ist er höchst charismatisch. Nach einer Insead-Studie ist dieser Mann der erfolgreichste Manager aller Zeiten: Steve Jobs. (Steyrer 2014; zitiert nachSchütte & Blickle, 2016)
Wenn man das Bedenken über die Zuverlässigkeit der Quelle und die Zweifel an der Loyalität des verfassenden Mitarbeiters beiseite lässt, könnte dieses eindrucksvolle Zitat sehr gut die Kernmerkmale der psychopathischen Charakterzüge illustrieren, die laut Babiak and Hare (2006) in den höheren Führungsetagen zu finden sind. Diese sind Kriterien aus dem PCL-R: 1) trickreicher, sprachgewandter Blender mit oberflächlichem Charme 2) erheblich übersteigertes Selbstwertgefühl 3) betrügerisches, manipulatives Verhalten 4) Mangel an Gewissensbissen oder Schuldgefühlen 5) Gefühlskälte, Mangel an Empathie (Hare 1990; zitiert nach Dulz et al., 2016).
Laut aktuellen Studien unterscheidet sich die Persönlichkeit von Top-Managern signifikant von Persönlichkeiten der Normalbevölkerung. Zweifellos müssen hochrangige Entscheidungsträger Charaktereigenschaften besitzen, die für ihre Karriere und ihren Management-Erfolg förderlich sind – Zielstrebigkeit, konsequentes Vorgehen, Selbstwertgefühl, letztendlich auch manipulative Charakterzüge, wenn man an Durchsetzungs- und Überzeugungsqualitäten denkt. Die Führungskräfte sind aber die am stärksten gefährdete Gruppe, bei der Spitzenqualitäten schnell in dysfunktionale Verhaltensweisen umschlagen können (Hossiep & Ringelband, 2014).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Begriffsdefinition ein und skizziert das Forschungsvorhaben, die ideengeschichtliche Entwicklung von Psychopathie zu beleuchten.
2 Der Weg zum modernen Verständnis des Begriffs: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung des Begriffs von der Antike bis zur Etablierung moderner forensischer Konzepte durch Robert D. Hare nach.
3 Zentrale Formen des modernen Konzeptes der Psychopathie: Hier werden die Anwendungsbereiche des modernen Psychopathie-Begriffs analysiert, insbesondere mit Fokus auf das Phänomen der erfolgreichen Psychopathie in der Wirtschaft.
4 Resümee: Das Resümee fasst zusammen, dass das moderne Konzept der Psychopathie als Schnittmenge verschiedener Persönlichkeitsstörungen zu verstehen ist und kritisch gegenüber einer rein medizinischen Kategorisierung moralischer Abweichungen steht.
5 Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Fachliteratur und Quellen für die vorliegende Studienarbeit.
Schlüsselwörter
Psychopathie, Psychopathy, Persönlichkeitsstörung, Robert D. Hare, PCL-R, Forensik, Erfolgreiche Psychopathie, Management, Führungskräfte, Antisoziale Persönlichkeitsstörung, Ideengeschichte, Diagnostik, Empathiemangel, Manipulation, Sozial adaptierte Psychopathie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Studienarbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Wandel des Begriffs Psychopathie von seinen historischen Anfängen bis hin zur modernen, primär forensisch geprägten Konzeption durch Forscher wie Robert D. Hare.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung des Begriffs, die diagnostische Erfassung durch die PCL-R sowie die Ausprägungen von Psychopathie in nicht-kriminellen Kontexten, etwa im Top-Management.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die ideengeschichtliche Entwicklung des Begriffs zu untersuchen, um die moderne Auffassung und das Konzept der Psychopathie im Vergleich zu klassischen psychiatrischen Diagnosen besser zu verstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und der kritischen Reflexion bestehender wissenschaftlicher Konzepte und Studien zur Psychopathie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst historische Entwicklungslinien und das Modell von Robert D. Hare erläutert, gefolgt von einer Untersuchung des Konzepts der „erfolgreichen Psychopathie“ bei Führungskräften.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Psychopathie, PCL-R, Management-Führungskräfte, forensische Diagnostik und ideengeschichtliche Entwicklung charakterisiert.
Warum wird Psychopathie heute oft mit dem englischen Begriff „Psychopathy“ bezeichnet?
Der Anglizismus wird verwendet, da das moderne Konzept, geprägt durch die US-amerikanische und kanadische Forschung, sich von der klassischen, teils stigmatisierten deutschen psychiatrischen Diagnose abgrenzt und stärker auf ein klinisches Konzept fokussiert.
Was ist mit dem Konzept der „erfolgreichen Psychopathie“ gemeint?
Dieser Begriff beschreibt Personen, die diagnostische Kriterien für Psychopathie erfüllen, jedoch sozial unauffällig oder sogar beruflich hochgradig erfolgreich sind, statt zwangsläufig kriminell zu werden.
Welche Rolle spielen Führungskräfte in dieser Untersuchung?
Führungskräfte werden als besonders gefährdete Gruppe identifiziert, bei denen psychopatische Charakterzüge wie Zielstrebigkeit oder Charisma vorteilhaft für den Karriereerfolg sein können, aber ein Risiko für dysfunktionales Verhalten bergen.
- Citation du texte
- Elena Stegemeyer-Senst (Auteur), 2018, Psychopathie. Ideengeschichtliche Entwicklung des Begriffs und die moderne Konzeption, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/424282